Stifte, Heft, Radiergummi auf dem Tisch

„Wenn ich nochmal Ersti wäre …“: 12 Tipps zum Semesterstart

Dein Studium beginnt und du weißt als Ersti gar nicht so genau, was dich erwartet? So ging es mir auch. Und rückblickend gab es einige Dinge, die ich dann doch schon gerne zu Semesterbeginn gewusst hätte. Denn so aufregend der Start ist, er kann auch ziemlich überwältigend sein: Anmeldungswirrwarr durchblicken, Stundenplan organisieren, die richtigen Veranstaltungsräume finden, Kommiliton:innen und Campus kennenlernen. In diesem Beitrag habe ich daher einige Tipps festgehalten, die ich mir geben würde, wenn ich nochmal Ersti wäre:

1. Mache Orientierungsangebote mit und lerne Leute kennen

Ein alter Hut: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Neben einigen Kommiliton:innen, die recht schnell merken, dass das Studium doch nicht ganz das ist, was man sich erwartet hat, wirst du mit vielen der Menschen um dich herum die nächsten Jahre gemeinsam an Themen arbeiten und für Prüfungen lernen. Such dir also eine Gruppe, in der du dich wohlfühlst und dir gemeinsames Lernen vorstellen kannst. In deiner Gruppe sollte auch der eine oder andere Spaß beim alltäglichen Miteinander Platz haben. Kaum woanders wirst du so viele Menschen um dich haben, die ja letztlich wegen ähnlicher Interessen ihr Studium starten. Eine tolle Gelegenheit zum Netzwerken sind neben den Orientierungswochen auch weitere Angebote der Hochschule (Freizeitaktivitäten wie gemeinsamer Hochschulsport, Chor und Theater, aber auch Angebote von Bibliotheken und studentische Initiativen sowie natürlich Unipartys). Gerade in den frustigen Zeiten des Studiums wird dir ein einfacher Plausch „über Gott und die Welt“ wieder neue Motivation gegeben.

  • Tausche dich mit Gleichgesinnten aus
  • Verschaffe dir auf den Uni-Webseiten einen Überblick über Hochschulangebote wie Sport, Kultur und Weiterbildung

2. Bereite deinen Semesterstart vor

Die ersten Tage im Studium prasselt viel auf einen ein. Klar: Stundenpläne und Raumnummern hat man meist in digitaler Form per Smartphone, Tablet oder Laptop dabei. Aber es wird der Tag kommen, an dem dein Akku leer ist, die benötigte Webseite wegen Wartungsarbeiten offline geht, dein Internetprovider spontan seinen Dienst für einige Stunden „pausiert“ oder das Funkloch in Bus und Bahn dir einen Strich durch die Rechnung macht. Druck dir deinen Stundenplan daher am besten aus und erkunde vielleicht auch schon einmal vorher, wo welche Veranstaltung stattfindet. Die Uni kann einem zu Beginn schon wie ein kleines Labyrinth vorkommen, da solltest du dir potentiellen Stress sparen, wo es nur geht.

  • Stunden- und Raumplan als Backup ausdrucken
  • Mache dich mit dem Campus vor Ort oder über den virtuellen Campusplan vertraut

3. Fange früh an dich zu organisieren

In der Uni geht es in vielen Veranstaltungen nach einer kurzen Organisationseinheit recht schnell mit den ersten Inhalten los. Mache dir also schon zu Beginn ein paar Gedanken zu zentralen Ablagemöglichkeiten für Basisinformationen wie wichtige Mailadressen von Ansprechpartner:innen oder Sprechzeiten. Verschaffe dir auch ruhig schon mal einen Überblick über einige gängige Begrifflichkeiten der Hochschule und werfe einen Blick in die Studien- und Prüfungsordnungen. Wichtig sind aber vor allem zwei Punkte: Deadlines und Dokumentablage.

3.1 Notiere jede Deadline

Habe stets wichtige Termine im Auge. Wann auch immer also eine Deadline in Veranstaltungen genannt wird, schreib sie direkt auf! Verlass dich nicht alleine auf Messenger-Gruppen (hier kriegst du oft was mit, nicht selten ist es bei Terminen aber schon fast zu spät) und pflege von Beginn an deinen Kalender mit Abgabeterminen, Anmeldefristen und sonstigen Daten.

3.2 Organisiere deine Unterlagen und setzte dich am besten direkt mit Literaturverwaltung auseinander

Sorge auch rechtzeitig für einen guten Überblick über deine Unterlagen, egal ob digital oder analog. Lege dir eine kleine Ordnerorganisation zurecht, um auch in Situationen, wo dir gefühlt alles über den Kopf wächst, zu wissen, wo was zu finden ist. Wichtige Mailadressen können hier genauso landen wie Informationen zu Sprechzeiten, die schnell griffbereit sein sollten. Fang am besten auch gar nicht erst an Zettel über Tage und Wochen ungeordnet in der Tasche mit dir rumzuschleppen oder in irgendwelchen Papierstapeln querbeet zu „verstecken“. Sich aufzuraffen, hier nachträglich Ordnung reinzubringen, ist kein Spaß. Im Einzelfall ist das aber durchaus ok und normal. Damit sorgst du auch dafür, dass du dich nicht zu schnell gestresst fühlst. Eigentlich ist das erste Semester ein guter Zeitpunkt, sich auch direkt mit dem Thema Literaturverwaltung vertraut zu machen. So sparst du dir den Aufwand der Einarbeitung später, wenn die ersten Hausarbeiten oder gar die Abschlussarbeit ansteht. Wenn du gar keine Lust hast, erste Praxiserfahrungen mit der Verwaltung von Fachliteratur zu sammeln, kannst du dir zunächst auch ein paar Projekte anlegen, in denen du Kochrezepte für das Unileben oder Informationen zu Hobbys strukturiert ablegst. Sortieren könntest du deine Dokumentablage zunächst beispielsweise nach Semestern (damit kannst du aber auch später anfangen). Innerhalb des Semesters sortierst du nach dem jeweiligen Kurs und innerhalb des jeweiligen Kurses eventuell nach „Vorlesungsfolien“, „Aufgaben“ und „Abgaben“.

