Symbolbild Argumentation

Argumentieren mit mehr System: Argdown als Tool für wissenschaftliches Arbeiten

Wer eine Hausarbeit schreibt, sich auf eine Klausur vorbereitet oder allgemein wissenschaftliche Texte liest und verfasst, kennt das Problem vielleicht: Argumente, Schlussfolgerungen und Gegenargumente verschwimmen in wissenschaftlichen Texten oft in längeren Absätzen. Nach ein paar Seiten verliert man den Überblick: Was war nochmal das Hauptargument? Welche Gegenargumente gibt es? Und wie hängt alles zusammen?

Hier setzt Argdown an. Argdown ist eine einfache Form der Textauszeichnung, mit der sich Argumentationsstrukturen sichtbar machen lassen. Ähnlich wie Markdown, eine Auszeichnungssprache, die im Beitrag Schreiben mit Markdown Thema ist, arbeitet Argdown mit wenigen, leicht erlernbaren Zeichen. Das Ergebnis: Argumentationsketten werden auf einen Blick erkennbar.

Auf Argdown hingewiesen wurde ich von Axel Dürkop im Rahmen einer HOOU-Shares-Sitzung an der TUHH. Seitdem habe ich das Tool für unterschiedliche Zwecke ausprobiert und möchte einige Erfahrungen in diesem Beitrag teilen.

Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut:

1. Was ist Argdown?

Argdown ist eine Syntax, also eine Sammlung von Regeln, wie man Text formatiert. Thesen, Argumente und logische Verknüpfungen lassen sich mit einfachen Zeichen darstellen. Daraus werden automatisch Diagramme erzeugt, die zeigen, welche Argumente sich unterstützen oder widersprechen.

Warum ist das für das wissenschaftliche Arbeiten nützlich?

  • Einfach zu lernen: Nach ein paar Minuten kann man, wie bei Markdown, loslegen
  • Denken strukturieren: Bevor man eine Hausarbeit schreibt, kann man die Argumentationsstruktur durchdenken und Lücken erkennen
  • Zusammenarbeiten und Austausch: Die Dateien lassen sich einfach per E-Mail verschicken oder in Lerngruppen teilen

2. Wann lohnt sich Argdown?

Die Nutzung von Argdown lohnt sich in ganz unterschiedlichen Situationen: Zum Beispiel beim Schreiben einer Hausarbeit, beim Lesen wissenschaftlicher Texte, in Seminaren und im Unterricht.

Für Studierende

Beim Schreiben von Hausarbeiten

Bevor wir mit dem Schreiben beginnen, können wir unsere Hauptthese (also die zentrale Behauptung, die wir begründen wollen) und die wichtigsten Argumente in Argdown skizzieren. Dabei wird schnell sichtbar: Folgt aus unseren Begründungen wirklich die These? Oder fehlt ein Zwischenschritt? Argdown zeigt auch, wo Gegenargumente ansetzen könnten. Wie genau so eine Argumentationsstruktur aufgebaut sein kann, zeigt der Abschnitt „Vom Analysieren zum Argumentieren“.

Beim Lesen wissenschaftlicher Texte

Komplexe Texte mit vielen verschachtelten Argumenten lassen sich mit Argdown entknoten. Wir können die Kernargumente eines Aufsatzes herausarbeiten und ihre Beziehungen zueinander darstellen. Das hilft beim Vergleich verschiedener Positionen in der Fachliteratur. Bei der Prüfungsvorbereitung können wir so die zentralen Debatten auf einen Blick überschauen.

In Seminaren

Wenn in einem Seminar kontroverse Positionen diskutiert werden, können wir die verschiedenen Argumente mit Argdown sortieren und nach dem Seminar nochmal durchgehen. Auch während der Veranstaltung können wir so schon einzelne Aussagen reflektieren und möglicherweise neue Perspektiven entwickeln. Für die Vorbereitung eigener Diskussionsbeiträge hilft Argdown ebenfalls, die eigene Position vorher zu strukturieren.

Wie dies konkret aussehen kann, zeigen die später aufgeführten Beispiele.

