Schriftzug Monatsnotiz

Monatsnotiz für die Monate Januar bis Mai 2022 – Wissenschaftliches Arbeiten, Open Access, Tweets

Nach Monatsende schreibe ich gerne auf, was mich in den vergangenen Wochen arbeitstechnisch beschäftigt hat. Diese Monatsnotiz kommt nun mit ordentlicher „Verspätung“ und deckt gleich die Monate Januar bis Mai 2022 ab. Ich versuche dennoch, mich knapp zu fassen 🙂 .

Wissenschaftliches Arbeiten

Zu unserem Bachelorseminar „Wissenschaftliches Arbeiten“ habe ich schon öfter geschrieben. Hier gibt es für Studierende der TUHH die Möglichkeit, im Rahmen des Nichttechnischen Angebots (NTA) praktische Erfahrungen bei vielen Schritten des wissenschaftlichen Arbeitens zu sammeln. Neben theoretischen Inputs zu Themen wie Ideenfindung, Recherche, Schreiben, Lesen und Präsentieren werden diese im Rahmen einer abschließenden Hausarbeit auch praktisch „erlebt“. Die letzte Veranstaltung unseres Seminars im Wintersemester 2021/2022 fand am 27.01.2022 statt. Der Abgabeschluss der wissenschaftlichen Hausarbeit ist immer einige Tage später. In der Regel benötigen mein Kollege Detlev Bieler und ich für die Feedbacks zu den Arbeiten je nach Anzahl der Abgaben zwischen vier und sechs Wochen, was auch dieses Jahr der Fall war. Schön war einmal mehr die Themenvielfalt. So drehten sich die Ausarbeitungen u. a. um folgende Themen:

  • Benotungssysteme in der Schule,
  • Elektromobilität,
  • Ernährungsverantwortung,
  • Gesundheitsüberwachung mit smarten Geräten,
  • Literaturkonsum,
  • Mediale Repräsentation von Minderheiten,
  • Nachhaltigkeit bei Lieferdiensten,
  • Perspektivische Einbindung von Online-Unterricht in den Studienalltag,
  • Umgang mit Mikroplastik,
  • Wildcampen.

Gefreut habe ich mich auch, dass es von den Studierenden dieses Semester einige Rückmeldungen und Nachfragen zu den Feedbacks gab. Ich verstehe absolut, wenn dies im Studierendenalltag bei all den Fristen und Prüfungen nicht immer gemacht wird. Umso schöner war es, dieses Semester quasi Feedbacks zum Feedback zu bekommen. Viele Studierende haben sich dieses – bzw. vergangenes – Semester auch dazu entschieden, über Stud.IP (Studienbegleitender Internetsupport von Präsenzlehre) eigene Texte mit den anderen Seminarteilnehmer:innen zu teilen. Hier könnte ich mir vorstellen, dass dies zukünftig auch eine gute Gelegenheit ist, um Peer Feedbacks – vielleicht als Vorversion der endgültigen Abgabe – auszuprobieren. Das Seminar ist mit Vorlesungsbeginn am 01. April auch bereits ins aktuelle Sommersemester (2022) gestartet.

Wissenschaftliches Arbeiten war in den vergangenen Wochen und Monaten aber nicht nur Thema im Rahmen unseres Seminars. So konnten mein Kollege Detlev Bieler und ich u. a. im Rahmen der Vorlesung „Einführung in die VT/BioVT“ über einige Kernaspekte des wissenschaftlichen Arbeitens sprechen und eine Art offene Schreibwerkstatt anbieten. Auch im Rahmen des Projektierungskurses (hierzu hat Thomas Hapke auch einiges aufgeschrieben) durften wir im Grunde einen sehr stark komprimierten „Ausschnitt“ aus unserem Bachelorangebot einbringen. Das es aus diesen Veranstaltungen heraus auch Anfragen zu unserem „vollen“ Bachelorangebot gab, werte ich dies einfach mal als ein gutes Zeichen 🙂 .

Veranstaltungen mit eigener Beteiligung

Eine Veranstaltungsreihe, an der ich auch im Jahr 2022 beteiligt war, ist die Werkzeugkiste „Collect, Write, Publish“ (CWP). In Kurzworkshops geht es um Werkzeuge für den Forschungsprozess, die für Promovierende an der TUHH relevant sind. Die neun Termine umfassten nachfolgende Themen bzw. Titel:

  • #1 Auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen – Fachinformation finden
  • #2 Kein Chaos, kein Vergessen, kein Plagiat – besser schlafen dank Literaturverwaltung
  • #3 Open Up! Forschung sichtbar machen mit Open Access
  • #4 Die richtige Zeitschrift für die Karriere
  • #5 Forschungsdatenmanagement: Mehr als Speichern
  • #6 Die Digitale Identität als Wissenschaftler:in
  • #7 Coole Tools für die Zusammenarbeit in Forschung und Lehre
  • #8 Open Science in Practice at TUHH: Experiences in Projects, Research and Teaching
  • #9 Urheberrecht in Forschung und Lehre

Zu den Terminen 1 bis 3, an denen ich selbst als Teilgebender beteiligt war, sowie allen anderen Terminen stehen die Folien über die CWP-Seite offen zur Verfügung.

Gefreut habe ich mich darüber, etwas zum Thema Open Access im Rahmen des 80. Bibliotheksausschusses am 11.05.2022 an der TUHH einbringen zu dürfen. Neben der eigentlichen Open-Access-Transformation und den dazugehörigen Herausforderungen im Arbeitsalltag (u. a. Monitoring, Umgang mit Mischfinanzierungen und steigenden Article Processing Charges) ging es um den erfolgreichen DFG-Antrag (Open-Access-Publikationskosten 2022-2024) der TUHH, den Publikationsfonds sowie Open-Access-Ausgaben und -Planungen. Leider konnte ich daher nicht an der parallel stattfindenden Veranstaltung „Wissenschaft trifft Verwaltung“ teilnehmen. Hier stellten unterschiedliche Organisationseinheiten der TU-Verwaltung Themen und Services in kurzen Impulsvorträgen vor, bevor es im Anschluss gemeinsam mit Vertreter:innen der Professorenschaft in den weiteren Austausch an Thementischen ging. Auch mit all den digitalen Möglichkeiten (oder gerade deshalb?) kommt es selbst im Jahr 2022 also immer mal wieder zu unumgänglichen Terminüberschneidungen.

