Illustration der Zugänglichmachung von Wissen

Mit 7 Tipps zu barrierearmen Powerpointfolien

Für viele Menschen ist es schwierig oder gar nicht möglich, Inhalte von Dokumenten gut zu erkennen. Ein Grund können unterschiedliche Beeinträchtigungen des Auges sein (bspw. Farbenblindheit). Oftmals fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Barrierefreiheit“. Letztere bedeutet, dass u. a. Gegenstände oder Medien so gestaltet sind, dass sie von allen Menschen unabhängig von einer Behinderung ohne Einschränkungen genutzt werden können. Zum Teil wird anstelle von „barrierefreien“ Inhalten auch von „barrierearmen“ Inhalten gesprochen. Fortan wird letzterer Begriff auch in diesem Beitrag überwiegend verwendet, da trotz aller Bemühungen meist nicht alle Hindernisse behoben werden können.

Gedacht wird beim Thema Barrierearmut nicht selten zunächst an technische Möglichkeiten bei der Umsetzung bzw. Nutzung von Webseiten. Hier spielen Kontraste, Schriftgrößen oder Optionen für Screenreader eine Rolle. Vergessen wird dabei häufig, dass dieses Thema auch viele weitere Inhalte und Kommunikationsmittel im Alltag abseits von Webseiten betrifft. Ob E-Mails, Tools zur Online-Kommunikation oder Präsentationen: Mit wenigen kleinen Maßnahmen lassen sich auch diese Inhalte ohne großen Aufwand verständlicher gestalten. Nachfolgend soll dies am Beispiel von Powerpointfolien mit Hilfe von sieben Tipps verdeutlicht werden.

Illustration der Zugänglichmachung von Wissen
Auch Powerpoint-Folien können von Barrieren befreit werden (Abbildung: „Accessible Knowledge“ von Kati Szilágyi for Wikimedia Deutschland e.V., Lizenz: CC-BY-SA-4.0)

Powerpoint dient in diesem Beitrag als Beispiel, da sich das Programm als Präsentationssoftware durchgesetzt hat und selbst abseits von Lehr-Lernkontexten in Hochschulen und Schulen nahezu überall eingesetzt wird. Zudem hat Powerpoint je nach Version bereits einige nützliche Funktionen eingebaut, die bei der barrierearmen Gestaltung unterstützen. Die Umsetzung ist nicht schwer und bietet auch für Personen ohne Beeinträchtigung durchaus einen Mehrwert. Viele der sieben Tipps für die Erstellung zugänglicherer Powerpoint-Inhalte lassen sich auch auf andere Programme übertragen.

Tipp 1: Eine „barrierefreie“ Designvorlage von PowerPoint verwenden

Bei PowerPoint kann gezielt nach „barrierefreien“ Foliendesigns gesucht werden (Datei > Neu > „barrierefrei“ eintippen > das Design, das gefällt auswählen). Es gibt viele verschiedene Designvorlagen zu vielen verschiedenen Themen. Außerdem hat man so bereits eine gute Grundlage und kann das entsprechende Foliendesign mit ein paar Mausklicks schnell und ohne großen Aufwand verwenden. Hier sind viele der Tipps bereits beherzigt und es hilft bei der Erstellung.

In Powerpoint lassen sich „barrierefreie“ Folienvorlagen suchen (Screenshot nicht unter freier Lizenz)

Tipp 2: Lesereihenfolge manuell festlegen und überprüfen

Häufig wird die Lesereihenfolge vom Programm automatisch so festgelegt, wie die Objekte auf einer Seite angelegt wurden. Dies macht nicht unbedingt immer Sinn, wenn die entsprechenden Folien von einem Bildschirmleseprogramm vorgelesen werden.

Besser ist es, die fertigen Folien noch einmal auf die korrekte Lesereihenfolge zu überprüfen und ggf. die Reihenfolge der Objekte anzupassen. Dann kann das Leseprogramm die Seite von oben nach unten in korrekter Logik so vorlesen, wie es auch sehende Personen lesen würden. Einer möglichen Verwirrung wird somit vorgebeugt.

