Stifte, Heft, Radiergummi auf dem Tisch

„Wenn ich nochmal Ersti wäre …“: 12 Tipps zum Semesterstart

Dein Studium beginnt und du weißt als Ersti gar nicht so genau, was dich erwartet? So ging es mir auch. Und rückblickend gab es einige Dinge, die ich dann doch schon gerne zu Semesterbeginn gewusst hätte. Denn so aufregend der Start ist, er kann auch ziemlich überwältigend sein: Anmeldungswirrwarr durchblicken, Stundenplan organisieren, die richtigen Veranstaltungsräume finden, Kommiliton:innen und Campus kennenlernen. In diesem Beitrag habe ich daher einige Tipps festgehalten, die ich mir geben würde, wenn ich nochmal Ersti wäre:

1. Mache Orientierungsangebote mit und lerne Leute kennen

Ein alter Hut: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Neben einigen Kommiliton:innen, die recht schnell merken, dass das Studium doch nicht ganz das ist, was man sich erwartet hat, wirst du mit vielen der Menschen um dich herum die nächsten Jahre gemeinsam an Themen arbeiten und für Prüfungen lernen. Such dir also eine Gruppe, in der du dich wohlfühlst und dir gemeinsames Lernen vorstellen kannst. In deiner Gruppe sollte auch der eine oder andere Spaß beim alltäglichen Miteinander Platz haben. Kaum woanders wirst du so viele Menschen um dich haben, die ja letztlich wegen ähnlicher Interessen ihr Studium starten. Eine tolle Gelegenheit zum Netzwerken sind neben den Orientierungswochen auch weitere Angebote der Hochschule (Freizeitaktivitäten wie gemeinsamer Hochschulsport, Chor und Theater, aber auch Angebote von Bibliotheken und studentische Initiativen sowie natürlich Unipartys). Gerade in den frustigen Zeiten des Studiums wird dir ein einfacher Plausch „über Gott und die Welt“ wieder neue Motivation gegeben.

  • Tausche dich mit Gleichgesinnten aus
  • Verschaffe dir auf den Uni-Webseiten einen Überblick über Hochschulangebote wie Sport, Kultur und Weiterbildung

2. Bereite deinen Semesterstart vor

Die ersten Tage im Studium prasselt viel auf einen ein. Klar: Stundenpläne und Raumnummern hat man meist in digitaler Form per Smartphone, Tablet oder Laptop dabei. Aber es wird der Tag kommen, an dem dein Akku leer ist, die benötigte Webseite wegen Wartungsarbeiten offline geht, dein Internetprovider spontan seinen Dienst für einige Stunden „pausiert“ oder das Funkloch in Bus und Bahn dir einen Strich durch die Rechnung macht. Druck dir deinen Stundenplan daher am besten aus und erkunde vielleicht auch schon einmal vorher, wo welche Veranstaltung stattfindet. Die Uni kann einem zu Beginn schon wie ein kleines Labyrinth vorkommen, da solltest du dir potentiellen Stress sparen, wo es nur geht.

  • Stunden- und Raumplan als Backup ausdrucken
  • Mache dich mit dem Campus vor Ort oder über den virtuellen Campusplan vertraut

3. Fange früh an dich zu organisieren

In der Uni geht es in vielen Veranstaltungen nach einer kurzen Organisationseinheit recht schnell mit den ersten Inhalten los. Mache dir also schon zu Beginn ein paar Gedanken zu zentralen Ablagemöglichkeiten für Basisinformationen wie wichtige Mailadressen von Ansprechpartner:innen oder Sprechzeiten. Verschaffe dir auch ruhig schon mal einen Überblick über einige gängige Begrifflichkeiten der Hochschule und werfe einen Blick in die Studien- und Prüfungsordnungen. Wichtig sind aber vor allem zwei Punkte: Deadlines und Dokumentablage.

3.1 Notiere jede Deadline

Habe stets wichtige Termine im Auge. Wann auch immer also eine Deadline in Veranstaltungen genannt wird, schreib sie direkt auf! Verlass dich nicht alleine auf Messenger-Gruppen (hier kriegst du oft was mit, nicht selten ist es bei Terminen aber schon fast zu spät) und pflege von Beginn an deinen Kalender mit Abgabeterminen, Anmeldefristen und sonstigen Daten.

