Mehrere Publikationen werden zu einem Literature Review zusammengeführt.

Narrative Literature Reviews: So verfasst du einen wissenschaftlichen Übersichtsartikel

Viele denken: Ein Literature Review ist einfach eine Zusammenfassung von Studien. Doch genau das ist es nicht. Ein narratives Literature Review beispielsweise geht über die reine Zusammenfassung hinaus und zeigt nicht nur, was geforscht wurde. Es fragt auch: Wo widersprechen sich Studien? Was wurde noch nicht untersucht? Wie hängt alles zusammen? Wie das Schritt für Schritt gelingt, zeigt dieser Beitrag.

Er gliedert sich in folgende Abschnitte:

Aber was genau ist ein Literature Review eigentlich?

1. Was ist ein Literature Review?

Ein Literature Review (auch: Literature-Review oder Literaturreview) ist eine wissenschaftliche Übersicht über vorhandene Forschung zu einem Thema oder einer Fragestellung. Es fasst vorhandene Forschung zusammen, bewertet sie kritisch und zeigt Zusammenhänge auf. Es hilft uns, den aktuellen Stand der Forschung zu überblicken, zentrale Themen zu erkennen und eine solide Grundlage für unsere Arbeiten zu schaffen. In der Fachliteratur finden sich unterschiedliche Definitionen und Schwerpunktsetzungen. Nach Nunan (1992, zitiert nach Ridley, 2026, S. 3) gilt, dass die verfassende Person eines Literature Review „[…] extracts and synthesizes the main points, issues, findings and research methods which emerge from a critical review of the readings.“ Phillips und Johnson (2022, S. 106) betonen, dass ein Literature Review nicht Selbstzweck ist, sondern dazu dient, „a fully professional grasp of the research field“ zu demonstrieren. Während sich Nunan stärker auf den methodischen Prozess fokussiert, heben Phillips und Johnson den übergeordneten Zweck eines Literature Review hervor.

Literature Review in Lehrveranstaltungen der TUHH

Schon traditionell verfassen Studierende im Rahmen der Vorlesung „Einführung in das Bio‑ und Chemieingenieurwesen“ an der TUHH im Laufe des Semesters einen Übersichtsartikel. Um den Einstieg in das Schreiben eines Literature Reviews zu erleichtern und eine klare Orientierung zu geben, zeigen wir hier, wie ein narratives Literature Review aufgebaut ist und wie man dieses Schritt für Schritt erstellen kann.

Unterschiede zwischen narrativen und systematischen Literature Reviews

Ein narratives Literature Review unterscheidet sich von einem systematischen Literature Review insbesondere dadurch, dass es eine flexiblere Vorgehensweise beim Sammeln und Analysieren der Literatur erlaubt und stärker auf kritische Interpretation und Diskussion setzt. Es geht über die einfache Auflistung hinaus und verknüpft die Literatur durch Analyse und Interpretation (Golamb, 2025). Systematische Reviews folgen dagegen meist einem streng dokumentierten Such- und Auswahlprozess. Dabei erfüllt ein narratives Literature Review verschiedene Funktionen:

  • Es beschreibt und fasst relevante Forschung zusammen
  • Es bewertet kritisch bestehende Studien
  • Es zeigt Muster, Widersprüche und Lücken auf
  • Es ordnet die Literatur konzeptionell ein und
  • Es legt die Basis für weiterführende Forschung oder die eigene Arbeit

Beispiel aus dem Chemie- und Bioingenieurwesen

Ein Review zum Thema „Anwendungen von Biofilmen für biotechnologische und technische Prozesse“ kann Forschung zu verschiedenen prozesstechnischen Einsatzmöglichkeiten von Biofilmen betrachten, z. B.:

  • Einsatz von Biofilmen in biotechnologischen Produktionsprozessen
  • Nutzung phototropher Biofilme für biotechnologische Anwendungen
  • Einsatz von Biofilmverfahren in der Abwasserbehandlung
  • Verwendung von Biofilmen als funktionalisierte Materialien und Beschichtungen

Dabei werden die unterschiedlichen Publikationen und Anwendungen nicht nur in einem Artikel gesammelt und getrennt betrachtet. Vielmehr würde in einem narrativen Literature Review herausgearbeitet werden, welche Eigenschaften von Biofilmen (z. B. die Immobilisierung von Mikroorganismen, die Ausbildung komplexer mikrobieller Gemeinschaften oder ihre Robustheit gegenüber wechselnden Umweltbedingungen) für die jeweiligen Prozesse genutzt werden. Auch prozesstechnische Aspekte wie Reaktordesign, Stofftransport und Prozessführung können in einem narrativen Literature Review über die verschiedenen Anwendungen hinweg verglichen werden. So werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar und es kann diskutiert werden, welche technischen Herausforderungen die unterschiedlichen Ansätze teilen und welche Fragen für ihre Weiterentwicklung noch offen sind.

Ein reales Beispiel aus dem Bio- und Chemieingenieurwesen ist der Review Beneficial applications of biofilms (Philipp et al., 2024). In diesem narrativen Literature Review werden unterschiedliche Anwendungsfelder der angewandten Biofilmforschung vorgestellt und ihre biologischen Eigenschaften, prozesstechnischen Anforderungen sowie Perspektiven für die Weiterentwicklung der jeweiligen Verfahren diskutiert.

Beispiel aus den Bibliothekswissenschaften:
Ein Review zum Thema „Digitalisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken“ könnte Studien zu verschiedenen Aspekten zusammenfassen, z. B.:

  • Nutzung digitaler Bibliotheksressourcen durch Studierende
  • Analysen von E-Book-Plattformen und deren Effektivität
  • Fallstudien zu digitalen Services in Universitätsbibliotheken
  • Theoretische Arbeiten über Informationsverhalten und Benutzer*innenfreundlichkeit

In einem narrativen Literature Review würden diese Studien nicht einfach aufgelistet, sondern nach Themenblöcken oder methodischen Ansätzen gruppiert werden, z. B. „Nutzungsverhalten“, „Technologische Plattformen“ und „Theoretische Modelle“.

Dabei könnte untersucht werden, welche Faktoren die Nutzung digitaler Angebote beeinflussen und ob sich die Ergebnisse zwischen verschiedenen Nutzergruppen und Bibliothekstypen unterscheiden. So ließe sich etwa vergleichen, ob eine hohe Verfügbarkeit digitaler Ressourcen tatsächlich mit einer intensiveren Nutzung einhergeht oder ob Faktoren wie Nutzerfreundlichkeit, Informationskompetenz oder fachspezifische Bedürfnisse eine größere Rolle spielen. Auf diese Weise werden nicht nur Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Studien sichtbar, sondern auch mögliche Erklärungen für widersprüchliche Ergebnisse und offene Forschungsfragen.

Dieses Beispiel zeigt uns, wie wir Studien nach Themenblöcken zusammenfassen, Unterschiede erkennen und Forschungslücken identifizieren können.