Toll fand ich auch die Einladung in den Bachelor-Wahlkurs „Wissenschaftliches Publizieren“ von Prof. Christine Gläser an der HAW Hamburg. Hier haben meine Kollegin Isabo Schick und ich als Teil des Open Access Teams der TU-Bibliothek versucht, einen kompakten Praxiseinblick in unseren Open-Access-Arbeitsalltag zu geben. Es war schön, auch einfach mal wieder meine alten Lernräume aus dem Studium zu sehen, wenn dieses Mal auch nur virtuell 🙂 . Zum Einstieg bei unserem Praxiseinblick ging es zunächst allgemein um Open Access an der TUHH (DFG-Förderung, Transformationsverträge und Zweitveröffentlichungen über TORE), bevor wir grob strukturiert über folgende Punkte gesprochen haben:

  • Beratungstätigkeiten (sehr unterschiedliche Themen von Urheberrecht, über Open-Access-Grundlagen bis hin zu konkreten Finanzierungsfragen),
  • Services und Serviceentwicklung (u.a. Webseitenpflege und -erweiterung, Veranstaltungsarbeit sowie Workflow-Entwicklung),
  • Kommunikation & Vernetzung (u.a. Teilnahme und Einbringung bei verschiedenen Veranstaltungen und Erprobung eigener Konzepte).

Besuchte Veranstaltungen

Dadurch, dass ich jetzt doch ein längeres Monatznotiz-Päuschen gemacht habe, haben sich natürlich so einige Veranstaltungen angehäuft. Eigentlich habe wirklich überall etwas für mich und die Arbeit mitgenommen. So war ich u. a. bei der Schulung „Urheberrecht in Bibliotheken“ (07.04.2022) von Ina Kaulen (SUB Hamburg), bei der es nach einem allgemeineren Rundumschlag zum Urheberrecht konkret um Bibliotheken im Kontext des Urheberrechtes ging (urheberrechtlich relevante Nutzung des Bestandes, Schrankenregelungen sowie speziell die „Bibliotheksschranke“ in Form von § 60e UrhG). Speziell für unser Fachreferat habe ich zudem am „Train-the-Trainer-Workshop für Fachreferenten*innen der STM-Fächer – Multiplikator*innen für einen offene Wissenschaft“ (11. und 12.05.2022) teilgenommen. Spannend fand ich hier neben dem eigentlichen Grundlagen-Training (Foliensatz offen verfügbar über Zenodo) vor allem auch den inhaltlichen Input zum Thema Diamond-Open-Access (Publikationen können weltweit kostenlos gelesen werden und auch für Autor:innen fallen keine Publikationskosten an). Bei Letzterem wurde auch eine Publikationsliste zur Diamond-Open-Access-Landschaft in Deutschland angekündigt, die mittlerweile erschienen ist.

Etwas mehr Schreiben werde ich an dieser Stelle allerdings „nur“ zum Open Access Barcamp 2022, da ich mir hier umfassendere Notizen gemacht habe, in die ich auch die vergangenen Tage nochmals vermehrt einen Blick geworfen haben.

Open Access Barcamp 2022

Am 28. und 29. April bot das Open Access Barcamp wieder reichlich (virtuellen) Platz für einen offenen Austausch rund um Open Access. Wie im vergangenen Jahr wurde die Veranstaltung wieder mit Gather.town (siehe Monatsnotiz April/ Mai 2021) umgesetzt. Schön fand ich auch dieses Jahr, dass sich neben dem Socializing während der Veranstaltung auch wieder einige (virtuelle) Verabredungen mit Kolleg:innen ergeben haben, um später gemeinsam weiter zu dem einen oder anderen Thema zu grübeln.

Eine Übersicht der Sessions – die auch in der Barcampdokumentation enthalten ist:


Sessionübersicht des Open Access Barcamps 2022 (Screenshot „Sessionübersicht“ nicht unter freier Lizenz)

Zu den Sessions 1 bis 4 habe ich nachfolgend meine Notizen zusammengefasst. Ein Klick auf den jeweiligen Sessiontitel klappt den dazugehörigen Text aus. Weiteres zum Barcamp kann auch noch über das Hashtag #OABarcamp22 auf Twitter und im PDF-Export des Miro-Whiteboards der Veranstaltung gelesen werden.

Session 1: „Kurzvorstellung der Studie »Wirkungen von OA«“ (David Hopf)

David Hopf (TIB Hannover) gab im Rahmen des Open Access Barcamps einen Einblick in das Vorgehen und einige wesentliche Ergebnisse der Studie „Wirkungen von Open Access. Literaturstudie über empirische Arbeiten 2010-2021“. Die TIB arbeitete an dieser im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Zu Beginn gab es einen Überblick über das methodische Vorgehen. In der Recherchephase für die Datengrundlage wurde zunächst über eine offene Suchanfrage in Angeboten wie Dimensions, LISTA (Library, Information Science & Technology Abstracts), Scopus und Web of Science recherchiert. Mehr als 7.000 Studien wurden dabei laut David Hopf gesammelt, die im Anschluss nach und nach gefiltert wurden. Der finale Datenkorpus umfasste letztlich etwas mehr als 300 Studien. Diese wurden thematisch in Wirkungsfelder (bspw. „Aufmerksamkeit in der Wissenschaft“, „Wissenstransfer“ oder „Nutzung von Publikationen“) gruppiert, bevor eine Auseinandersetzung mit den zentralen Studien des jeweiligen Bereiches erfolgte. Weitere Informationen zum methodischen Vorgehen können der veröffentlichten Studie auf den Seiten 6 bis 8 entnommen werden.