  • Ein Kurztutorial zur Literaturverwaltung mit Zotero gibt es hier
  • Wenn du statt To-do-Listen eine Art Projektorganisation (gut nutzbar für umfassendere Arbeiten) ausprobieren willst, gibt es hier eine Anleitung zu GanttProject

4. Lerne deine Lernbedürfnisse besser kennen

Manche Menschen lernen besser in ruhigen Räumen, andere in einer Umgebung mit regem Treiben und Musik. Probiere frühzeitig im Studium aus, wie gut auch ein Wechsel von Lernorten für die Motivation sein kann und suche dir einige Räumlichkeiten, in denen du dich wohlfühlst. Gerade in Prüfungsphasen ist nicht immer überall genug Platz und so ist es gut, wenn du neben den eher ruhigen Einzelplätzen in einer der Fachbibliotheken im Philturm mit toller Aussicht auch mal in voll besetzten Lernräumen der Stabi vom Eifer deiner Sitznachbarn „angesteckt“ wirst oder von den langen Öffnungszeiten im Rechtshaus oder auf dem TUHH-Campus profitieren kannst.

Wenn du verhältnismäßig viele Prüfungen vorbereiten musst, so gehe den Lernstoff nicht nur wieder und wieder im Kopf durch. Schreibe auch einfach mal analoge oder digitale Zusammenfassungen, zeichne dir visuelle Ankerpunkte und Eselsbrücken in deine Aufzeichnungen, erstelle Lernkarten oder nehme dich selbst auf, um dir bestimmte Kapitel einfach nochmal anhören zu können. Lass dich auch nicht beirren, wenn dir dein Lernsystem aufwendiger erscheint als bei deinen Kommiliton:innen. Wichtig ist: Fühl dich mit deinem ganz persönlichen Lernsystem wohl.

  • Beobachte dein Lernverhalten und finde heraus, was zu deinem Lernerfolg beiträgt (Wohlfühlfaktoren und Erfolgserlebnisse)
  • Probiere aus, welche Lernmethoden bei dir in welchen Situationen besser funktionieren als andere
  • Werfe einen Blick in Veröffentlichungen wie Mehr als 77 Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten, um Anregungen zu Themen wie Lesen, Schreiben und Ideenfindung zu erhalten

5. Führe ein Lern- und Ideentagebuch

Fang möglichst früh an eine Art Lern- und Ideentagebuch zu führen. Die Form ist dabei zunächst erst einmal recht egal. Als Struktur reicht für den Start eine digitale oder analoge lose Zettelsammlung in Mappen, Ordnern oder Heften. Wenn du später auf deine aufgeschriebenen Tipps, Ideen und dokumentierte Lernfortschritte zurückblickst, macht das nicht nur Freude. Einige Ideen wirst du Jahre später über ungeplante „Geistesblitze“ weiterverfolgen oder mit anderen Ideen kombinieren können. Und je früher du mit diesen „guten Gewohnheiten“ anfängst, desto mehr Sicherheit gewinnst du für dein Studium. Du wirst kaum noch Bedenken haben, etwas zu vergessen oder zu verpassen, und diese Form der Dokumentation hilft auch dabei, sich einfach mal den Druck aus dem Kopf zu schreiben. Mach dir auch bewusst, dass du letztlich für dich selbst studierst, der Mehraufwand ist es also wert. Da ein Studium ein Stück weit ein Prozess ist, bei dem man Interesse und Fertigkeiten erst nach und nach entdeckt und entwickelt, ist diese Form der Dokumentation eine gute Möglichkeit, möglichst viel aus den Semestern mitzunehmen und sich Chancen für später offen zu halten.

  • Probier dich an einem eigenen System zur Dokumentation von Lernfortschritten und Ideen aus
  • Hol dir auch Inspiration zu einem eigenen Notizsystem über andere Ansätze, die beispielsweise in dieser Beitragsserie beschrieben werden

6. Plane von Anfang an vernünftige Zeitpuffer ein

Stell dir vor, du startest heute dein Studium. Um am ersten Tag pünktlich zu sein, hast du dir ganz fest vorgenommen, pünktlich loszufahren, um nicht auf den letzten Drücker anzukommen. Dazu hast du einige Tage zuvor auch noch eine „Trockenübung“ gemacht und bist die Strecke schon mal abgefahren. Alles lief reibungslos. In der Theorie also alles super, aber in Städten wie Hamburg solltest du immer einkalkulieren, dass die Bahn mal ausfallen kann. Und nicht selten macht der Busverkehr gleich mit. Sehr gut, wenn du im Notfall auf ein Stadtrad umschwenken kannst. Kalkuliere dir dafür aber auch noch Puffer ein. Denn mehr oder weniger klitschnass und abgehetzt das Uni-Abenteuer zu starten macht keine Freude. Wenn du stets versuchst, dir gleich einen „großzügigeren“ Zeitpuffer einzuplanen, wirst du auch bei Projekt- und Hausarbeiten weniger Probleme mit knappen Fristen bekommen. Und in Campusnähe lieber noch in Ruhe einen Kaffee zu gönnen ist allemal besser als noch aufgeregter und völlig aus der Puste im neuen Lebensabschnitt anzukommen.

7. Gönn dir Pausen und Belohnungen

Mit das Wichtigste im Studium: finde ein angemessenes Tempo für dich. Wenn du das Gefühl hast, dass es für heute reicht, solltest du dir eine Pause gönnen. Wichtig hierbei: sei ehrlich zu dir selbst, setze also keine zu kleinen Meilensteine und Aufgabenpakete, die nur wenige Augenblicke in Anspruch nehmen. Dabei solltest du dich für deinen Fleiß auch mal belohnen. Eine kleine Mittagspause und ein kurzer Spaziergang mit Kommiliton:innen über den Campus kann schon reichen, um ausgeruht und viel motivierter wieder ans Werk zu gehen. Vielleicht kannst du ja auch mal rausfinden, wie der eine oder die andere Studierende es hinbekommt, nach einem 10-Minuten-Powernap wie neu geboren wieder ans Werk zu gehen.

