Videokonferenz

10 Tipps und Tricks für Videokonferenzen und Aufzeichnungen mit Zoom

Nach über einem Jahr Covid-19 sind Videokonferenzen mittlerweile fester Bestandteil unserer Meeting- und Arbeitskultur. Zoom dürfte dabei eine der am meisten verwendeten Videokonferenz-Anwendungen sein. Grund genug rechtzeitig zum Start des Sommersemesters an der TUHH und anderen deutschen Hochschulen meine persönlichen zehn Lieblingstipps für Zoomkonferenzen und -aufzeichnungen in einer kleinen Liste festzuhalten. Viele davon dürften bekannt sein. Vielleicht ist aber auch die eine oder andere neue hilfreiche Funktion oder Anregung dabei. Grundlage für den Beitrag ist die Zoom-Version 5.5.5 (macOS). Die Funktionen sollten aber auch auf anderen Betriebssystemen über gleiche oder ähnliche Klickpfade aktivierbar sein.

1. Video standardmäßig ausschalten

Mein Video war in Zoom eine ganze Zeit lang standardmäßig immer eingeschaltet, sobald ich einen Raum betreten habe. Gerade wenn man überpünktlich in Warteräumen eintrifft und in der Zwischenzeit noch andere Aufgaben oder den Gang zur Kaffee- oder Teekanne erledigen möchte, unpraktisch (wenn auch noch ein sehr verfrühter Einlass in die Besprechung erfolgt). Die Option kann über das Pfeilsymbol (rechts unten von der Menüoption „Video abbrechen“/ „Video starten“), Klick auf „Videoeinstellungen…“ und schließlich im Menü „Video“ über „Mein Video ausschalten, wenn ich einem Meeting beitrete“ ein- oder ausgeschaltet werden.

Videos können automatisch beim betreten von Besprechungsräumen ein- oder ausgeschalten werden.

Videos können automatisch beim Betreten von Besprechungsräumen ein- oder ausgeschaltet werden.

2. Individuelle Hintergründe „bauen“

Im letzten Jahr habe ich einen Beitrag zur Erstellung von Screencasts mit Powerpoint geschrieben. Powerpoint eignet sich aber auch wunderbar, um individuelle Hintergründe für Videokonferenzen zu erstellen. Ob einfarbige Flächen, Hintergründe mit Farbverläufen (wie man es von vielen Streamer:innen kennt) oder eine Mischung aus Farben, Formen und Texten: Mit Powerpoint ist das mit Hilfe weniger Klicks alles kein Problem. Sowohl dezente Hintergründe als auch Hintergründe, die Gesprächsstoff für Aufzeichnungen oder Videokonferenzen (bspw. eine fixe Agenda für eine Besprechung) liefern, lassen sich schnell umsetzen.

Dazu öffnen wir eine leere Powerpointpräsentation und können über einen Rechtsklick mit der Maus auf die Folie die Option „Hintergrund formatieren…“ auswählen. An der rechten Bildschirmseite öffnet sich ein Menü mit zahlreichen Füllungsoptionen, mit denen nun experimentiert werden kann.

Mit Hilfe von Powerpoint lassen sich eigene virtuelle Hintergründe erstellen.

Mit Hilfe von Powerpoint lassen sich eigene virtuelle Hintergründe erstellen.

Nach einem Rechtsklick auf den leeren Foliensatz und Auswahl von "Hintergrund formatieren..." öffnet sich das Menü mit Formatoptionen.

Nach einem Rechtsklick auf den leeren Foliensatz und Auswahl von „Hintergrund formatieren…“ öffnet sich das Menü mit Formatoptionen.

Wichtig ist der Export in – von Zoom unterstützte Formate – wie PNG oder JPG. Dies geht in Powerpoint nach Auswahl des „Datei“ und Klick auf „Exportieren…“.

Die Folien müssen für den Einsatz in Zoom in ein Format wie PNG oder JPG exportiert werden.

Die Folien müssen für den Einsatz in Zoom in ein Format wie PNG oder JPG exportiert werden.