2. Ziele eines narrativen Literature Reviews

Ein narratives Literature Review kann z. B.:

  • Den aktuellen Stand der Forschung erklären und kontextualisieren
  • Theorien und Konzepte gegenüberstellen
  • Dominante Ansätze und Kontroversen herausarbeiten
  • Forschungslücken identifizieren und zukünftige Forschungsfragen vorschlagen

3. Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung

Die nachfolgende Abbildung zeigt die fünf zentralen Schritte eines narrativen Literature Reviews auf einen Blick: Vorbereitung, Literatur sammeln, bewerten, analysieren und verarbeiten sowie Schreiben. Dabei handelt es sich um einen idealtypischen Ablauf, der in der Praxis oft iterativer, also in mehreren Durchläufen, abläuft. So können beim Schreiben zum Beispiel neue Fragen auftauchen, die eine erneute Recherche oder Umgruppierung erfordern.

Schritt 1: Thema und Fragestellung definieren

Bevor wir suchen, legen wir fest, was genau wir untersuchen wollen. Eine bewährte Methode ist es, die Fragestellung schrittweise zu entwickeln: Wir beginnen mit einem breiten Thema, grenzen es über eine Forschungslücke ein und formulieren schließlich eine konkrete W-Frage (Was? Wie? Warum? Welche?). Aus „Social Media“ kann so bspw. „Wie beeinflusst die Nutzung von Instagram das Körperbild von Jugendlichen?“ Eine enge Fragestellung macht die Recherche zielgerichteter. Mehr zur Entwicklung einer Forschungsfrage bieten unter anderem die im TUB-Bestand verfügbaren Titel „Die Bachelorarbeit an Universität und Fachhochschule“ (Signatur: WHN-394) und „Erfolgreich wissenschaftlich arbeiten“ (als eBook im VPN/Campusnetz abrufbar).

Schritt 2: Literatur suchen und sammeln

Wir suchen in wissenschaftlichen Datenbanken und Suchmaschinen (z. B. OpenAlex, Scopus, Web of Science, Google Scholar) nach Schlüsselbegriffen und Synonymen. Wir halten fest, wo wir gesucht haben, welche Suchbegriffe wir verwendet haben, und welche Treffer wir erhalten haben. Das macht unseren Prozess transparent, auch wenn wir kein systematisches Literature Review schreiben.


Tipp Datenbankrecherche:
Im Beitrag „OpenAlex – eine offene Alternative für wissenschaftliche Recherche“ der Beitragsreihe „Datenbank des Monats“ (Universitätsbibliothek TUHH) wird die aktuelle Entwicklung der offenen Fachdatenbank OpenAlex vorgestellt. In den tubtorials-Beiträgen „Was ist OpenAlex – und wie kann man es für die Recherche nutzen?“ sowie „Mehr aus Web of Science rausholen – Ein Blick auf ausgewählte Spezialwerkzeuge“ werden unterschiedliche Funktionen von offenen und kommerziellen Fachdatenbanken vorgestellt. Mit diesen lassen sich auch gezielt bereits publizierte Literature Reviews recherchieren.

Schritt 3: Literatur auswerten und gruppieren

Wir lesen die Studien sorgfältig und gruppieren sie thematisch oder methodisch (z. B. chronologisch, theoretisch, methodisch). Wir erstellen gegebenenfalls eine Tabelle oder Matrix, um den Überblick zu behalten und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede sichtbar zu machen.

Tipp Literaturverwaltung:
Nutze von Anfang an ein Literaturverwaltungsprogramm wie Zotero oder Citavi. Diese Tools helfen dir nicht nur beim Zitieren, sondern auch dabei, deine Quellen und Notizen zu organisieren und den Überblick zu behalten. Anleitungen im tubtorials-Blog zu Zotero (Open Source) und Citavi (Campuslizenz) erleichtern dir den Einstieg.

Schritt 4: Kritisch analysieren

Ein narratives Review sollte nicht nur zusammenfassen, sondern:

  • Bewerten: Welche Studien sind wissenschaftlich fundiert? Wo gibt es Widersprüche?
  • Einordnen: Wie tragen die Befunde zur Beantwortung deiner Fragen bei?
  • Kontextualisieren: In welchem theoretischen Zusammenhang stehen sie?

Beispiel einer kritischen Analyse:

Nehmen wir an, wir finden drei Studien zur Nutzung digitaler Bibliotheksressourcen:

  • Studie A (2018) zeigt, dass Studierende E-Books selten nutzen
  • Studie B (2020) berichtet von einer stark gestiegenen E-Book-Nutzung unter Studierenden
  • Studie C (2023) bestätigt hohe Nutzung, aber nur bei bestimmten Fachrichtungen

Statt diese einfach aufzulisten, analysieren wir kritisch: Könnte der Widerspruch zwischen A und B durch die COVID-19-Pandemie erklärt werden? Berücksichtigt Studie C möglicherweise wichtige Faktoren (Fächerkultur), die in A und B fehlen? Haben die Studien unterschiedliche Definitionen von „Nutzung“ verwendet? So machen wir deutlich, dass wir die Forschung nicht nur verstehen, sondern auch kritisch einordnen.

Schritt 5: Schreiben

Eine mögliche Struktur eines Reviews ist:

  • Einleitung: Was ist unser Thema und warum ist es wichtig?
  • Recherche und Auswahl (kurz): Datenbanken, Suchbegriffe, Themeneingrenzung
  • Hauptteil: Gruppierte Diskussion der Literatur (Themenabschnitte)
  • Schlussfolgerungen: Was weiß man? Wo gibt es Lücken?
  • Ausblick: Welche Fragen bleiben offen?

Tipp zum roten Faden:
Ordne die Studien nach Themen oder Methoden in übersichtlichen Blöcken. Jeder Block behandelt ein bestimmtes Thema oder einen bestimmten Ansatz. So kannst du Gemeinsamkeiten, Unterschiede und offene Fragen klar darstellen. Nutze Übergänge zwischen den Blöcken, damit der Text logisch aufgebaut ist und nicht wie eine bloße Auflistung wirkt.

4. Strukturierung und Organisation

Ein gelungenes Review zeigt, wie die einzelnen Arbeiten miteinander verknüpft sind.

Vom Allgemeinen zum Spezifischen

Eine mögliche Strukturierungsstrategie ist, zunächst den Kontext zu etablieren und anschließend zu den Inhalten überzugehen, die direkt mit unserem Thema verbunden sind. Diese Herangehensweise hilft Lesenden, sich zu orientieren und den Rahmen unserer Arbeit zu verstehen.

