Stifte, Heft, Radiergummi auf dem Tisch

„Wenn ich nochmal Ersti wäre …“: 12 Tipps zum Semesterstart

Dein Studium beginnt und du weißt als Ersti gar nicht so genau, was dich erwartet? So ging es mir auch. Und rückblickend gab es einige Dinge, die ich dann doch schon gerne zu Semesterbeginn gewusst hätte. Denn so aufregend der Start ist, er kann auch ziemlich überwältigend sein: Anmeldungswirrwarr durchblicken, Stundenplan organisieren, die richtigen Veranstaltungsräume finden, Kommiliton:innen und Campus kennenlernen. In diesem Beitrag habe ich daher einige Tipps festgehalten, die ich mir geben würde, wenn ich nochmal Ersti wäre:

1. Mache Orientierungsangebote mit und lerne Leute kennen

Ein alter Hut: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Neben einigen Kommiliton:innen, die recht schnell merken, dass das Studium doch nicht ganz das ist, was man sich erwartet hat, wirst du mit vielen der Menschen um dich herum die nächsten Jahre gemeinsam an Themen arbeiten und für Prüfungen lernen. Such dir also eine Gruppe, in der du dich wohlfühlst und dir gemeinsames Lernen vorstellen kannst. In deiner Gruppe sollte auch der eine oder andere Spaß beim alltäglichen Miteinander Platz haben. Kaum woanders wirst du so viele Menschen um dich haben, die ja letztlich wegen ähnlicher Interessen ihr Studium starten. Eine tolle Gelegenheit zum Netzwerken sind neben den Orientierungswochen auch weitere Angebote der Hochschule (Freizeitaktivitäten wie gemeinsamer Hochschulsport, Chor und Theater, aber auch Angebote von Bibliotheken und studentische Initiativen sowie natürlich Unipartys). Gerade in den frustigen Zeiten des Studiums wird dir ein einfacher Plausch „über Gott und die Welt“ wieder neue Motivation gegeben.

  • Tausche dich mit Gleichgesinnten aus
  • Verschaffe dir auf den Uni-Webseiten einen Überblick über Hochschulangebote wie Sport, Kultur und Weiterbildung

2. Bereite deinen Semesterstart vor

Die ersten Tage im Studium prasselt viel auf einen ein. Klar: Stundenpläne und Raumnummern hat man meist in digitaler Form per Smartphone, Tablet oder Laptop dabei. Aber es wird der Tag kommen, an dem dein Akku leer ist, die benötigte Webseite wegen Wartungsarbeiten offline geht, dein Internetprovider spontan seinen Dienst für einige Stunden „pausiert“ oder das Funkloch in Bus und Bahn dir einen Strich durch die Rechnung macht. Druck dir deinen Stundenplan daher am besten aus und erkunde vielleicht auch schon einmal vorher, wo welche Veranstaltung stattfindet. Die Uni kann einem zu Beginn schon wie ein kleines Labyrinth vorkommen, da solltest du dir potentiellen Stress sparen, wo es nur geht.

  • Stunden- und Raumplan als Backup ausdrucken
  • Mache dich mit dem Campus vor Ort oder über den virtuellen Campusplan vertraut

3. Fange früh an dich zu organisieren

In der Uni geht es in vielen Veranstaltungen nach einer kurzen Organisationseinheit recht schnell mit den ersten Inhalten los. Mache dir also schon zu Beginn ein paar Gedanken zu zentralen Ablagemöglichkeiten für Basisinformationen wie wichtige Mailadressen von Ansprechpartner:innen oder Sprechzeiten. Verschaffe dir auch ruhig schon mal einen Überblick über einige gängige Begrifflichkeiten der Hochschule und werfe einen Blick in die Studien- und Prüfungsordnungen. Wichtig sind aber vor allem zwei Punkte: Deadlines und Dokumentablage.

3.1 Notiere jede Deadline

Habe stets wichtige Termine im Auge. Wann auch immer also eine Deadline in Veranstaltungen genannt wird, schreib sie direkt auf! Verlass dich nicht alleine auf Messenger-Gruppen (hier kriegst du oft was mit, nicht selten ist es bei Terminen aber schon fast zu spät) und pflege von Beginn an deinen Kalender mit Abgabeterminen, Anmeldefristen und sonstigen Daten.

3.2 Organisiere deine Unterlagen und setzte dich am besten direkt mit Literaturverwaltung auseinander

Sorge auch rechtzeitig für einen guten Überblick über deine Unterlagen, egal ob digital oder analog. Lege dir eine kleine Ordnerorganisation zurecht, um auch in Situationen, wo dir gefühlt alles über den Kopf wächst, zu wissen, wo was zu finden ist. Wichtige Mailadressen können hier genauso landen wie Informationen zu Sprechzeiten, die schnell griffbereit sein sollten. Fang am besten auch gar nicht erst an Zettel über Tage und Wochen ungeordnet in der Tasche mit dir rumzuschleppen oder in irgendwelchen Papierstapeln querbeet zu „verstecken“. Sich aufzuraffen, hier nachträglich Ordnung reinzubringen, ist kein Spaß. Im Einzelfall ist das aber durchaus ok und normal. Damit sorgst du auch dafür, dass du dich nicht zu schnell gestresst fühlst. Eigentlich ist das erste Semester ein guter Zeitpunkt, sich auch direkt mit dem Thema Literaturverwaltung vertraut zu machen. So sparst du dir den Aufwand der Einarbeitung später, wenn die ersten Hausarbeiten oder gar die Abschlussarbeit ansteht. Wenn du gar keine Lust hast, erste Praxiserfahrungen mit der Verwaltung von Fachliteratur zu sammeln, kannst du dir zunächst auch ein paar Projekte anlegen, in denen du Kochrezepte für das Unileben oder Informationen zu Hobbys strukturiert ablegst. Sortieren könntest du deine Dokumentablage zunächst beispielsweise nach Semestern (damit kannst du aber auch später anfangen). Innerhalb des Semesters sortierst du nach dem jeweiligen Kurs und innerhalb des jeweiligen Kurses eventuell nach „Vorlesungsfolien“, „Aufgaben“ und „Abgaben“.