Einige einfache Beispiele können über das – auch im Lizenzhinweis dieses Beitrags verlinkte – GitLab-Repositorium runtergeladen werden.

Eine Auswahl an einfachen Hintergründen steht frei zum ausprobieren bereit.

Eine Auswahl an einfachen Hintergründen steht frei zum Ausprobieren bereit.

In Zoom fügen wir die gewünschten Hintergründe wie folgt zu:

  • Klick auf den nach oben zeigenden Pfeil neben „Video starten“ (linke, untere Bildschirmhälfte),

  • Anschließend „virtuellen Hintergrund wählen“ anklicken,

  • Auswahl des „+“-Icons und Auswahl des Hintergrunds, der hinzugefügt werden soll.

Neue virtuelle Hintergründe werden in Zoom über das Pfeilsymbol und Wahl von "Virtuellen Hintergrund wählen..." zugefügt.

Neue virtuelle Hintergründe werden in Zoom über das Pfeilsymbol und Wahl von „Virtuellen Hintergrund wählen…“ zugefügt.

Dazu muss im entsprechenden Menü das „+“-Symbol und der gewünschte Hintergrund ausgewählt werden, damit dieser in einer Zoom-Sitzung genutzt werden kann.

Hinzufügen neuer Hintergründe.

Hinzufügen neuer Hintergründe.

3. Powerpoint-Präsentation als Hintergrund

In einem Beitrag zu Open Broadcaster Software (OBS) haben wir vergangenes Jahr gezeigt, wie es möglich ist für Screencastaufzeichnungen das eigene Bild einzubinden. Richtig komfortabel per Mausklick lässt sich dieser Effekt mittlerweile auch mit Zoom umsetzen. Wenn wir uns also beispielsweise durch Folien im Rahmen einer Veranstaltung durchklicken, werden diese immer hinter uns als Sprecher:in positioniert. Da es mittlerweile auch viele Zoom-Nutzer:innen gibt, die Screencasts über Zoom aufzeichnen, ein sehr praktisches neues Feature.

Um diese Optionen zu aktivieren, navigieren wir zum unteren Zentrum des Zoom Panels und gehen wie folgt vor:

  • Klick auf „Bildschirm freigeben“,

  • Auswahl des Reiters „Erweitert“ und Klick auf „Folien als virtueller Hintergrund (BETA)“,

  • Bestätigung über „Bildschirm freigeben“ (unten rechts), im Anschluss lassen sich die gewünschten Folien auswählen.

Eine Präsentation als virtueller Hintergrund lässt sich im Bildschirmfreigabemenü über "Erweitert" aktivieren.

Eine Präsentation als virtueller Hintergrund lässt sich im Bildschirmfreigabemenü über „Erweitert“ aktivieren.

Nach der Auswahl der Folien haben wir nun mit Hilfe der Maus noch die Möglichkeit uns eine Position für unser Bild im Bild (Folien) auszusuchen und auch die Größe anzupassen. Die Powerpointfolien können wir wie gewohnt über die Pfeiltasten der Tastatur oder auch das Menü in Zoom steuern. Mit einem Klick auf die drei Punkte in der zentrierten unteren Steuerkonsole lassen sich Video und Folien voneinander trennen. So erhält man bei Bedarf die gewohnte Ansicht bei Folienpräsentationen mit Zoom.

Das Kamerabild von Präsentator:innen kann beliebig mit der Maus positioniert und in der Größe angepasst werden.

Das Kamerabild von Präsentator:innen kann beliebig mit der Maus positioniert und in der Größe angepasst werden.

4. Weniger Artefakte bei virtuellen Hintergründen mit Greenscreen

Das Thema Greenscreen haben wir im vergangenen Jahr im Beitrag zu Open Broadcaster Software (OBS) und der Anleitung für die Open-Source-Videoschnittanwendung Shotcut thematisiert. In Zoom hat ein Greenscreen ebenfalls seine Vorteile, wenn in Sitzungen ein virtueller Hintergrund verwendet werden soll.