3.2 Organisiere deine Unterlagen und setzte dich am besten direkt mit Literaturverwaltung auseinander

Sorge auch rechtzeitig für einen guten Überblick über deine Unterlagen, egal ob digital oder analog. Lege dir eine kleine Ordnerorganisation zurecht, um auch in Situationen, wo dir gefühlt alles über den Kopf wächst, zu wissen, wo was zu finden ist. Wichtige Mailadressen können hier genauso landen wie Informationen zu Sprechzeiten, die schnell griffbereit sein sollten. Fang am besten auch gar nicht erst an Zettel über Tage und Wochen ungeordnet in der Tasche mit dir rumzuschleppen oder in irgendwelchen Papierstapeln querbeet zu „verstecken“. Sich aufzuraffen, hier nachträglich Ordnung reinzubringen, ist kein Spaß. Im Einzelfall ist das aber durchaus ok und normal. Damit sorgst du auch dafür, dass du dich nicht zu schnell gestresst fühlst. Eigentlich ist das erste Semester ein guter Zeitpunkt, sich auch direkt mit dem Thema Literaturverwaltung vertraut zu machen. So sparst du dir den Aufwand der Einarbeitung später, wenn die ersten Hausarbeiten oder gar die Abschlussarbeit ansteht. Wenn du gar keine Lust hast, erste Praxiserfahrungen mit der Verwaltung von Fachliteratur zu sammeln, kannst du dir zunächst auch ein paar Projekte anlegen, in denen du Kochrezepte für das Unileben oder Informationen zu Hobbys strukturiert ablegst. Sortieren könntest du deine Dokumentablage zunächst beispielsweise nach Semestern (damit kannst du aber auch später anfangen). Innerhalb des Semesters sortierst du nach dem jeweiligen Kurs und innerhalb des jeweiligen Kurses eventuell nach „Vorlesungsfolien“, „Aufgaben“ und „Abgaben“.

  • Ein Kurztutorial zur Literaturverwaltung mit Zotero gibt es hier
  • Wenn du statt To-do-Listen eine Art Projektorganisation (gut nutzbar für umfassendere Arbeiten) ausprobieren willst, gibt es hier eine Anleitung zu GanttProject

4. Lerne deine Lernbedürfnisse besser kennen

Manche Menschen lernen besser in ruhigen Räumen, andere in einer Umgebung mit regem Treiben und Musik. Probiere frühzeitig im Studium aus, wie gut auch ein Wechsel von Lernorten für die Motivation sein kann und suche dir einige Räumlichkeiten, in denen du dich wohlfühlst. Gerade in Prüfungsphasen ist nicht immer überall genug Platz und so ist es gut, wenn du neben den eher ruhigen Einzelplätzen in einer der Fachbibliotheken im Philturm mit toller Aussicht auch mal in voll besetzten Lernräumen der Stabi vom Eifer deiner Sitznachbarn „angesteckt“ wirst oder von den langen Öffnungszeiten im Rechtshaus oder auf dem TUHH-Campus profitieren kannst.

Wenn du verhältnismäßig viele Prüfungen vorbereiten musst, so gehe den Lernstoff nicht nur wieder und wieder im Kopf durch. Schreibe auch einfach mal analoge oder digitale Zusammenfassungen, zeichne dir visuelle Ankerpunkte und Eselsbrücken in deine Aufzeichnungen, erstelle Lernkarten oder nehme dich selbst auf, um dir bestimmte Kapitel einfach nochmal anhören zu können. Lass dich auch nicht beirren, wenn dir dein Lernsystem aufwendiger erscheint als bei deinen Kommiliton:innen. Wichtig ist: Fühl dich mit deinem ganz persönlichen Lernsystem wohl.

  • Beobachte dein Lernverhalten und finde heraus, was zu deinem Lernerfolg beiträgt (Wohlfühlfaktoren und Erfolgserlebnisse)
  • Probiere aus, welche Lernmethoden bei dir in welchen Situationen besser funktionieren als andere
  • Werfe einen Blick in Veröffentlichungen wie Mehr als 77 Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten, um Anregungen zu Themen wie Lesen, Schreiben und Ideenfindung zu erhalten

