Zitieren leicht(er) gemacht: Wichtige Regeln im Überblick
Es passiert schneller als gedacht: Ein Absatz ist geschrieben, und plötzlich stellt sich die Frage, ob er nicht eigentlich doch zitiert werden muss. Und vor allem: Wie macht man das korrekt? Die gute Nachricht: Zitieren ist kein Hexenwerk. Mit ein paar grundlegenden Regeln lässt sich bereits sauber und transparent arbeiten.
In wissenschaftlichen Arbeiten müssen wir alle verwendeten Quellen korrekt angeben. Immer wenn wir uns auf eine Quelle beziehen, fügen wir einen Verweis im Text oder eine Fußnote ein. Außerdem listen wir alle Quellen am Ende unserer Arbeit im Literaturverzeichnis auf. Im Detail haben wir das Thema bereits im Blogbeitrag Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten: Warum und wie? ausführlich besprochen.
In diesem Beitrag fassen wir einige wesentliche Regeln für das Zitieren nochmals zusammen. Anschließend kann in einem H5P-Quiz überprüft werden, was wir bereits zum Thema wissen.
Der Beitrag ist in die folgenden Abschnitte eingeteilt:
- Warum wir zitieren
- Direkte Zitate
- Indirekte Zitate
- Was muss nicht zitiert werden?
- Praktische Hinweise für das Zitieren
- Interaktives Quiz zum Zitieren
- Literaturempfehlungen zum Zitieren
Warum wir zitieren
Zitieren ist weit mehr als eine formale Pflicht. Zitieren ist ein zentraler Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens. Die wichtigsten Gründe sind:
- Nachweis wissenschaftlicher Quellen: Wir zeigen, auf welchen Arbeiten unsere Argumentation basiert.
- Transparenz: Leser*innen können nachvollziehen, woher Informationen stammen.
- Vermeidung von Plagiaten: Eigenständiges Arbeiten wird sichtbar, fremde Ideen korrekt gekennzeichnet.
- Respekt für Urheberrechte: Wir würdigen die Leistung der Autor*innen.
- Stützung eigener Argumente: Zitate können Aussagen untermauern oder kontrastieren.
- Dialog mit der Forschung: Wir treten in Austausch mit bestehenden Texten und Wissenschaftler*innen.
Die Bedeutung des Zitierens wird auch in den Regeln der Guten Wissenschaftlichen Praxis (GWP) deutlich. Umfassender werden diese auf der TUHH-Seite GWP Video für Studierende besprochen. Das Thema Zitieren wird dort unter anderem in Video 2 ab Minute 9:00 aufgegriffen.
Direkte Zitate
Direkte Zitate übernehmen den genauen Wortlaut aus einer Quelle. Sie sind besonders sinnvoll, wenn die Formulierung oder der Ausdruck von Autor*innen möglichst exakt wiedergegeben werden soll.
Kennzeichnung und Formatierung
Jedes direkte Zitat wird durch doppelte Anführungszeichen („…“) vom eigenen Text abgehoben und muss den originalen Wortlaut, die Rechtschreibung, Zeichensetzung und die Zeitform unverändert wiedergeben. Wenn wir Wörter weglassen möchten, markieren wir dies mit […]. Eigene Ergänzungen oder Anpassungen, die für das Verständnis nötig sind, setzen wir in eckige Klammern [ ]. Wichtig: Das Zitat muss grammatikalisch korrekt in unseren eigenen Satzbau eingebunden werden, damit der Text am Ende flüssig lesbar bleibt.
Beispiel:
Sesink schreibt: „In den Ingenieur-, den Natur- und den empirischen Sozialwissenschaften werden primär Daten generiert und interpretiert; in den Geisteswissenschaften werden vor allem Texte gelesen und geschrieben“ (Sesink 2012, S. 11).
Wenn wir nur einen Teil zitieren möchten, können wir es wie folgt formulieren:
Laut Sesink werden „in den Geisteswissenschaften […] vor allem Texte gelesen und geschrieben“ (Sesink 2012, S. 11).
Quellenangabe und Zitierstile
Bei der Quellenangabe geben wir bei Büchern Autor, Jahr und Seitenzahl an (z.B. Jele 2024, S. 29), bei Internetseiten den Titel der Seite. Alternativ können Fußnoten verwendet werden. Am Ende der Arbeit führen wir alle Quellen vollständig im Literaturverzeichnis auf.
Wichtig:
Der konkrete Zitierstil (zum Beispiel Harvard, APA oder Chicago) wird oft von Fachbereichen, Journals oder Betreuenden vorgegeben.
Ein Tipp:
Wenn wir einen Zitierstil vorgegeben bekommen oder auch einfach erstmal nur mit dem Zitieren beginnen wollen, so helfen uns Literaturverwaltungsprogramme wie Zotero (siehe auch Schnelleinstieg: Zotero in 7 Schritten) oder Citavi (siehe auch Einstieg in Citavi) bei der Umsetzung. Das Schöne: Soll es nachher ein komplett anderer Stil sein, so reichen in diesen Programmen wenige Mausklicks. Ohne Literaturverwaltungsprogramm müssen wir jede Quelle in unserem Text manuell anpassen.