Ein virtueller Hintergrund kann – wie bereits zuvor erwähnt – über die Navigation am unteren linken Bildschirmrand ausgewählt werden:

  • Klick auf den nach oben zeigenden Pfeil neben „Video abbrechen“,

  • Auswahl von „Virtuellen Hintergrund wählen…“ aus und befinden uns nun im Menü „Hintergrund & Filter“ (siehe auch Punkt 1: „Individuelle Hintergründe bauen“), wo der gewünschte Hintergrund ausgewählt werden kann.

Am unteren Menü-Rand gibt es die Option „Greenscreen-Technik“. Alles, was für die Nutzung benötigt wird, ist eine grün gefärbte Hintergrundfläche (genutzt werden können neben „professionellen“ Greenscreens beispielsweise auch möglichst gut beleuchtete Wände, große Pappbastelbögen, Poster oder die grüne Tischdecke vom Discounter).

Die Greenscreentechnik kann über das Menü der virtuellen Hintergründe aktiviert werden.

Die Greenscreentechnik kann über das Menü der virtuellen Hintergründe aktiviert werden.

Haben wir keine Möglichkeit auf einen Greenscreen zurückzugreifen, so ist unter anderem bei viel Bewegung im Hintergrund (beispielsweise Gestik und Mimik, Wind der die Gardinen oder Zimmerpflanzen bewegt, etc.) oftmals Artefaktbildung und Detailverlust bemerkbar. Die Software kommt irgendwann einfach an die Grenzen der Informationsverarbeitung, so dass es durchaus mal passieren kann, das der ganze Körper oder andere Gegenstände zwischendurch vom virtuellen Hintergrund „verschluckt“ werden.

Dieser Detailverlust lässt sich über den Greenscreeneffekt reduzieren, was sich vor allem bei Videoaufzeichnungen mit virtuellem Hintergrund empfiehlt, die nachhaltig genutzt werden sollen (siehe folgendes H5P-Element mit Schieberegler).

5. Videohelligkeit verbessern

Im vergangenen Jahr habe ich, typisch Hamburg eben :-), oftmals schwankende Lichtverhältnisse bei Videokonferenzen gehabt. Mal schien die Sonne, wenige Minuten später wurde das lichtdurchflutete Büro vom Hamburger Schmuddelwetter heimgesucht. Eine Kollegin wies mich netterweise darauf hin, dass Zoom für solchen Fälle eine automatische Ausleuchtungsanpassung bietet. Dazu gehen wir auf das Pfeil-Symbol neben „Video starten“/ „Video abbrechen“ und wählen „Videoeinstellungen…“.

Die automatische Helligkeitsregelung von Zoom wird über die Videoeinstellungen gesteuert.

Die automatische Helligkeitsregelung von Zoom wird über die Videoeinstellungen gesteuert.

Hier sehen wir die Option „An schwache Beleuchtung anpassen“. Eine manuelle Einstellung ist möglich, „automatisch“ hat für mich aber stets gut funktioniert.

Neben der Option "Automatisch" kann die Helligkeit auch manuell geregelt werden.

Neben der Option „Automatisch“ kann die Helligkeit auch manuell geregelt werden.

6. Audio verbessern

Auch der Ton kann bei Zoom über wenige Mausklicks optimiert werden. Standardmäßig wird dieser komprimiert ausgegeben. Gerade in Zeiten wo keine umfassenden Face-to-Face-Meetings möglich sind, kann eine weniger mechanische und verzerrte Stimme durchaus zum Wohlbefinden aller Videokonferenzteilnehmer:innen beitragen. Für die Ausgabe des „Originaltons“ klicken wir unten links in der Menüleiste von Zoom auf das Pfeil-Symbol neben der Option „Stummschalten“/ „Audio ein“.

Der Weg ins Audio-Menü.

Der Weg ins Audio-Menü.

Im Audio-Menü können wir unter „Musik und professionelles Audio“ einen Haken bei „Originalton aktivieren“ setzen.

Eine Verbesserung der Audioqualität kann über das Audio-Menü eingestellt werden.