Für Lehrende

  • Lehrmaterialien: Argumentationsstrukturen für Vorlesungen und Seminare visualisieren
  • Prüfungsvorbereitung und Kompetenzaufbau: Studierende auf das Analysieren und Entwickeln von Argumentationen vorbereiten
  • Feedback: Argumentationsfehler in studentischen Arbeiten präzise aufzeigen

Für die Schule

Spätestens ab der Oberstufe, wo argumentatives Schreiben zentral wird, kann Argdown beim Analysieren von Sachtexten, politischen Debatten oder philosophischen Argumentationen helfen. Das betrifft Fächer wie Deutsch, Gesellschaftskunde oder Ethik, die mir beim Rückblick auf meine Schulzeit als erstes einfallen, aber sicherlich auch fächerübergreifende Kontexte, zum Beispiel in Englisch oder Wirtschaftslehre, wenn Positionen begründet werden müssen.

Die einfache Syntax macht Argdown niedrigschwelliger als komplexe Mindmapping-Software, gerade für Lernende, die sich auf Inhalte statt auf Bedienoberflächen konzentrieren sollen.

3. So funktioniert Argdown: Zwei Beispiele

Nachfolgend werden zwei vereinfachte Beispiele für die Nutzung von Argdown abgebildet. Beispiel 1 widmet sich dem Open-Access-Publizieren in der Wissenschaft, Beispiel 2 den Lehrformaten an Hochschulen.

Für den Einstieg nutzen wir nur einige zentrale Elemente der Argdown-Syntax:

  • Eckige Klammern „[…]“ markieren zentrale Thesen.
  • Spitze Klammern „<…>“ benennen Argumente.
  • Nummerierte Schritte führen über „—-“ zur Schlussfolgerung.
  • Pfeile verbinden Argumente mit Thesen und zeigen, ob sie dafür oder dagegen sprechen.

Mehr zur Syntax gibt es direkt auf der Argdown-Startseite oder zum Ausprobieren in der Argdown-Sandbox.

Beispiel 1: Eine vereinfachte Diskussion zum Thema Open Access in der Wissenschaft

Im ersten Beispiel schauen wir uns eine (stark vereinfachte) Diskussion über Open Access in der Wissenschaft an. Im Mittelpunkt steht die zentrale Aussage. Dafür sprechen zwei Gründe (besserer Zugang zu Forschung und höhere Sichtbarkeit), dagegen sprechen in diesem Beispiel ebenfalls zwei Gründe (zusätzliche Kosten und eventuell eine begrenzte Auswahl an Fachzeitschriften).

Der Argdown-Code hilft dabei, diese Gründe übersichtlich darzustellen und zu zeigen, wie sie jeweils begründet sind und zu einer Schlussfolgerung führen.

===
title: Open Access für wissenschaftliche Publikationen
subTitle: Eine vereinfachte Argumentationsanalyse
author: Florian Hagen
date: 15/12/2025
color:
    tagColors:
        pro: "#1a798c"
        con: "#C0392B"
    argumentFontColor: white
    statementFontColor: black
===


[Open-Access-These]: Open Access sollte für alle wissenschaftlichen 
Publikationen verpflichtend sein.


<Zugangsargument>: Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten allen 
zugänglich sein. #pro

(1) Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten allen Interessierten 
    unabhängig von Region oder finanzieller Situation zugänglich sein.
(2) Open Access ermöglicht diesen universellen Zugang.
----
(3) Open Access sollte für wissenschaftliche Publikationen Standard sein.
  -> [Open-Access-These]


<Sichtbarkeitsargument>: Open Access erhöht die Reichweite 
wissenschaftlicher Ergebnisse. #pro

(1) Open-Access-Publikationen sind frei zugänglich und werden 
    häufiger gelesen.
(2) Höhere Leserschaft führt zu mehr Zitationen und größerer Wirkung.
----
(3) Open Access steigert die Sichtbarkeit wissenschaftlicher Arbeit.
  -> [Open-Access-These]


<Kostenargument>: Publikationsgebühren können Forschungsbudgets belasten. #con

(1) Open-Access-Publikationen verursachen oft Publikationsgebühren.
(2) Nicht alle Institutionen können diese Gebühren tragen.
----
(3) Verpflichtender Open Access benachteiligt finanzschwache 
    Institutionen.
  -> [Open-Access-These]


<Zeitschriftenauswahl abhängig von Fachdisziplin>: Nicht alle etablierten Zeitschriften 
bieten Open Access an. #con

(1) Viele etablierte Fachzeitschriften publizieren derzeit noch nicht 
    im Open Access.
(2) Für manche Forschungsbereiche gibt es nur wenige oder keine 
    Open-Access-Alternativen in etablierten Zeitschriften.
----
(3) Verpflichtender Open Access könnte die Publikationsmöglichkeiten 
    in bestimmten Fachbereichen einschränken.
  -> [Open-Access-These]

So sieht die automatisch generierte Argumentkarte zum Open-Access-Beispiel in der Argdown-Sandbox aus:

  • Open Access Abbildung Argumentation
  • Open Access Abbildung Quellen Argumentation

In der Abbildung wird deutlich, wie die Argumente zueinander in Beziehung stehen: Türkisfarbene Boxen zeigen Pro-Argumente, rote Boxen Contra-Argumente.