Gruppierung nach Themenblöcken

Wir entscheiden uns für eine sinnvolle Gruppierungsmethode für unsere Literatur. Folgende Ansätze sind möglich:

  • Thematisch: Gruppierung nach inhaltlichen Schwerpunkten (z. B. „Nutzerverhalten“, „Technologische Plattformen“)
  • Methodologisch: Ordnung nach Forschungsmethoden (z. B. qualitative vs. quantitative Studien, Fallstudien vs. Experimente)
  • Chronologisch: Entwicklung des Forschungsstands über die Zeit
  • Argumentbasiert: Gruppierung nach verschiedenen Positionen oder Kontroversen
  • Theoriebasiert: Ordnung nach zugrundeliegenden theoretischen Rahmen

Wir gliedern unseren Text in klar strukturierte Absätze oder Abschnitte mit Einleitung, Hauptteil und Schlussfolgerung. Dabei nutzen wir aussagekräftige thematische Einleitungssätze am Anfang jedes Absatzes, um den Lesenden zu zeigen, worum es im folgenden Abschnitt geht (Denneler, 2025).

Was wir unbedingt vermeiden sollten

Ein Review ist keine Aneinanderreihung von Einzelbesprechungen. Wir vermeiden daher:

  • Einen ganzen Absatz einer einzigen Studie zu widmen: Wir stellen sicher, dass jeder Absatz ein Thema oder Argument behandelt und mehrere relevante Studien einbezogen werden
  • Studien einfach nur einzuführen und zusammenzufassen: Wir gehen über die reine Beschreibung hinaus und analysieren kritisch
  • Eine annotierte Bibliografie in Fließtextform zu schreiben: Wir verknüpfen die Studien stattdessen analytisch miteinander

Verknüpfungen schaffen

Wir zeigen, wie die einzelnen Arbeiten miteinander in Beziehung stehen. Dies schaffen wir unter anderem durch folgende Schritte:

  • Wir verwenden Übergänge zwischen Themen
  • Wir ordnen die Studien nicht nur thematisch, sondern auch analytisch
  • Wir nutzen Absätze mit klaren Argumenten, keine Listen
  • Wir diskutieren Gemeinsamkeiten, Widersprüche und Ergänzungen zwischen den verschiedenen Studien

5. Tipps zur wissenschaftlichen Qualität

Auch wenn narrative Literature Reviews weniger formalisiert sind als systematische, sollten wir unser Vorgehen nachvollziehbar machen und kritisch reflektieren:

  • Unsere Literaturrecherche transparent beschreiben (zum Beispiel Datenbanken, Suchbegriffe, Zeitraum)
  • Begründen, nach welchen Gesichtspunkten wir Literatur ausgewählt und eingeordnet haben
  • Mögliche Verzerrungen unserer Literaturauswahl reflektieren, zum Beispiel durch Publikations- oder Sprachbias
  • Aufzeigen, wo der Forschungsstand widersprüchlich, lückenhaft oder begrenzt ist

6. Typische Fehler vermeiden

Beim Verfassen eines narrativen Literature Reviews können einige typische Fehler auftreten:

  • Nur Listen von Studien aneinanderzureihen
  • Ergebnisse ohne kritische Reflexion wiederzugeben
  • Nicht klar zu machen, in welchem theoretischen Kontext Erkenntnisse stehen

7. Literaturtipps

Für den erweiterten Einstieg in das Schreiben eines Literature Reviews (beide Titel sind im Bestand der TUHH-Universitätsbibliothek verfügbar):

Ein praktischer Leitfaden mit schrittweisen Anleitungen und Beispielen. Auch, aber nicht nur, ideal für diejenigen, die das erste Mal ein Literature Review schreiben.

Umfassendere Veröffentlichung zum Thema Literature Review mit zusätzlichem Fokus auf kritischem Denken, Argumentationsaufbau und kreativer Auseinandersetzung mit Literatur.

8. Fazit

Ein narratives Literature Review ist mehr als eine bloße Zusammenstellung von Studien: Es ist eine kritische und interpretative Darstellung des Forschungsstands zu unserer Fragestellung. Mit klarer Struktur, transparenter Recherche und analytischer Tiefe kann es die Grundlage für Seminar- und Abschlussarbeiten oder andere Forschungsprojekte bilden.


Literatur

Denneler, A. (2025). Library research guides: Conducting a narrative literature review: step 4- organize your review. Abgerufen 14. Januar 2026, von https://guides.libraries.indiana.edu/litreview/organize

Golamb, L. (2025). Libguides: Literature reviews: home. Abgerufen 14. Januar 2026, von https://guides.atsu.edu/litreview/narrative

Phillips, E. M., & Johnson, C. (2022). How to get a PhD: A handbook for students and their supervisors (Seventh edition, revised and updated). Open University Press.

Philipp, L.-A., Bühler, K., Ulber, R., & Gescher, J. (2024). Beneficial applications of biofilms. Nature Reviews Microbiology, 22(5), 276–290. https://doi.org/10.1038/s41579-023-00985-0

Ridley, D. (2026). The literature review: A step-by-step guide for students (Third edition). Sage.


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: „Narrative Literatur-Reviews: So verfasst du einen wissenschaftlichen Übersichtsartikel“ von Florian Hagen (Universitätsbibliothek TU Hamburg) und Laura-Alina Philipp (Technische Universität Hamburg, Technische Mikrobiologie, V-7) , Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch in nachnutzbaren Formaten sowie als PDF zum Download zur Verfügung.

Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten: Warum und wie?

Egal, ob Sie nun eine Haus- oder Abschlussarbeit schreiben oder vielleicht Ihren ersten Artikel in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlichen wollen, das richtige Zitieren ist dafür eine unerlässliche Voraussetzung.
Und auch hier gilt: Zitieren muss man zunächst lernen.
 
Die wesentlichen Lernziele dieses Beitrags zum Zitieren sind:

  • Sie kennen die wichtigsten Gründe für das Zitieren
  • Sie verstehen, warum das Zitieren von wissenschaftlichen Dokumenten Teil des wissenschaftlichen Schreibens ist
  • Sie können verschiedene Methoden des Zitierens anwenden und kennen deren Vor- und Nachteile
  • Sie wissen, dass es für die Formatierung von Zitaten in wissenschaftlichen Texten verschiedene Formatvorgaben gibt
  • Sie kennen die häufigsten Fehler beim Zitieren und die wichtigsten Sonderfälle

Der Text ist in mehrere Abschnitte gegliedert:

Und nun viel Erfolg und auch Spaß 😉

1 Warum zitieren?

1.1 Ziel des Zitierens

Das Ziel des Zitierens ist die Einbeziehung der Gedanken und für die Fragestellung relevanten Inhalte Dritter in die eigenen Überlegungen und den eigenen Text, um damit (wissenschaftlich) zu argumentieren:
 
„sozusagen als ‚Fundament und zentrale Eckpfeiler’ , nicht jedoch dergestalt, dass alle ˏ ‚Steine’ von anderen stammen und Sie nur die Verbindungssätze schreiben, sozusagen den Mörtel liefern“ (F. Rost 2003, S. 246; Hervorh. d. Verf.).

Zur Erläuterung: Die Abkürzung „Hervorh. d. Verf.“ bedeutet, dass der Verfasser des Blogbeitrags diese Textpassage hervorgehoben hat, in diesem Fall durch die Verwendung von Fettdruck. Dies gehört zu den Regeln des Zitierens, dass Änderungen an Originalzitaten kenntlich gemacht werden.
 