Eine Verbesserung der Audioqualität kann über das Audio-Menü eingestellt werden.

In der zentralen Zoom-Videoansicht kann nun fortan oben links zwischen den Optionen „Originalton einschalten“ und „Originalton ausschalten“ durch einen Mausklick gewechselt werden. Hier können wir uns also spontan entscheiden, wann der Mehrbedarf von Bandbreite sinnvoll erscheint (und Originalaudio anschalten) und wann weniger optimierter Ton ausreichend ist.

Bei der Tonqualität kann nun per Klick auf die oben links in Zoom eingeblendete Schaltfläche zwischen zwei Optionen hin- und hergeschaltet werden.

Bei der Tonqualität kann nun per Klick auf die oben links in Zoom eingeblendete Schaltfläche zwischen zwei Optionen hin- und hergeschaltet werden.

7. Tastaturkürzel nutzen (Sprechen auf Knopfdruck!)

Viele Funktionen wie „Stummschalten“/ „Audio ein“ sind in Zoom mit kleineren Mauswegen verbunden. Gerade bei längeren Veranstaltungen können diese mit der Dauer aber doch recht umständlich wirken. Bei kurzen Frage-Antwort-Runden kann aber beispielsweise auch auf Tastendruck geantwortet werden (Leertaste gedrückt halten, Voraussetzung: Audio ist ausgeschaltet). Eine wie ich finde sehr praktische Option. Andere Audio-Optionen, Chatnavigation, die Bildschirmfreigabe und weitere Zoom-Funktionen können ebenfalls individuell über Tastaturkürzel gesteuert werden.

Zum Einstellungsmenü gelangen wir über das kleine Pfeilsymbol neben „Audio ein“/ „Stummschalten“ und anschließendem Klick auf „Audio-Einstellungen…“. Hier wählen wir nun im linken Frame des Menüs „Tastaturkürzel“ aus.

Im Menü „Tastaturkürzel“ können individuelle Einstellungen vorgenommen werden.

8. Bokeh-Effekt (unscharfer Hintergrund)

Mittlerweile nutzen viele Kolleg:innen bei Zoomkonferenzen den Bokeh-Effekt. Alles hinter uns als Sprecher:in wird also in einen Unschärfeeffekt getaucht. Praktisch kann dies sein, um persönliche Informationen unkenntlich zu machen oder das vielleicht nicht ganz so aufgeräumte Büro zu verstecken 😉

Der Bokeh-Effekt ist meiner Meinung nach aber auch durchaus ästhetisch und kann ebenfalls eingesetzt werden, um den Fokus auf die Person im Vordergrund zu lenken. Aktiviert wird der Effekt in Zoom nach Klick auf das Pfeilsymbol neben „Video starten“/ „Video abbrechen“, Auswahl von „Virtuellen Hintergrund wählen…“ und Klick auf „Weichzeichnen“.

Zoom bietet einen Weichzeichnereffekt für Hintergründe.

9. Whiteboardfunktion für Brainstorming

In vielen Veranstaltungen und Konferenzen bietet sich ein kleines Brainstorming an. Statt alles in gemeinsamen Texten – beispielsweise über die HedgeDoc-Installation der TUHH oder anderen Anwendungen – festzuhalten, kann auch das integrierte Zoom-Whiteboard ein hilfreiches Werkzeug für den Austausch sein.

Um das Whiteboard aufzurufen, klicken wir auf „Bildschirm freigeben“, wählen das „Whiteboard“ aus und bestätigen mit „Bildschirm freigeben“. Zoom stellt uns nun einige Annotationsfunktionen wie Formen und Textfelder zur Verfügung. Abgespeichert werden können die gemeinsamen Ideen im PNG-Format oder als PDF.

10. Annotationsmöglichkeiten bei Bildschirmfreigabe

Wenn wir unseren Bildschirm teilen („Bildschirm freigeben“), haben wir über die Bedienfläche „Kommentieren“ die Möglichkeit eine ganze Reihe von Annotationswerkzeugen einzublenden.