Hinweis:

Dies ist ein vereinfachtes Beispiel. In der realen Open-Access-Debatte gibt es natürlich noch viele weitere Argumente (zum Beispiel zur Sichtbarkeit, Zitierhäufigkeit oder zu Förderrichtlinien). Argdown eignet sich auch dafür, komplexere Debatten zu strukturieren.

Beispiel 2: Diskussion in einer Lehrveranstaltung über Lehrformate der Zukunft

Stellen wir uns vor, in einer Lehrveranstaltung wird über die zukünftige Ausgestaltung der Lehrangebote diskutiert: Sollen Veranstaltungen vor Ort stattfinden, online angeboten werden oder in einer Mischform? Die folgenden Argumente basieren zum Teil auf Rückmeldungen aus Evaluationen und Gesprächen der vergangenen Semester, insbesondere aus unserem Seminar „Wissenschaftliches Arbeiten“ an der TUHH. Mit Argdown lassen sich diese verschiedenen Positionen strukturieren und ihre Beziehungen zueinander sichtbar machen.

===
title: Präsenzlehre, Online-Lehre oder Hybridformat?
subTitle: Rekonstruktion einer Seminardiskussion
author: Florian Hagen
date: 15/12/2025
color:
    tagColors:
        praesenz: "#1a798c"
        online: "#C0392B"
        hybrid: "#8E44AD"
        herausforderung: "#95a5a6"
    argumentFontColor: white
    statementFontColor: black
===

[Präsenzlehre-bevorzugt]: Lehrveranstaltungen sollten primär als 
Präsenzveranstaltungen stattfinden.

[Online-bevorzugt]: Lehrveranstaltungen sollten primär online 
angeboten werden.

<Austausch-Argument>: Präsenz ermöglicht wertvollen direkten Austausch. #praesenz

(1) In Präsenzveranstaltungen können spontane Nachfragen direkt geklärt werden.
(2) Gruppenarbeiten und Diskussionen funktionieren vor Ort deutlich besser 
    als in Videokonferenzen.
(3) Persönlicher Kontakt zu Kommiliton*innen und Lehrenden erleichtert das Lernen.
----
(4) Präsenzlehre fördert besseres Verständnis und soziale Vernetzung.
  -> [Präsenzlehre-bevorzugt]

<Sozialer-Kontakt-Argument>: Studium bedeutet auch soziale Erfahrung. #praesenz

(1) Freundschaften und Lerngruppen entstehen vor allem durch persönliche 
    Begegnungen auf dem Campus.
(2) Informeller Austausch vor und nach Veranstaltungen (über Prüfungen, 
    andere Kurse, Studienorganisation) ist wertvoll.
(3) Studierende, die nur online studieren, berichten häufig von Isolation 
    und fehlendem Zugehörigkeitsgefühl.
----
(4) Präsenzlehre fördert soziale Integration und Studiengemeinschaft.
  -> [Präsenzlehre-bevorzugt]

<Konzentrations-Argument>: Lernumgebung auf dem Campus fördert Fokus. #praesenz

(1) Zuhause gibt es viele Ablenkungen (Mitbewohner*innen, Familie, Haushaltsaufgaben, 
    Streaming-Dienste).
(2) Nicht alle haben einen ruhigen, ergonomischen Arbeitsplatz oder 
    stabiles Internet.
(3) Die räumliche Trennung von Lernen und Privatleben hilft vielen bei 
    der Konzentration.
----
(4) Campus-Räume bieten bessere Lernbedingungen als viele private Wohnungen.
  -> [Präsenzlehre-bevorzugt]