  • Ein Kurztutorial zur Literaturverwaltung mit Zotero gibt es hier
  • Wenn du statt To-do-Listen eine Art Projektorganisation (gut nutzbar für umfassendere Arbeiten) ausprobieren willst, gibt es hier eine Anleitung zu GanttProject

4. Lerne deine Lernbedürfnisse besser kennen

Manche Menschen lernen besser in ruhigen Räumen, andere in einer Umgebung mit regem Treiben und Musik. Probiere frühzeitig im Studium aus, wie gut auch ein Wechsel von Lernorten für die Motivation sein kann und suche dir einige Räumlichkeiten, in denen du dich wohlfühlst. Gerade in Prüfungsphasen ist nicht immer überall genug Platz und so ist es gut, wenn du neben den eher ruhigen Einzelplätzen in einer der Fachbibliotheken im Philturm mit toller Aussicht auch mal in voll besetzten Lernräumen der Stabi vom Eifer deiner Sitznachbarn „angesteckt“ wirst oder von den langen Öffnungszeiten im Rechtshaus oder auf dem TUHH-Campus profitieren kannst.

Wenn du verhältnismäßig viele Prüfungen vorbereiten musst, so gehe den Lernstoff nicht nur wieder und wieder im Kopf durch. Schreibe auch einfach mal analoge oder digitale Zusammenfassungen, zeichne dir visuelle Ankerpunkte und Eselsbrücken in deine Aufzeichnungen, erstelle Lernkarten oder nehme dich selbst auf, um dir bestimmte Kapitel einfach nochmal anhören zu können. Lass dich auch nicht beirren, wenn dir dein Lernsystem aufwendiger erscheint als bei deinen Kommiliton:innen. Wichtig ist: Fühl dich mit deinem ganz persönlichen Lernsystem wohl.

  • Beobachte dein Lernverhalten und finde heraus, was zu deinem Lernerfolg beiträgt (Wohlfühlfaktoren und Erfolgserlebnisse)
  • Probiere aus, welche Lernmethoden bei dir in welchen Situationen besser funktionieren als andere
  • Werfe einen Blick in Veröffentlichungen wie Mehr als 77 Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten, um Anregungen zu Themen wie Lesen, Schreiben und Ideenfindung zu erhalten

5. Führe ein Lern- und Ideentagebuch

Fang möglichst früh an eine Art Lern- und Ideentagebuch zu führen. Die Form ist dabei zunächst erst einmal recht egal. Als Struktur reicht für den Start eine digitale oder analoge lose Zettelsammlung in Mappen, Ordnern oder Heften. Wenn du später auf deine aufgeschriebenen Tipps, Ideen und dokumentierte Lernfortschritte zurückblickst, macht das nicht nur Freude. Einige Ideen wirst du Jahre später über ungeplante „Geistesblitze“ weiterverfolgen oder mit anderen Ideen kombinieren können. Und je früher du mit diesen „guten Gewohnheiten“ anfängst, desto mehr Sicherheit gewinnst du für dein Studium. Du wirst kaum noch Bedenken haben, etwas zu vergessen oder zu verpassen, und diese Form der Dokumentation hilft auch dabei, sich einfach mal den Druck aus dem Kopf zu schreiben. Mach dir auch bewusst, dass du letztlich für dich selbst studierst, der Mehraufwand ist es also wert. Da ein Studium ein Stück weit ein Prozess ist, bei dem man Interesse und Fertigkeiten erst nach und nach entdeckt und entwickelt, ist diese Form der Dokumentation eine gute Möglichkeit, möglichst viel aus den Semestern mitzunehmen und sich Chancen für später offen zu halten.

  • Probier dich an einem eigenen System zur Dokumentation von Lernfortschritten und Ideen aus
  • Hol dir auch Inspiration zu einem eigenen Notizsystem über andere Ansätze, die beispielsweise in dieser Beitragsserie beschrieben werden

6. Plane von Anfang an vernünftige Zeitpuffer ein

Stell dir vor, du startest heute dein Studium. Um am ersten Tag pünktlich zu sein, hast du dir ganz fest vorgenommen, pünktlich loszufahren, um nicht auf den letzten Drücker anzukommen. Dazu hast du einige Tage zuvor auch noch eine „Trockenübung“ gemacht und bist die Strecke schon mal abgefahren. Alles lief reibungslos. In der Theorie also alles super, aber in Städten wie Hamburg solltest du immer einkalkulieren, dass die Bahn mal ausfallen kann. Und nicht selten macht der Busverkehr gleich mit. Sehr gut, wenn du im Notfall auf ein Stadtrad umschwenken kannst. Kalkuliere dir dafür aber auch noch Puffer ein. Denn mehr oder weniger klitschnass und abgehetzt das Uni-Abenteuer zu starten macht keine Freude. Wenn du stets versuchst, dir gleich einen „großzügigeren“ Zeitpuffer einzuplanen, wirst du auch bei Projekt- und Hausarbeiten weniger Probleme mit knappen Fristen bekommen. Und in Campusnähe lieber noch in Ruhe einen Kaffee zu gönnen ist allemal besser als noch aufgeregter und völlig aus der Puste im neuen Lebensabschnitt anzukommen.