Damit diese Einbeziehung der Argumente von anderen AutorInnen in Ihrem Text erkennbar sind, müssen sie dementsprechend durch sogenannte Zitate gekennzeichnet werden, mit anderen Worten: zitiert werden. Wie das geht, wird im nächsten Kapitel erklärt.

1.2 Wissenschaftliche Arbeitsweise

Richtiges Zitieren und Belegen durch Quellen ist eine wichtige Formalie des wissenschaftlichen Arbeitens.
 
Aus inhaltlicher Sicht gehört zu Ihrer wissenschaftlichen Arbeit, dass Sie nachweisen, dass Sie die Argumente und Gegenargumente oder auch Behauptungen anderer Autoren und Autorinnen kennen und diese auch einbeziehen in Ihre Argumentation. Das heißt eben wiederum, dass Sie andere AutorInnen zitieren. Ein Beispiel hierfür ist die Darstellung des aktuellen Forschungsstandes zu einem Thema.
 
Die dadurch entstehenden Belege – das Anführen der Herkunftsquelle im Text und im Literaturverzeichnis – machen sichtbar und nachprüfbar, welches Ihre eigenen Überlegungen sind und wo Sie sich auf andere beziehen. Das Zitieren dient also auch einer Absicherungsfunktion (vgl. Rost 2003, S. 239).

1.3 Möglichkeiten durch das Zitieren

Das Zitieren hat noch einige weitere wichtige Gründe. So ermöglicht es überhaupt erst die Darstellung der eigenen Leistung in einer Arbeit. Dazu gehört die Abgrenzung von anderen AutorInnen oder die Bezugnahme auf diese. Den Lesern einer wissenschaftlichen Arbeit ermöglicht es außerdem die Diskussion verschiedener Auffassungen, Ansätze, Argumente und Gegenargumente und damit die Anknüpfung, Diskussion und Kritik an Äußerungen anderer Autorinnen und Autoren.
 
Ganz wichtig für die Wissenschaft und deren Fortschritt ist die Möglichkeit der Aufnahme von Ideen anderer AutorInnen, sodass diese (die Ideen 😉 ) zu Neuem weiter entwickelt werden können. Neben der Selbstverständlichkeit, die UrheberInnen geistiger Arbeit(en) zu nennen, macht die Angabe der Quellen überhaupt erst eine Weiterentwicklung möglich, da ohne deren Namen ein Anknüpfen oder eine Vertiefung der Informationen gar nicht möglich ist.

1.4 Von der Quelle zum Zitat

Die nachfolgende Skizze steht sinnbildlich für das Meer von Wissen.

Von der Quelle zum Zitat (Zeichnung Detlev Bieler, Lizenz: CC BY 4.0)

Das Meer von Wissen wird von den verschiedenen Quellen gespeist und ständig erweitert. Die Abzweigungen der Flüsse zeigen, wo sich verschiedene AutorInnen auf andere bezogen und diese zitiert haben. Die rot eingekreiste Welle wäre dann z.B. ein Zitat, das Sie gerade für Ihre Arbeit entnehmen.

2 Wie zitieren?

2.1 Zitat oder Paraphrase

Beim Zitieren gibt es zwei Hauptformen: das wörtliche Zitat und die Paraphrase. Ein wörtliches Zitat ist die wortwörtliche Übernahme einer Textstelle, während eine Paraphrase eine Formulierung in eigenen Worten ist, die sich aber an eine Quelle anlehnt und deren Inhalt unverfälscht und sinngemäß wiedergibt.
 
Wann was?

  • „… Zitieren Sie, wenn es auf den Wortlaut des Zitierten ankommt
  • Paraphrasieren Sie, wenn Sie längere Textabschnitte zusammenfassen wollen und wenn es auf den Wortlaut nicht ankommt“ (Bedorf 2004, S.2).

2.2 Wörtliches Zitat

Hier sind zwei typische Beispiele für wörtliche Zitate. Erstens ein Zitat, das eine prägnante Bezeichnung enthält (Maschinisierung der Kopfarbeit). Zweitens ein Zitat, das einen Satzteil enthält, indem der vorher zitierte Begriff näher erläutert wird.

Das Beispiel stammt aus der Dissertation von Isabell Zorn 2010, S. 13 (Die Quellen sämtlicher Beispiele dieses Lernmoduls sind im Kapitel Literatur und Links aufgeführt).

2.3 Wörtliches Zitat – eingerückt

Dieses Beispiel zeigt, wie ein längeres zusammenhängendes Zitat formatiert werden sollte, eingerückt und in einem kleineren Font (kleinere Schriftgröße). Es wird in dieser Länge gebracht, da es ohne seinen inhaltlichen Gesamtzusammenhang schwer verständlich wäre bzw. wiederum erklärt werden müsste. In diesem Fall ist es besser, den zitierten Autor selbst „sprechen“ zu lassen.

Quelle: Diss. Zorn 2010, S. 22

Nebenbei interessant an diesem Beispiel ist: Der Rechtschreibfehler (ZeichenProzesse zusammengeschrieben) wird nicht korrigiert. Dies ist zwar richtig, aber die Autorin hätte direkt nach dem Fehler durch ein [sic!] darauf hinweisen müssen. Die Regel ist: Rechtschreibfehler in einem zitierten Text dürfen nicht korrigiert werden, müssen also im Original übernommen werden. Damit aufmerksame LeserInnen aber wissen, dass nicht der oder die Zitierende den Fehler gemacht hat, sondern der oder die Zitierte, ist der Hinweis sic! (lat. sīc, „so“, „wirklich so“; sīc erat scriptum ‚so stand es geschrieben) in rechteckigen Klammern nötig (siehe auch hier).

2.4 Paraphrase – Regeln

Bei der Formulierung einer Paraphrase (der sinngemäßen Wiedergabe eines Gedankens oder Textausschnittes in Form der Umschreibung oder Umformulierung) ist Folgendes zu beachten:

  • Die Paraphrase wird bei größerem Textumfang angewendet, also für Zusammenfassungen längerer Abschnitte
  • Sie ist wie eine indirekte Wiedergabe zu verstehen, der Wortlaut muss verändert werden, es genügt nicht nur die Ersetzung einzelner Worte! (sonst wäre es ein wörtliches Zitat, welches nicht durch Anführungszeichen kenntlich gemacht ist und damit ein Plagiat!)
  • Sie wird in der Regel im Konjunktiv formuliert (Dies ist aber in der Praxis tatsächlich meist nicht der Fall)
  • Die Paraphrase wird nicht hervorgehoben (Anführungszeichen o.ä.), aber gekennzeichnet durch Nennung des Autors/der Autorin und des Jahres, manchmal zusätzlich mit der Ergänzung „vgl.“ (für vergleiche), Beispiel: (vgl. Müller 2008)
  • Die Paraphrase darf genauso wie das wörtliche Zitat nicht sinnentstellend sein, d.h. der ursprüngliche Zusammenhang muss nach wie vor zu verstehen sein
  • Es „[…] muss klar ersichtlich werden, welcher Inhalt aus welcher Quelle entnommen wurde“ (Uni Wien Schreibprojekt).