5. Führe ein Lern- und Ideentagebuch

Fang möglichst früh an eine Art Lern- und Ideentagebuch zu führen. Die Form ist dabei zunächst erst einmal recht egal. Als Struktur reicht für den Start eine digitale oder analoge lose Zettelsammlung in Mappen, Ordnern oder Heften. Wenn du später auf deine aufgeschriebenen Tipps, Ideen und dokumentierte Lernfortschritte zurückblickst, macht das nicht nur Freude. Einige Ideen wirst du Jahre später über ungeplante „Geistesblitze“ weiterverfolgen oder mit anderen Ideen kombinieren können. Und je früher du mit diesen „guten Gewohnheiten“ anfängst, desto mehr Sicherheit gewinnst du für dein Studium. Du wirst kaum noch Bedenken haben, etwas zu vergessen oder zu verpassen, und diese Form der Dokumentation hilft auch dabei, sich einfach mal den Druck aus dem Kopf zu schreiben. Mach dir auch bewusst, dass du letztlich für dich selbst studierst, der Mehraufwand ist es also wert. Da ein Studium ein Stück weit ein Prozess ist, bei dem man Interesse und Fertigkeiten erst nach und nach entdeckt und entwickelt, ist diese Form der Dokumentation eine gute Möglichkeit, möglichst viel aus den Semestern mitzunehmen und sich Chancen für später offen zu halten.

  • Probier dich an einem eigenen System zur Dokumentation von Lernfortschritten und Ideen aus
  • Hol dir auch Inspiration zu einem eigenen Notizsystem über andere Ansätze, die beispielsweise in dieser Beitragsserie beschrieben werden

6. Plane von Anfang an vernünftige Zeitpuffer ein

Stell dir vor, du startest heute dein Studium. Um am ersten Tag pünktlich zu sein, hast du dir ganz fest vorgenommen, pünktlich loszufahren, um nicht auf den letzten Drücker anzukommen. Dazu hast du einige Tage zuvor auch noch eine „Trockenübung“ gemacht und bist die Strecke schon mal abgefahren. Alles lief reibungslos. In der Theorie also alles super, aber in Städten wie Hamburg solltest du immer einkalkulieren, dass die Bahn mal ausfallen kann. Und nicht selten macht der Busverkehr gleich mit. Sehr gut, wenn du im Notfall auf ein Stadtrad umschwenken kannst. Kalkuliere dir dafür aber auch noch Puffer ein. Denn mehr oder weniger klitschnass und abgehetzt das Uni-Abenteuer zu starten macht keine Freude. Wenn du stets versuchst, dir gleich einen „großzügigeren“ Zeitpuffer einzuplanen, wirst du auch bei Projekt- und Hausarbeiten weniger Probleme mit knappen Fristen bekommen. Und in Campusnähe lieber noch in Ruhe einen Kaffee zu gönnen ist allemal besser als noch aufgeregter und völlig aus der Puste im neuen Lebensabschnitt anzukommen.

7. Gönn dir Pausen und Belohnungen

Mit das Wichtigste im Studium: finde ein angemessenes Tempo für dich. Wenn du das Gefühl hast, dass es für heute reicht, solltest du dir eine Pause gönnen. Wichtig hierbei: sei ehrlich zu dir selbst, setze also keine zu kleinen Meilensteine und Aufgabenpakete, die nur wenige Augenblicke in Anspruch nehmen. Dabei solltest du dich für deinen Fleiß auch mal belohnen. Eine kleine Mittagspause und ein kurzer Spaziergang mit Kommiliton:innen über den Campus kann schon reichen, um ausgeruht und viel motivierter wieder ans Werk zu gehen. Vielleicht kannst du ja auch mal rausfinden, wie der eine oder die andere Studierende es hinbekommt, nach einem 10-Minuten-Powernap wie neu geboren wieder ans Werk zu gehen.

  • Belohne dich, wenn du es ehrlich verdient hast
  • Probiere aus, was dir beim Kraft tanken hilft (Spazieren, lockerer Plausch im Kaffee um die Ecke oder auf dem Campus)

8. Sei sichtbar für Dozierende

Die Uni kann schon ein wirklich unpersönlicher Ort sein. Gerade wenn man frisch aus der Schule oder einer Ausbildung kommt. Du sitzt zum Teil mit Hunderten von Menschen in realen und virtuellen Räumen. Dozierende und Mitstudierende können so kaum wissen, wer du bist. Aktive Teilnahme an Veranstaltungen kann sich aber lohnen. Das hat auch nichts mit Schleimerei, sondern ehrlichem Interesse zu tun. Nach und nach lässt sich mit deinem Gesicht etwas verbinden. Anfangs bist du vielleicht noch der „Herr Kommilitone“, nach und nach kann es dann aber auch mal mit dem Namen klappen. Und ja, es fällt immer mal wieder schwer, den Arm zu heben. Nehme dein Studium und die Veranstaltungen aber als wirkliche Chance wahr, auch mal aus der eigenen Komfortzone auszubrechen. Und wenn deine Professor:innen das „Prinzip der offenen Tür“ leben, so nutze auch diese Chance. Ein netter Schnack auf Augenhöhe freut nicht nur dich und die Dozierenden. Bei dieser Form von „Networking“ können durchaus auch mal tolle Ideen für Projekte zustande kommen, was dein ganzes Studium nochmal attraktiver macht.