  • Belohne dich, wenn du es ehrlich verdient hast
  • Probiere aus, was dir beim Kraft tanken hilft (Spazieren, lockerer Plausch im Kaffee um die Ecke oder auf dem Campus)

8. Sei sichtbar für Dozierende

Die Uni kann schon ein wirklich unpersönlicher Ort sein. Gerade wenn man frisch aus der Schule oder einer Ausbildung kommt. Du sitzt zum Teil mit Hunderten von Menschen in realen und virtuellen Räumen. Dozierende und Mitstudierende können so kaum wissen, wer du bist. Aktive Teilnahme an Veranstaltungen kann sich aber lohnen. Das hat auch nichts mit Schleimerei, sondern ehrlichem Interesse zu tun. Nach und nach lässt sich mit deinem Gesicht etwas verbinden. Anfangs bist du vielleicht noch der „Herr Kommilitone“, nach und nach kann es dann aber auch mal mit dem Namen klappen. Und ja, es fällt immer mal wieder schwer, den Arm zu heben. Nehme dein Studium und die Veranstaltungen aber als wirkliche Chance wahr, auch mal aus der eigenen Komfortzone auszubrechen. Und wenn deine Professor:innen das „Prinzip der offenen Tür“ leben, so nutze auch diese Chance. Ein netter Schnack auf Augenhöhe freut nicht nur dich und die Dozierenden. Bei dieser Form von „Networking“ können durchaus auch mal tolle Ideen für Projekte zustande kommen, was dein ganzes Studium nochmal attraktiver macht.

  • Spring über deinen Schatten und nimm aktiv an den Veranstaltungen teil
  • Nimm Angebote wie Sprechzeiten und offene Türen der Dozierenden an

9. Mache. Backups. Regelmäßig!

Achte IMMER darauf, deine Dateien möglichst regelmäßig zu sichern. Es wäre doch zu ärgerlich, jeden noch so kleinen, mühsam erarbeiteten Textfortschritt zu verlieren, den du dir gerade in einer deiner ersten Hausarbeiten erarbeitet hast. Und auch wenn du glaubst, dass dieser Tipp schon so einen Bart hat: Besonders bei neuen Anwendungen und Serviceangeboten ist es sinnvoll, nochmals fokussierter auf diese Kleinigkeit zu achten.

  • Speichere deine Arbeiten, Ideen und Notizen regelmäßig

10. Nimm bei Bedarf Hilfe in Anspruch

In den letzten Schuljahren lief es eigentlich immer gut. Wenn du einmal deine Trägheit überwunden hattest, hast du auch gute Noten geschrieben. In der Uni kann es aber nach und nach häufiger mal Aufgaben, Foliensätze, Handouts und Skripte geben, die du nicht direkt verstehen wirst. Auch längeres Hinsetzen hilft dann nicht immer weiter. Das ist völlig normal. Scheue dich nicht nach Hilfe zu fragen. Entweder in deiner Lerngruppe oder auch in den Veranstaltungen. Das gilt auch für Tutorien – also eine Art Übungsgruppe, geleitet von höheren Studierenden – die ergänzend zu deinen Vorlesungen wie Statistik angeboten werden. Es wird auch immer wieder Situationen geben, wo deine Hilfe gebraucht wird, so dass ihr euch immer im Wechsel untereinander helfen könnt.

  • Frage nach Hilfe, wenn du etwas nicht verstehst
  • Unterstütze andere, wenn du helfen kannst

11. Blicke über deinen eigenen Studiengang hinaus

Wenn es dein Studium oder dein Campus hergibt, so tausche dich auch mal mit Studierenden anderer Fachdisziplinen aus. Es ist spannend, Gespräche außerhalb der eigenen immer gleichen Fachthemen und -gruppen zu haben. So lernst du ganz andere Perspektiven auf Themen kennen und kannst sicher auch die eine oder andere tolle Freundschaft knüpfen.

  • Schau über den eigenen Teller- beziehungsweise Studienrand

12. Nicht jeder Tipp wird für dich passen

Im Grunde einer der wichtigsten Tipps: Es hat ja schon Tradition, dass Absolvent:innen und Studierende der höheren Semester viel „Insiderwissen“ teilen. Und das ist auch gut so. So wirst du schnell viel über die Möglichkeiten von Praxissemestern im Ausland, empfehlenswerte Kurse, Tutorien und Veranstaltungen lernen. Deine Mitstudierenden werden immer mal wieder unterschiedliche Meinungen zu Seminaren, Personen oder empfohlener Literatur haben. Und auch alle anderen Ratgeber:innen bringen immer ihre ganz individuellen Erfahrungen in eigene Ratschläge ein. Mach dir aber nach Möglichkeit immer ein eigenes Bild. Wenn es die Zeit hergibt, probiere dir sinnvoll erscheinende Lernmethoden aus. Interessiert dich ein Seminar, obwohl Kommiliton:innen sagen, dass aufgrund fehlender Anwesenheitspflicht gar kein Grund für einen Besuch der Veranstaltung spricht? Du wirst vor Ort sicher Gleichgesinnte treffen. Folge deinem Bauchgefühl, denn niemand weiß so gut wie du selbst, was dir wichtig ist, was du ausprobieren möchtest und was du für dein erfüllendes und erfolgreiches Studium brauchst. Ach ja, und nicht jede Buchempfehlung musst du dir direkt ungesehen kaufen. Das Geld ist knapp und du hast auch noch eine Universitätsbibliothek an deiner Seite, die dir in Sachen Fachliteratur gerne zur Seite steht.