2.5 Paraphrase – Beispiel 1

Hier sehen Sie ein Beispiel für mehrere aufeinander folgende Paraphrasen in einem Textabschnitt (gelb markiert), in dem verschiedene Autor*innen sinngemäß wiedergegeben werden.

Quelle: Diss. Schulthess 2012, S. 49

Im ersten Satz wird eine Erkenntnis wiedergegeben, die von gleich drei verschiedenen und hier angegebenen Autor*innen so geteilt wird. Die zitierte Behauptung untermauert damit die Argumentation des Verfassers der Dissertation besonders.

Dabei bietet sich hier eine Paraphrase auch deshalb an, da man ansonsten drei wörtliche Zitate ähnlichen Inhalts anführen müsste. Die Paraphrasierung vereinfacht also an dieser Stelle die Formulierung, sie fasst zusammen.

2.6 Paraphrase – Beispiel 2

Im folgendem Beispiel werden die Paraphrasen in zwei Fällen durch die Nennung der Autoren eingeleitet. So wird sofort klar, dass es sich um eine Zitierung handelt, die dann in Form einer Paraphrase gemacht wird. Leider wird nicht ganz klar, ab wann die Paraphrase der dritten Quelle (Veres-Homm) beginnt, in der auch noch ein wörtliches Zitat enthalten ist, das nun entweder der einen oder der anderen Quelle zuzuordnen ist. Schwieriger wird das Ganze noch dadurch, dass die Seitenzahlen nicht angegeben sind, sodass man in der angegebenen Literatur mühsam suchen muss.

Quelle: Diss. Jungmann 2009, S. 22

2.7 Beispiel: Richtig und falsch paraphrasiert

Quelle: https://www.scribbr.de/richtig-zitieren/paraphrasieren/ (Abb. nicht unter freier Lizenz)

2.8 Beispiel: Wörtliches Zitat und Paraphrase einmal gegenübergestellt

Original, Pöppel 2010, S. 325:
Das intuitive Wissen spiegelt sich in unseren Entscheidungen, die oft „aus dem Bauch heraus“ erfolgen.

Wörtliches Zitat
Intuitives Wissen stützt sich auf intuitive Vorstellungen und erfahrene Beziehungen als verinnerlichte Wahrnehmungen (Erfahrungen). Es „spiegelt sich in unseren Entscheidungen, die oft ‚aus dem Bauch heraus’ erfolgen“ (Pöppel 2010, S. 325).

Paraphrase
Intuitives Wissen stützt sich auf intuitive Vorstellungen und erfahrene Beziehungen als verinnerlichte Wahrnehmungen (Erfahrungen). Nach Pöppel (2010, S. 325) lässt es sich an unseren Entschlüssen ablesen, die häufig gefühlsgesteuert getroffen werden.

Hier, bei der Paraphrase, muss der Inhalt des Originals in eigenen Worten mit anderen Begriffen wieder gegeben werden. Sonst wäre es, wenn vielleicht auch nur stellenweise ein nicht kenntlich gemachtes wörtliches Zitat und damit plagiatsverdächtig.

2.9 Grundsätze Teil 1

Es gibt einige Grundsätze oder Regeln, die beim Zitieren beachtet werden müssen. Nachfolgend werden die wichtigsten vorgestellt und kurz erläutert.

  • Zitate sollen unmittelbar, zweckmässig (besonders treffend), vollständig und einheitlich sein
  • Zitate müssen aus Originalquellen entnommen werden und veröffentlicht sein!

Wichtig ist hier, dass wirklich nur dann zitiert wird, wenn es notwendig ist. Zitieren Sie nicht nur, um zu zeigen, dass Sie viele Quellen gelesen haben oder weil die Zitate selbst schön zu lesen sind oder auf eine „tolle“ Quelle hinweisen (Name-Dropping). Damit ist gemeint, dass Sie die Originalquellen herangezogen haben und diese wenigstens ausschnittweise gelesen haben. Verlassen Sie sich nicht auf die Zitierung von anderen Autoren und übernehmen deren Zitate nicht ungeprüft. Nur in Ausnahmefällen sollten Sie Zitate anderer Autoren übernehmen, und wenn Sie dies tun, kennzeichnen Sie es durch „zit. nach XY“. Die genaue Regel wird im Abschnitt Sonderfälle beschrieben.

Veröffentlicht sein bedeutet, dass die Quelle, aus der Sie zitieren, allgemein zugänglich sein muss (eben veröffentlicht). Das bedeutet jedoch nicht immer, dass die Quelle auch einfach erreichbar ist. Manche Habilitationen sind zwar veröffentlicht, aber trotzdem nur an der jeweiligen Hochschule vor Ort einzusehen, also nicht z.B. per Fernleihe ausleihbar.

  • Grund und Funktion des Zitats müssen deutlich werden
  • Eine einmal gewählte Zitierform muss durchgängig beibehalten werden

2.10 Analogie Oldtimer-Restaurierung 1

Analogie Oldtimer-Restaurierung 1 (Zeichnung Detlev Bieler, Lizenz: CC BY 4.0)

2.11 Analogie Oldtimer-Restaurierung 2

Analogie Oldtimer-Restaurierung 2 (Zeichnung Detlev Bieler, Lizenz: CC BY 4.0)

2.12 Grundsätze Teil 2

  • Direktes Zitat: Wortwörtliche Wiedergabe einer Textstelle, Kennzeichnung durch Anführungszeichen im Text oder Einrückung.

Die Einrückung wird eher bei längeren wörtlichen Zitaten verwendet und wird so deutlicher erkennbar. Neben der Einrückung wird oftmals auch die Schrift an dieser Stelle verkleinert.

  • Indirektes Zitat = Paraphrase: sinngemäße Wiedergabe einer Textstelle in eigenen Worten
  • Der Sinn eines Textabschnittes muss bei Zitat und Paraphrase erhalten bleiben!
  • Quellenwiederholung: „ebd.“ oder „a.a.O.“

Wenn Sie denselben Autor oder dieselbe Autorin mehrfach hintereinander zitieren, müssen Sie nicht immer die vollständige Quellenangabe machen. Stattdessen können Sie die oben angegebene Methode zur Abkürzung verwenden.

  • Generell gilt: Keine Zitat-Collage (Sammlung)

Gemeint ist, dass in einem oder mehreren aufeinanderfolgenden Abschnitten nicht zu viele Zitate desselben Autors oder derselben Autorin verwendet werden sollten. Sie könnten entweder zusätzliche Zitate von anderen Autor*innen zum jeweiligen Thema finden oder weitere eigene Gedanken in den Text einbringen. Wichtig ist, dass sich auch Ihre Meinung im Text widerspiegelt und nicht nur die anderer AutorInnen.