  • Spring über deinen Schatten und nimm aktiv an den Veranstaltungen teil
  • Nimm Angebote wie Sprechzeiten und offene Türen der Dozierenden an

9. Mache. Backups. Regelmäßig!

Achte IMMER darauf, deine Dateien möglichst regelmäßig zu sichern. Es wäre doch zu ärgerlich, jeden noch so kleinen, mühsam erarbeiteten Textfortschritt zu verlieren, den du dir gerade in einer deiner ersten Hausarbeiten erarbeitet hast. Und auch wenn du glaubst, dass dieser Tipp schon so einen Bart hat: Besonders bei neuen Anwendungen und Serviceangeboten ist es sinnvoll, nochmals fokussierter auf diese Kleinigkeit zu achten.

  • Speichere deine Arbeiten, Ideen und Notizen regelmäßig

10. Nimm bei Bedarf Hilfe in Anspruch

In den letzten Schuljahren lief es eigentlich immer gut. Wenn du einmal deine Trägheit überwunden hattest, hast du auch gute Noten geschrieben. In der Uni kann es aber nach und nach häufiger mal Aufgaben, Foliensätze, Handouts und Skripte geben, die du nicht direkt verstehen wirst. Auch längeres Hinsetzen hilft dann nicht immer weiter. Das ist völlig normal. Scheue dich nicht nach Hilfe zu fragen. Entweder in deiner Lerngruppe oder auch in den Veranstaltungen. Das gilt auch für Tutorien – also eine Art Übungsgruppe, geleitet von höheren Studierenden – die ergänzend zu deinen Vorlesungen wie Statistik angeboten werden. Es wird auch immer wieder Situationen geben, wo deine Hilfe gebraucht wird, so dass ihr euch immer im Wechsel untereinander helfen könnt.

  • Frage nach Hilfe, wenn du etwas nicht verstehst
  • Unterstütze andere, wenn du helfen kannst

11. Blicke über deinen eigenen Studiengang hinaus

Wenn es dein Studium oder dein Campus hergibt, so tausche dich auch mal mit Studierenden anderer Fachdisziplinen aus. Es ist spannend, Gespräche außerhalb der eigenen immer gleichen Fachthemen und -gruppen zu haben. So lernst du ganz andere Perspektiven auf Themen kennen und kannst sicher auch die eine oder andere tolle Freundschaft knüpfen.

  • Schau über den eigenen Teller- beziehungsweise Studienrand

12. Nicht jeder Tipp wird für dich passen

Im Grunde einer der wichtigsten Tipps: Es hat ja schon Tradition, dass Absolvent:innen und Studierende der höheren Semester viel „Insiderwissen“ teilen. Und das ist auch gut so. So wirst du schnell viel über die Möglichkeiten von Praxissemestern im Ausland, empfehlenswerte Kurse, Tutorien und Veranstaltungen lernen. Deine Mitstudierenden werden immer mal wieder unterschiedliche Meinungen zu Seminaren, Personen oder empfohlener Literatur haben. Und auch alle anderen Ratgeber:innen bringen immer ihre ganz individuellen Erfahrungen in eigene Ratschläge ein. Mach dir aber nach Möglichkeit immer ein eigenes Bild. Wenn es die Zeit hergibt, probiere dir sinnvoll erscheinende Lernmethoden aus. Interessiert dich ein Seminar, obwohl Kommiliton:innen sagen, dass aufgrund fehlender Anwesenheitspflicht gar kein Grund für einen Besuch der Veranstaltung spricht? Du wirst vor Ort sicher Gleichgesinnte treffen. Folge deinem Bauchgefühl, denn niemand weiß so gut wie du selbst, was dir wichtig ist, was du ausprobieren möchtest und was du für dein erfüllendes und erfolgreiches Studium brauchst. Ach ja, und nicht jede Buchempfehlung musst du dir direkt ungesehen kaufen. Das Geld ist knapp und du hast auch noch eine Universitätsbibliothek an deiner Seite, die dir in Sachen Fachliteratur gerne zur Seite steht.