<Mobilität-Argument>: Anfahrtswege sind eine große Belastung. #online

(1) Viele Studierende haben Anfahrtszeiten von 60 bis 90 Minuten pro Strecke, 
    bei mehreren Präsenztagen summiert sich das auf 10 bis 15 Stunden pro Woche.
(2) Studierende aus ländlichen Regionen haben oft nur eingeschränkte 
    ÖPNV-Verbindungen, frühe oder späte Veranstaltungen sind manchmal 
    nicht erreichbar.
(3) Ein eigenes Auto ist für viele finanziell nicht machbar.
(4) Diese Zeit fehlt für Vor- und Nachbereitung, Nebenjobs oder Erholung.
----
(5) Online-Formate sparen wertvolle Zeit und machen Studium unabhängig 
    vom Wohnort möglich.
  -> [Online-bevorzugt]

<Gesundheit-Argument>: Online-Formate ermöglichen Teilnahme trotz Krankheit. #online

(1) Bei leichten Erkrankungen (Erkältung, Kopfschmerzen) ist man noch 
    aufnahmefähig, sollte aber andere nicht anstecken.
(2) Bei chronischen Erkrankungen gibt es Tage, an denen die Anfahrt nicht 
    möglich ist, geistige Arbeit aber schon.
(3) Präsenzpflicht führt dazu, dass kranke Studierende erscheinen und 
    andere anstecken.
----
(4) Online-Optionen schützen die Gesundheit aller Beteiligten.
  -> [Online-bevorzugt]

<Tagesplanung-Argument>: Online-Formate lassen sich besser in den 
Alltag integrieren. #online

(1) Studierende müssen Studium oft mit Nebenjob, Kinderbetreuung oder 
    Pflege von Angehörigen vereinbaren.
(2) Eine Präsenzveranstaltung bindet nicht nur 90 Minuten, sondern mit 
    An- und Abreise oft 3 bis 4 Stunden am Stück.
(3) Online-Teilnahme ermöglicht flexiblere Tagesgestaltung (z.B. Teilnahme 
    in der Mittagspause des Jobs).
----
(4) Online-Formate erleichtern die Vereinbarkeit verschiedener Verpflichtungen.
  -> [Online-bevorzugt]

<Hybrid-Modell>: Eine Kombination nutzt Stärken beider Formate. #hybrid

(1) Präsenztermine für interaktive Formate (Diskussionen, Gruppenarbeiten, 
    Übungen) ermöglichen wertvollen Austausch.
(2) Vorlesungen und Inputphasen können gut online stattfinden und sparen 
    Anfahrtszeiten.
(3) Online-Optionen als Alternative ermöglichen Teilnahme trotz Krankheit, 
    weiter Anfahrt oder anderen Verpflichtungen.
(4) Die Campus-Infrastruktur bleibt verfügbar, wird aber gezielter genutzt.
----
(5) Ein Hybridmodell ist besser als einseitige Festlegungen.
  +> <Austausch-Argument>
  +> <Sozialer-Kontakt-Argument>
  +> <Konzentrations-Argument>
  +> <Mobilität-Argument>
  +> <Gesundheit-Argument>
  +> <Tagesplanung-Argument>
  <- [Präsenzlehre-bevorzugt]
  <- [Online-bevorzugt]

<Didaktik-Herausforderung>: Hybrid-Lehre erfordert hohe didaktische Kompetenz. #herausforderung

(1) Hybrid-Veranstaltungen müssen für beide Gruppen (vor Ort und online) 
    gleichzeitig funktionieren.
(2) Das erfordert mehr Vorbereitung und andere didaktische Ansätze als 
    reine Präsenz- oder Online-Lehre.
(3) Lehrende müssen beide Gruppen im Blick behalten und moderieren.
(4) Nicht alle Lehrenden haben die Zeit, Ressourcen oder Fortbildung dafür.
----
(5) Hybrid-Modelle können in der Praxis zu schlechterer Lehrqualität führen.
  <- <Hybrid-Modell>

<Technik-Herausforderung>: Technische Ausstattung ist oft unzureichend. #herausforderung

(1) Hybrid-Lehre braucht gute Kameras, Mikrofone und stabile Internetverbindung 
    in jedem Raum.
(2) Viele Hörsäle und Seminarräume sind dafür nicht ausgestattet.
(3) Technische Probleme während der Veranstaltung stören den Ablauf für alle 
    Teilnehmenden.
(4) Die Anschaffung und Wartung der Technik verursacht erhebliche Kosten.
----
(5) Die technische Infrastruktur unterstützt Hybrid-Formate oft nicht ausreichend.
  <- <Hybrid-Modell>

So sieht die automatisch generierte Argumentkarte zum Lehrformat-Beispiel in der Argdown-Sandbox aus:

  • Lehre Abbildung Argumentation
  • Lehre Abbildung Quellen Argumentation

In der Abbildung wird deutlich, welche Argumente für Präsenz- und welche für Online-Lehre sprechen.

