Blätter als Herbstbäume

Monatsnotiz August/September 2021 – dies und das im Tagesgeschäft, Veranstaltungen und Semestervorbereitungen

„Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da, er bringt uns Wind, hei hussassa!“ Na, wer hat spätestens jetzt wieder einen Ohrwurm von diesem Klassiker? Ich seit einigen Tagen. „Erwischt“ hat es mich auf dem Weg zur Arbeit. Womit wir auch schon bei der Monatsnotiz für die Monate August und September 2021 sind.

„Blätter-Herbstwald“ von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0

Arbeit vor Ort

Nach und nach ändern sich einige Arbeitsgewohnheiten wieder, die uns alle in den letzten Monaten begleitet haben. So konnten in Hamburg auch wissenschaftliche Bibliotheken wieder für den Präsenzbetrieb öffnen und dementsprechend Service vor Ort anbieten. Das erste Mal wieder in der Bibliothek Spätdienst machen, auf Fragen direkt eingehen, einfach mal das gesuchte Regal zeigen. Irgendwie habe ich es schon vermisst, aber komisch fühlten sich diese wiedergewonnenen Möglichkeiten anfangs schon an. So, als ob man vieles, das man über Jahre aus dem Effeff beherrschte, wieder neu lernen oder zumindest etwas anders denken muss. Spannend.

Dies und Das im Tagesgeschäft

Im Alltagsgeschäft ist nach der Urlaubszeit gefühlt sehr viel Kleinkram angefallen. So mussten das eine oder andere Mal „kaputte“ Links auf unseren tub.-Webseiten ausgetauscht werden (es gibt bei uns im Haus unterschiedliche Zuständigkeiten, Hinweise erhalten wir automatisiert per Linkchecker) und es gab durch Urlaubsvertretungen häufiger als sonst neben Gesprächen im Rahmen von Publikationsberatung zu bearbeitende Anschaffungsvorschläge im Fachreferat (berichtet habe ich dazu auch endlich mal beim #Fachreferatsfreitag, den ich auch bereits in einer früheren Monatsnotiz erwähnte).

Aktuell spielen für uns als Bibliothek sonst Überlegungen für die gemeinsamen Ziele des kommenden Jahres eine Rolle. Und auch der Rückblick auf das, was wir uns für 2021 vorgenommen hatten und noch haben, ist natürlich ein Thema für die interne Dokumentation. Teil dieser Ziele sind geplante Veranstaltungen und die dazugehörige Veranstaltungsplanung. Für das kommende Jahr läuft so zum Beispiel bereits die Konzeption der nächsten Ausgabe unserer Collect, Write, Publish-Reihe, während derzeit auch noch an Events wie der schon im Oktober stattfindenden „Open Access Week“ (25. bis 31. Oktober 2021, Motto dieses Jahr: It Matters How We Open Knowledge: Building Structural Equity.) gearbeitet wird. Mehr dazu wird es im Oktober natürlich auf den Seiten der tub. geben.

Vorbereitungen Wintersemester

Gefühlt haben wir gerade erst unsere Feedbacks zu den wissenschaftlichen Arbeiten der Studierenden aus dem Sommersemester 2021 verschickt (kurz berichtet hatte ich auch hier), da klopft auch schon das neue Semester an die Tür. Aktuell ist unser Bachelorseminar „Wissenschaftliches Arbeiten“ als Präsenzveranstaltung mit 30 Studierenden vor Ort geplant. In den vergangenen digitalen Semestern hatten wir Platz für 60 Teilnehmer:innen, die Nachfrage lag dabei zwischen 180 und 210 Anmeldungen. Ich bin auf jeden Fall auf die Nachfrage im kommenden Semester und vor allem den Austausch mit den Studierenden selbst gespannt.

Veranstaltungen

In den Monaten August und September habe ich an unterschiedlichen internen und externen Veranstaltungen teilgenommen. In unserer internen Veranstaltung „PC Beratung Live“ ging es unter anderem um das Gutenberg-Plugin für WordPress, Aufbau und Funktionen unseres Reservierungssystems für Arbeitsplätze in der Bibliothek und unterschiedliche Kniffe für unser internes Wiki. Über einige externe Veranstaltungen möchte ich an dieser Stelle ausschnitthaft berichten.

WiWi-Tagung 2021 Bibliotheken – Support für die Wissenschaft

Die VDB-Kommission für Fachreferatsarbeit und die Staats- und Universitätsbibliothek (SuUB) Bremen luden am 16.09. und 17.09.2021 zur WiWi-Tagung 2021 Bibliotheken – Support für die Wissenschaft (#WiWiFr) ein.

Tag 1

Am ersten Veranstaltungstag gab es Beiträge, die den Themenblocks „Forschungsdaten“ sowie „Publikationsmanagement und Open Access“ zugeordnet wurden.