  • Nimm Ratschläge und Tipps dankbar an
  • Mache dir aber nach Möglichkeit immer selbst ein Bild von Inhalten, Methoden oder Personen, statt vorschnell jedem „Gerücht“ zu glauben
Stifte, Heft, Radiergummi auf dem Tisch
Welche Tipps, Methoden und Materialien helfen euch beim Studieren? (Foto: „Arbeitsutensilien“ von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0)

Ich hoffe, es waren einige Tipps dabei, die nicht nur meinem Ersti-Ich helfen könnten. Falls ihr selbst Tipps und Tricks für den Studienstart oder spätere Semester habt, so teilt diese doch gerne in den Kommentaren. Allen Studierenden möchte ich an dieser Stelle einen möglichst angenehmen Semesterstart wünschen. Viel Spaß und Erfolg für die kommenden Wochen und Monate! Lasst euch von dem einen oder anderen Dämpfer nicht unterkriegen und schaut bei bibliotheksspezifischen Fragen auch gerne einmal in den Ersti-Blogbeiträgen zur Bibliotheksnutzung der tub. vorbei.


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: „Wenn ich nochmal Ersti wäre …“: 12 Tipps zum Semesterstart von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.

Monatsnotiz Juni/ Juli 2021 – Semesterende, Barcamps und die neue Single Source Publishing Community

Die Zeit fliegt. Ein kurzer Rückblick auf die Monate Juni und Juli 2021. Unser Seminar „Wissenschaftliches Arbeiten“ (Sommersemester) ist nach dem Start im April mit Posterpräsentationen der Studierenden im Juli zu Ende gegangen und bei Veranstaltungen wie dem Edunauten-Barcamp oder dem stARTcamp meets HOOU (Motto „Herausforderung angenommen? Wie Wissenschaft und Kultur soziale Verantwortung und Digitalisierung leben“) ging es vor allem um Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Teilhabe und offenes Lernen und Lehren. Das erste Mal selbst teilgenommen habe ich am bundesweiten Digitaltag sowie dem Recherchebarcamp („Recherche im 21. Jahrhundert“). Hinweisen möchte ich in dieser Monatsnotiz auch auf eine neue Community zum Thema Single Source Publishing.


Wissenschaftliches Arbeiten

Am 08.07.2021 fand der letzte Termin unseres unseres Bachelorseminars „Wissenschaftliches Arbeiten“ im Sommersemester 2021 statt. Das Seminar war mit 60 Studierenden voll belegt und erfreulicherweise haben fast alle Teilnehmenden unser NTA-Angebot (Nichttechnisches Lehrangebot) erfolgreich abgeschlossen. Beendet haben wir das Semester mit Posterpräsentationen zu ganz unterschiedlichen Themen (z. B. 3D-Druck im Heimbereich, Wellenleiter für Hifi-Hochtöner, Verbesserungsmöglichkeiten der Arbeitssicherheit in Tischlereien, Elektromobilität und artgerechte Ausbildung und Haltung von Pferden), die die Studierenden als selbst gewähltes Thema im Rahmen des Semesters bearbeitet haben. Gefreut habe ich mich auch über das positive Feedback und Anregungen für zukünftige Veranstaltungen. Zu einigen Themen wie Kollaborationstools, der Ideenfindung für wissenschaftliche Arbeiten, Recherche, Möglichkeiten zur Erstellung von Notizen oder den Umgang mit Zeit habe ich parallel oder im Nachgang offen verfügbare Kurzzusammenfassungen erstellt, die vor allem auch vom Austausch im Rahmen des jeweiligen Termins geprägt sind.

Für Themen wie Open Science, überwiegend praxisorientierte Einblicke in die Erstellung von Notizen und den Einstieg in die Literaturverwaltung haben wir bei Interesse hier auf tub.torials auch einige Beiträge im Angebot:

Interessant könnte im Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Arbeiten auch die Sammlung Mehr als 77 Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten sein, die Axel Dürkop, Thomas Hapke und Tobias Zeumer zusammen mit mir am 27.04.2021 Open Access veröffentlicht haben.


Veranstaltungen

Auch in den Monaten Juni und Juli gab es trotz Anbruch der Urlaubszeit viele Veranstaltungsangebote. Von einigen möchte ich an dieser Stelle kurz berichten. Die Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen lassen sich über einen Klick auf das jeweils an der rechten Seite angeordnete Plus-Symbol einblenden.

Asynchrones Edunauten-Barcamp (03.06. bis 13.06.)