Lesereihenfolge in Powerpoint
In Powerpoint lässt sich die Lesereihenfolge überprüfen (Screenshot nicht unter freier Lizenz)

Um die Lesereihenfolge überprüfen zu können, öffnet man bei der 365-Version von Office den Reiter „Überprüfen“ und wählt dort die Barrierefreiheitsprüfung aus. Dort lässt sich der Punkt „Lesereihenfolgebereich“ auswählen und man bekommt an der rechten Seite die Reihenfolge angezeigt, in der jede Folie gelesen werden würde. Dort lässt sich die Reihenfolge auch sehr leicht ändern.

Hierbei kann vor allem auch helfen, das vorgegebene Titelfeld der Folien als solches zu nutzen und kein eigenes Eingabefeld einzufügen. Wenn das Feld als Titelfeld definiert ist, kann es sehbeeinträchtigen Personen bei der Navigation durch die Präsentation helfen, da es als Orientierung durch den Foliensatz dient.

Microsoft-Hilfe: Lesereihenfolge festlegen

Tipp 3: Bilder mit aussagekräftiger Bildunterschrift und Alternativtext

Wenn in Präsentationen verwendete Bilder nicht erkannt werden können, ist es schwierig, die Aussagekraft dahinter zu beurteilen. Deshalb sollten Abbildungen möglichst mit einem prägnanten Alternativtext belegt werden, um sehbeeinträchtigte Menschen bzw. Personen mit Leseprogramm die Möglichkeit zu geben, diese im Kopf visualisieren zu können. Eine kurze Beschreibung des Bildes, seiner Absicht und das, was an dem Bild wichtig ist, reicht hier bereits aus.

  • Beim Einfügen eines Alternativtextes gibt es auch die Möglichkeit, einen Titel einzufügen. Diese Möglichkeit sollte nur genutzt werden, wenn der eingefügte Alternativtext sehr lang ist. Außerdem sollte darauf verzichtet werden, hier den identischen Text einzufügen, der als Alternativtext bereits verwendet wurde. Wenn Titel und Alternativtext denselben Text enthalten, wird dieser doppelt vorgelesen, ohne seine Aussagekraft zu vergrößern.
  • Ab der Officeversion von 2019 können Bilder auch als „Dekoration“ gekennzeichnet werden. Dies sollte man tun, wenn die eingefügten Abbildungen lediglich der visuellen Gestaltung dienen. Personen mit Bildschirmleseprogrammen wird somit signalisiert, dass keine wichtigen Informationen fehlen. Hierzu öffnet man den Reiter „Überprüfen“ und das Feld „Barrierefreiheitsprüfung“. Dort kann man den Punkt „Alternativtext“ auswählen. Sollte ein genutztes Foto keinen inhaltlichen Kontext haben, gibt es hier auch die Möglichkeit, das Kästchen mit „Als dekorativ markieren“ auszuwählen. So wird das Bild vom Leseprogramm ignoriert.
Bild als dekoratives Element markieren
In Office 2019 und neueren Versionen lassen sich Abbildungen als dekorative Elemente markieren (Screenshot nicht unter freier Lizenz)

Leseprogramme können häufig auch Linklisten durchsuchen. Hier ist es hilfreich, wenn die einzelnen Links zusätzlich mit einer „QuickInfo“ belegt sind. Dies sind kleine Fenster, in denen ein beschreibender Text angezeigt wird, sobald mit dem Mauszeiger auf einen Link gezeigt wird. So kann eingeschätzt werden, was sich hinter den einzelnen Links verbirgt, ohne jeden einzeln anklicken zu müssen. Der Hyperlink alleine ist in den wenigsten Fällen aussagekräftig und trifft keine Aussage über den Inhalt der Webseite.