So ist es möglich Text auf dem Bildschirm festzuhalten (z. B. Ideen zu einer abgebildeten Grafik), freie Formen zu zeichnen oder aus einer Auswahl an Formen auszuwählen. Die annotierten Informationen können wie das Whiteboard ebenfalls abgespeichert werden. So könnten beispielsweise Texte gemeinsam gelesen und mit Fragen annotiert oder Schätzfragen sowie Meinungsbarometer in Kombination mit abgebildeten Diagrammen in der Gruppe gemeinsam bearbeitet werden.

Annotationsmöglichkeiten in Zoom.

Annotationsmöglichkeiten in Zoom.

Zoom hat noch viele weitere nützliche Features wie Breakout-Räume oder die Einbindung eines zweiten Bildschirms (ich finde es z. B. ab und an nützlich meine Notizen von anderen Geräten wie Tablets oder Smartphone zur Diskussion mit anderen zu teilen). Habt ihr weitere Tipps für Zoom? Teilt diese doch gerne in den Kommentaren mit.

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte (Unternehmenslogos und Abbildungen von Softwareschalt- und oberflächen ausgenommen) sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: „Tipps und Tricks für Videokonferenzen und Aufzeichnungen mit Zoom“ von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag steht auch als Markdown-, DOCX- und PDF-Datei zur Verfügung.
Mikro und OBS

Bildschirmaufzeichnung mit OBS – so geht es Schritt für Schritt

In einem früheren Beitrag haben wir im Zuge des anstehenden Online-Semesters bereits die Möglichkeit aufgezeigt, mit Powerpoint recht unkompliziert einen Screencast aufzuzeichnen. In diesem Beitrag wollen wir uns der offenen (und im Vergleich komplexeren) Anwendung Open Broadcaster Software (OBS) widmen.
Mit OBS können neben der kompletten Aufzeichnung des eigenen Bildschirms, Inhalte eines ausgewählten Programmfensters oder auch eines externen Aufnahmegerätes (Webcams) aufgezeichnet werden.

Ebenfalls mit OBS möglich: eine direkte Übertragung ins Internet. In der Gaming-Szene nutzen Anwender_Innen dieses Feature beispielsweise, um Live-Gameplay auf bekannte Streaming-Plattformen wie Twitch, Youtube oder Mixxer zu übertragen. Doch auch in Forschung und Lehre erhält das streamen immer mehr Anklang. So nutzen Lambert Heller, Claudia Frick und Henning Krause Forschungsstrom als neuen Ansatz der Wissenschaftskommunikation und sprechen bei ihren virtuellen Treffen über individuell mitgebrachte Themen aus der Wissenschaft. Mein Kollege Axel Dürkop streamt regelmäßig donnerstags Shaping Openess. In seinem Twitch-Stream geht es live um Themen wie Open Source, Code und Markup im Kontext von Forschung und Lehre. Man sieht: die Möglichkeiten mit einer Software wie OBS sind groß.

In diesem Beitrag soll es zunächst jedoch primär um einen ersten Einblick in die Grundfunktionen zum Aufzeichnen eines Videostreams gehen. Dozierende können so beispielsweise einen Foliensatz besprechen und Studierenden zur Verfügung stellen. Studierende können die – vor wenigen Wochen noch als Präsenzpräsentationen geplanten Seminarleistungen – als Videoaufzeichnung produzieren. Die Einsatzmöglichkeiten sind also vielseitig.

Schritt 1 – wo bekommen wir OBS?

Für die Aufzeichnung eines Screencasts gehen wir davon aus, das wir die benötigte Hardware bereits vorliegen haben. Wir brauchen:

  • einen Rechner,
  • eine Kamera (optional: wenn neben der Bildschirmaufzeichnung auch das eigene Bild im Video sichtbar sein soll),
  • ein separates Mikrofon (optional: in der Regel ist der Ton externer Mikrofone den eingebauten Laptop-Varianten vorzuziehen).