2.13 Sonderfälle

  • Zitat im Zitat: wenn Sie eine Textstelle zitieren, die bereits ein Wort in Anführungszeichen beinhaltet, müssen Sie diese in ihrem Zitat in einfache Anführungszeichen umwandeln, übrigens so auf der Tatstatur (Windows) zu erzeugen: alt+0130; alt+0145.
  • Zitate aus englischen Quellen müssen nicht übersetzt werden (es wären dann keine wörtlichen Zitate mehr).
  • Umgang mit Sekundärliteratur (zit. n. yx) Generell gilt: Sie sollten möglichst aus der Originalquelle zitieren. Denn „Quellen müssen zuverlässige Quellen sein. Wer aus zweiter Hand zitiert, setzt sich der Gefahr aus, Fehler zu übernehmen“ (Franck & Stary 2003, S. 183), oder dass der Zusammenhang nicht (mehr) stimmt. Wenn Sie also in einem Text auf ein Zitat stoßen, das Sie ebenfalls bringen möchten, weil es Ihre Argumentation unterstützt, dann sollten Sie sich diese Quelle (Primärquelle) beschaffen. Sollte dies schwer möglich sein oder gar unmöglich, weil der Titel z. B. vergriffen ist, können Sie ausnahmsweise so verfahren: Belegen Sie das Zitat mit beiden Quellen. Zunächst wird die Quelle genannt, aus der das Zitat im Original stammt, danach die Quelle, in der Sie das Zitat gefunden haben (Sekundärquelle), Beispiel: (Maier 1956, S. 23; zit. n. Schulze 2008, S. 74) wobei Maier die Primärquelle ist und Schulze die Sekundärquelle. Eine Alternative ist auch auf den Autor oder die Autorin hinzuweisen, der oder die Sie durch das Zitat erst auf den anderen Autoren gebracht hat, indem Sie z. B. schreiben: Schulze (2008, S. 74) verweist auf Maier (1956), nachdem zu beachten ist, „dass die eigentliche Zentralaufgabe das Nachdenken ist“ (S. 23). Dies beinhaltet ebenfalls, dass Sie die Originalquelle besorgen, um dies zu überprüfen.
  • Fehler werden übernommen und durch: [sic!] gekennzeichnet, bei Ergänzungen durch Sie selbst durch: [Anm. d. Verf.] und bei einer [Satzumstellung] werden diese Satzteile ebenfalls in eckige Klammern gesetzt. Dies macht kenntlich, dass die Änderungen von Ihnen stammen.
  • Auslassungen werden mit […] gekennzeichnet, Einfügungen so [z.B. Satzergänzung zur Lesbarkeit] und Hervorhebungen wie Fett- oder Kursiv-Setzungen, werden durch die Einfügung [Herv. durch V.] ergänzt. Letzteres kann auch in der Quellenangabe direkt nach dem Zitat erfolgen.
  • Wenn übersetzt wird, muss der oder die ÜbersetzerIn mit angeführt werden, z. B. so: Aus dem Englischen von Diane Marten.
  • Auch für Abbildungen, Zeichnungen, Schemazeichnungen von Modellen etc. gilt: die Quelle ist anzugeben und bei einer Änderung: in Anlehnung an Quelle xy.
  • Sind in einem Literaturverzeichnis mehrere Veröffentlichungen eines Autors oder einer Autorin aus einem Jahr zu nennen, so werden diese durch das Anhängen von Kleinbuchstaben unterschieden; XY (2004a)… (2004b)… (2004c) etc.
  • Ist ein Autor oder eine Autorin unbekannt, so wird anstelle des Namens o.V. (ohne Verfasser) angegeben oder Anonymus.

2.14 Häufige Fehler

Häufige Fehler beim Zitieren sind folgende:

  • Fehlende oder nicht ausreichende Belegung der Aussagen (Zitate), im schlimmsten Fall keine Namensangabe. Weniger schlimm, aber umständlich für den Nachvollzug der Quelle wird es, wenn keine Seitenangabe gemacht wird
  • Es kommt zu häufiger Verwendung von Sekundärzitaten
  • Literatur wird nur oberflächlich recherchiert: wichtige Autoren werden nicht beachtet
  • Überwiegendes Zitieren aus Lehrbüchern statt aus Forschungsliteratur
  • Fehlende Integration hochrangiger Journals
  • Unvollständiges Literaturverzeichnis

Nach Meyer (2011, S. 24)

3 Wie belegen?

Obwohl es scheinbar unzählige Varianten von Zitierformen gibt (siehe hierzu auch Kapitel 5), lassen sich diese letztendlich auf „nur“ zwei Hauptmethoden zurückführen: die Kurzbelegmethode im Text und die Ziffernmethode.

3.1 Kurzbeleg im Text

Eine Möglichkeit, eine Quelle im Text anzugeben (zu belegen), ist die Angabe des Namens von AutorInnen, des Jahres der Veröffentlichung der Quelle und der Seitenzahl, von der das Zitat stammt. Dies wird auch Kurzbeleg genannt und findet unmittelbar im Anschluss an das Zitat statt oder im unmittelbaren Zusammenhang dazu. Beispiel (Arnold 2008, S. 31): Wenn der Autor im Text genannt wird, wird nur das Jahr und die Seitenangabe in Klammern gesetzt. Die ausführlichen Quellenangaben werden dann im Literaturverzeichnis am Ende der Arbeit gemacht.

Weitere häufig gebrauchte Bezeichnungen für diese Methode sind Anglo-Amerikanische Belegmethode, Harvard-Methode oder Autor-Jahr-System (Zur Verwendung der zahlreichen verschiedenen möglichen Stile siehe im Kapitel Zitationsstile)

Er gibt verschiedene Varianten für die Schreibweise bei der Nennung von AutorIn und Jahr in der Kurzbelegmethode:

  • (Schulz 2003, S. 34); (Schulz, 2003, S. 34); (Schulz 2003: 34); (SCHULZ 2003, S. 34)

Im folgenden Beispiel ist oben der Beleg eines wörtlichen Zitats, unten der für eine Paraphrase:

Quelle: Diss. Jungmann 2009, S. 20

3.2 Weiteres Beispiel

Quelle: Dissertation Blees 2011, S. 8

3.3 Ziffer und Fußnote

Die zweite Belegmethode ist die der Anmerkungsziffer mit Kurzbeleg in einer Fußnote. Diese Methode wird auch Deutsche Belegmethode oder Anmerkungssystem genannt. Ein weiterer Name ist Oxford-System.

Dabei wird direkt nach dem Zitat eine Anmerkungsziffer in Form einer Hochzahl (die Zahl kann auch auf der Grundlinie stehen, das ist vom Stil abhängig) eingefügt, die fortlaufend durchnummeriert wird. Auf der gleichen Seite wird das Zitat in einer Fußnote in Kurzform mit der Angabe von Namen, Jahr und Seite belegt.

Auch hier werden die ausführlichen Quellenangaben im Literaturverzeichnis am Ende der Arbeit gemacht.