Um eine QuickInfo für einen Link zu hinterlegen, wählt man den Link aus, macht einen Rechtsklick mit der Maus und wählt „Link bearbeiten“. Es öffnet sich ein Feld und man hat oben Rechts die Möglichkeit, eine QuickInfo zu hinterlegen. Diese wird dann ebenfalls angezeigt, wenn man mit der Maus über den entsprechenden Link fährt. Hier ist es ebenfalls sinnvoll, einen möglichst prägnanten Text einzugeben.

Tipp 4: Neben Farben weitere Möglichkeiten für inhaltliche Bewertung nutzen

Von einigen Menschen können gewisse Farben oder Farbkontraste nicht richtig erkannt werden und es fällt ihnen u. a. schwer, in einzelnen Diagrammen die Torten- oder Balken-Formen zu unterscheiden. Hilfreich ist es hier, diesen Formen neben unterschiedlichen Farben auch unterschiedliche Muster zuzuordnen. Hilfreich ist dies auch, wenn man sich die Folien später bspw. in schwarz-weiß ausdrucken möchte und aufgrund der fehlenden Farben eine andere Möglichkeit der Unterscheidung benötigt.

  • Um zu überprüfen, ob die Folien auch für farbenblinde Menschen identifizierbar sind, kann in Powerpoint unter „Ansicht – Graustufe“ das gesamte Design auf Graustufen umgestellt werden – so lässt sich leicht prüfen, ob einzelne Aspekte noch unterscheidbar sind. Wie in dem angefügten Beispiel lassen sich die Balken farblich nicht länger unterscheiden.
  • Balkendiagramm mit Farben
  • Balkendiagramm in Grautönen

Tipp 5: Farbkontrast und Schriftart

PowerPoint-Folien sollten generell nicht mit zu viel Text gestaltet werden. Dies ist auch bei barrierearmen Folien wichtig. Zudem ist für gute Lesbarkeit der beste Weg, einen Schriftgrad von 18 pt. (oder größer) und eine serifenlose Schriftart wie Arial oder Calibri zu verwenden. Serifenlos bedeutet hier, dass möglichst wenig Schnörkel an den einzelnen Buchstaben vorhanden ist. So können die Folien auch in den hinteren Reihen und gerade von Personen mit Sehbeeinträchtigung möglichst gut gesehen werden. Auch bei Text sollte darauf geachtet werden, dass wichtige Informationen nicht ausschließlich durch Farbe, sondern möglicherweise zusätzlich durch Unterstreichungen gekennzeichnet werden sollten.

Zudem sollte auf die entsprechenden Farbkontraste zwischen Text und Hintergrund geachtet werden.

Beispielsweise:

… weiße Schrift auf möglichst dunklem Hintergrund

…alternativ: schwarze Schrift auf weißem oder sehr hellem Hintergrund

Hier hilft die Regel: je geringer der Kontrast, umso schwieriger ist es, den Text zu entziffern und zu lesen. Je höher der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund, desto besser ist die Schrift am Ende lesbar. An dieser Stelle können die Designvorschläge von PowerPoint unterstützen. Dort sind häufig schon entsprechende Kontraste eingestellt.

Tipp 6: Gendern – ein Problem

Von vielen Leseprogrammen wird das Gendersternchen wie auch der Doppelpunkt als solches wörtlich ausgesprochen.

Beispiel:

  • (Dozent – Sternchen – innen).

Dies stört natürlich das Zuhören und ist nicht förderlich für das Verstehen des Vorgelesenen. Die TUHH und auch der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. empfehlen, das Gendersternchen zu nutzen, da dies die meist verwendete Form ist und somit möglicherweise im Leseprogramm zum Vorlesen ausgestellt werden kann. Zudem bildet das Gendersternchen insgesamt die größte Geschlechtervielfalt ab. Generell ist eine erstrebenswerte Lösung, möglichst Wörter zu finden, die ohne Genderstern oder Doppelpunkt auskommen und hierbei zeitgleich kein Geschlecht ausschließen („Unternehmen“ statt „Arbeitgeber“ – „Studierenden“ statt „Studenten“). Hier kann möglicherweise auch ein Wörterbuch zur genderneutralen Sprache Abhilfe schaffen, wenn kein geeignetes Wort einfallen möchte.