Im Anschluss an den Methodik-Teil stellte David Hopf einige Ergebnisse der Studie vor, die in vier Kategorien unterteilt wurden:

  • Positive Wirkung,
  • Negative Wirkung,
  • Vermutete Wirkung,
  • Keine Wirkung.

Zu den positiven Auswirkungen von Open Access gehört der untersuchten Literatur nach, dass OA-Publikationen höhere Downloadzahlen aufweisen. Zudem könne ein erhöhter Wissenstransfer ausgemacht werden (nicht-wissenschaftliche Dokumente verweisen öfter auf Open-Access-Publikationen). Auch eine höhere Diversität der Nutzenden von Open-Access-Publikationen gegenüber traditionell publizierten Medien wurde von David Hopf angesprochen. Die Studie zeigt bzgl. dem Forschungsstand zudem, dass bspw. kein Unterschied zwischen der Qualität von Open-Access- und Closed-Access-Publikationen festgestellt werden konnte (Kategorie „Keine Wirkung“).

Überraschend ist das Ergebnis zum oftmals erwähnten Zitationsvorteil von Open-Access-Publikationen. Die empirische Literatur kann nicht eindeutig einen Open-Access-Zitationsvorteil bestätigen. Zwar wird dieser auch in den meisten empirischen Studien aufgeführt, aber mehr als 30 % der untersuchten Studien konnten keinen Vorteil finden. Ein Punkt, der auch im gemeinsamen Austausch im Anschluss an den Input nochmals diskutiert wurde.

Als einzige negative „Wirkung“ von Open Access innerhalb der untersuchten Literatur wurden Article Processing Charges (APC) erwähnt. Vor allem Autor:innen mit weniger Ressourcen bzw. keiner institutionellen Open-Access-Förderung würden durch diese vor zusätzliche Publikationsherausforderungen gestellt.

Im Anschluss an den Input von David Hopf wurde die Session für den gemeinsamen Austausch geöffnet. Diskutiert wurde vor allem nochmals das Thema Open-Access-Zitationsvorteile, da diese natürlich auch in vielen Open-Access-Beratungskonstellationen eine wichtige Rolle für Forschende spielen. Letztlich gilt hier zusammengefasst nach wie vor, dass der große Anteil der untersuchten Studien einen Zitationsvorteil sieht und dies so auch in Beratungsszenarien kommuniziert werden kann. Andere Aspekte wie der generelle Nutzungsvorteil (erhöhte Downloadzahlen) stützen zudem die Annahme, dass es (potenziell) einen Zitationsvorteil gibt. Auch Ideen zu zukünftigen Forschungsmöglichkeiten rund um Open Access wurden angesprochen (u. a. Nachnutzung von Open-Access-Veröffentlichungen).

Session 2: „Fachlich passende OA Journals finden mit B!SON“ (Anita Eppelin)

Anita Eppelin (TIB Hannover) stellte in Raum 1 der Session 2 das Projekt B!SON vor. Bei B!SON handelt es sich um ein maschinengestütztes Empfehlungssystem von qualitätsgeprüften Open-Access-Zeitschriften. Für die Suche einer geeigneten Zeitschrift werden die Informationen der eigenen Publikation (Titel, Abstract und Referenzen) in eine Eingabemaske eingegeben. Ein semantisches Verfahren für den Abgleich des Abstracts und ein bibliometrisches Verfahren für den Abgleich der angegebenen Referenzen sorgen nach Abschicken einer Suchanfrage dafür, dass eine Trefferliste mit möglichst geeigneten Open-Access-Publikationen ausgegeben wird. Mit weiteren Filtern können die Ergebnisse spezifiziert werden. Zudem lassen sich die Daten exportieren oder in einer anderen Ansicht darstellen.

Ziel von B!SON ist es u. a. bei der wachsenden Anzahl an verfügbaren Open-Access-Zeitschriften Forschenden das Open-Access-Publizieren zu erleichtern und auch Unterstützung von Publikationsberatenden wie Bibliotheken anzubieten. Wie dieser Service in der Praxis derzeit aussieht, kann mithilfe der offen zugänglichen Betaversion ausprobiert werden. Weitere Informationen zu Bison können auch der dazugehörigen Projektseite entnommen werden.

Im Anschluss an die Einführung zu B!SON wurde im Rahmen einer Beispielrecherche ein detaillierterer Blick auf die Oberfläche geworfen. Session-Teilnehmende konnten zudem individuelle Erfahrungen mit der Betaversion sammeln und im (virtuellen) Plenum teilen. Wichtig: Feedback zu B!SON nimmt das Team gerne über die Feedbackfunktion entgegen.

Session 3: „Publikationskostenmonitoring“ (Ulrike Kändler)

In Session 3 (Raum 1) gab Ulrike Kändler (TIB Hannover) zunächst einen Input zum Thema Publikationskostenmonitoring und sprach dabei vor allem zwei zentrale Herausforderungen des Publikationsmonitorings an: dezentrale Open-Access-Zahlungen und Datenverarbeitung.

Bei dezentralen Open-Access-Zahlungen stellt sich für viele Einrichtungen vor allem die Frage, wie man bspw. Ausgaben über Institutsmittel, Projektmittel und andere Einzelrechnungen (also alles, was nicht über die Bibliothek läuft) möglichst effizient im Blick behält. Bei der Datenverarbeitung stellt sich die Grundsatzfrage, welche Systeme Einrichtungen für die Arbeit mit Daten individuell überhaupt zur Verfügung stehen und was ggf. zusätzlich benötigt wird, um Daten für die eigenen Einrichtungs-Zwecke auszuwerten.