Quelle: Diss. Janzik 2011, S. 89

3.4 Weiteres Beispiel Ziffernmethode

Quelle: Dissertation Faika 2014, S. 9

Interessant: hier gibt es keine Belege in Fußnoten auf der Seite. Diese befinden sich stattdessen alle im Literaturverzeichnis. Eine der zahlreichen Varianten…

Sowohl Kurzbeleg- als auch Ziffernmethode gibt es in zahlreichen Varianten. Literaturverwaltungsprogramme haben ca. 11.000 verschiedene Zitationsstile „gesammelt“. In der folgenden Grafik sind beide Zitierhauptmethoden zur besseren Übersicht noch einmal einander gegenübergestellt:

Zwei Hauptzitiermethoden (Grafik Detlev Bieler, Lizenz: CC BY 4.0)

3.5 Vor- und Nachteile 1: Deutsche Belegmethode (Anmerkungsziffer und Fußnote)

Vorteile:

  • Der Lesefluss im Text ist besser, da der Text nicht durch Quellenangaben zerrissen wird und da nicht immer zum Literaturverzeichnis am Ende geblättert werden muss
  • Das Vergessen von Literaturangaben passiert weniger häufig
  • Belege und Erläuterungen sind auf der gleichen Seite in der Nähe der Zitate zu finden

Nachteile:

  • Die Anmerkungen benötigen Platz auf der Seite, der sonst für Text zur Verfügung stünde
  • Die Quellenangaben müssen so zweimal gemacht werden, in den Anmerkungen und im Literaturverzeichnis

3.6 Vor- und Nachteile 2: Anglo-amerikanische Belegmethode (Kurzbeleg im Text u. Literaturverzeichnis, auch Harvard-Zitierweise genannt)

Vorteile:

• es spart Schreibarbeit, da die Quellenangaben nur einmal am Ende im Literaturverzeichnis zu machen sind

• es wird kein Platz benötigt für u.U. zahlreiche Anmerkungen auf der Seite

Nachteil:

  • Der Lesefluss im Text ist schlechter, da die Quellenangaben darin erst „überlesen“ werden müssen

3.7 Und Abbildungen?

Natürlich können auch Abbildungen zitiert werden. Allerdings nur, wenn dies für die wissenschaftliche Arbeit nötig ist, also nicht nur zur Verschönerung 😉 . Ganz wichtig ist bei der Zitierung von Abbildungen daher die Bezugnahme auf diese und deren Kommentierung im Text.

Ein zitiertes Bild sollte eine fortlaufende Nummerierung aufweisen (idealerweise mit Angabe des Kapitels oder Abschnittes) . Es ist besonders wichtig, die Quellenangabe direkt unter der Abbildung aufzuführen. Dies bedeutet, dass die Quelle immer unter der Abbildung angeben werden sollte, selbst wenn im Text z.B. mit dem Fußnotensystem gearbeitet wird: (Sandberg 2012, S. 106)!

Bei übernommenen Grafiken, die abgeändert werden, ist zusätzlich zur Quelle der Hinweis zu geben:

  • In Anlehnung an…Abb. 1: …, eigene Bearbeitung nach … (Quelle)

Ansonsten sollte ein Hinweis auf die eigene Darstellung gegeben werden, falls dies der Fall ist. Dadurch wird sichergestellt, dass klar wird, dass die Quellenangabe nicht vergessen wurde. Zudem ist es notwendig, ein separates Abbildungsverzeichnis zu erstellen. Dies gilt auch für Tabellen, für die ein Tabellenverzeichnis erforderlich ist.

3.8 Abbildungen, Beispiel 1

Quelle: Diss. Jungmann 2011

Hier unter der Abbildung zu sehen: Bildbezeichnung, fortlaufende Nummerierung und die Quellenangabe.

3.9 Abbildungen, Beispiel 2

Quelle: Stephan 2009

Bei übernommenen Grafiken, die abgeändert werden: Quelle und Hinweis: In Anlehnung an…

Abb. 1: (Titel der Abbildung), eigene Bearbeitung nach … (Quelle)

3.10 Abbildungen, Beispiel 3

Diss. Janzig 2011 S. 65

4 Literaturverzeichnis – Formatierungsbeispiele

Zu einer wissenschaflichen Arbeit und dem Belegen von Quellen gehört schließlich deren Nachweis in einem Literaturverzeichnis. Nachfolgend sind die wichtigsten Formate verschiedener Literaturarten vorgestellt.

4.1 Monographie und Sammelband

Im Folgenden sehen Sie Beispiele für die Quellenangaben von verschiedenen Publikationsformaten. Abwandlungen sind dabei möglich und richten sich nach den Vorschriften des jeweiligen Zitationsstiles. Die wesentlichen Bestandteile bleiben aber gleich. Bei den ersten drei Formaten ist den Umsetzungsbeispielen zum besseren Verständnis die Formatvorgabe vorangestellt. Einige Besonderheiten sind fett hervorgehoben.

Monographie
Name, Vorname (evtl. als Initial) (Jahr): Titel (Untertitel durch Punkt getrennt). (ggf. Auflage) Ort d. Publikation: Verlag. Seite(n)

Bortz, Jürgen und Nicola Döring (2002): Forschungsmethoden und Evaluation. Für Human und Sozialwissenschaftler. 3., überarb. Aufl. Springer-Lehrbuch. Berlin: Springer. S.  173.

Sammelband bzw. Beitrag in einem Sammelband
Bei einem Beitrag aus einem Sammelband müssen sowohl der Beitrag als auch der Sammelband selbst aufgeführt werden. Zuerst werden AutorInnen des Beitrages genannt, dann folgt in dieser Nennung der Sammelband, erkennbar an dem „in“ vor der darauffolgenden Nennung der AutorInnen bzw. HerausgeberInnen des jeweiligen Sammelbandes:

Name, Vorname (evtl. als Initial) (Jahr): Titel des Aufsatzes, in: Name des Herausgebers des Sammelbandes (Hrsg.): Titel des Werkes (des Sammelbandes), evtl. Bandnummer. Erscheinungsort: Verlag, Seiten

HERSTATT, C.; SANDER, J. G. (2004b): Einführung: Virtuelle Communities, in: C. Herstatt, J. Sander (Hrsg.), Produktentwicklung mit virtuellen Communities: Kundenwünsche erfahren und Innovationen realisieren. Wiesbaden: Gabler, S.1–16. (Anm.: Hier sind die Namen z.B. in Kapitälchen gesetzt, eine der zahlreichen Varianten)

4.2 Zeitschriftenbeitrag und Hochschulschrift

Zeitschriftenbeitrag
Das „in“ kennzeichnet auch die Nennung eines Beitrages/Artikels in einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Nach den Namen von AutorInnen und dem „in“ folgt die Angabe des Namens der Zeitschrift:

Name, Vorname als Initial (Jahr): Titel des Aufsatzes, in: Name der Zeitschrift, Jahrgang, evtl. Heftnummer, Anfangs u. Endseite.