Im Blogbeitrag Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten: Warum und wie? finden wir detailliertere Informationen zu einigen Zitierstilen. Eine Übersicht zu vielen verschiedenen Zitierstilen ist auch im Beitrag Den einen oder keinen: Zitationsstile „analysieren“ und in Zotero hinzufügen verlinkt.
Besonderheiten
- Anführungszeichen im Zitat: Wenn im Originalzitat Anführungszeichen vorkommen, wandeln wir diese in einfache Anführungszeichen (‚…‘) um.
- Fehler im Original: Offensichtliche Fehler oder ungewöhnliche Schreibweisen im Original markieren wir mit [sic], was so viel wie „so stand es im Original“ bedeutet. Je nach Stilvorgabe variiert die Schreibweise, sodass u.a. auch [sic!] gebräuchlich ist.
- Hervorhebungen: Kursive oder fette Schrift im Originaltext übernehmen wir unverändert.
Häufige Fehler beim direkten Zitieren
Beim direkten Zitieren sollten wir darauf achten, den Sinn des Originals zu erhalten. Wir sollten nicht zu häufig oder unnötig zitieren. Unsere eigene Argumentation sollte im Vordergrund stehen und Zitate möglichst sparsam (also keine Zitatcollage) eingesetzt werden. Wichtig ist auch, dass Sätze nicht mitten im Zitat abbrechen und jedes Zitat grammatikalisch korrekt in unseren Text eingebunden wird.
Indirekte Zitate
Indirekte Zitate, auch Paraphrasen genannt, geben die Gedanken eines Textes in eigenen Worten wieder. Sie eignen sich besonders, wenn die exakte Formulierung nicht entscheidend ist, aber die Aussage wichtig bleibt. Bei indirekten Zitaten müssen wir die Aussage des Originals genau wiedergeben, ohne sie zu verzerren. Eine Quellenangabe ist dabei immer erforderlich. Um zusätzlich im Fließtext deutlich zu machen, dass es sich nicht um unsere eigenen Gedanken handelt, können wir einleitende Wendungen (zum Beispiel „laut“ oder „nach Angaben von“) sowie den Konjunktiv nutzen. Bei indirekten Zitaten werden keine Anführungszeichen gesetzt.
Beispiel:
Statt Die Methode ist effektiv (vgl. Mustermann 2025, S. 67) schreiben wir mit Konjunktiv Nach Angaben von Mustermann sei die Methode effektiv (vgl. Mustermann 2025, S. 67) oder ohne Konjunktiv Mustermann zufolge erweist sich die Methode als effektiv (vgl. Mustermann 2025, S. 67).
Die Quellenangabe wird in vielen Fachdisziplinen üblicherweise mit „vgl.“ (vergleiche) gekennzeichnet (vgl. Jele 2024; Niedermair 2023), um zu zeigen, dass wir nicht wörtlich zitieren. Ob „vgl.“ verwendet wird, hängt jedoch vom gewählten Zitierstil ab.
Was muss nicht zitiert werden?
Nicht alle Informationen müssen als Zitat gekennzeichnet werden. Quellenpflichtig sind nur autor*innenspezifische Ideen und Formulierungen. Fachbegriffe, die zum Allgemeingut unseres jeweiligen Fachgebiets gehören, müssen nicht zitiert werden. Ebenso wenig historische Daten und Fakten, die allgemein bekannt sind (z.B. „Die Berliner Mauer fiel 1989“), oder selbstverständliche Aussagen, die keiner spezifischen Quelle zugeordnet werden können.
Praktische Hinweise für das Zitieren
- Korrektheit prüfen: Kontrollieren wir nach dem Zitieren, ob wir die ursprüngliche Aussage korrekt übernommen haben.
- Eigene Anmerkungen kennzeichnen: Nutzen wir eckige Klammern [ ] für eigene Kommentare und [sic] für Fehler in der originalen Quelle.
- Balance wahren: Achten wir darauf, dass Zitate unseren eigenen Gedankengang unterstützen, aber nicht verdrängen.
- Literaturverwaltung nutzen: Programme wie Zotero (Open Source), Citavi (Campuslizenz) oder JabRef (Open Source) helfen beim Erstellen von Quellenangaben sowie Literaturverzeichnissen und vermeiden Fehler.
Interaktives Quiz zum Zitieren
Nach der Kurzübersicht können wir nun überprüfen: Haben wir die wichtigsten Grundregeln des Zitierens verinnerlicht?
Sollte es bei der Darstellung des H5P-Elements zu Problemen kommen, kann auch die auf https://h5p.org abgelegte Version ausprobiert werden.
Literaturempfehlungen zum Zitieren
In der Lehrbuchsammlung der TUB zum wissenschaftlichen Arbeiten bieten sich unter anderem folgende Titel zur Vertiefung des Themas an:
- Signatur: WHN 319
Jele, H. (2024). Richtig Zitieren (5th ed). Kohlhammer Verlag. - Signatur: WHN 397
Niedermair, K. (2023). Recherchieren, Dokumentieren, Zitieren: Die Arbeit mit wissenschaftlichen Quellen (2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage). UTB. https://doi.org/10.36198/9783838560663 - Signatur: WHN 332
Sesink, W. (2014). Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten: Inklusive E-Learning, Web-Recherche, digitale Präsentation u.a (9., aktualisierte Auflage). Oldenbourg Verlag. https://doi.org/10.1524/9783486717648

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