Beide Herausforderungen fußen nach Kändler nicht zuletzt auf unterschiedlichen Voraussetzungen wie Einrichtungsgrößen und -formen, Verwaltungsstrukturen, den bisherigen Arbeitsprozessen und dem Stand der Digitalisierung in der jeweiligen Einrichtung. Letzterer Aspekt betrifft bspw. die Systeminfrastruktur (bereitstehende Technik wie Forschungsinformationssysteme und Publikationskostenmanagementsysteme).

Im anschließenden Austausch teilten Sessionteilnehmer:innen ihre Erfahrungen und Ansätze im Hinblick auf die zuvor angesprochenen Herausforderungen. Wie die TUHH hier vorgeht, ist im bewilligten DFG-Antrag Open-Access-Publikationskosten 2022-2024 festgehalten. Auch Einblicke zu Tools wie OA Switchboard, ChronosHub und Oable – Software, die die Verwaltung von Open-Access-Aktivitäten unterstützt – wurden angefragt. Im Kreis der Sessionteilnehmer:innen lagen bislang aber leider keine umfassenderen Eindrücke und Erfahrungen vor.

Session 4: „oa.finder – Zeitschriften-Recherchetool für das OA-Publizieren“ (Nina Schönfelder)

Nina Schönfelder (Universität Bielefeld) stellte in Session 4 die Beta-Version des oa.finders vor. Dieser soll – ähnlich wie B!SON – das Finden einer passenden Open-Access-Zeitschrift vereinfachen. Zur Zielgruppe zählen vor allem Autor:innen deutscher Wissenschaftseinrichtungen, da die Recherche einer passenden Zeitschrift je nach Disziplin vor allem aufgrund der „Zeitschriftenflut“ und den Anforderungen von Wissenschaftler:innen an das Publikationsorgan recht komplex sei. An dieser Stelle wurden von Frau Schönfelder u. a. das Renommee der Zeitschrift, die Publikationskosten (u.a. auch Color Charges oder Page Charges) und der Organisationsaufwand (welche Möglichkeiten der Kostenübernahme gibt es bspw. durch eigene Einrichtungen) genannt. Da diese Informationen in der Regel an vielen unterschiedlichen Orten abgelegt sind, ist laut Nina Schönfelder oftmals eine umfassendere Recherche durch die Wissenschaftler:innen nötig. Beim Open-Accessss-Publizieren ist somit also bereits die Vorrecherche vor dem eigentlichen Einreichungsprozess durch das Finden einer bestmöglich geeigneten Publikation mit größerem Aufwand verbunden. Dies könne auch dazu führen, dass weiter auf traditionelle und gewohnte Publikationsmöglichkeiten zurückgegriffen wird (closed access) oder unnötigerweise Article Processing Charges (APCs) für hybride Zeitschriften gezahlt werden.

Zusammengefasst soll der oa.finder also eine Art Suchmaschine für Publikationsorgane mit verschiedenen Filtermöglichkeiten sein, die die bisherigen Rechercheprozesse zur Zeitschriftenfindung vereinfachen. Im Hintergrund arbeiten dabei drei Datenbanken, die miteinander verknüpft sind:

  • Zeitschriftenliste (Open Access, hybrid, closed Access)
  • Transformationsverträge (bspw. DEAL)
  • Institutionelle Open-Access-Publikationsoptionen (u. a. Publikationsfonds, OJS

In einer kurzen Demo wurde veranschaulicht, dass mit der Eingabe eines Publikatiotionstyps, der Rolle der recherchierenden Person und der zugehörigen Organisation bereits eine erste Trefferliste generiert wird, bei der über weitere Filter wie das Fachgebiet die Treffermenge weiter verfeinert werden kann. Selbst ausprobieren lässt sich der oa.finder unter https://finder.open-access.network. Wie beim Projekt B!SON freuen sich auch die Kolleg:innen vom oa.finder über Feedback 🙂 .

Im anschließenden Austausch ging es u. a. um Herausforderungen rund um die Aktualisierung der Datenbasis des oa.finders, da es mitunter manuell gepflegte Komponenten gibt. Auch (denkbare) zukünftige Entwicklungen wie zusätzliche Filter und das Zusammenspiel mit dem Projekt B!SON (siehe Session 2) wurden angesprochen.

Dies und das bei der täglichen Arbeit

Unser Open-Access-Team der tub. probiert seit einigen Monaten ein – für uns neues – Format aus. Regelmäßig freitags in der Zeit von 10:00 Uhr bis 10:30 Uhr bieten wir eine offene Open-Access-Beratung an. Interessierte Kolleg:innen der TUHH aus Forschung und Verwaltung können hier mit Fragen rund um Open Access spontan vorbeischauen, um gemeinsam mit uns nach einer Lösung zu schauen, Unklarheiten zu klären oder eben zu überlegen, wie im Rahmen einer eigenen (geplanten) Veröffentlichung am besten vorgegangen werden kann. Wenn keine Fragenden zu diesem Termin erscheinen, werfen wir u. a. einen Blick zurück auf unsere Open-Access-Woche im Team, besprechen eventuelle Unklarheiten, Arbeitsprozesse, Toolempfehlungen oder andere Informationen rund um Open Access.