Zusätzlich benötigen wir für die Aufzeichnung einer Präsentation den Foliensatz (für einen Testlauf eignen sich sonst auch andere Dokumente oder Anwendungsfenster) und die OBS-Software. OBS ist verfügabr für Windows-, Mac- und Linux-Systeme. Der Download kann nach Auswahl der benötigten Version auf der OBS-Webseite erfolgen:

OBS Webseite

Die Software von OBS steht für verschiedene Betriebssysteme zur Verfügung.

Schritt 2 – Einrichtung von OBS

Im Anschluss an die Installation wählen wir in OBS nach Start die Option „Für die Aufnahme optimieren, Streamen ist zweitrangig“ aus. Die Aufnahmeoptionen können wir bei Bedarf später auch noch über das Steurungsmenü (unten rechts in OBS, „Einstellungen“ -> „Ausgabe“) anpassen. Die Videoeinstellungen lassen wir in der Version 25.0.6 (für Mac) zunächst unverändert. OBS führt nun nur noch einen kurzen Konfigurationstest durch.

Keinen Schreck bekommen: es sollte nun zunächst ein schwarzer Bildschirm zu sehen sein:

Schwarzer Bildschirm

Nichts zu sehen: OBS weiß zunächst noch nicht, was wir aufzeichnen wollen.

OBS weiß aktuell noch nicht, was wir eigentlich aufzeichnen wollen. Auf den ersten Blick eventuell frustrierend. Dieses Problem lösen wir aber gleich gemeinsam und widmen uns zunächst unseren Präsentationsfolien.

Schritt 3 – Präsentation vorbereiten

Wie bereits im Powerpoint-Tutorial zu Screencasts aufgezeigt, kann eine Folienpräsentation vor Aufzeichnung in einem Extra-Menü vorbereitet werden.

Im Fall von OBS ist dies zwingend nötig, da der Präsentationsmodus von Powerpoint (Im Seminarraum also das, was die Studierenden auf der Leinwand sehen) sonst nicht erkannt wird und wir den Foliensatz somit nicht aufzeichnen können. Dafür gehen wir wie folgt vor:

Bildschirmeinstellung Powerpoint

Wir klicken im Reiter “Bilschirmpräsentation” auf “Bildschirmpräsentation einrichten”.

Art der Präsentation einstellen in Powerpoint

Im Fenster wählen wir unter “Art der Präsentation” die Individuum-Option.

  • Wir klicken in Powerpoint auf „Bildschirmpräsentation“ und anschließend auf „Bildschirmpräsentation einrichten“,
  • Hier wählen wir „Art der Präsentation“ aus und setzen einen Haken bei „Ansicht durch ein Individuum (Fenster)“. Dieser Vorgang wird im Fenster nun durch einen Klick auf „ok“ bestätigt.

Jetzt starten wir – wie gewohnt – unsere Bildschirmpräsentation in Powerpoint.

Schritt 4 – Was wollen wir aufzeichnen? (Zurück zu OBS)

Nach dem Start unserer Powerpointpräsentation kehren wir zurück zu OBS. Auf dem Bildschirm sollte immer noch nichts zu sehen sein:

Leerer Bildschirm

Nach Rückkehr in OBS ist zunächst nur ein schwarzer Bildschirm zu sehen.

Abhilfe schafft hier die Menüleiste unten links. Für unseren Einstieg ist vor allem der Reiter „Quellen“ wichtig:

Quellenauswahl

Über Quellen stellen wir in OBS ein, was wir konkret aufzeichnen wollen.

Die Quellen in OBS sind die Inhalte, die wir aufzeichnen wollen. Wir sehen derzeit, das OBS noch keine Quellen „kennt“, die bei der Aufzeichnung berücksichtigt werden sollen. Daher ist der Bildschirm schwarz. Für unseren ersten OBS-Screencast nehmen wir jetzt an, dass wir zwei Quellen aufnehmen wollen:

  • uns selbst, um die Bildschirmaufnahme u.a. „persönlicher“ zu gestalten,
  • die Powerpointpräsentation, die wir normalerweise im Rahmen der Präsenzveranstaltung an die Wand „werfen“ würden und nun besprechen wollen.