7. Gönn dir Pausen und Belohnungen

Mit das Wichtigste im Studium: finde ein angemessenes Tempo für dich. Wenn du das Gefühl hast, dass es für heute reicht, solltest du dir eine Pause gönnen. Wichtig hierbei: sei ehrlich zu dir selbst, setze also keine zu kleinen Meilensteine und Aufgabenpakete, die nur wenige Augenblicke in Anspruch nehmen. Dabei solltest du dich für deinen Fleiß auch mal belohnen. Eine kleine Mittagspause und ein kurzer Spaziergang mit Kommiliton:innen über den Campus kann schon reichen, um ausgeruht und viel motivierter wieder ans Werk zu gehen. Vielleicht kannst du ja auch mal rausfinden, wie der eine oder die andere Studierende es hinbekommt, nach einem 10-Minuten-Powernap wie neu geboren wieder ans Werk zu gehen.

  • Belohne dich, wenn du es ehrlich verdient hast
  • Probiere aus, was dir beim Kraft tanken hilft (Spazieren, lockerer Plausch im Kaffee um die Ecke oder auf dem Campus)

8. Sei sichtbar für Dozierende

Die Uni kann schon ein wirklich unpersönlicher Ort sein. Gerade wenn man frisch aus der Schule oder einer Ausbildung kommt. Du sitzt zum Teil mit Hunderten von Menschen in realen und virtuellen Räumen. Dozierende und Mitstudierende können so kaum wissen, wer du bist. Aktive Teilnahme an Veranstaltungen kann sich aber lohnen. Das hat auch nichts mit Schleimerei, sondern ehrlichem Interesse zu tun. Nach und nach lässt sich mit deinem Gesicht etwas verbinden. Anfangs bist du vielleicht noch der „Herr Kommilitone“, nach und nach kann es dann aber auch mal mit dem Namen klappen. Und ja, es fällt immer mal wieder schwer, den Arm zu heben. Nehme dein Studium und die Veranstaltungen aber als wirkliche Chance wahr, auch mal aus der eigenen Komfortzone auszubrechen. Und wenn deine Professor:innen das „Prinzip der offenen Tür“ leben, so nutze auch diese Chance. Ein netter Schnack auf Augenhöhe freut nicht nur dich und die Dozierenden. Bei dieser Form von „Networking“ können durchaus auch mal tolle Ideen für Projekte zustande kommen, was dein ganzes Studium nochmal attraktiver macht.

  • Spring über deinen Schatten und nimm aktiv an den Veranstaltungen teil
  • Nimm Angebote wie Sprechzeiten und offene Türen der Dozierenden an

9. Mache. Backups. Regelmäßig!

Achte IMMER darauf, deine Dateien möglichst regelmäßig zu sichern. Es wäre doch zu ärgerlich, jeden noch so kleinen, mühsam erarbeiteten Textfortschritt zu verlieren, den du dir gerade in einer deiner ersten Hausarbeiten erarbeitet hast. Und auch wenn du glaubst, dass dieser Tipp schon so einen Bart hat: Besonders bei neuen Anwendungen und Serviceangeboten ist es sinnvoll, nochmals fokussierter auf diese Kleinigkeit zu achten.

  • Speichere deine Arbeiten, Ideen und Notizen regelmäßig

10. Nimm bei Bedarf Hilfe in Anspruch

In den letzten Schuljahren lief es eigentlich immer gut. Wenn du einmal deine Trägheit überwunden hattest, hast du auch gute Noten geschrieben. In der Uni kann es aber nach und nach häufiger mal Aufgaben, Foliensätze, Handouts und Skripte geben, die du nicht direkt verstehen wirst. Auch längeres Hinsetzen hilft dann nicht immer weiter. Das ist völlig normal. Scheue dich nicht nach Hilfe zu fragen. Entweder in deiner Lerngruppe oder auch in den Veranstaltungen. Das gilt auch für Tutorien – also eine Art Übungsgruppe, geleitet von höheren Studierenden – die ergänzend zu deinen Vorlesungen wie Statistik angeboten werden. Es wird auch immer wieder Situationen geben, wo deine Hilfe gebraucht wird, so dass ihr euch immer im Wechsel untereinander helfen könnt.

  • Frage nach Hilfe, wenn du etwas nicht verstehst
  • Unterstütze andere, wenn du helfen kannst

11. Blicke über deinen eigenen Studiengang hinaus

Wenn es dein Studium oder dein Campus hergibt, so tausche dich auch mal mit Studierenden anderer Fachdisziplinen aus. Es ist spannend, Gespräche außerhalb der eigenen immer gleichen Fachthemen und -gruppen zu haben. So lernst du ganz andere Perspektiven auf Themen kennen und kannst sicher auch die eine oder andere tolle Freundschaft knüpfen.