Umfassendere Beispiele in unterschiedlicher Komplexität bietet auch die Beispielsammlung von Argdown.

4. Vom Analysieren zum Argumentieren

Argdown hilft nicht nur beim Verstehen fremder Argumentationen, sondern auch beim Entwickeln eigener. In Hausarbeiten müssen mitunter komplexere Argumentationsketten aufgebaut werden und genau hier kann Argdown in der Planungsphase unterstützen.

Wie funktioniert wissenschaftliches Argumentieren?

Im Kern geht es darum, eine These durch klare Schritte zu begründen. Eine vollständige Argumentation besteht aus:

  • Unseren Ausgangspunkten (Prämissen): Die Voraussetzungen, von denen wir ausgehen (oft gestützt durch Fachliteratur)
  • Unseren Gedankengängen: Wie kommen wir von den Ausgangspunkten zu unserer Schlussfolgerung?
  • Unsere Schlussfolgerung: Was folgt daraus?

Ein Beispiel in Anlehnung an Abschnitt 3:

  1. Öffentlich finanzierte Forschung sollte für die Öffentlichkeit zugänglich sein (Werturteil)
  2. Die meisten wissenschaftlichen Publikationen basieren auf öffentlicher Finanzierung (Tatsache)
  3. Also: Wissenschaftliche Publikationen sollten öffentlich zugänglich sein (Schlussfolgerung)

Argdown als Planungswerkzeug

Bevor wir in den Fließtext unserer Hausarbeit bzw. unseres wissenschaftlichen Schreibprojekts einsteigen, können wir die wichtigsten Argumente in Argdown skizzieren. Das kann ggf. sofort zeigen:

  • Sind unsere Ausgangspunkte überzeugend? Würden andere sie akzeptieren?
  • Ist unser Gedankengang logisch? Oder machen wir gedankliche Sprünge?
  • Wo ist unser Argument ausbaufähig? An welchen Stellen können andere widersprechen?
  • Was müssen wir belegen? Welche Behauptungen brauchen Quellen?

Ein Argument, das in Argdown nicht überzeugend aussieht, wird dies auch im ausgeschriebenen Text eher nicht tun. Die kompakte Darstellung macht Probleme sichtbar, bevor sie sich durch viele Seiten Text ziehen.

Von der Struktur zum Text

Sobald die Argumentationsstruktur steht, fällt das Schreiben leichter. Jedes Argument in unserem Argdown-Diagramm kann zu einem Absatz oder Unterkapitel werden. Die Verbindungen (zum Beispiel unterstützt oder widerspricht) werden zu Überleitungen. Und wir haben einen besseren Überblick darüber, an welchen Stellen wir Quellen benötigen.

5. Argdown in Kombination mit Lese- und Notiztechniken

Argdown lässt sich gut mit etablierten Methoden kombinieren, über die wir bereits in früheren tub.torials-Beiträgen geschrieben haben:

Mit Cornell-Notizen

Die Zusammenfassungs-Sektion am Seitenende von Cornell-Notizen eignet sich bei argumentativen Texten perfekt, um die Kernargumente im Argdown-Schema festzuhalten. Statt eines Fließtextes haben wir die logische Struktur auf einen Blick, was besonders nützlich für spätere Diskussionen oder die Prüfungsvorbereitung ist.

Mit PQ4R

Besonders in der „Reflect“-Phase der PQ4R-Methode kann Argdown helfen, die Argumentationslogik eines Textes zu durchdringen. Statt nur zu fragen „Was sind die Hauptpunkte?“, können wir gezielt analysieren: „Wie hängen die Argumente logisch zusammen?“ und „Welche Prämissen werden vorausgesetzt?“

Ein Hinweis:

Nicht jeder Text eignet sich für den zusätzlichen Einsatz von Argdown. Bei rein deskriptiven oder empirischen Texten sind Cornell- oder PQ4R-Ansätze allein oft mehr als ausreichend. Sobald ein Text eine These verteidigt oder eine Debatte nachzeichnet, kann Argdown die Struktur aber besser sichtbar machen.