Vom 03. bis 13. Juni 2021 fand das asynchrone Barcamp der Edunauten statt. Im Gegensatz zu vielen gängigen Onlineformaten gab es bei dieser Veranstaltung keine Videokonferenzen, sondern strukturierten, zeitversetzten Online-Austausch. Einen Überblick über die Sessions und die Sessionvorstellungen – zum Teil über Audio- und Videoformate – gibt es auf dieser Seite.

Mich hat hier vor allem die Session Unterrichten mit nachhaltiger und freier Software interessiert. Im dazugehörigen Board und den Kommentaren ist eine schöne Toolsammlung zusammengekommen und auch interessante Fragen, beispielsweise zum Spannungsfeld proprietäre vs. offenen Software, wurden aufgeworfen. Generell lohnt sich meiner Meinung nach aber auf jeden Fall das Nachstöbern im Sessionangebot. So habe ich kürzlich erst bei Blogkultur Podcast – Gastbeiträge in den Kommentaren eine tolle Zusammenstellung an Bildungsblogs gefunden.

Sehr hilfreich für alle, die vielleicht ebenfalls weiter mit asynchronen Veranstaltungen experimentieren wollen: Es gibt einen Rückblick auf Konzept, Umsetzung und Erfahrungen mit dem asynchronen Online-Barcamp-Format von Blanche Fabri, Kristin Narr, Jöran Muuß-Merholz und Nele Hirsch, der unter CC BY 4.0 veröffentlicht wurde.

stARTcamp meets HOOU (11.06.)

Das stARTcamp meets HOOU fand dieses Jahr am 11.06.2021 unter dem Motto „Herausforderung angenommen? Wie Wissenschaft und Kultur soziale Verantwortung und Digitalisierung leben“ statt. Und wie so oft bei diesen Veranstaltungen: es gibt haufenweise tolle Beiträge und Themen. Nicht teilnehmen konnte ich leider an der Learning-Circles-Session. Diese Lernkreise verknüpfen individuelles, selbstorganisiertes Lernen mit der Möglichkeit in Lernpartnerschaften Lernprozesse abzusichern und zu erweitern. Glücklicherweise haben die Teilgebenden dazu auf den Seiten der HOOU gebloggt, so dass man einen guten Einblick in die gesammelten Erfahrungen nachlesen kann.

Spannend fand ich auch die Session „Von Analog bis Digital – Die Entwicklung eines Lernangebots zum Thema Küstenschutz in einem sich wandelnden Klima“, bei der Teilnehmende sich unter anderem auch zu Gefahren durch ein mögliches Überlaufen der Elbe, Binnenhochwasser und Starkregen austauschen konnten. Mehr zu diesem HOOU-Projekt gibt es auf den Seiten des Projektes AKWAS 4.0.

Ich selbst habe die Session 14 Monate online lehren und lernen – Dos and Don’ts zur Förderung eines aktiven Austauschs angeboten. In dieser ging es um individuelle Erfahrungen, wie ein aktives Miteinander im Rahmen digitaler Veranstaltungen gefördert werden kann. Zusammengefasst habe ich die Session im Beitrag Die Sache mit den Digitalveranstaltungen – Nachklapp zu „14 Monate online lehren und lernen – Dos and Don’ts zur Förderung eines aktiven Austauschs.

Spannend fand ich auch die Session „Von Analog bis Digital – Die Entwicklung eines Lernangebots zum Thema Küstenschutz in einem sich wandelnden Klima“, bei der Teilnehmende sich unter anderem auch zu Gefahren durch ein mögliches Überlaufen der Elbe, Binnenhochwasser und Starkregen austauschen konnten. Mehr zu diesem HOOU-Projekt gibt es auf den Seiten des Projektes AKWAS 4.0.

Ich selbst habe die Session 14 Monate online lehren und lernen – Dos and Don’ts zur Förderung eines aktiven Austauschs angeboten. In dieser ging es um individuelle Erfahrungen, wie ein aktives Miteinander im Rahmen digitaler Veranstaltungen gefördert werden kann. Zusammengefasst habe ich die Session im Beitrag Die Sache mit den Digitalveranstaltungen – Nachklapp zu „14 Monate online lehren und lernen – Dos and Don’ts zur Förderung eines aktiven Austauschs.

Digitaltag 2021 (18.06.)