  • Schau über den eigenen Teller- beziehungsweise Studienrand

12. Nicht jeder Tipp wird für dich passen

Im Grunde einer der wichtigsten Tipps: Es hat ja schon Tradition, dass Absolvent:innen und Studierende der höheren Semester viel „Insiderwissen“ teilen. Und das ist auch gut so. So wirst du schnell viel über die Möglichkeiten von Praxissemestern im Ausland, empfehlenswerte Kurse, Tutorien und Veranstaltungen lernen. Deine Mitstudierenden werden immer mal wieder unterschiedliche Meinungen zu Seminaren, Personen oder empfohlener Literatur haben. Und auch alle anderen Ratgeber:innen bringen immer ihre ganz individuellen Erfahrungen in eigene Ratschläge ein. Mach dir aber nach Möglichkeit immer ein eigenes Bild. Wenn es die Zeit hergibt, probiere dir sinnvoll erscheinende Lernmethoden aus. Interessiert dich ein Seminar, obwohl Kommiliton:innen sagen, dass aufgrund fehlender Anwesenheitspflicht gar kein Grund für einen Besuch der Veranstaltung spricht? Du wirst vor Ort sicher Gleichgesinnte treffen. Folge deinem Bauchgefühl, denn niemand weiß so gut wie du selbst, was dir wichtig ist, was du ausprobieren möchtest und was du für dein erfüllendes und erfolgreiches Studium brauchst. Ach ja, und nicht jede Buchempfehlung musst du dir direkt ungesehen kaufen. Das Geld ist knapp und du hast auch noch eine Universitätsbibliothek an deiner Seite, die dir in Sachen Fachliteratur gerne zur Seite steht.

  • Nimm Ratschläge und Tipps dankbar an
  • Mache dir aber nach Möglichkeit immer selbst ein Bild von Inhalten, Methoden oder Personen, statt vorschnell jedem „Gerücht“ zu glauben
Stifte, Heft, Radiergummi auf dem Tisch
Welche Tipps, Methoden und Materialien helfen euch beim Studieren? (Foto: „Arbeitsutensilien“ von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0)

Ich hoffe, es waren einige Tipps dabei, die nicht nur meinem Ersti-Ich helfen könnten. Falls ihr selbst Tipps und Tricks für den Studienstart oder spätere Semester habt, so teilt diese doch gerne in den Kommentaren. Allen Studierenden möchte ich an dieser Stelle einen möglichst angenehmen Semesterstart wünschen. Viel Spaß und Erfolg für die kommenden Wochen und Monate! Lasst euch von dem einen oder anderen Dämpfer nicht unterkriegen und schaut bei bibliotheksspezifischen Fragen auch gerne einmal in den Ersti-Blogbeiträgen zur Bibliotheksnutzung der tub. vorbei.


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: „Wenn ich nochmal Ersti wäre …“: 12 Tipps zum Semesterstart von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
Blätter als Herbstbäume

Monatsnotiz August/September 2021 – dies und das im Tagesgeschäft, Veranstaltungen und Semestervorbereitungen

„Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da, er bringt uns Wind, hei hussassa!“ Na, wer hat spätestens jetzt wieder einen Ohrwurm von diesem Klassiker? Ich seit einigen Tagen. „Erwischt“ hat es mich auf dem Weg zur Arbeit. Womit wir auch schon bei der Monatsnotiz für die Monate August und September 2021 sind.

„Blätter-Herbstwald“ von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0

Arbeit vor Ort

Nach und nach ändern sich einige Arbeitsgewohnheiten wieder, die uns alle in den letzten Monaten begleitet haben. So konnten in Hamburg auch wissenschaftliche Bibliotheken wieder für den Präsenzbetrieb öffnen und dementsprechend Service vor Ort anbieten. Das erste Mal wieder in der Bibliothek Spätdienst machen, auf Fragen direkt eingehen, einfach mal das gesuchte Regal zeigen. Irgendwie habe ich es schon vermisst, aber komisch fühlten sich diese wiedergewonnenen Möglichkeiten anfangs schon an. So, als ob man vieles, das man über Jahre aus dem Effeff beherrschte, wieder neu lernen oder zumindest etwas anders denken muss. Spannend.

Dies und Das im Tagesgeschäft

Im Alltagsgeschäft ist nach der Urlaubszeit gefühlt sehr viel Kleinkram angefallen. So mussten das eine oder andere Mal „kaputte“ Links auf unseren tub.-Webseiten ausgetauscht werden (es gibt bei uns im Haus unterschiedliche Zuständigkeiten, Hinweise erhalten wir automatisiert per Linkchecker) und es gab durch Urlaubsvertretungen häufiger als sonst neben Gesprächen im Rahmen von Publikationsberatung zu bearbeitende Anschaffungsvorschläge im Fachreferat (berichtet habe ich dazu auch endlich mal beim #Fachreferatsfreitag, den ich auch bereits in einer früheren Monatsnotiz erwähnte).