Tipp 7: „Barrierefreiheitsprüfung“ von Microsoft

Ein letztes Mittel, um sicher zu sein, dass die erstellten Folien möglichst barrierearm sind, ist die „Barrierefreiheitsprüfung“ von Microsoft. Die Folien werden hier noch einmal abschließend auf Barrieren überprüft. Zudem werden Schwachstellen, die einem möglicherweise im Vorfeld nicht aufgefallen sind, noch einmal aufgelistet. So bietet sich hier dann die Möglichkeit, diese noch einmal zu ändern, wenn das Verständnis der Folien dies zulässt. In der Version von 2016 kann man die Barrierefreiheitsprüfung am einfachsten oben in die Suchleiste eingeben, um die einzelnen Folien prüfen zu lassen.

In neueren Versionen ist die Barrierefreiheitsprüfung über den Reiter „Überprüfen“ und dann „Barrierefreiheitsprüfung“ zu finden. Es öffnet sich an der rechten Seite eine Spalte, in der angezeigt wird, wenn etwas nicht barrierearm sein sollte. Microsoft gibt zudem auch gleich Änderungsvorschläge vor, um die Hürden möglichst schnell korrigieren zu können, wenn man den kleinen Pfeil öffnet, der neben den einzelnen Objekten zu sehen ist.

Ergebnis Barriereueberpruefung
Die Ergebnisse der Überprüfung von Barrieren werden in Powerpoint am rechten Bildschirmrand angezeigt (Screenshot nicht unter freier Lizenz)

Sollte noch mehr Hilfe nötig sein, kann man auf der Microsoft-Hilfe-Seite die Barrierefreiheitsprüfung aktivieren.

Habt Ihr weitere Tipps, Anregungen oder Informationen zu barrierearmen Materialien? Teilt diese doch gerne über die Kommentarfunktion.


Über die Autorin:

Frauke Wienert arbeitet seit September 2022 als Bibliothekarin in der Abteilung der Medienbearbeitung der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Hamburg. Sie hat Bibliotheks- und Informationsmanagement an der HAW Hamburg studiert und währenddessen unter anderem für die Helmut-Schmidt-Universität sowie für das Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen der Uni Hamburg gearbeitet. Hier hat sie bereits Workshopmaterialien zum Thema „Barrierefreiheit“ zusammengestellt.


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Mit 7 Tipps zu barrierearmen Powerpointfolien von Frauke Wienert, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
Schriftzug Monatsnotiz auf hellem minten Hintergrund

Monatsnotiz für die Monate Juni, Juli, August und September 2022

Selbst in Hamburg war es diesen Sommer für meinen Geschmack an vielen Tagen einfach zu warm und trocken. Immerhin: In kühleren Räumen blieb somit genug Zeit für die Arbeit 😉 Zu berichten gibt es in dieser Notiz nun zum Herbstanfang u. a. etwas zu folgenden Themen:

Wissenschaftliches Arbeiten

Der letzte Termin unseres Bachelorseminars „Wissenschaftliches Arbeiten“ im Sommersemester 2022 fand am 12. Juli statt. In den letzten Veranstaltungswochen ging es überwiegend um das eigentliche Schreiben wissenschaftlicher Texte und den damit verbundenen Herausforderungen, nachdem zuvor wie gewohnt Recherche, Literaturverwaltung, Zitieren und Lesen Themen waren. Neben theoretischen Inputs ist es in meinen Augen vor allem wichtig, dass die Studierenden Raum haben, um mehr über die eigenen Gewohnheiten, Stärken und Schwächen (die wir alle haben) beim Schreiben von Texten herauszufinden. Neben dem gemeinsamen Austausch (Wie lief es bspw. bisher im Rahmen des Semesters bei der Hausarbeit oder auch anderen Schreibprojekten), theoretischen Inputs (bspw. Kennzeichen wissenschaftlicher Texte) und interaktiveren Lehr-Lernmaterialien wie dem Fragebogen zu Schreibgewohnheiten ist für mich vor allem immer spannend, welche Wege aus problematischeren Phasen wie der Schreibblockade eingeschlagen werden. Während ich nach wie vor (aber auch nicht immer) ganz gut mit kleineren Tools wie Typedrummer oder Ortswechseln vorankomme (weitere Ideen finden sich in 7 individuelle Tipps gegen Schreibblockaden), ist für andere zum Beispiel das Borgen eines Anfangs oder die Sprachaufnahme ein Weg vorbei an der Angst vor dem leeren Blatt. Dies war für mich auch ein Anlass, um mal wieder selbst Sprachaufnahmen auszuprobieren. Hier neige ich dann aber im Anschluss „leider“ immer noch dazu, viele potenziell passende digitale Werkzeuge für die Transkription auszuprobieren, was mich Unmengen an Zeit kostet. Die „Umwandlung“ bei vielen Programmen sorgt aber wenigstens des öfteren für wirklich kuriose Ergebnisse. Auch schön 🙂

Mit Ende des Seminars standen auch im vergangenen Sommersemester die Abgaben der wissenschaftlichen Hausarbeiten an, die von meinem Kollegen Detlev Bieler und mir dann mit einem Feedback versehen wurden, bevor für uns bereits heute wieder Vorlesungsstart war. Wie in den vergangenen Jahren versuchen wir auch dieses Semester so gut es geht, Rückmeldungen der Studierenden in der neuen „Ausgabe“ des Seminars zu berücksichtigen.

Nicht nur im Bachelorseminar der TU-Bibliothek spielt das Thema „Wissenschaftliches Arbeiten“ eine Rolle und so hatten mein Kollege Detlev Bieler und ich in den vergangenen Wochen und Monaten auch einige Gespräche mit Kolleg:innen verschiedener TUHH-Institute, um zu schauen, wie einige Basisthemen unseres Seminars zukünftig in andere Veranstaltungen integriert werden können.

Open Access

Auch in den vergangenen Wochen und Monaten hat das Open-Access-Team der TU-Bibliothek die im März 2022 eingeführte offene Open-Access-Sprechstunde an der TUHH angeboten. Am Konzept hat sich bisher nichts geändert. TU-Angehörige haben hier die Möglichkeit, mit ihren Fragen zu OA spontan in unserer virtuellen Runde vorbeizuschauen und sich mit uns auszutauschen. Wer Lust, Interesse und Fragen hat: Immer freitags ab 10:00 Uhr steht das OA-Team per Videokonferenz über Zoom zur Verfügung. Sollte unsere Runde nicht besucht werden, so werden u. a. Entwicklungen rund um Open Access, aktuelle Finanzierungsanfragen oder Workflows im Team besprochen.

Abseits der festen Open-Access-Sprechstunde ist dieses Jahr vor allem die Nachfrage nach kurzen Inputs zu OA-Grundlagen mit anschließendem Austausch gestiegen. Meine Kollegin Isabo Schick und ich waren in verschiedenen Instituten, Arbeitsgruppensitzungen oder auch Studiengängen zu Gast, um einen Einblick in Open-Access-Grundlagen, Publikations- und Förderungsmöglichkeiten zu geben. Für uns ist es hier auch spannend, von Seite der Forscher:innen zu erfahren, welche Bedürfnisse und Fragen rund um Open Access bestehen. Häufiges Thema: Zweitveröffentlichungsrecht.