Diese beiden „Quellen“ wählen wir über das „+“-Zeichen (hinzufügen) für unsere Bildschirmaufzeichnung aus:

Quellen zufügen

Über „hinzufügen“ werden Aufnahmequellen festgelegt.

Schritt 4.1 – Foliensatz einbinden

Der Foliensatz wird nach Klick auf „+“ und Wahl der Option „Fensteraufnahme“ ausgewählt.

Hier sollten zahlreiche Fenster zu sehen sein, wobei die Powerpointpräsentation recht weit oben mit Anwendungsnamen und Titel des jeweiligen Präsentationssatzes aufgeführt werden sollte:

Powerpoint in OBS auswählen

Auswahl der Powerpointpräsentation für die Bildschirmaufnahme.

Das Fenster lässt sich nun – wie aus vielen Anwendungen gewohnt – mit der Maus hinsichtlich Größe anpassen:

Foliensatz der Bildgröße anpassen

Der Foliensatz kann nun auf Aufnahmefenstergröße hin angepasst werden.

Schritt 4.2. – Eigenes Bild in Folienaufzeichnung einbinden (Webcam-Aufnahme)

Nun wollen wir nicht nur die Folien und unsere Stimme aufzeichnen, sondern uns selbst noch in einem weiteren Fenster über die Webcam berücksichtigen. Hierfür klicken wir wieder unter Quellen auf „+“ (hinzufügen) und aktivieren unsere Kamera über die Option „Videoaufnahmegerät“:

Bildaufnahme zufügen

Über Videoaufnahmegerät aktivieren wir das Aufzeichnungsfenster unserer Webcam.

Wir bestätigen mit „Okay“ und wählen im folgenden Fenster die Kamera über das Dropdownmenü aus. Nun sollten wir über unserem Foliensatz zusätzlich die aktuelle Aufnahme unserer Webcam sehen. Dieses Aufnahmefenster können wir ebenfalls hinsichtlich Größe und auch Position unseren Bedürfnissen entsprechend anpassen:

Bild in Bild

Nach Auswahl der beiden Aufnahmequellen sollten Foliensatz und Webcam-Ausschnitt zu sehen sein.

Optional lässt sich mit OBS nun auch noch der Greenscreen-Effekt nutzen. Dieser sorgt dafür, dass Objekte oder Personen, die vor einem grünen Hintergrund gefilmt wurden, in der Nachbearbeitung in andere Szenerien eingefügt werden können. Alternativ kann der komplette Hintergrund transparent gesetzt und somit ausgeblendet werden. Voraussetzung: ein möglichst gut ausgeleuchteter, einfarbiger und wenige Schatten werfender Hintergrund:

Greenscreen-Effekt

Hintergrundausblendung durch Greenscreen-Technik.

Dieser Effekt lässt sich über einen Rechtsklick auf unser „Videoaufnahmegerät“, Auswahl von „Filter“ und schließlich Klick auf „Chroma Key“ justieren. Chroma Keying steht dabei für das Ersetzen unserer vordefinierten Farbe:

Chroma Key einstellen

Der Greenscreen-Effekt wird über Rechtsklick auf “Videoaufnahmegerät” und Auswahl von “Filter” eingerichtet.

Chroma Key einstellen

Zuständig dafür ist die Option „Chroma Key“.

Nachdem wir dafür gesorgt haben, das durch unsere Fensteranordnung kein Folieninhalt verdeckt wird und optional der Chroma-Key-Effekt nach unseren Vorstellungen funktioniert, haben wir die wichtigsten Vorbereitungen abgeschlossen. Nun sind es nur noch wenige Schritte zum Aufnahmestart.

Schritt 5 – Videoeinstellungen und Navigationsoptionen (vor dem Aufnahmestart)

Vor Beginn der Aufnahme können wir uns noch überlegen:

  • behalten wir die Standardeinstellung für den Zielordner des aufgenommenen Videos bei oder legen wir einen individuellen Speicherort fest?
  • Steuern wir die Aufnahme – etwas umständlicher – über Icons der Software oder über selbst festgelegte Tastaturkürzel?