Die Universitätsbibliothek der TU hat am 18.06.2021 am bundesweiten Digitaltag teilgenommen. Axel Dürkop und ich haben dafür den Kurzworkshop Zusammen schreibst du weniger allein! – Offene digitale Werkzeuge an der TU Hamburg eingeladen. Hier wollten wir einen Einblick in unsere Buchproduktion mit freier Software geben. Trotz Temperaturen, die uns alle wohl zumindest gedanklich auf die Suche nach dem erfrischendsten Badesee in nächster Nähe geschickt haben, konnte die Veranstaltung erfreulicherweise stattfinden. Eine kleine Zusammenfassung dazu haben wir hier verbloggt. Vor allem die Herausforderung Anschluss an Arbeits- und Schreibgruppen in Zeiten einer Pandemie zu finden und die Entwicklung von Serviceangeboten von Hochschulen und ihren Bibliotheken spielen dabei eine Rolle.

Barcamp „Recherche im 21. Jahrhundert“ (25.06 und 26.06.)

Am 25.06 und 26.06.2021 lud das Institut für Geschichte der Universität Hildesheim zum ersten Recherchebarcamp ein. Wie der Titel schon verrät, ging es um das Thema Recherche. Wer also Interesse am Suchen und Finden von Informationen hat, war hier absolut richtig. Besonders gut hat mir neben der sehr herzlichen Atmosphäre des – von Studierenden mitorganisierten – Barcamps die Transparenz der Veranstaltung gefallen. Für Neueinsteiger wurde das Konzept Barcamp mit einem gut verständlichen 10-Regeln-Poster erklärt. Der Sessionplan wurde mit Taskcards (eine Art digitale Pinnwand die an Padlet erinnert) umgesetzt, was ebenfalls gut verständlich im Vorfeld in Text- und Videoform für alle Interessierten erklärt wurde.

Neben Sessions zu Themen wie „Was brauchen Promovierende?“, „Wohin mit meinen Daten?“, „Suchstrategien entwickeln“ und „Digitale Bildersuche“ gab es einen spannenden Lightning-Talk von Johanna Wild vom Recherchenetzwerk Bellincat („Wenn eine Internetverbindung genügt, um Missstände aufzudecken: Ein Einblick in Bellingcat’s Open Source-Recherchen“). Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich den Begriff Open Source-Recherche noch nie gehört. Zu verstehen ist darunter, das die Recherche überwiegend durch öffentlich zugängliche Informationen aus dem Internet aufbaut. Spannende Einblicke, die auch als Video zur Verfügung stehen! Ganz großartig – und irgendwie naheliegend bei einem Recherchebarcamp – war auch das Recherchebattle Wikipedia. Die Regeln:

  1. Man muss nur durch Anklicken von Hyperlinks vom Startartikel zum Zielartikel kommen.
  2. Man darf NICHT außerhalb von Wikipedia suchen.
  3. Man darf NICHT das Suchfeld „Wikipedia durchsuchen“ nutzen.
  4. Man darf die Browser-Funktion „Seite durchsuchen“ nutzen (Strg+F).
  5. Am Ziel angekommen gilt es (bei Onlineveranstaltungen) schnell im Chat Bescheid zu geben („Da!“).

Das Spiel wird dann gestoppt und gemeinsam wird der Suchverlauf betrachtet. Spannend, unterhaltsam und auch eine gute Möglichkeit um zu verdeutlichen, dass es diesen einen Königsweg beim Finden, wie mein ehemaliger Kollege Thomas Hapke oft zu sagen pflegte, nicht gibt und vor allem die eigenen digitalen Kompetenzen stetig „gepflegt“ werden sollten. Das Konzept hat mir so gut gefallen, dass ich es zukünftig gerne auch in eigenen Veranstaltungen an geeigneter Stelle einbinden möchte.

Ich selbst habe beim Barcamp die Session „Erstellen von OER – Wer, wie, was…?“ angeboten. Dazu plane ich (hoffentlich!) in den kommenden Wochen im Nachgang einen kurzen Beitrag zusammenzustellen. Einiges zu dieser und weiteren Sessions gibt es derzeit auch noch in den Sessiondokumentationen zu sehen.

DaLiCo-Workshop (06.07.)

Am 06. Juli habe ich an einem DaLiCo-Workshop (Data Literacy in Context) teilgenommen. Die Veranstaltung wurde unter dem Titel „Integrating digital competencies into the research toolbox“ von der HAW Hamburg und der University of Debrecen durchgeführt, wobei zwei Hauptthemen im Fokus standen:

  • Kompetenzen innerhalb von Forschungsdatenmanagement-Prozessen stärken,
  • Kennenlernen von Bestandteilen eines Train-the-Trainer (TtT)-Workshops, der sich derzeit zum Thema „Effektiver Wissenstransfer in der Forschungsunterstützung“ im Aufbau befindet.