Einfach ausprobieren: Wie und wo

Die Hürde zum Ausprobieren von Argdown ist niedrig. Der Argdown-Quickstart führt in drei Minuten in die Grundlagen ein. Danach kann direkt in einer Browser-Sandbox experimentiert werden. Eine Installation oder Anmeldung ist nicht erforderlich. Dennoch sei an dieser Stelle auf das Plugin für Visual Studio Code hingewiesen. Und auch Obsidian kann um ein Argdown-Plugin erweitert werden.

Ein Tipp zum Ausprobieren:

Wir nehmen einen Text, den wir gerade für eine Hausarbeit lesen, eine Diskussion aus der letzten Lehrveranstaltung oder dem Berufsalltag. Nun versuchen wir, die Kernargumente in Argdown zu übersetzen. Oft zeigt sich dabei: Manche Argumentationen erweisen sich als schlüssig und bereit für die Ausarbeitung. Andere, die zunächst überzeugend klangen, haben vielleicht noch Lücken. Oder: Scheinbar unvereinbare Positionen lassen sich doch vermitteln.

6. Fazit

Argdown ist kein Allheilmittel bei der Auseinandersetzung mit Argumenten in wissenschaftlichen Texten. Es kann aber ein präzises, unterstützendes Werkzeug sein beim Verstehen, Rekonstruieren und Entwickeln von Argumentationen. Ob für die nächste Hausarbeit, die Dissertation oder Lehrveranstaltungen: wer Argumentationsstrukturen transparent(er) machen möchte, sollte Argdown einmal ausprobieren. Die Lernkurve ist flach, der Nutzen möglicherweise groß. Und das Schönste: Wie bei Markdown ist weniger oftmals mehr.

Habt ihr Argdown schon ausprobiert? Welche Erfahrungen habt ihr mit Argumentationsanalyse in Studium, Lehre oder der Schule gemacht? Teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren oder schreibt uns, wenn ihr Fragen habt!

7. Weitere Ressourcen

Argdown:

Literatur zum Thema „Argumentieren in der Wissenschaft“:

  • Dech, U. C. (2025). Stufen der Argumentation ein Weg zum verkörperten Debattieren. transcript. [TUB-Katalog]
  • Kornmeier, M. 1966-. (2024). Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht für Bachelor, Master und Dissertation (10., aktualisierte und ergänzte Auflage). Haupt Verlag. [Lehrbuchsammlung, Signatur WHN-392]
  • Kruse, O. 1948-. (2017). Kritisches Denken und Argumentieren eine Einführung für Studierende. UVK Verlagsgesellschaft mbH. [Bestand der TUB, Signatur 2851-0048]

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Argumentieren mit mehr System: Argdown als Tool für wissenschaftliches Arbeiten von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch in nachnutzbaren Formaten sowie als PDF zum Download zur Verfügung.
Zitat

Zitieren leicht(er) gemacht: Wichtige Regeln im Überblick

Es passiert schneller als gedacht: Ein Absatz ist geschrieben, und plötzlich stellt sich die Frage, ob er nicht eigentlich doch zitiert werden muss. Und vor allem: Wie macht man das korrekt? Die gute Nachricht: Zitieren ist kein Hexenwerk. Mit ein paar grundlegenden Regeln lässt sich bereits sauber und transparent arbeiten.

In wissenschaftlichen Arbeiten müssen wir alle verwendeten Quellen korrekt angeben. Immer wenn wir uns auf eine Quelle beziehen, fügen wir einen Verweis im Text oder eine Fußnote ein. Außerdem listen wir alle Quellen am Ende unserer Arbeit im Literaturverzeichnis auf. Im Detail haben wir das Thema bereits im Blogbeitrag Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten: Warum und wie? ausführlich besprochen.

In diesem Beitrag fassen wir einige wesentliche Regeln für das Zitieren nochmals zusammen. Anschließend kann in einem H5P-Quiz überprüft werden, was wir bereits zum Thema wissen.

Der Beitrag ist in die folgenden Abschnitte eingeteilt:

Warum wir zitieren

Zitieren ist weit mehr als eine formale Pflicht. Zitieren ist ein zentraler Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens. Die wichtigsten Gründe sind:

  • Nachweis wissenschaftlicher Quellen: Wir zeigen, auf welchen Arbeiten unsere Argumentation basiert.
  • Transparenz: Leser*innen können nachvollziehen, woher Informationen stammen.
  • Vermeidung von Plagiaten: Eigenständiges Arbeiten wird sichtbar, fremde Ideen korrekt gekennzeichnet.
  • Respekt für Urheberrechte: Wir würdigen die Leistung der Autor*innen.
  • Stützung eigener Argumente: Zitate können Aussagen untermauern oder kontrastieren.
  • Dialog mit der Forschung: Wir treten in Austausch mit bestehenden Texten und Wissenschaftler*innen.