In einer früheren Monatsnotiz hatte ich bereits einmal geschrieben, dass die Überarbeitung von Serviceseiten regelmäßiger Bestandteil der Fachreferatsarbeit (und natürlich auch in anderen Bereichen der Bibliothek) ist. Mal sind Veränderungen stärker erkennbar, mal nahezu unauffällig, wenn nur – dennoch nicht ganz unwichtige – Kleinigkeiten angepasst werden. Da die Webseite der TUHH seit April 2022 in einem modernisierten Gewand erstrahlt, ist dies natürlich auch ein Thema unserer Webseiten AG im Haus, um das aktuelle Webdesign der TUHH zukünftig auch auf unser Bibliotheks-Webangebot auszubreiten. Sehen kann man dafür bereits vorgenommene Umstellungen derzeit bspw. bei den umgearbeiteten Open-Access-Seiten, die den Informationszugang (hoffentlich) durch das schlankere Layout erleichtern. Ein Vorher-Nachher-Vergleich lässt sich in der folgenden Abbildung durch das Verschieben des „Sliders“ anstellen:

Ein kleineres Projekt, das in den vergangenen Wochen und Monaten abgeschlossen werden konnte, ist die Durchführung und Auswertung unserer Literaturverwaltungsprogramm-Umfrage an der TUHH. Neben den verwendeten Programmen ging es hier auch um Themen wie Arbeitskonstellationen und genutzte Funktionen. Einen kurzen Blick auf einige der Ergebnisse – Citavi ist bspw. unter den Umfrageteilnehmer:innen das am meisten genutzte Programm, gefolgt von der Open-Source-Anwendung Zotero – gibt es in diesem Blogbeitrag im tub.-Blog. Die umfassendere Auswertung kann direkt über TORE heruntergeladen werden.

Die Auswertung der Umfrage zur Literaturverwaltung kann über TORE abgerufen werden (Quelle: Detlev Bieler und Florian Hagen CC BY 4.0)

Lesenswerte Tweets

In vergangenen Monatsnotizen habe ich öfters mal Links geteilt. Mal zu Podcasts, die ich hörenswert finde, mal zu Projekten, die mich interessieren oder zu Veranstaltungen, die ich gerne besuchen würde oder besucht habe. Dabei war auch der eine oder andere Tweet. Für diese Monatsnotiz möchte ich mal eine kleine Rubrik in Form einer Twitter-Linkliste offen teilen. Hier habe ich einige Tweets – meistens mit Berufsbezug – festgehalten, die für mich hilfreich, lesenswert, spannend oder einfach nur unterhaltsam sind. Vielleicht sind diese ja nicht nur für mich interessant:

Damit bin ich am Ende der Monatsnotiz für die Monate Januar bis Mai 2022. Vielleicht ist ein Rhythmus über mehrere Monate gar nicht so schlecht? Ich habe zumindest gerne mal mit einigem Abstand rückblickend in meinen Aufzeichnungen zu Themen und Veranstaltungen gestöbert. Kommentare oder E-Mails mit ergänzenden Links, Fragen oder Anregungen sind natürlich wieder herzlich willkommen 🙂 .

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Monatsnotiz für die Monate Januar bis Mai 2022 – Wissenschaftliches Arbeiten, Open Access, Tweets von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Beitragsbild „Monatsnotiz“ von Florian Hagen (Lizenz: CC0/Public Domain). Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
Kalenderblatt

Monatsnotiz April/ Mai 2021 – Open-Access-Veranstaltungen, Zotero für iOS, Podcastempfehlung

In den vergangenen Wochen gab es viele Veranstaltungen rund um Open Access. Unser Bachelorseminar „Wissenschaftliches Arbeiten“ ist im April ins Sommersemester 2021 gestartet und ich habe einige Tools und Anwendungen ausprobiert. Auch eine neue Podcast-Empfehlung rund um „Openness“ gibt es in dieser Monatsnotiz.

Veranstaltungen

13.04.2021: „DEAL Praxisaustausch“

Beim DEAL-Praxisaustaustausch zu Publikations- und Kostendatenmanagement ging es um Einblicke in die Umsetzung der systematischen Erfassung von Publikationsdaten und den damit verbundenen Zahlungsinformationen. Die Veranstaltung bot dabei Input-Beiträge und Breakout-Sessions für den Austausch unter Fachexpert:innen und Interessierten. Los ging es mit Bernhard Mittermaier (Forschungszentrum Jülich), der in seinem Impulsbeitrag den Open Access Monitor und die damit verbundenen verschiedenen Einsatzmöglichkeiten für unterschiedliche Einrichtungen vorstellte (Erfassung des Publikationsaufkommens in wissenschaftlichen Zeitschriften). 

Es folgte ein Beitrag von Agathe Gebert (Publikations- und Publikationskostenmonitoring bei GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften). Dieser gliederte sich in vier Leitfragen im Zusammenhang mit den Open-Access-Aktivitäten bei GESIS:

  • Wie entscheiden wir uns für Transformationsverträge?
    • u. a. Publikationsanalysen und Publikationshäufigkeit in bestimmten Publikationen.
  • Wie monitoren wir Publikationen?
    • u. a. Forschungsinformationssystem, OA-Monitor und Dashboards.
  • Wie monitoren wir Publikationskosten?
    • Orientierung am Leibniz-Fonds, sehr viele zentrale Rechnungen.
  • Welche Verbesserungen planen wir in den nächsten Jahren?
    • u. a. neue Buchungskontenansätze und Schulungen.

15.04.2021: Irene Barbers (Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich): „Monitoring von Publikationskosten“

Irene Barbers gab einen Einblick in den „Workflow Publikationsgebühren“ des Forschungszentrums Jülich. Gezeigt wurden im Rahmen des Vortrags auch das Open Access Barometer sowie der Open Access Monitor. Das Barometer bietet Daten zur Transformation von der Subskription hin zu Gold Open Access, ist Grundlage für Vertragsverhandlungen und verbindet unterschiedliche Kenngrößen wie Publikations- und Subskriptionswerte. Der Open Access Monitor dient der Erfassung des Publikationsaufkommens in wissenschaftlichen Zeitschriften. Sowohl die Folien als auch eine Videoaufzeichnung der Veranstaltung stehen zur Verfügung.