Aktuell spielen für uns als Bibliothek sonst Überlegungen für die gemeinsamen Ziele des kommenden Jahres eine Rolle. Und auch der Rückblick auf das, was wir uns für 2021 vorgenommen hatten und noch haben, ist natürlich ein Thema für die interne Dokumentation. Teil dieser Ziele sind geplante Veranstaltungen und die dazugehörige Veranstaltungsplanung. Für das kommende Jahr läuft so zum Beispiel bereits die Konzeption der nächsten Ausgabe unserer Collect, Write, Publish-Reihe, während derzeit auch noch an Events wie der schon im Oktober stattfindenden „Open Access Week“ (25. bis 31. Oktober 2021, Motto dieses Jahr: It Matters How We Open Knowledge: Building Structural Equity.) gearbeitet wird. Mehr dazu wird es im Oktober natürlich auf den Seiten der tub. geben.

Vorbereitungen Wintersemester

Gefühlt haben wir gerade erst unsere Feedbacks zu den wissenschaftlichen Arbeiten der Studierenden aus dem Sommersemester 2021 verschickt (kurz berichtet hatte ich auch hier), da klopft auch schon das neue Semester an die Tür. Aktuell ist unser Bachelorseminar „Wissenschaftliches Arbeiten“ als Präsenzveranstaltung mit 30 Studierenden vor Ort geplant. In den vergangenen digitalen Semestern hatten wir Platz für 60 Teilnehmer:innen, die Nachfrage lag dabei zwischen 180 und 210 Anmeldungen. Ich bin auf jeden Fall auf die Nachfrage im kommenden Semester und vor allem den Austausch mit den Studierenden selbst gespannt.

Veranstaltungen

In den Monaten August und September habe ich an unterschiedlichen internen und externen Veranstaltungen teilgenommen. In unserer internen Veranstaltung „PC Beratung Live“ ging es unter anderem um das Gutenberg-Plugin für WordPress, Aufbau und Funktionen unseres Reservierungssystems für Arbeitsplätze in der Bibliothek und unterschiedliche Kniffe für unser internes Wiki. Über einige externe Veranstaltungen möchte ich an dieser Stelle ausschnitthaft berichten.

WiWi-Tagung 2021 Bibliotheken – Support für die Wissenschaft

Die VDB-Kommission für Fachreferatsarbeit und die Staats- und Universitätsbibliothek (SuUB) Bremen luden am 16.09. und 17.09.2021 zur WiWi-Tagung 2021 Bibliotheken – Support für die Wissenschaft (#WiWiFr) ein.

Tag 1

Am ersten Veranstaltungstag gab es Beiträge, die den Themenblocks „Forschungsdaten“ sowie „Publikationsmanagement und Open Access“ zugeordnet wurden.

Klaus Tochtermann (ZBW) gab in „Forschungsdateninfrastruktur in der Wirtschaftswissenschaft mit Bezug zu NFDI“ einen Einblick in die Konsortien KonsortSWD (strukturierte, standardisierte Daten und bestehende Infrastruktur über FDZ) und BERD (nicht strukturierte und standardisierte Daten, keine Infrastruktur), die im Anschluss in einer Gegenüberstellung betrachtet wurden. Nach einem Einblick in gaia-x (Daten aus der Wirtschaft) wurde die Frage in den Raum gestellt, warum zwei ähnliche Infrastrukturen (Privatwirtschaft und Wissenschaft) aufgebaut werden und dass dieses Thema vom Projekt FAIR DataSpace aufgegriffen wird.

Olaf Siegert (ZBW) gab in „Open-Access-Transformation in den Wirtschaftswissenschaften“ einen Ausblick auf den Publikationsmarkt. Erkennbar sind hier vor allem in der Vergangenheit alarmierend hohe Marktanteile von wenigen Verlagen, wobei nun erste positive Auswirkungen der Open-Access-Transformation erkennbar seien. Tamara Pianos (ZBW) stellte in „Career Kit“ verschiedene Angebote zum wissenschaftlichen Arbeiten vor. Besonders gut gefielen mir dabei das Academic Career Kit (drei Tutorials für Nachwuchswissenschaftler:innen, die sich unter anderem den Themen „Publizieren“ und „Metriken“ widmen) sowie das Open Science Magazin.

Tag 2

Der zweite Veranstaltungstag war geprägt von den Lightning Talks, die nach kurzem Input später in Breakoutsessions weiter diskutiert werden konnten. Themen waren unter anderem:

  • Blended Learning in der Ökonomie,
  • Virtuelle Sprechstunden anbieten,
  • Aspekte des Fachreferates sowie der Informationskompetenzvermittlung,
  • „Infotools“ als Marke der Bibliothek? Onlinekurse in StudIP zur Unterstützung von Studium und Lehre,
  • Systematic Literature Review in den Wirtschaftswissenschaften – Best Practice gesucht.

Ich habe hier an der „Infotools-Session“ teilgenommen, in der wir über Erfahrungen rund um Lehrinhalte, aber auch die konkrete Nutzung von Anwendungen wie H5P (Erstellung von interaktiven HTML5-Content ohne Programmierkenntnisse) gesprochen haben.