  • Nimm Ratschläge und Tipps dankbar an
  • Mache dir aber nach Möglichkeit immer selbst ein Bild von Inhalten, Methoden oder Personen, statt vorschnell jedem „Gerücht“ zu glauben
Stifte, Heft, Radiergummi auf dem Tisch
Welche Tipps, Methoden und Materialien helfen euch beim Studieren? (Foto: „Arbeitsutensilien“ von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0)

Ich hoffe, es waren einige Tipps dabei, die nicht nur meinem Ersti-Ich helfen könnten. Falls ihr selbst Tipps und Tricks für den Studienstart oder spätere Semester habt, so teilt diese doch gerne in den Kommentaren. Allen Studierenden möchte ich an dieser Stelle einen möglichst angenehmen Semesterstart wünschen. Viel Spaß und Erfolg für die kommenden Wochen und Monate! Lasst euch von dem einen oder anderen Dämpfer nicht unterkriegen und schaut bei bibliotheksspezifischen Fragen auch gerne einmal in den Ersti-Blogbeiträgen zur Bibliotheksnutzung der tub. vorbei.


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: „Wenn ich nochmal Ersti wäre …“: 12 Tipps zum Semesterstart von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.

Interaktive Karten mit uMap erstellen – Kurztutorial und eine kleine Ideensammlung

Die Lieblingsplätze in der Kitazeit, ehemalige Jugendtreffs, der schönste Urlaubsort, oder Lernorte während der Schul- und Studienzeit – Erinnerungen sind oft eng mit Orten (und somit indirekt auch Karten) verknüpft. Selbst in vielen Freizeit- (Lauf- oder Fahrradsport ist heute kaum noch ohne Joggingapp mit Kartenmaterial vorstellbar) und unterschiedlichen Arbeitsbereichen spielen Karten eine wichtige Rolle. Als ich vor einigen Jahren regelmäßiger für Lokalmedien den einen oder anderen kleinen Beitrag geschrieben habe, war ich meist froh, wenn ich auf vorhandenes Karten- und Bildmaterial aus Archiven zurückgreifen konnte. Themen mit Ortsbezug ließen sich so nachvollziehbarer und greifbarer beschreiben. Sei es nun bei Veranstaltungshinweisen, kleineren Reportagen oder Berichten zur Verkehrslage. Nicht ohne Grund sagen Geographen wie Georg Gartner (Professor für Kartographie an der Universität Wien und ehemaliger Präsident der Internationalen Kartographischen Vereinigung): „Without maps, we would be ‚spatially blind‘.“ Je nach Region stand mir für den schnellen Zugriff aber nur selten geeignetes Material zur Verfügung. Mit uMap lassen sich solche Karten mittlerweile aber ohne großen Aufwand individuell erstellen und gestalten. Und das ganz ohne Programmierkenntnisse.

Aufmerksam auf uMap machte mich ein Tweet vom Kollegen Tobias Zeumer. Dieser hat eine schöne selbst erstellte Karte geteilt, die ich zusammen mit einigen Ideen, die mir beim Ausprobieren von uMap durch den Kopf gingen, im Kapitel „Weitere Ideen und Anregungen für interaktive Karten“ vorstelle. Meine ersten Schritte habe ich in diesem Beitrag als eine Art Schritt-für-Schritt-Kurzanleitung im Kapitel „Kurztutorial“ ebenfalls festgehalten, damit das parallele Mitmachen bei Interesse möglichst einfach von der Hand geht.

Was ist uMap?

Mit der Open-Source-Anwendung uMap ist es möglich, individuelle, interaktive Karten mit wenigen Mausklicks zu erstellen. Dazu greift diese auf das Kartenmaterial von OpenStreetMaps zurück, ein seit 2004 laufendes Projekt, das durch die Non-Profit-Organisation OpenStreetMap-Foundation unterstützt wird. Da es sich bei uMap um eine Web-Anwendung handelt, ist kein Software-Download erforderlich. Auch ein Account zur Erstellung von Karten wird nicht benötigt. Soll ein Kartenprojekt allerdings später (potentiell) weiter bearbeitet werden, so ist es am einfachsten auf eine der derzeit vier Anmeldeoptionen (Github, Bitbucket, Twitter oder OpenStreetMaps) zurückzugreifen. Andernfalls muss der Link, der zu Beginn der Erstellung einer Karte zur Verfügung gestellt wird, gut aufbewahrt werden.

Für die folgende Kurzanleitung (Stand: 29.09.2021) wurde ein OpenStreetMaps-Account verwendet. Weitere Informationen zu uMap und den unterschiedlichen Sprachvarianten bietet dieses Wiki.

Kurztutorial für uMap am Beispiel eines fiktiven Veranstaltungstages

Umgesetzt werden die individuell angepassten Karten in uMap über einen einfach zu bedienenden Editor. Dieser beinhaltet am linken und rechten Bildschirmrand Menüleisten, die Elemente wie Marker, Ebenen, Linien etc. beinhalten.

Über einen Code-Schnipsel können die erstellten Karten in Webseiten eingebunden werden. Wie das funktioniert, veranschaulicht die folgende Kurzeinführung. Für diese habe ich das Ganze am Beispiel eines fiktiven Aktionstages der TU-Bibliothek für die Open-Access-Woche mit Präsenzangeboten wie Vorträgen und Austauschmöglichkeiten durchgespielt und die einzelnen Schritte aufgelistet. Als Veranstaltungsort werden neben den Räumlichkeiten der Bibliothek die umliegenden Außenflächen des TU-Campus genutzt. Mit dieser Karte können wir unter anderem einfacher koordinieren, …

  • … wo eigentlich der Haupteingang der Bibliothek/ die Veranstaltungsanmeldung ist,
  • … wo sich die Vortragsräume der Veranstaltung befinden,
  • … wo Raum für freien, fachlichen und kreativen Austausch ist,
  • … welche Verpflegungsangebote zur Verfügung stehen,
  • … welche weiteren Organisationseinheiten es gibt (zum Beispiel Ruheräume).

1. Erstellung einer Karte starten
Wir rufen nun die Webseite https://umap.openstreetmap.fr/de/ auf. Ob angemeldet oder nicht: Um mit der Erstellung einer Karte zu beginnen, klicken wir oben rechts auf den Button „Erstelle eine Karte“:

„Create a Map“, (Foto: Fho4train via Wiki, Freigabe unter CC0/Public Domain)

2. Menüleisten des Editors
Es öffnet sich eine Weltkarte. An der linken und an der rechten Seite des Fensters haben wir jeweils eine Menüleiste.