Die TU-Bibliothek erhält regelmäßig Open-Access-Angebote, die jeweils im Team begutachtet werden. So ging es zuletzt um mögliche Beteiligungen an unterschiedlichen Freikauf-und National-Konsortien oder auch die Möglichkeit, dass normalerweise lizenzpflichtige Titel direkt über den goldenen Open-Access-Weg veröffentlicht werden. Nicht immer fällt die Entscheidung leicht, da in erster Linie das Erwerbungsspektrum der eigenen Einrichtung berücksichtigt und die Bedürfnisse der Forschenden eingeschätzt werden müssen. Im Fall des PLOS-Nationalkonsortiums (Public Library of Science) wurde zur Entscheidungshilfe daher eine anonyme Umfrage aufgesetzt, die sich an die Professor:innen und Oberingenieur:innen der TUHH richtete. So wollten wir zum einen mehr darüber erfahren, ob und warum Forschende PLOS als mögliche Publikationsmöglichkeit betrachten und TU-Angehörigen auch eine einfache Einbringung in die Gestaltung unseres Serviceangebots ermöglichen. Ähnlich sind wir als TU-Bibliothek auch bereits bei der Umfrage zur Literaturverwaltung an der TUHH vorgegangen. Die Ergebnisse der PLOS-Umfrage wurden über das Blogangebot der TU-Bibliothek geteilt.

Mittlerweile sind auch die Vorbereitungen der Open Access Week angelaufen (bzw. nahezu abgeschlossen), die dieses Jahr unter dem Motto „Open for Climate Justice“ steht. Hier sind wir intern und auch institutionsübergreifend gerade mit der finalen Ausgestaltung unseres Programms im Endspurt und ich bin gespannt, welche Ideen und Beiträge es am Ende in welcher Form in die Open Access Week schaffen.

Fachreferat

Bei meiner Arbeit im Fachreferat stand in den vergangenen Wochen und Monaten neben den klassischen Fachreferatstätigkeiten (viele Anschaffungsvorschläge und Fragen zur Recherche von Fachinformationen, Anpassungen bestimmter Webseiten) vor allem Open Access im Vordergrund. Aber auch urheberrechtliche Fragen trudeln nach wie vor häufiger rein und es gibt eigentlich immer in regelmäßigen Abständen Fragen zu Creative-Commons-Lizenzen. Mit Letzteren geben Urheber:innen Interessierten die Möglichkeit, die jeweiligen Inhalte ohne Einholung einer zusätzlichen Erlaubnis unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen zu nutzen. Auch die eine oder andere Nachfrage zur Veröffentlichung in Open Access über den „Grünen Weg“ gab es in den vergangenen Wochen, sodass immer mal wieder auch auf das Zweitveröffentlichungsrecht und SHERPA/RoMEO hingewiesen wird. Über Letzteres lassen sich Informationen über die Lizenzbedingungen vieler Verlage recht übersichtlich abrufen.

Im Verhältnis zu vorherigen Jahren gab es vor allem in den vergangenen zwei bis drei Monaten viele Anfragen zum Thema Literaturverwaltung. Abseits von Log-in-Problemen bei bestimmten Anbietern und Services sind die Ausgangssituationen vielseitig. Von Studienanfänger:innen, die vom Start weg gerne ein Literaturverwaltungsprogramm nutzen möchten und eine Einführung wünschen über Nutzer:innen, die bestimmte Funktionen suchen oder kurz vor Abgabe von Texten das erste Mal ein Literaturverzeichnis erstellen wollen bis hin zu Forschenden, die einen Programmwechsel in Betracht ziehen ist gefühlt alles vertreten. Würde ich heute gefragt werden, ist Literaturverwaltung sicher auch mit eine der Service-Tätigkeiten, die mir am meisten Spaß bereiten, da hier das Ergebnis (meistens) unmittelbar zu sehen ist: Entweder Freude, weil das Programm nun funktioniert wie gewünscht bzw. Deadlines eingehalten werden können. Oder (leider) auch mal zu Recht Frust, wenn ein Programm bzw. Service in bestimmten Zeitfenstern einfach Probleme macht.