Open-Access-Tage 2021

Die Open-Access-Tage 2021 standen unter dem Motto „Partizipation“. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr wurden dieses Jahr Konferenzinhalte über Zoom (Videokonferenz), gather.town (Online-Konferentool zur Interaktion im virtuellen Raum über Avatare) und Miro (Whiteboard) organisiert. Während Zoom vielen bekannt sein dürfte (einige Tipps dazu habe ich hier aufgeschrieben), habe ich zu gather.town und Miro einige Eindrücke im Rahmen des Open-Access-Barcamps 2021 in Text- und Bildform festgehalten. Wie schon im Mai profitieren mit diesen Tools meiner Meinung nach vor allem die Interaktionsmöglichkeiten der Veranstaltung. So fand ich es abseits fester Programmpunkte wie den Keynotes, Sessions, Workshops, Postervorstellungen, Thementischen und Speed Dating einfach toll, frei – mehr oder weniger wie im realen Leben – durch die Posterausstellung wandern zu können. Die erste Orientierung nahm ein wenig Zeit in Anspruch (wie auch bei Präsenzkonferenzen, bei denen man die Location nicht regelmäßig nutzt oder besucht), generell wurde der Einstieg aber durch verschiedene Einstiegshilfen sehr angenehm gestaltet. Einige meiner Notizen zu besuchten Programmpunkten habe ich nachfolgend zusammengefasst.

Keynote „Open access and social justice“ (Laura Czerniewicz)

Für mich startete der erste Veranstaltungstag mit der Keynote „Open access and social justice“ von Laura Czerniewicz (University of Cape Town). Diese wies gleich zu Beginn darauf hin, dass viele Zitate in die Präsentation eingebaut sind und Interessierte hoffentlich dazu inspiriert werden, einen weiteren Blick auf diese zu werfen. Nach einer Definition von „Social Justice“ stellte Czerniewicz mit „Maldistribution (Economic injustice)“, „Misrecognition (Cultural injustice)“ und „Misframing (Political injustice)“ drei Typen von Ungerechtigkeit vor, die eng miteinander verbunden sind. Diese wurden im weiteren Verlauf herangezogen, um vor allem einen kritischen Blick auf aktuelle Entwicklungen rund um Open-Access-Geschäftsmodelle im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit zu werfen. Prägnante Aussage zum Abschluss der Präsentation und Start der Diskussion: „the dominant OA business model generally continues to privilege a knowledge hegemony and traditional big publishers“. Diskutiert wurden unter anderem Möglichkeiten, um Verlagsmonopole zu „brechen“. Eine Möglichkeit sei dabei der Bruch mit akademischen Publikationsgewohnheiten, wobei hier gerade für akademische Einsteiger:innen das Problem bestehe, dass nicht immer komplett freie Publikationsentscheidungen getroffen werden können. Die Präsentationsfolien stehen hier zur Verfügung.

„Session 1: Aktuelles von den Forschungsförderern: OA-Programme und -Monitorings“ (Tag 1)

Weiter ging es in Session 1 zum Thema „Aktuelles von den Forschungsförderern: OA-Programme und -Monitorings“. Den Anfang machte hier Angela Holzer (Deutsche Forschungsgemeinschaft) mit dem Beitrag „Open-Access-Publikationskostenförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft“. Frau Holzer berichtete vom Stand der Antragsbearbeitung vom Programm Open-Access-Publikationskosten der Deutschen Forschungsgemeinschaft:

  • Die insgesamt 116 Anträge wurden in sechs Sitzungen („Universitäten“, „Außeruniversitäre“, „Hochschulen“) aufgeteilt,
  • fast 80% der Mittel wurden von Universitäten beantragt,
  • Stand 27.09.2021: es wurden über 95 Millionen Euro für die Förderung von Artikeln in der Zeit von 2022 bis 2024 beantragt,
  • dies führt am Ende zu einheitlichen Kürzungen.

Erste Einrichtungen werden in Kürze bereits Entscheidungsschreiben erhalten, planmäßig sollen bis November/ Dezember alle Entscheidungsschreiben verschickt werden. Allgemeine Informationen zur ersten Begutachtungsrunde werden Ende Dezember/ Anfang Januar bereitgestellt.

Im Anschluss stellte Bernhard Mittermaier (Forschungszentrum Jülich) in „Monitoring des DFG-Förderprogramms ‚Open Access Publikationskosten‘“ nach einem Rückblick auf ein voriges DFG-Programm (bei diesem mussten geförderte Einrichtungen ebenfalls Daten nachweisen, wobei es keine vorgeschriebene Form der Datenlieferung gab, was am Ende zu einem unbrauchbaren Datenbestand führte) die Learnings und den eigentlichen Ablauf des Monitoring-Konzepts vor, das auch für das DFG-Förderprogramm „Open Access Publikationskosten“ genutzt wird. Die Folien des Beitrags sind über Zenodo verfügbar.

„Session 4: OA in der Aus- und Weiterbildung“ (Tag 1)

In Session 4 („OA in der Aus- und Weiterbildung“) gab es insgesamt drei Praxisberichte. Den Start machten Ina Blümel (TIB), Maria Sael und Simon Worthington (TIB), die in „Collaborative Open Access Publishing – A Field Report“ von einer Lehrveranstaltung an der Hochschule Hannover berichteten (Bachelorstudium Informationsmanagement). In dieser gab es umfassendere Einheiten zu Open Access und Open Access Publishing, wobei wichtig war, dass ein Praxisbezug vorhanden ist. Tools (unter anderem GitHub und Fidus Writer) und Systeme (zum Beispiel DOI oder ORCID) sollten also nicht nur kennengelernt, sondern auch wirklich ausprobiert werden. Im Rahmen der Präsentation gab es auch einen Einblick in die am Ende der Lehrveranstaltung entstandene Publikation der Studierenden. Der Foliensatz der Präsentation ist über Zenodo verfügbar.