22.04.2021: Benjamin Auberer (LMU München): „Etatverteilung nach dem DEAL“

Zentrales Thema des Beitrags von Benjamin Auberer waren die Herausforderungen der Open-Access-Transformation für die Etatverteilung bei Bibliotheken. Der Vortrag basiert
u. a. auf einer Masterarbeit, die im Sommer 2020 eingereicht wurde und greift eine allgemeine, überregionale Expertenstudie auf, die die Voraussetzungen und Bedingungen der Verankerung von Open Access in bibliothekarischen Etats untersuchte. An dieser nahmen zehn Erwerbungsleiter:innen sowie Open-Access-Verantwortliche teil. Die Ergebnisse wurden hinsichtlich folgender Fragen aufbereitet:

  • „Geht die Welt unter?“
  • „Braucht man noch Etatverteilung?“
  • „Anforderungen an das System?“
  • „Welche Anforderungen werden an die Einrichtungen gestellt?“

Für einen umfassenden Einblick stehen die Folien sowie die knapp 28 Minuten lange Videoaufzeichnung zur Verfügung.

29.04.2021: Anja Oberländer (KIM Universität Konstanz) und Marco Tullney (TIB): „Gemeinschaftliche Open-Access-Finanzierung als Aufgabe für Bibliotheken“

Anja Oberländer und Marco Tullney luden zum Austausch über gemeinsame konsortiale Open-Access-Lösungen ein. In der Bibliothekslandschaft sind Konsortien vereinfacht zusammengefasst Zusammenschlüsse von Bibliotheken, die das Ziel des gemeinsamen Erwerbs von Nutzungsrechten (beispielsweise von Datenbanken und elektronischen Publikationen) verfolgen. Zum Einstieg der Veranstaltung wurde ein Überblick über viele Basisthemen von Open Access gegeben. So ging um die Open-Access-Transformation und die Auswirkungen auf Tätigkeiten und Budgets von Bibliotheken (z. B. Wie sollte mit Nicht-Open-Access-Veröffentlichungen umgegangen werden, wenn Open Access wirklich gefördert werden soll und Umgang mit der derzeitigen Abhängigkeit von Sondermitteln auf dem Weg zur Abdeckung über reguläre Erwerbungsetats). Neben den Herausforderungen rund um publikationsbasierte Abrechnungsmodelle spielt hier auch die nach wie vor bestehende Abhängigkeit zu großen, wissenschaftlichen Verlagen eine Rolle. Hervorzuheben ist an dieser Stelle die im Vortrag erwähnte Wichtigkeit der Vielfältigkeit der Open-Access-Landschaft. Es sollte nicht nur ein einziges Open-Access-Modell verfolgt werden (auch, um neue Abhängigkeiten zu meiden), sondern den zahlreichen unterschiedlichen Bedürfnissen in der Wissenschaftslandschaft entsprechend unterschiedliche Modelle und Entwicklungen betrachtet und unterstützt werden. Als Beispiel wurde in diesem Zusammenhang auch das Projekt KOALA (Konsortiale Open-Access-Lösungen aufbauen) als gemeinsame Open-Access-Lösung vorgestellt.

Weitere Informationen zur Veranstaltung bietet der zur Verfügung gestellte Foliensatz sowie die knapp 38 Minuten lange Videoaufzeichnung.

22.04./ 23.04.2021: Open Access Barcamp

Dieses Jahr habe ich das erste Mal beim Open Access Barcamp teilgenommen. Die Veranstaltung wurde vom Team von open-access.net organisiert. Über Barcamps wurde im tub.torials-Blog u. a. auch in Beiträgen zum stARTcamp 2019 und dem Hamburger OERCamp 2020 berichtet. Dabei handelt es sich um Veranstaltungen, die im Gegensatz zu klassischen Konferenzen, wenig vorgegebenes Programm anbieten. Stattdessen agieren Teilnehmende als Teilgebende und schlagen selbst Themen oder Sessions vor, über die dann im Plenum tagesaktuell abgestimmt wird.

Beim Open Access Barcamp 2021 gab es so auf zwei Tage verteilt insgesamt fünf Sessionblöcke, in denen nach kurzen Inputs Austausch und Diskussionen entstanden. Bei der Darstellung des Sessionsplans habe ich mich von viola’s blog inspirieren lassen. Meine Teilnahme ist also mit einem „*“ gekennzeichnet:

Sessionblock 1

  • Feedback/ Austausch Weiterentwicklung der Open-Access-Plattform – Anforderungen aus der Community
  • Über den Tellerrand: Forschungsdaten und deren Publikation
  • Austausch: Anforderungen an Publikationssoftware

Sessionblock 2

  • Offener Austausch: Open-Access-Advocacy – Bewerbung von OA-Angeboten (*) an der eigenen Einrichtung
  • Diskussion: Open Access-Services vs. Subskriptionsangebote – auf welchem Auge sind wir blind? & Austausch: DEAL und Open-Access-Transformation an der Einrichtung kommunizieren

Sessionblock 3

  • Publikationsdaten-Management institutionelles Repositorium? Excel? Access?
  • Rechtsfragen in der OA-Beratung (*)

Sessionblock 4

  • OA Gender Publication Gap
  • Austausch Praktikerinnen zu Zweitveröffentlichungsservices (*)
  • Austausch zu scholar-led Publishing im Bereich Bücher

Sessionblock 5

  • Creative-Commons-Lizenzen bei Open-Access-Büchern – Wie geeignet sind sie?
  • Von der OAPolicy zur Open Science Policy
    Diamanten schürfen – Unterstützungsmöglichkeiten für Diamond OA (*)

Neben interessanten Session-Inhalten (so haben wir beispielsweise im Team Verlagsverträge „unter die Lupe“ genommen und über Bewerbungsmöglichkeiten von Open Access an den eigenen Einrichtungen gesprochen) und Austauschmöglichkeiten außerhalb der Sessions an virtuellen Thementischen (hier ging es in meinen Runden u. a. darum, welche Tools, Arbeitsprozesse und Zusammenarbeiten uns derzeit beschäftigen) waren für mich – zumindest mit derart vielen Teilnehmer:innen – die Erfahrungen mit der Videokonferenzanwendung Gather.town und dem virtuellen Whiteboard Miro neu.