Die Bedeutung des Zitierens wird auch in den Regeln der Guten Wissenschaftlichen Praxis (GWP) deutlich. Umfassender werden diese auf der TUHH-Seite GWP Video für Studierende besprochen. Das Thema Zitieren wird dort unter anderem in Video 2 ab Minute 9:00 aufgegriffen.

Direkte Zitate

Direkte Zitate übernehmen den genauen Wortlaut aus einer Quelle. Sie sind besonders sinnvoll, wenn die Formulierung oder der Ausdruck von Autor*innen möglichst exakt wiedergegeben werden soll.

Kennzeichnung und Formatierung

Jedes direkte Zitat wird durch doppelte Anführungszeichen („…“) vom eigenen Text abgehoben und muss den originalen Wortlaut, die Rechtschreibung, Zeichensetzung und die Zeitform unverändert wiedergeben. Wenn wir Wörter weglassen möchten, markieren wir dies mit […]. Eigene Ergänzungen oder Anpassungen, die für das Verständnis nötig sind, setzen wir in eckige Klammern [ ]. Wichtig: Das Zitat muss grammatikalisch korrekt in unseren eigenen Satzbau eingebunden werden, damit der Text am Ende flüssig lesbar bleibt.

Beispiel:
Sesink schreibt: „In den Ingenieur-, den Natur- und den empirischen Sozialwissenschaften werden primär Daten generiert und interpretiert; in den Geisteswissenschaften werden vor allem Texte gelesen und geschrieben“ (Sesink 2012, S. 11).

Wenn wir nur einen Teil zitieren möchten, können wir es wie folgt formulieren:
Laut Sesink werden „in den Geisteswissenschaften […] vor allem Texte gelesen und geschrieben“ (Sesink 2012, S. 11).

Quellenangabe und Zitierstile

Bei der Quellenangabe geben wir bei Büchern Autor, Jahr und Seitenzahl an (z.B. Jele 2024, S. 29), bei Internetseiten den Titel der Seite. Alternativ können Fußnoten verwendet werden. Am Ende der Arbeit führen wir alle Quellen vollständig im Literaturverzeichnis auf.

Wichtig:
Der konkrete Zitierstil (zum Beispiel Harvard, APA oder Chicago) wird oft von Fachbereichen, Journals oder Betreuenden vorgegeben.

Ein Tipp:
Wenn wir einen Zitierstil vorgegeben bekommen oder auch einfach erstmal nur mit dem Zitieren beginnen wollen, so helfen uns Literaturverwaltungsprogramme wie Zotero (siehe auch Schnelleinstieg: Zotero in 7 Schritten) oder Citavi (siehe auch Einstieg in Citavi) bei der Umsetzung. Das Schöne: Soll es nachher ein komplett anderer Stil sein, so reichen in diesen Programmen wenige Mausklicks. Ohne Literaturverwaltungsprogramm müssen wir jede Quelle in unserem Text manuell anpassen.

Im Blogbeitrag Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten: Warum und wie? finden wir detailliertere Informationen zu einigen Zitierstilen. Eine Übersicht zu vielen verschiedenen Zitierstilen ist auch im Beitrag Den einen oder keinen: Zitationsstile „analysieren“ und in Zotero hinzufügen verlinkt.

Besonderheiten

  • Anführungszeichen im Zitat: Wenn im Originalzitat Anführungszeichen vorkommen, wandeln wir diese in einfache Anführungszeichen (‚…‘) um.
  • Fehler im Original: Offensichtliche Fehler oder ungewöhnliche Schreibweisen im Original markieren wir mit [sic], was so viel wie „so stand es im Original“ bedeutet. Je nach Stilvorgabe variiert die Schreibweise, sodass u.a. auch [sic!] gebräuchlich ist.
  • Hervorhebungen: Kursive oder fette Schrift im Originaltext übernehmen wir unverändert.

Häufige Fehler beim direkten Zitieren

Beim direkten Zitieren sollten wir darauf achten, den Sinn des Originals zu erhalten. Wir sollten nicht zu häufig oder unnötig zitieren. Unsere eigene Argumentation sollte im Vordergrund stehen und Zitate möglichst sparsam (also keine Zitatcollage) eingesetzt werden. Wichtig ist auch, dass Sätze nicht mitten im Zitat abbrechen und jedes Zitat grammatikalisch korrekt in unseren Text eingebunden wird.