„Session #5: OA für Einsteiger*innen“ (Tag 2)

„Preprints als ‚besondere Form‘ der Open-Access-Veröffentlichung – Herausforderungen und Umgang damit“ lautete das Thema von Jasmin Schmitz (ZB MED) zu Beginn von Session 5 am zweiten Tag der Open-Access-Tage 2021. Nach einer Definition von Preprints (frei verfügbare Vorab-Versionen von Manuskripten, die noch nicht durch ein Peer-Review-Verfahren begutachtet wurden) gab Jasmin Schmitz Einblicke in die Preprint-Historie (arXiv ist der älteste bekannte Preprint-Server, Auftrieb der Preprint-Server durch COVID-19-Forschung), Vorteile von Preprints (früher Zugang zu Forschungsergebnissen, breites Feedback über Fach-Community, „Übung“ des wissenschaftlichen Arbeitens für wissenschaftlichen Nachwuchs) und Herausforderungen (schnelle und komplexe Entwicklung der Preprintlandschaft, da es mittlerweile neben klassischen Verlagen auch Angebote von kommerziellen Verlagen und Kooperationen zwischen Zeitschriften und Plattformen gibt). Da anzunehmen ist, dass diese Entwicklung nicht so schnell stoppt, sollten OA-Beauftrage und Bibliotheken selbst sich immer wieder neu mit den Entwicklungen vertraut machen (beispielsweise über das Directory of preprint server policies and practices). Der Foliensatz kann hier eingesehen werden.

Andreas Kirchner und Maximilian Heber (beide KIM) stellten im Anschluss in „Open Access for Beginners“ die neue open access network-Seite vor, die Austauschmöglichkeiten für die Community und viele unterschiedliche Materialien zum Thema Open Access bietet.

Session 7: Mehrwertdienste rund um OA (Tag 2)

Die Session „Mehrwertdienste rund um OA“ startete mit Josephine Hartwig (SLUB Dresden), die den Beitrag „B!SON – Empfehlungsservice für qualitätsgesicherte OA-Zeitschriften“ (Bibliometric and Semantic Open Access Recommender Network) mit dem Zitat „Wissen zu teilen ist der grundlegendste Akt der Freundschaft“ begann und im Anschluss eine Brücke zum wissenschaftlichen Wissen schlug. Bei diesem müssen Menschen Kenntnisse darüber haben, wo dieses Wissen am besten geteilt werden kann, damit es auch an die richtige Zielgruppe gelangen kann. Hier soll der Empfehlungsservice des Projekts B!SON unterstützen, indem zu einem Manuskript passende Open-Access-Zeitschriften herausgesucht werden. Gerade im Hinblick auf die voranschreitende Open-Access-Transformation und immer mehr Open-Access-Publikationsmöglichkeiten könnten Wissenschaftler:innen so nach Fertigstellung von Forschungsarbeiten bei der Findung und Auswahl von Zeitschriften (im DOAJ werden aktuell mehr als 16.800 Journale aufgeführt) gezielt unterstützt werden. Nach Dateneingabe zur eigenen Publikation wird auf Basis bibliometrischer und semantischer Verfahren eine Ähnlichkeitsbestimmung durchgeführt, die Forschenden am Ende passende Publikationen für das eigene Manuskript aus dem großen Pool von Open-Access-Publikationsmöglichkeiten vorschlägt. In der Fragerunde gab es unter anderem einen Austausch zum Thema „Bedeutung des Impact Factors“ und Unterschiede in den Publikationskulturen einzelner Fächer. Weitere Details gibt es in den dazugehörigen Vortragsfolien.

Peter Kraker (Open Knowledge Maps) und David Johann (ETH-Bibliothek) sprachen in „Open Knowledge Maps Custom Services: Visuelle Literatursuche für institutionelle Systeme“ zunächst über Discovery-Probleme in unterschiedlichen Fachdisziplinen der Wissenschaft. Eine Möglichkeit, Wissen trotz steigendem Publikationsaufkommen sichtbarer und auffindbarer zu machen, seien Wissenslandkarten. Deren Vorteile gegenüber Listensystemen wurden kurz am Beispiel des Themas „Herzerkrankungen“ aufgezeigt, bevor praxisorientiert das Erstellen einer eigenen Wissenslandkarte am Beispiel „digital education“ auf https://openknowledgemaps.org vorgestellt wurde. Ein konkreter Vorteil sei dabei laut Kraker die Möglichkeit, Forschungsfelder aus der Vogelperspektive zu überblicken, um so zum Beispiel individuell relevante Konzepte oder Teilaspekte identifizieren zu können. Weitere Informationen zur Funktionsweise einer visuellen Suchmaschine und Einblicke in den Use Case der ETH-Bibliothek Zürich (Integration in den Katalog unter „Meine Suche schicken an“ in einer Trefferanzeige im Katalog) können den Folien in der Zenodo-Community entnommen werden. In der Fragerunde wurde unter anderem darüber gesprochen, ob es Informationen zur Nutzung des Features gibt (ETH) und welche Herausforderungen bei der Einbindung in unterschiedliche bestehende Discovery-Systeme bestehen.