Unter Punkt 3 und 4 werden die wesentlichen Funktionen aufgeführt.

3. Optionen der linken Menüleiste
– Hineinzoomen und Rauszoomen („+“- und „–“-Symbol),
– Ortssuche Suchen,
– Teilen und Einbinden der aktuellen Karte in andere Webangebote Karte teilen ,
– Ansehen und Ausblenden von Datenebenen Einblenden/Ausblenden Datenebenen,
– Einblendung und Ausblendung weiterer Optionen für die Kartenanzeige Einblendung/ Ausblendung weiterer Optionen.

4. Optionen der rechten Menüleiste:
– „Einen Marker zeichnen“ Marker zeichnen,
– „Eine Linie zeichnen“ Linie zeichnen,
– „Eine Fläche zeichnen“ Fläche zeichnen,
– „Daten importieren“ Daten importieren,
– „Karteneinstellungen bearbeiten“ Karteneinstellungen bearbeiten,
– „Hintergrundkarte ändern“ Hintergrundkarte ändern,
– „Ebenen verwalten“ Ebenen verwalten,
– „Aktuelle Position und Zoomstufe speichern“ Aktuelle Position und Zoomstufe speichern,
– Berechtigungen und Bearbeiter:innen ändern Berechtigungen und Bearbeiter:innen ändern.

5. Karte benennen
Als Erstes geben wir unserer Karte einen Namen. Dazu klicken wir oben links im Browserfenster auf das Bearbeiten-Symbol Bearbeiten-Symbol. An der rechten Bildschirmseite öffnet sich ein Fenster. Ich entscheide mich für den Namen „Open-Access-Event tub. (imaginär)“.

6. Einen Ort suchen
Da wir konkret wissen, wo die Veranstaltung stattfinden soll, suchen wir über die Suchoption Suchen im linken Menü nach „Universitätsbibliothek tuhh“. Parallel kann die Kurzanleitung natürlich auch mit einem anderen Ort durchgespielt werden. Aus der Liste mit den nun vorgeschlagenen Orten am rechten Bildschirmrand klicken wir auf den für uns passenden Eintrag. Die Karte zeigt nun nicht mehr die Weltkarte, sondern die von uns kleinere und detailliertere Region rund um die TU-Bibliothek an.

7. Karteneinstellungen und Kartenoptionen
Nun bietet sich ein kurzer Blick in die Karteneinstellungen an, um ein Gefühl für die unterschiedlichen Kartenoptionen zu erhalten. Dazu klicken wir im Menü auf der rechten Seite auf „Hintergrundkarte ändern“ Hintergrundkarte ändern. Hier sehen wir, dass es beispielsweise Karten mit Radwegen, Satellitenbilder, Wanderkarten und weitere Optionen gibt. Je nachdem, wofür die Karte genutzt werden soll und welche Details benötigt werden, lohnt sich also ein Blick in diese Einstellungen. In unserem Fall wählen wir „OpenStreetMap“.

Es lassen sich unterschiedliche Arten von Karten nutzen
(Screenshot Kartenmenü, nicht unter freier Lizenz)

So haben wir beispielsweise den Campus der TU mit klaren Gebäudebezeichnungen („Mensa“, „Audimax“, etc.) abgebildet und einen Überblick über Verkehrsanbindungen wie Bus- und Bahnhaltestellen sowie Parkmöglichkeiten.

8. Eine (Veranstaltungs-)Fläche zeichnen
Nachdem wir unsere Karte benannt (Punkt 5), die Auswahl eines konkreteren Kartenausschnitts vorgenommen (Punkt 6) und eine geeignete Kartenart gewählt haben (Punkt 7), kennzeichnen wir nun das konkrete Veranstaltungsgelände. Hierfür nutzen wir in der rechten Menüleiste die Option „Eine Fläche zeichnen“ Fläche zeichnen. Mit einem Klick auf die Karte starten wir die Flächenzeichnung, durch das Setzen weiterer Punkte „umzäunen“ wir das Veranstaltungsgelände. Ein Klick auf den letzten gesetzten Punkt beendet die Flächenzeichnung. Nun öffnet sich am rechten Bildschirmrand ein Menü. Hier können wir der Fläche einen Namen und eine Beschreibung geben. Rechts von Menüpunkt „Beschreibung“ sehen wir ein Fragezeichen-Symbol. Mit einem Klick auf dieses Symbol erhalten wir Hinweise für eine angereicherte Textformatierung. So können wir neben blankem Text auch Bilder und Videos auf der Karte einbinden. Um die Orientierung später durch visuelle Ankerpunkte zu erleichtern, binden wir also ein Foto des Bibliotheksgebäudes ein.

Dazu kann der Text für die Einbindung von Bildern kopiert und der darin enthaltende Platzhalterlink mit dem Link zum Bild unserer Wahl ausgetauscht werden. Für die TU-Bibliothek habe ich mich beim Wiki-Eintrag der Bibliothek bedient. Achtung: es muss der konkrete Bildlink genommen werden, andernfalls erhalten wir in der interaktiven Karte statt der erhofften Bildanzeige einen Fehlerhinweis. Nun speichern wir unsere Karte über „Speichern“ am oberen rechten Bildschirmrand ab. Links vom Speicherbutton ist die Schaltfläche „Bearbeiten deaktivieren“. Mit dieser verlassen wir den Bearbeitungsmodus:

Schaltfläche zum deaktivieren des Bearbeitungsmodus (Foto: Fho4train via Wiki, Freigabe unter CC0/Public Domain)

Sollten wir uns beim Zeichnen von Flächen mal verklicken, lassen sich die entsprechenden Eckpunkte auch entfernen (Klick auf den entsprechenden Punkt und Auswahl von „Diesen Eckpunkt löschen“) und verschieben (mit festgehaltener linker Maustaste den jeweiligen Eckpunkt an die gewünschte Stelle schieben).