Gather.town ermöglichte es, dass Teilnehmer:innen nach Erstellung eines Avatars durch virtuelle Konferenzhallen, Teeküchen und Sessionräume wandern und sich an Sitz- und Stehmöglichkeiten für Gespräche in kleineren Runden zusammenfinden konnten. Wie das ganze aussehen kann, habe ich weiter unten im Beitrag im Bereich „Tools und Anwendungen“ anhand anderer Veranstaltungen etwas detaillierter beschrieben.

Ein Screenshot der Gather.town-Veranstaltungsräumlichkeiten des Einführungsfoliensatzes beim Open Access Barcamp (nicht unter freier Lizenz).

Ich empfand diese Umsetzung sehr motivierend. Mitunter kam richtiges Konferenzfeeling auf und die ganze Organisation hat in meinen Augen sehr gut funktioniert. Ging man in den Konferenzräumlichkeiten doch mal verloren, so hat einen nach wenigen Augenblicken das Organisationsteam wieder auf den richtigen Weg gebracht. Wie Viola Voß bereits in ihrem Beitrag einen Kollegen zitierte: „Heute gehe ich nicht mit Zoom-Fatigue-Kopfschmerzen nach Hause, sondern mit einem Lächeln im Gesicht.“

Die Planung der Sessions und auch die Dokumentation erfolgte über ein Miro-Whiteboard. Aktuell kann hier auch noch in die einzelnen Dokumentationen geschaut werden. Vorstellen kann man sich so ein Whiteboard als „unendliche“ Fläche, in der Teams in Echtzeit gleichzeitig arbeiten können. Im Rahmen des Barcamps konnte so auf den Session-Plan zugegriffen, Dokumente angeschaut oder im Rahmen einzelner Themenräume virtuelle Notizzettel für Austausch und Diskussion angepinnt werden. Die Dokumentation der Sessions wurde Teilnehmenden im Nachgang noch zur Verfügung gestellt.

In Miro-Whiteboards kann stufenlos rein- und ausgezoomt werden.

Zusätzliche Impressionen zum Open Access Barcamp gibt es auch über #OABarcamp21.

Blogbeitrag Open Science Barcamp

Im Februar hat unser Projektteam „Modernes Publizieren“ am Open Science Barcamp 2021 (#oscibar) teilgenommen. In einem Sammelbeitrag mit vielen anderen Teilnehmer:innen schauen wir zurück auf Themen der Veranstaltung vom 16. Februar 2021. Inhalte sind u. a. Wissensungerechtigkeit, (Wieder-)Verwendung von Forschungsdaten, Unterstützung offener Wissenschaftler:innen, Single-Source-Publishing und Publikationsstrukturen. Auch der komplette Session-Plan und die jeweiligen Dokumentationen sind über den Beitrag abrufbar. Weiteres zum Open Science Barcamp gibt es auch in der Februar-Monatsnotiz.

Seminar Wissenschaftliches Arbeiten

Im April ging es endlich wieder los mit dem Bachelorseminar Wissenschaftliches Arbeiten. Neben allgemeinen Themen wie formalen Anforderungen und einer Kurzvorstellung von Anwendungen für das gemeinsame Arbeiten (im Seminar kann individuell oder in Teams eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben werden) ging es bisher um die Auseinandersetzung mit der Ideenfindung (Themen sind frei wählbar), Exposé und Fragestellung, Recherchemöglichkeiten, Literaturverwaltung, Lese- und Notizmethoden (einige offene Kurzusammenfassungen und Skripte sind verlinkt). Neu ist im Rahmen unseres Seminars auch, dass zu vielen Veranstaltungen neben Skripten im Nachgang eine „Gesammelte Notiz“ erstellt wird, welche die wesentlichen Inhalte, Fragen und dazugehörige Antworten nochmals kurz zusammenfasst.

Tools und Anwendungen

An Tools und Anwendungen gibt es einige, die ich in den letzten Wochen ausprobiert habe. Nicht bei allen Anwendungen handelt es sich um Open-Source-Lösungen. Nichtsdestotrotz möchte ich auch diese kurz erwähnen.

Gather.town (Online-Konferenztool für interaktiven Austausch)

Gather.town habe ich bereits im Kontext des Open Access Barcamps erwähnt. Hier möchte ich nun etwas genauer zeigen wie das ganze aussehen kann und funktioniert. Ausprobiert habe ich Gather.town u. a. im Rahmen von Sitzungen mit dem Team Modernes Publizieren. Im Gegensatz zu Videokonferenzanwendungen wie BigBlueButton oder Zoom ist man hier mit Avataren in virtuellen Räumen unterwegs. Der eigene Avatar wird nach Erstellung über die Pfeiltasten auf der Tastatur durch den Raum bewegt (alternativ mit den Tasten „W“, „A“, „S“ und „D“). Bei interaktiven Objekten (beispielsweise Tagesordnungen in Form eines aufgehängten Zettels oder ein Video) kann mit der Taste „X“ interagiert werden. Es gibt darüber hinaus noch viele weitere Optionen (automatische Verfolgung anderer Personen, Änderung der Informationen zum eigenen Avatar, etc.), die meinen bisherigen Erfahrungen nach bisher im Rahmen größerer Veranstaltungen immer sehr gut verständlich einleitend erklärt wurden.