Abgeschlossen wurde der Sessionblock durch den Beitrag „ORCID-Monitoring und OA-Kontext“ von Friedrich Summann (Universitätsbibliothek Bielefeld) und Stephanie Glagla-Dietz (Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt). Hier wurden Einblicke in den ORCID DE Monitor (Nutzung und Verbreitung von ORCID iDs werden erfasst, analysiert und bereitgestellt) gegeben. Aktuell befinden sich hierzu leider noch keine Folien in der Zenodo-Community der Open-Access-Tage 2021.

Keynote „Partizipation durch OA – ein nur teilweise eingelöstes Versprechen“, Margo Bargheer (Tag 3)

In der Keynote „Partizipation durch OA – ein nur teilweise eingelöstes Versprechen“ blickte Margo Bargheer (Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen) aus ethnologischer Perspektive auf kulturelle Phänomene und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Open Access und Partizipation. Dabei klärte Frau Bargheer zunächst die Begrifflichkeit „Partizipation“ und sprach über verschiedene Formen von Partizipationsmöglichkeiten in Politik und Gesellschaft, bevor als weiteres konkretes Beispiel unter anderem eine aktuelle Diskussion in der Open-Access-Community (Umgang mit 2.000 EUR-Grenze für APCs) herangezogen wurde. Eine Rolle spielen hier nach Bargheer zum Beispiel die Konstrukte „Wertesystem“ und „Machtgefühl“ (Wir als Gruppe können Dinge verändern oder unerwünschte Entwicklungen vermeiden). Spannend ist dabei auch der Blick auf das „Abwägungsdilemma“, das uns im täglichen Arbeitsalltag rund um Open Access begleitet (welcher Zweck heiligt welche Mittel: bezahlen wir für wenige lautstarke Menschen hohe Artikelgebühren oder versuchen wir möglichst vielen Personen an unseren Einrichtungen das Publizieren zu ermöglichen?). Nach einem kritischen Blick auf Entwicklungen wie dem Guided Open Access-Ansatz und dem Zwischenfazit, dass wir weg vom APC-Modell in unterschiedliche innovative Publikationsmodelle investieren sollten (dazu auch eine einprägsame Aussage von Leslie Chan: „Diversity of models should be the goal…“), resümierte Bargheer, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben, um echte Partizipation (im Sinne von Teilen und nicht nur teilhaben lassen) zu ermöglichen. Hier freue ich mich – auch aufgrund der Masse an spannenden Überlegungen – besonders nochmal auf die Videoaufzeichnung des Vortrags. Der Foliensatz zu dieser Keynote steht bereits über Zenodo zur Verfügung.

Die Open-Access-Tage boten auch dieses Jahr wieder ein vollgepacktes, spannendes Programm. Erfreulicherweise können neben den verlinkten Beitragsfolien bereits zahlreiche weitere Materialien der Veranstaltungstage über die Zenodo-Community abgerufen werden. Aufgezeichnete Vorträge sollen zeitnah über das AV Portal der TIB bereitgestellt werden und derzeit kann auch noch das komplette Veranstaltungsprogramm eingesehen werden.

OERcamp

Bei dieser OERcamp-Ausgabe (29.09.) im Onlinebarcamp-Format ging es im – für die OER-Community offenen Teil – in drei Sessionblöcken um individuell eingebrachte Themen aus Hochschule, Schule, Weiterbildung und beruflicher Bildung. Das Programm kann aktuell noch hier eingesehen werden.

Teilgenommen habe ich zunächst an der Session „Wissensspiele (Escape Games) mit H5P“ von Martina Rüter. Diese gab einen Einblick in das selbst erstellte Spiel Urheberrecht und OER sowie die Erfahrungen und Herausforderungen bei der Übertragung ins H5P-Format. Die Dokumentation der Session ist hier verfügbar. Im nächsten Session-Block stellte Alica Schomacker in „Top-200-Liste: OER-Tipps vom Team OERcamp“ eine Liste mit vielen hilfreichen Tools zur Erstellung von OER-Materialien vor. Diese sind beispielsweise nach Kategorien wie „Audio und Video“, „Bilder und Grafik“ und „Kunst und Kultur“ sortiert. Die Dokumentation der Session ist hier verfügbar. Zuletzt hatte ich noch die Möglichkeit, mich in der Session „OER Materialien für Citizen Science in der Informatik“ von Annika Nowak und Jan Pawlowski inspirieren zu lassen. Auch hier liegt eine kleine Dokumentation von unserem Austausch vor.

Alles in allem war diese Ausgabe vom OERcamp wirklich kurz, aber wie eigentlich immer konnte man viele schöne Ideen und Eindrücke für und von offenen Bildungsmaterialien mitnehmen.

Ausblick

Für die kommenden Wochen und Monate habe ich einige Ideen (Tools, Lernmaterialien, Veranstaltungen), an denen ich gerne weiterarbeiten möchte. Einiges, was mir durch den Kopf geistert, kommt sicher auch aufs Papier beziehungsweise ins tub.torials-Blog.


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Monatsnotiz August/ September 2021 – dies und das im Tagesgeschäft, Veranstaltungen und Semestervorbereitungen von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
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