9. Formeigenschaften einer Zeichenfläche anpassen
Klicken wir nun nach dem Verlassen des Bearbeitungsmodus auf die gezeichnete Fläche in unserer Karte, so passiert nichts Außergewöhnliches. Für mehr Interaktivität müssen wir also noch weitere Einstellungen vornehmen. Dazu klicken wir auf die von uns gezeichnete Fläche und wählen „Bearbeiten“ Bearbeiten-Symbol. Es öffnet sich ein Menü an der rechten Browserfesnerseite. Hier wählen wir „Formeigenschaften“ und passen die Form- und Linienfarben nach Wunsch an. Ich färbe die gezeichnete Fläche im typischen TU-Blau. Auch die Linienstärke und Deckkraft passe ich etwas an. Im Anschluss klicken wir weiter unten im Menü „Formeigenschaften“ auf „Interaktionsoptionen“. Diese passen wir im folgenden Schritt an.

10. Einstellungen für Popups von Objekten
Im Menü „Interaktionsoptionen“ wählen wir „Popupform“ und klicken auf „Art des Popups“. Mit dieser Option entscheiden wir, ob Zusatzinformationen an der rechten Seite des Bildschirms oder direkt in einem Popupfenster an der gezeichneten Fläche eingeblendet werden. Nachdem wir die Einstellungen unserer Wahl vorgenommen haben, klicken wir wieder auf „Speichern“ am oberen rechten Bildschirmrand.

11. Überprüfung: Funktion von Text- und Bild-Popup
Um unsere Anpassungen zu überprüfen, deaktivieren wir am oberen rechten Bildschirmrand nun wieder die Bearbeitung über einen Klick auf „Bearbeiten deaktivieren“. Klicken wir jetzt auf unsere Flächenzeichnung, so sollte ein Popup mit den zuvor eingegebenen Beschreibungstext und dem Bild der Bibliothek erscheinen. Das wäre geschafft! Nun benötigen wir etwas mehr Struktur für die verschiedenen Organisationsbereiche unserer fiktiven Veranstaltung.

Durch den Popup-Effekt werden Zusatzinformationen mit Klick auf die entsprechenden Flächen und Formen eingeblendet (Screenshot Popup-Menü, nicht unter freier Lizenz)

13. Ebenen erstellen
Hierfür schauen wir uns die Option „Ebenen“ an. Diese können wir für eine bessere Organisation unserer Veranstaltung nutzen. So planen wir die Ebenen „Gebäudeorganisation“, „Verpflegung“ und „Veranstaltungsinhalte“ ein. Alle, die sich einmal die unendlich unübersichtlichen (analogen) Flächenpläne von größeren Einkaufszentren angeschaut haben, können vielleicht schon erahnen, welchen Nutzen Ebenen bieten können: wenn wir beispielsweise Verpflegungsmöglichkeiten suchen, führt eine Karte mit zahlreichen Zusatzinformationen (zum Beispiel Standorte zahlreicher Bekleidungs- und Elektrogeschäfte sowie andere Einkaufsmöglichkeiten) zu schwindender Übersicht. Wenn wir bei unserer Veranstaltung also Verpflegungsmöglichkeiten suchen, wäre eine Option zum Filtern wünschenswert. Dazu klicken wir nun auf „Ebene verwalten“ Ebenen verwalten im Menü am rechten Bildschirmrand und wählen im Folgemenü „Ebene hinzufügen“. Dies machen wir für folgende Ebenen:

  • Gebäudeorganisation (bspw. Eingang, Toiletten),
  • Verpflegung (Getränkestand, Imbissstände),
  • Veranstaltungsinhalte (Markierungen für Veranstaltungsräume und -stände).

Unsere „Ebene 1“ benennen wir für eine bessere Übersicht in „Veranstaltungsgelände“ um. Es handelt sich also um die gesamte Zeichenfläche, die wir anfangs erstellt haben (siehe Punkt 8).

14. Markierungen erstellen und Ebenen zuordnen
Nun ordnen wir den neu angelegten Ebenen Markierungen zu. Diese müssen wir zuerst erstellen, was wir durch das Klicken auf das Markersymbol Marker zeichnen (erster Punkt im Menü am rechten Bildschirmrand) und einem Mausklick an der gewünschten Stelle auf unserer Zeichenfläche für den Haupteingang des Gebäudes machen. Im rechten Menü wählen wir nun noch einen Namen für die Markierung („Eingang“) und können unter anderem auch eine kurze Beschreibung hinterlegen. Das gleiche können wir nun auch für die Sanitäranlagen machen. Wir betätigen also die Schaltfläche „Einen Marker zeichnen“ Marker zeichnen, klicken in der Flächenzeichnung auf die gewünschte Stelle, wählen wieder die Ebene „Gebäudeorganisation“ aus und vergeben hier als Namen beispielsweise „Toiletten“. Nun können wir auch noch die zusätzlichen Formatmöglichkeiten nutzen und wählen unter „Formateigenschaften“ eine Farbe und unter „Bildzeichensymbol“ ein passendes Icon aus.

15. Erstellung weiterer Markierungen
Um die Erstellung von Markierungen auf unserer Veranstaltungskarte abzuschließen legen wir jetzt noch folgende Markierungen (Marker zeichnen) an:

  • drei Verpflegungsmöglichkeiten (Zuordnung zur Ebene „Verpflegung“, Farbe Gelb),
  • zwei Vortragsräume und drei Thementische (Zuordnung zur Ebene „Veranstaltungsinhalte“, Farbe Coral),
  • einen Ruheraum (Zuordnung zur Ebene „Gebäudeorganisation“, Farbe Rot).