Ein Teamtreffen in Gather.town.

Am der linken Seite des Browsers ist eine Chat-Option zu sehen. Hier kann eingestellt werden, ob mit allen Personen („everyone“), im näheren Umfeld befindlichen Avataren („nearby“) oder nur bestimmten Personen gechattet werden soll. Ebenfalls auf der linken Browserseite befindet sich die Teilnehmer:innen-Liste. Hier können wir also sehen, wer sich gerade alles im Raum befindet. Für mich einer der größten Vorteil gegenüber anderen Videokonferenzsystemen: Ein wenig kehrt die Flexibilität von Face-to-Face-Kommunikation zurück. Man kann sich Personen zuwenden, sich in Gruppen mit gleichgesinnten spontan an einen (virtuellen) Tisch setzen (oder alternativ natürlich den Strand ;-)) und einfach durch Räumlichkeiten streifen – so wie zumindest ich das auch gerne bei Präsenzveranstaltungen mache.

Coolors (Farbgenerator) für Foliensätze und mehr

Ich habe mal wieder ein wenig in den HOOU-Materialien der TUHH gestöbert. Dabei handelt es sich um eine Linkliste für Illustrationen, Videos, Sounds und mehr, dass für die Erstellung von offenen Lernangeboten und Materialien genutzt werden kann. Eine sehr schöne Sammlung. Gestoßen bin ich dabei auf Coolors. Coolors ist ein Farbgenerator, der im Grunde für alle Anliegen nützlich sein kann, wo die Farbabstimmung eine Rolle spielt. Bei mir ist es oftmals so, dass ich einige Ideen für Foliensätze habe, mich meine Farbabstimmung an sich dann aber selten vollkommen zufrieden stimmt. Ich lande dann wieder bei eher „sicheren“ Farbabstimmungen, die klassisch und dezent wirken (z. B. unterschiedliche Kombinationen von Grautönen mit Weiß). Mit Coolors können schnell gut aufeinander abgestimmte Farbpaletten gefunden werden. Vorstellen kann ich mir hier auch einen Nutzen für die Erstellung von Webseiten, Logos, Icons oder Bilderserien in Social-Media-Kanälen von Bibliotheken.

Zotero iOS (Mobile Literaturverwaltung/ Beta)

Zotero ist eine Literaturverwaltungsanwendung. Eine Kurzeinführung dazu gibt es in diesem Beitrag in Text- und Videoform. Aktuell befinden sich in der Beta-Testphase u. a. ein integrierter PDF-Reader und eine iOS-App. Beides funktioniert im Zusammenspiel bereits jetzt schon hervorragend. Bislang synchronisiert der PDF-Reader bei mir ohne Probleme unabhängig vom verwendeten Gerät. Notizen und Anmerkungen, die also auf Tablet oder Smartphone erstellt werden, sind für die spätere Weiterverarbeitung direkt am Rechner abrufbar für die Weiterverarbeitung und umgekehrt.

Derzeit im Beta-Test: ein integrierter PDF-Reader.

Derzeit im Beta-Test: ein integrierter PDF-Reader.

Auch für meinen individuellen Workflow (Literatur unterwegs über mobile Geräte recherchieren, anlesen und mit wenig Aufwand in die eigene Literatursammlung überführen) sehe ich hier bereits in der Testphase viele robuste Verbesserungen. Diese und weitere Funktionen sollen Bestandteil der kommenden Zotero-Version 6 sein, für die eine Veröffentlichung in 2021 geplant ist. Wer an der Beta teilnehmen möchte, erhält auf den Zotero-Seiten weitere Informationen.

Zotero mobil: Menüansicht in der iOS-App

Zotero mobil: Menüansicht in der iOS-App.

Chat-Angebot der Bibliothek

Ausprobiert habe ich in den vergangenen Wochen Mibew. Mibew ist eine Open-Source-Chatanwendung die simpel zu bedienen ist – so wie man das von vielen Chats eben kennt. Nutzer:innen können somit beispielsweise schnell und effizient Antworten auf bestimmte Fragen, Empfehlungen und weitere Unterstützung erhalten. Hintergrund ist die kontinuierliche Entwicklung neuer und verbesserter Service-Angebote der TU-Bibliothek. Weiteres dazu gibt es im Beitrag Der neue Bibliotheks-Chat. Ich bin auf jeden Fall schon auf Praxiseindrücke gespannt und finde es super, dass Nutzer:innen zukünftig auf einen weiteren Kommunikationskanal dank dem Engagement der Benutzungsabteilung der TU-Bibliothek zurückgreifen können.

Podcasts

Auch Podcast-Empfehlungen dürfen in dieser Monatsnotiz nicht fehlen. Besonders gut gefallen haben mir die kurzen Einblicke in den Wissenschaftsalltag, die Open Science Stories von Heidi Seibold bietet. In kurzen, bisher maximal zwölf Minuten langen, Geschichten geben Wissenschaftler:innen Einblicke in persönliche Erfahrungen und Eindrücke rund um Offenheit in der Wissenschaft. Nicht „nur“ informativ, sondern auch wirklich emotional und spannend. So gibt beispielsweise Heidi Seibold selbst in der Episode „Open Science is science done right“ Einblicke in den Abschied von Freunden und Familie, um den Weg in die Wissenschaft anzugehen, während Claudia Frick in „Open Peer Review“ von einem Begutachtungswerkzeug der Open-Science-Bewegung am Beispiel eigener Publikationen berichtet. Hier wird neben all den Vorteilen auch über berechtigte Ängste gesprochen, die offene Wissenschaft mit sich bringen kann. Sehr empfehlenswert!

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: „Monatsnotiz April/ Mai 2021 – Open-Access-Veranstaltungen, Zotero für iOS, Podcastempfehlung“ von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag steht auch als Markdowndatei und PDF zur Verfügung.