WISWEDE, G. (1988): Ökonomische Psychologie – Psychologische Ökonomie: Probleme und Befunde wirtschaftspsychologischer Forschung, in: Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, 108(4), S. 503–592.

Hochschulschrift
Lettl, C. (2004). Die Rolle von Anwendern bei hochgradigen Innovationen: Eine explorative Fallstudienanalyse in der Medizintechnik. Dissertation. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag.

4.3 Graue Literatur und Internetquelle

Graue Literatur
THOMKE, STEFAN (2002): Innovation at 3M Corporation, Working Paper, Harvard Bu School, 2. Auflage,   Cambridge (MA).

Internetquelle
Wildt, Johannes, Mathias Heiner und Andrea Krelaus (2009).  hochschuldidaktik-on-line. Hrsg. Von Hochschuldidaktisches Zentrum der Technischen Universität Dortmund. Dortmund. url: www.hd-on-line.de (besucht am 2009. 12. 12). S. 53.

5 Zitationsstile

5.1 Beispiel 1

Wie schon zuvor erwähnt, gibt es mehr als 10.000 verschiedene Zitationsstile. Es folgen einige Beispiele. In der linken Spalte steht der Name der Zeitschrift, gefolgt von der Markierung des Belegs im Text und rechts die Vorschau aus dem Literaturverzeichnis:

Methode: Kurzbeleg im Text

Quelle: Citavi Zitierstilübersicht.pdf 2010, S. 8 (Anm.: leider ist dies schön übersichtliche PDF nicht mehr erhältlich.

5.2 Beispiel 2

Quelle: Citavi Zitierstilübersicht.pdf 2010, S. 4
Quelle: Citavi Zitierstilübersicht.pdf 2010, S. 5

5.3 Beispiel 3

Hier noch ein Blick in ein Literaturverzeichnis einer Dissertation, Die nachnamen der Autor*innen sind in Kapitälchen gesetzt, der Vorname wird als Initiale abgekürzt. Nach der Jahreszahl folgt ein Doppelpunkt. In der vierten Quelle ist das Wörtchen „in“ zu sehen, woran erkennbar ist, dass es sich um einen Zeitschriftenbeitrag handelt:

Quelle: Diss. Janzik 2011

5.4 Beispiel 4

Hier ein etwas seltenerer Stil, hier ist der erste Name der beiden Autoren mit dem Nachnamen zuerst angeführt, beim zweiten Autor erst der Vor- und dann der Nachname, ab der zweiten Zeile sind die Zeilen eingerückt, nach der Jahreszahl folgt ein Punkt:

Quelle: Diss. Jungmann 2011

5.5 Beispiel 5

Quelle: Diss. Drewko 2013

Aufgrund der Vielzahl an Zitierstilen ist es wichtig, die Vorgaben z.B. einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift oder auch, im Falle einer Promotion, eines Institutes rechtzeitig zu erfragen. Gerade hierfür ist die Nutzung eines Literaturverwaltungsprogrammes zu empfehlen. Quasi auf Knopfdruck lassen sich Zitierstile je nach Wunsch passend ändern.

6.1 Quellen dieses tub.torials

Bedorf, Thomas (2004): Hinweise zum wissenschaftlichen Arbeiten: Zitieren und Paraphrasieren.
http://www.fernuni-hagen.de/imperia/md/content/philosophie/textdokumente/bedorf_zitieren.pdf
Franck, Norbert; Stary, Joachim (2003): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. 11. Aufl. Schöningh, Paderborn.
Meyer, Matthias (2011): Hinweise und Formvorschriften für das erstellen wissenschaftlicher Arbeiten. http://www.cur.tu-harburg.de/de/dateien/oeffentlich/hinweiseundformvorschriftencurmai2011.pdf
Rost, Friedrich (2007): Lern- und Arbeitstechniken für das Studium. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden.4. Auflage.
Vertiefende Literatur, die in diesem tub.torial nicht zitiert ist:
Balzert, Helmut; Schröder, Marion; Motte, Petra (2011): Wissenschaftliches Arbeiten: Ethik, Inhalt & Form wiss. Arbeiten, Handwerkszeug, Quellen, Projektmanagement, Präsentation. W3L-Verlag, Herdecke.
Kruse, Otto (2010): Lesen und Schreiben. UTB, Stuttgart.
Limburg, Anika; Otten, Sebastian (2011): Schreiben in den Wirtschaftswissenschaften. Schöningh UTB, Stuttgart.
Rost, Friedrich (2012): Lern- und Arbeitstechniken für das Studium. Springer, Wiesbaden.
Sandberg, Berit (2013): Wissenschaftlich Arbeiten von Abbildung bis Zitat. Lehr- und Übungsbuch für Bachelor, Master und Promotion. Oldenbourg, München.
Stickel-Wolf, Christine; Wolf, Joachim (2013): Wissenschaftliches Arbeiten und Lerntechniken: erfolgreich studieren – gewusst wie! Springer, München.
Theisen, Manuel R. (2013): Wissenschaftliches Arbeiten, 16. Aufl. Vahlen, München.

6.2 Quellen der Beispiele

Blees, Christoph (2011): Eine Methode zur Entwicklung modularer Produktfamilien. Dissertation. Techn. Uni. Hamburg.
Drewko, Aleksandra  (2013):  Low-tech sustainable sanitation options for Ghana and Ethiopia –
economic, social  and technical aspects. Dissertation. Techn. Uni. Hamburg.
Faika, Daniela (2014): Modifikation magnetischer Nanoträger für den Einsatz in enzymatisch katalysierten Reaktionen. Dissertation. Techn. Uni. Hamburg.
Janzik, Lars (2011): Motivanalyse zu Anwenderinnovationen in Online-Communities. Wiesbaden. Springer.
Jungmann, Thorsten  (2011): Forschendes Lernen im Logistikstudium. Dissertation. Technische Universität Dortmund.
Meyer, Matthias (2011): Hinweise und Formvorschriften für das Erstellen wissenschaftlicher Arbeiten.
Pöppel, Ernst (2010) Der Rahmen. Ein Blick des Gehirns auf unser Ich. München. Hanser.
Schulthess, Marc (2012): Die Nutzung von Analogien im Innovationsprozess. Wiesbaden. Springer.
Scribbr: https://www.scribbr.de/richtig-zitieren/paraphrasieren/
Stephan, Michael (2009): Improvisationsfähigkeit, Kreativität & Offenheit als Herausforderungen innovativer Unternehmen. Jazz als Referenzkonzept für das Innovationsmanagement? Discussion Papers on Strategy and Innovation 09-03 Department of Technology and Innovation Management. Philipps-University Marburg.
Uni Wien Schreibberatung: https://ctl.univie.ac.at/angebote-fuer-studierende/waehrend-des-studiums/schreibberatung/
Zorn, Isabel  (2010): Konstruktionstätigkeit mit Digitalen Medien – Eine qualitative Studie als Beitrag zur
Medienbildung. Glückstadt. Hülsbusch


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: „Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten: Warum und wie?“ von Detlev Bieler, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
1 2 3 … 5