16. Karte teilen und einbinden
Für einen Test der bisherigen Features unserer aktuellen Karte probieren wir nun noch das Einbinden der Karte aus. Im linken Menü klicken wir auf die Option „Teilen und binde diese Karte ein“ Karte teilen. Wir kopieren den Codeschnipsel, der auch schon zum Anfang des Kurztutorial-Kapitels erwähnt wurde. Einfügen können wir diesen nun zum Beispiel in eine zur Verfügung stehende WordPressinstallation oder für ein schnelles Erfolgserlebnis in eine Gastnotiz im TU-Hackpad. Bei Letzterem fügen wir nach Klick auf „Neue Gastnotiz“ am oberen Bildschirmrand den Code in das linke Fenster ein. Rechts sehen wir unsere Karte und können über einen Klick auf die Option „Vollbildanzeige“ auch die Gesamtkarte aufrufen. Natürlich wäre es möglich, auch einfach direkt den Link zur Karte aufzurufen. So haben wir aber auch gleich das Einbinden-Feature kennengelernt. Auf der nun aufgerufenen Karte haben wir jetzt die Möglichkeit, im linken Menü die Kartenebenen nach Belieben ein- und auszublenden. Dazu klicken wir auf „Datenebenen“ Einblenden/Ausblenden Datenebenen und wählen „Ebene einblenden/ ausblenden“:

Über das Augensymbol lassen sich Ebenen ein- und ausblenden (Foto: Fho4train via Wiki, Freigabe unter Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0)

17. Anreisemöglichkeiten in die Karte einzeichnen
Das Einzige, was unserer Karte jetzt noch für einen gelungenen ersten Organisationsentwurf fehlt, ist das Aufzeigen möglicher Anreisemöglichkeiten. Hierfür nutzen wir das Linienwerkzeug Linie zeichnen im rechts angeordneten Menü. An Formatoptionen stehen uns hier unterschiedliche Möglichkeiten (zum Beispiel Deckkraft, Farben der Linien, Stärke und Form) zur Verfügung. Für unser Beispiel habe ich zwei mögliche Wege und jeweils eine dazugehörige Ebene angelegt.

18. Berechtigungen zur Bearbeitung/ Ansicht der Karte einstellen
Neben dem Teilen unserer Karte ist es nun auch noch möglich, über die Schaltfläche „Berechtigungen und Bearbeiter ändern“ Berechtigungen und Bearbeiter:innen ändern Einstellungen vorzunehmen, um gemeinsam weiter an der Karte zu arbeiten. Ansonsten gilt: Wer es bis hierhin geschafft hat, hat das erste eigene Kartenmaterial umgesetzt. Glückwunsch!

Karte mit allen eingebauten Features (GIF Kartenfunktionen, nicht unter freier Lizenz)

Weitere Ideen und Anregungen für interaktive Karten

Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Möglichkeiten für den Einsatz von uMap. Einige Ideen, die mir während dem Ausprobieren durch den Kopf gingen, habe ich an dieser Stelle festgehalten.

Aktive Fernleihen der tub. als uMap

Die eigentliche Inspiration zu diesem Beitrag kam – wie eingangs schon erwähnt – durch einen Tweet vom Kollegen Tobias Zeumer. Dieser hatte die tolle Idee, mit Hilfe von uMap abzubilden, an welche Bibliotheken wir als tub. international Bücher verliehen haben.

Traditionell spricht man bei dieser Form des Leihverkehrs, bei der Bibliotheken sich gegenseitig Bücher ausleihen, auch von einer Fernleihe. Mehr zur Fernleihe kann in „Bibliothekarisches Grundwissen“, einem Klassiker der bibliothekarischen Lehrbuchliteratur, gelesen werden. Der Titel ist sowohl elektronisch, als auch in unterschiedlichen Printauflagen Bestandteil des tub.-Bestandes.

Campusplan

Auch dieser Campusplan der TUHH wurde von Tobias mit Hilfe von uMap umgesetzt. Gepflegt wird die Karte über ein GitLab-Repositorium. Toll ist hier auch die Einbindung des virtuellen Plans der TU-Bibliothek. Dieser kann zum Beispiel über das Menü an der rechten Seite (Klick auf „Universitätsbibliothek“) und die Option „tub.map“ unter „Infos & Links“ im aufgeploppten Popup aufgerufen werden.

Campusplan und tub.map (GIF Kartenfunktionen, nicht unter freier Lizenz)

Ein automatisierter Campusguide für den Studienbeginn

Viele Studierende kennen das Gefühl: wenn es mit dem Studium losgeht, kommen erst einmal viele Dinge auf einen zu. Wie melde ich mich wo an? Wo muss ich am ersten Tag überhaupt hin? Eine gute Möglichkeit den Campus ohne zu ausufernde Informationen kennenzulernen könnte ein kleiner interaktiver Guide sein.

Zur Veranschaulichung habe ich dazu „quick and dirty“ein simples Beispiel in uMap angelegt. In meiner Vorstellung ist ein Szenario a la „Dein erster Tag auf dem Campus“ denkbar. Studierende könnten so im Fall der Fälle also auch, selbst wenn Präsenz nicht möglich sein sollte, eine erste Erkundungstour mit wichtigen Stationen ohne zu viele „überflüssige“ Informationen unternehmen. Für einen schnellen Entwurf habe ich zunächst fünf Markierungen angelegt (siehe auch Punkt 14 im vorigen Tutorial-Abschnitt):

  • „Start Denickestraße“,
  • „Wir werfen einen Blick auf die Universitätsbibliothek“,
  • „Entspannung bei gutem Wetter“,
  • „Der schnellste Weg zu Gebäude A“,
  • „Weihnachtsbaum Gebäude A“.

Für die Markierungen wurden Platzhalter-Elemente und Beschreibungen erstellt sowie Symbolbilder verwendet, für die unter anderem über CC-Search und Pic4Carto (hier können wir sehen, ob es schon Bilder in bestimmten Regionen gibt) recherchiert wurde. Je nach Bedarf können diese sinnvoll durch einen Einführungstag oder eine Orientierungswoche führen.

Nach Erstellung der Markierungen habe ich die Optionen ausgewählt, die zu einer eher „erzählenden“ Karte passen:

  • im rechten Menü auf „Karteneinstellungen bearbeiten“ klicken und die Option „Diashowmodus aktivieren“ aktivieren (somit erhalten wir eine zusätzliche Navigationsleiste, mit der wir durch unsere Markierungen auf der Karte springen können),
  • Sollen diese Sprünge zwischen den Markierungen automatisch ablaufen, so muss im gleichen Menü weiter unten „Automatischer Start…“ aktiviert werden,
  • Der Zoomfaktor der Karte lässt sich im rechten Menü über die Option „Aktuelle Position und Zoomstufe“ fixieren,
  • Lassen wir die kleine Geschichte nun ablaufen, so stellen wir schnell fest, dass die Markierungen nicht in der gewünschten Reihenfolge ablaufen, wir müssen nun also noch die Reihenfolge der „Haltestellen“ ordnen.