Insgesamt haben zirka 20 Teilnehmer:innen aus Ungarn und Deutschland (u. a. von der HAW Hamburg, Uni Marburg, Hochschule RheinMain sowie der ZBW) aus den Bereichen Information und Bibliothek teilgenommen. Gefreut habe ich mich – neben den Inhalten an sich (unter anderem ging es um Data Literacy und FAIR Data) – vor allem über zwei weitere Punkte:

  • Ich denke sehr gerne (und oft) an mein Studium an der HAW zurück (für Interessierte: die gerade ausgelaufene Ausschreibung des Studiengangs Bibliotheks- und Informationsmanagement, aber das nächste Semester steht ja auch bald vor der Tür!). Zum einen natürlich, weil man viele tolle Menschen kennengelernt hat. Zum anderen empfand ich aber vor allem das Miteinander zwischen Studierenden und Dozierenden stark. Gefühlt standen die Türen bei Fragen und dem einen oder anderen benötigten Stups in die richtige Richtung immer offen. Davon zehre ich heute noch und so war es schön mit Frau Gläser eine meiner ehemaligen Dozentinnen nach Jahren wiederzusehen (auch wenn kaum Zeit für Smalltalk war 🙂 ).
  • Internationaler Austausch ist immer spannend. Besonders habe ich mich auf einen Einblick in digitale Tools, die Kolleg:innen (gerade international) so im Einsatz haben, gefreut. Hier nehme ich oft Anregungen oder zumindest Motivation für eigene Veranstaltungen mit, etwas Neues auszuprobieren. Ausgetauscht haben wir uns zu den unterschiedlichen Anwendungen in einer Art Bingo:
Screenshot Toolbingo (nicht unter freier Lizenz)

Neu für mich war das Google Jamboard, ein digitales Whiteboard, bei dem die Nutzung selbst nach kurzer Zeit denkbar einfach ist. Genutzt haben wir Jamboard im Rahmen des Workshops in Breakout-Sessions, um Gruppenergebnisse festzuhalten und zu präsentieren.


Single Source Publishing Community

Addressing #OpenScience advocates, developers, authors and editors we offer a place to discuss, show and tell.

Axel Dürkop

Am 02.07.2021 wurde die Single Source Publishing Community ins Leben gerufen. Single Source Publishing bedeutet kurz und knapp: aus einer einzelnen Quelle können weitere digitale Formate generiert werden. Haben wir also eine Datei im Markdownformat, lassen sich ohne großen Aufwand weitere Ausgabeformate wie PDF oder HTML produzieren. Die neu gegründete Community soll allen Interessierten aus Forschung, Verlagswesen und Softwareentwicklung einen Ort bieten, an dem gemeinsam zugunsten von Open Access und Open Science ein Austausch stattfinden kann. Weitere Informationen zur neuen Singe Source Publishing Community gibt es in einem Beitrag auf GenR und diesem Eröffnungstweet. Aktuelles kann zukünftig auch auf Twitter über das Hashtag #SiSoPub verfolgt werden. Schaut doch mal rein, wenn ihr am Community-Gedanken oder dem Raum zum Ausprobieren und Austausch rund um Single Source Publishing Interesse habt, wir würden uns freuen!


Ausblick

Festhalten möchte ich an dieser Stelle noch ein „Learning“ für mich, was das Schreiben von Monatsnotizen betrifft: wenn ein paar freie Tage den Arbeitsrhythmus „unterbrechen“ unbedingt vorbereitend ein paar kleine Notizen und Stichworte festhalten. Nach dem Urlaub fiel es mir dann doch etwas schwer wieder reinzukommen. Wie handhabt ihr das bei regelmäßigen Blogformaten? Macht ihr euch eine kleine Liste mit Themen über den Monat verteilt, die ihr dann später in einen Text umsetzt oder entstehen Beiträge wie Monatsnotizen (oder andere Formate) bei euch eher aus dem Bauch heraus beim Schreiben? Teilt eure Kniffe doch gerne in den Kommentaren 🙂 .

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Monatsnotiz Juni/ Juli 2021 – Semesterende, Barcamps und die neue Single Source Publishing Community von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Beitragsbild „Monatsnotiz Juni Juli“ von Florian Hagen (CC0/Public Domain). Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
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