Indirekte Zitate

Indirekte Zitate, auch Paraphrasen genannt, geben die Gedanken eines Textes in eigenen Worten wieder. Sie eignen sich besonders, wenn die exakte Formulierung nicht entscheidend ist, aber die Aussage wichtig bleibt. Bei indirekten Zitaten müssen wir die Aussage des Originals genau wiedergeben, ohne sie zu verzerren. Eine Quellenangabe ist dabei immer erforderlich. Um zusätzlich im Fließtext deutlich zu machen, dass es sich nicht um unsere eigenen Gedanken handelt, können wir einleitende Wendungen (zum Beispiel „laut“ oder „nach Angaben von“) sowie den Konjunktiv nutzen. Bei indirekten Zitaten werden keine Anführungszeichen gesetzt.

Beispiel:
Statt Die Methode ist effektiv (vgl. Mustermann 2025, S. 67) schreiben wir mit Konjunktiv Nach Angaben von Mustermann sei die Methode effektiv (vgl. Mustermann 2025, S. 67) oder ohne Konjunktiv Mustermann zufolge erweist sich die Methode als effektiv (vgl. Mustermann 2025, S. 67).

Die Quellenangabe wird in vielen Fachdisziplinen üblicherweise mit „vgl.“ (vergleiche) gekennzeichnet (vgl. Jele 2024; Niedermair 2023), um zu zeigen, dass wir nicht wörtlich zitieren. Ob „vgl.“ verwendet wird, hängt jedoch vom gewählten Zitierstil ab.

Was muss nicht zitiert werden?

Nicht alle Informationen müssen als Zitat gekennzeichnet werden. Quellenpflichtig sind nur autor*innenspezifische Ideen und Formulierungen. Fachbegriffe, die zum Allgemeingut unseres jeweiligen Fachgebiets gehören, müssen nicht zitiert werden. Ebenso wenig historische Daten und Fakten, die allgemein bekannt sind (z.B. „Die Berliner Mauer fiel 1989“), oder selbstverständliche Aussagen, die keiner spezifischen Quelle zugeordnet werden können.

Praktische Hinweise für das Zitieren

  • Korrektheit prüfen: Kontrollieren wir nach dem Zitieren, ob wir die ursprüngliche Aussage korrekt übernommen haben.
  • Eigene Anmerkungen kennzeichnen: Nutzen wir eckige Klammern [ ] für eigene Kommentare und [sic] für Fehler in der originalen Quelle.
  • Balance wahren: Achten wir darauf, dass Zitate unseren eigenen Gedankengang unterstützen, aber nicht verdrängen.
  • Literaturverwaltung nutzen: Programme wie Zotero (Open Source), Citavi (Campuslizenz) oder JabRef (Open Source) helfen beim Erstellen von Quellenangaben sowie Literaturverzeichnissen und vermeiden Fehler.

Interaktives Quiz zum Zitieren

Nach der Kurzübersicht können wir nun überprüfen: Haben wir die wichtigsten Grundregeln des Zitierens verinnerlicht?

Sollte es bei der Darstellung des H5P-Elements zu Problemen kommen, kann auch die auf https://h5p.org abgelegte Version ausprobiert werden.

Literaturempfehlungen zum Zitieren

In der Lehrbuchsammlung der TUB zum wissenschaftlichen Arbeiten bieten sich unter anderem folgende Titel zur Vertiefung des Themas an:

  • Signatur: WHN 319
    Jele, H. (2024). Richtig Zitieren (5th ed). Kohlhammer Verlag.
  • Signatur: WHN 397
    Niedermair, K. (2023). Recherchieren, Dokumentieren, Zitieren: Die Arbeit mit wissenschaftlichen Quellen (2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage). UTB. https://doi.org/10.36198/9783838560663
  • Signatur: WHN 332
    Sesink, W. (2014). Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten: Inklusive E-Learning, Web-Recherche, digitale Präsentation u.a (9., aktualisierte Auflage). Oldenbourg Verlag. https://doi.org/10.1524/9783486717648

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Zitieren leicht(er) gemacht: Wichtige Regeln im Überblick von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien wie das H5P-Element stehen auch in nachnutzbaren Formaten sowie als PDF zum Download zur Verfügung.