Hierzu klickt man im rechten Menü auf „Ebenen verwalten“ und anschließend auf das Icon „Merkmale in einer Tabelle bearbeiten“. Dort nutzen wir die Option „ein Merkmal hinzufügen“ und nennen dieses zum Beispiel „Ordnung“. In der dazugehörigen Tabellenspalte nutzen wir eine ABC-Sortierung in der gewünschten Reihenfolge (eine durchgehende Nummerierung hat bei meinem Test nicht funktioniert). Ebenfalls über das rechte Menü gehen wir nun noch auf „Karteneinstellungen bearbeiten“, „Standardeigenschaften“ und tragen als Sortierschlüssel unser Beispiel „Ordnung“ ein. Nach dem Abspeichern sollte der automatische Orientierungstag auf dem interaktiven Campus in etwa so aussehen:

Automatisierte Karte (GIF Automatisierte Karte, nicht unter freier Lizenz)

Diese automatisierte Rundtour lässt sich auch hier einsehen.

Denkbar ist so eine Karte sicher auch als Unterstützung für Rallye-Formate, bei denen zum Beispiel Studierende nicht nur die neue Hochschule, sondern auch empfehlenswerte Hot Spots einer Stadt gemeinsam mit den Mitstudierenden in Kombination mit kleinen Quizaufgaben entdecken können.

Thematische Karten erstellen

Auch die Darstellung unterschiedlicher Prozesse und Abläufe kann ich mir in Kartenform vorstellen. Die Anfertigung einer Abschlussarbeit – von der offiziellen Anmeldung, den bevorzugten Recherche- und Schreiborten sowie Abgabemöglichkeiten der gedruckten und elektronischen Versionen – könnte ebenso im Ortskontext abgebildet (und bestimmte Geschäftsgänge nachvollziehbarer darstellen) werden wie auch Pflanzen- und Artenlehrpfade (Kennenlernen der örtlichen Natur) oder Copyshopstandorte für die Last-Minute-Abgabe einer Abschlussarbeit. Denn der Druck von Letzterer kann durchaus ein teurer Spaß werden und es soll ja nicht selten vorkommen, dass je nach Abschluss einen Tag vor Deadline der nächstbeste Copyshop aufgesucht wird und sowohl finanziell als auch Service-technisch dem mit einer einfachen Karte vorgebeugt werden könnte (Abbildung der Shops mit groben Preiseingruppierungen, Erfahrungen beim Druck und Serviceangeboten wie Qualitäts- und Bindungsberatung).

Gemeinsame Karten erstellen

Aus Studierendenperspektive gibt es mit uMap sicher auch zahlreiche interessante Möglichkeiten, gemeinsam das Unileben zu verbessern. So könnte eine Karte mit Lieblingslernorten, Kulturtipps oder Standorten nachhaltiger Transportmöglichkeiten (zum Beispiel „Stadtradstandorte“, „Elektroroller-Angebote“, etc.) für eine möglichst praktische Anreise zum Campus erstellt werden. Für die gemeinsame Bearbeitung ist lediglich – wie in Punkt 18 des Kurztutorials schon beschrieben – die entsprechende Einstellung im Menü „Berechtigungen und Bearbeiter ändern“ (rechte Menüleiste, Schlüsselsymbol) nötig, damit die Karte von allen oder ausgewählten Personen bearbeitet werden kann. Jede Person, die über eine Zugangsberechtigung verfügt, kann Orte mit Markierungen anreichern und mit Beschreibungen versehen. Dabei ist es auch möglich, dass alle Beteiligten auch wirklich alle Markierungen verändern oder ergänzen können (also nicht nur die eigenen). Diese Funktion ist ebenfalls ohne Account nutzbar, so dass auch gemeinsame Fortsetzungsgeschichten erstellt werden können. In meinem Studium gab es zum Beispiel eine Übungseinheit im Bereich „Fachenglisch“, bei der alle Kursteilnehmer:innen sich einen Gegenstand aussuchen konnten und dann nacheinander und miteinander aus diesen Gegenständen eine gemeinsame Geschichte formen sollten.

Zusammengefasst

Mit uMap lassen sich unterschiedliche Arten von Karten individuell erstellen. Neben Lageplänen können so zum Beispiel auch thematische Karten individuell gestaltet werden. Abseits einiger beschriebener Ideen gibt es auch auf der uMap-Webseite mit der Rubrik „LASS DICH INSPIRIEREN…“ wechselnde Inspirationsquellen. Ein Blick auf eine Karte zum Thema COVID löste bei mir neben den obigen Ideen zum Beispiel (nicht zuletzt wegen der Kombination aus Sprachbarriere und Darstellungsform) das gedankliche Durchspielen einer Karte mit der Abbildung von Wahlergebnissen nach Region aus (nicht wirklich ungewöhnlich), während Heatmap-Optionen wie bei dieser Karte sicherlich auch für die Abbildung von Feinstaubbelastungen oder andere Citizen-Science-Projekte genutzt werden könnte.

Habt ihr uMap bereits genutzt oder nun zumindest leichtes Kopfkino, was für Inhalte sich mit Hilfe von uMap oder interaktiven Karten generell umsetzen und abbilden lassen? Ob Lieblingsorte, Veranstaltungslandkarte oder ganz andere Einfälle – teilt gerne eure Ideen, Entdeckungen oder eigenen Karten über die Kommentarfunktion.


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Interaktive Karten mit uMap erstellen – Kurztutorial und eine kleine Ideensammlung von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Beitragsbild „Straßenkarte“ von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Alle im Text verwendeten Icons stehen über dieses uMap-Wiki zur Verfügung, Lizenz: CC0/Public Domain. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
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