Ansonsten stehen bei uns im Fachreferat derzeit neben weiteren To-dos wie der Revision des Lesesaalbestandes, dem Reflektieren unserer Arbeitsziele und -schwerpunkte für das Jahr 2022 und der Aufstellung der Schwerpunkte für das kommende Jahr verschiedene Termine im Oktober an:

  • „Kick-Off WiMis GettIng Started 2022“:
    Doktorand:innen lernen Bereiche und Personen an der Hochschule kennen
  • Hospitationsbesuche von Kolleg:innen der Scientific Library of Riga Technical University (Lettland) im Rahmen einen Erasmus+ Stipendiums:
    Viele Kolleg:innen stellen im Rahmen der Woche Ihre Arbeitsbereiche vor. Ich werde dabei u. a. einen Einblick in das Thema Open Educational Resources (OER) vorbereiten. Gespannt bin ich, was ich zum Thema OER vielleicht von unseren lettischen Kolleg:innen lernen kann.

Eine Frage, die mich durch unsere Lesesaalrevision und die anstehenden Veranstaltungen auch mal wieder umtreibt: Wie kann man auf Bibliotheksbestände inklusive Datenbanken vor Ort attraktiv aufmerksam machen? Wenn jemand Beispiele, Ideen oder lesenswerte Beiträge dazu kennt: Immer gerne her damit 🙂

Sonstiges

In der Bibliothek passiert eigentlich immer viel. Wahrscheinlich werde ich mich also auch nach Veröffentlichung dieser Monatsnotiz wieder „ärgern“, dass ich mir bestimmte Themen nicht aufgeschrieben habe und sie daher nicht im Text gelandet sind. Aber ganz wichtig: Sehr gefreut habe ich mich vor allem über die Verstärkung unseres Bibliotheksteams. Gleich drei Kolleg:innen durchlaufen bzw. durchliefen in den vergangenen Wochen und Monaten das interne Onboarding (Ankommen und Kennenlernen von Kolleg:innen und ihrer Arbeit im Haus) und sind in unterschiedlichen Bereichen der Bibliothek im Einsatz.

Auch toll: Dieses Jahr war ich in die Prüfungsvorbereitung unserer FaMI-Ausbildung eingebunden. FaMI steht für Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste. Da ich diese Ausbildung vor meinem Studium selbst durchlief und vor einigen Jahren nach meiner Ausbildereignungsprüfung (quasi eine Ausbildung der Ausbilder:innen in Hamburg) auch in der Ausbildung tätig war, war es schön, wieder selbst direkt in verschiedene Lernprozesse involviert zu sein. Noch toller: unser Auszubildender hat die Prüfung bestanden. An dieser Stelle nochmal herzlichen Glückwunsch und alles Gute 🙂

Tweets

In meiner letzten Monatsnotiz habe ich einige Tweets festgehalten, die ich aus unterschiedlichen Gründen lesenswert, hilfreich, interessant oder einfach „nur“ unterhaltsam finde. Auch zum Ende dieser Monatsnotiz möchte ich wieder eine kleine Twitter-Linkliste (meistens mit Berufsbezug) teilen:

Damit komme ich zum Ende der Monatsnotiz für die Monate Juli bis September 2022. Bei der Auflistung der Tweets geisterte mir am Ende eine Frage durch den Kopf. Gibt es derzeit Einrichtungen oder Projekte, die sich mit der Archivierung von Tweets auseinandersetzen? Soweit ich mich erinnere, hat die US-Kongressbibliothek vor einigen Jahren zumindest den Plan aufgegeben, alle jemals verschickten Tweets zu archivieren. Kommentare oder E-Mails mit Ergänzungen, Fragen und Anregungen sind wie immer gerne gesehen 🙂 .

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Monatsnotiz für Juni, Juli, August und September 2022 von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Beitragsbild „Monatsnotiz Mint“ von Florian Hagen (Lizenz: CC0/Public Domain). Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
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