Beide Optionen erreichen wir über das Einstellungsmenü unten rechts:

Einstellungen

Über das Einstellungsmenü unten rechts sind weitere Optionen für Aufnahmen verfügbar.

Der lokale Ablageort für die Videoaufzeichnung kann in der Menüleiste über „Steuerung“ -> „Einstellung“ -> „Ausgabe“-> „Aufnahmepfad“ angepasst werden:

Speicherort einstellen

Anpassung des lokalen Speicherortes.

Als Grundeinstellung für die Aufnahmenavigation wird der Start der Videoaufzeichnung über das Icon “Aufnahme starten” ausgelöst (unten rechts):

Aufnahmestart

Aufnahmestart über Icons.

Nach Klick auf das Icon wechseln wir in die Vollansicht unserer Powerpointpräsentation und nehmen uns bei der Besprechung des Foliensatzes auf. Soll die Aufnahme beendet werden, so kann dies an gleicher Stelle in OBS, an der wir die Aufnahme begonnen haben, über einen Klick auf „Aufnahme stoppen“ passieren.

Komfortabler ist vor Aufnahmebeginn jedoch die Vergabe von „Hotkeys“ (Tastaturkürzel) für OBS. Somit lässt sich beispielsweise der Aufnahmebeginn und der Aufnahmestopp mit Hilfe von selbst vergebenen Makros steuern. Die Hotkey-Einstellung ist über das Einstellungsmenü (unten rechts) und Klick auf „Hotkeys“ erreichbar:

Hotkeys

Hotkeys ermöglichen die Vergabe von eigenen Tastaturbefehlen für Aufnahmestart und Aufnahmestopp.

Schritt 6 – Geschafft! (Was passiert bei uns nach der Aufnahme?)

Nach der Aufnahme kann das Video Studierenden oder Kolleg_Innen unmittelbar zur Verfügung gestellt werden. Hier angekommen ist es also geschafft – Glückwunsch 🙂

Was ich an dieser Stelle noch mache: Bei Folienaufzeichnungen schneide ich in der Regel nicht die klassischen „Denkpausen“, „Ähs“ und „Ähhms“ heraus. Dies geht in der klassischen Präsenzlehre ebenfalls nicht und macht das ganze meiner Meinung nach auch ein Stück weit „natürlicher“. Ich gucke mir die Videos nach der Aufzeichnung vor allem nochmal an um sicherzustellen, ob beim Ton noch Anpassungen vorgenommen werden sollten. In der aktuellen Home-Office-Situation ist es bei mir beispielsweise vor allem Baulärm, der auf diesem Weg noch über separate Anwendungen wie Audacity beseitigt werden kann.

Nach der Tonüberprüfung wird unser aufgenommenes Material für das Bachelorseminar Wissenschaftliches Arbeiten Studierenden und auch Kolleg_Innen über den jeweiligen Themenordner in StudIP verlinkt. Die Videos selbst werden in der tub.cloud abgelegt.

Einblicke in weitere Wege und Erfahrungen der Videoproduktion und -bereitstellung an der TU gibt es auch in unserem Mattermost-Team OnlineEduTUHH im Kanal „Videoaufzeichnungssysteme“.

Weiteres

Wie sieht es bei euch und ihnen mit Screencasts aus? Welche Anwendungen werden genutzt? Für welchen konkreten Einsatz wird produziert? Besprechung von Foliensätzen? Präsentation von Hausarbeiten? Livestreaming? Wie sind die Erfahrungen und welche Herausforderungen gibt es?

Auch für Fragen zur Erstellung von Screencasts mit unserer OBS-Kurzanleitung stehen wir gerne bereit. Ansonsten ist unsere grundsätzliche Empfehlung: einfach ausprobieren und gemeinsam über Gelerntes austauschen 🙂

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk (Logos ausgenommen) und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Bildschirmaufzeichnung mit OBS – so geht es Schritt für Schritt“ von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag kann als Markdowndatei runtergeladen werden.
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