Klaus Tochtermann (ZBW) gab in „Forschungsdateninfrastruktur in der Wirtschaftswissenschaft mit Bezug zu NFDI“ einen Einblick in die Konsortien KonsortSWD (strukturierte, standardisierte Daten und bestehende Infrastruktur über FDZ) und BERD (nicht strukturierte und standardisierte Daten, keine Infrastruktur), die im Anschluss in einer Gegenüberstellung betrachtet wurden. Nach einem Einblick in gaia-x (Daten aus der Wirtschaft) wurde die Frage in den Raum gestellt, warum zwei ähnliche Infrastrukturen (Privatwirtschaft und Wissenschaft) aufgebaut werden und dass dieses Thema vom Projekt FAIR DataSpace aufgegriffen wird.

Olaf Siegert (ZBW) gab in „Open-Access-Transformation in den Wirtschaftswissenschaften“ einen Ausblick auf den Publikationsmarkt. Erkennbar sind hier vor allem in der Vergangenheit alarmierend hohe Marktanteile von wenigen Verlagen, wobei nun erste positive Auswirkungen der Open-Access-Transformation erkennbar seien. Tamara Pianos (ZBW) stellte in „Career Kit“ verschiedene Angebote zum wissenschaftlichen Arbeiten vor. Besonders gut gefielen mir dabei das Academic Career Kit (drei Tutorials für Nachwuchswissenschaftler:innen, die sich unter anderem den Themen „Publizieren“ und „Metriken“ widmen) sowie das Open Science Magazin.

Tag 2

Der zweite Veranstaltungstag war geprägt von den Lightning Talks, die nach kurzem Input später in Breakoutsessions weiter diskutiert werden konnten. Themen waren unter anderem:

  • Blended Learning in der Ökonomie,
  • Virtuelle Sprechstunden anbieten,
  • Aspekte des Fachreferates sowie der Informationskompetenzvermittlung,
  • „Infotools“ als Marke der Bibliothek? Onlinekurse in StudIP zur Unterstützung von Studium und Lehre,
  • Systematic Literature Review in den Wirtschaftswissenschaften – Best Practice gesucht.

Ich habe hier an der „Infotools-Session“ teilgenommen, in der wir über Erfahrungen rund um Lehrinhalte, aber auch die konkrete Nutzung von Anwendungen wie H5P (Erstellung von interaktiven HTML5-Content ohne Programmierkenntnisse) gesprochen haben.

Open-Access-Tage 2021

Die Open-Access-Tage 2021 standen unter dem Motto „Partizipation“. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr wurden dieses Jahr Konferenzinhalte über Zoom (Videokonferenz), gather.town (Online-Konferentool zur Interaktion im virtuellen Raum über Avatare) und Miro (Whiteboard) organisiert. Während Zoom vielen bekannt sein dürfte (einige Tipps dazu habe ich hier aufgeschrieben), habe ich zu gather.town und Miro einige Eindrücke im Rahmen des Open-Access-Barcamps 2021 in Text- und Bildform festgehalten. Wie schon im Mai profitieren mit diesen Tools meiner Meinung nach vor allem die Interaktionsmöglichkeiten der Veranstaltung. So fand ich es abseits fester Programmpunkte wie den Keynotes, Sessions, Workshops, Postervorstellungen, Thementischen und Speed Dating einfach toll, frei – mehr oder weniger wie im realen Leben – durch die Posterausstellung wandern zu können. Die erste Orientierung nahm ein wenig Zeit in Anspruch (wie auch bei Präsenzkonferenzen, bei denen man die Location nicht regelmäßig nutzt oder besucht), generell wurde der Einstieg aber durch verschiedene Einstiegshilfen sehr angenehm gestaltet. Einige meiner Notizen zu besuchten Programmpunkten habe ich nachfolgend zusammengefasst.

Keynote „Open access and social justice“ (Laura Czerniewicz)

Für mich startete der erste Veranstaltungstag mit der Keynote „Open access and social justice“ von Laura Czerniewicz (University of Cape Town). Diese wies gleich zu Beginn darauf hin, dass viele Zitate in die Präsentation eingebaut sind und Interessierte hoffentlich dazu inspiriert werden, einen weiteren Blick auf diese zu werfen. Nach einer Definition von „Social Justice“ stellte Czerniewicz mit „Maldistribution (Economic injustice)“, „Misrecognition (Cultural injustice)“ und „Misframing (Political injustice)“ drei Typen von Ungerechtigkeit vor, die eng miteinander verbunden sind. Diese wurden im weiteren Verlauf herangezogen, um vor allem einen kritischen Blick auf aktuelle Entwicklungen rund um Open-Access-Geschäftsmodelle im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit zu werfen. Prägnante Aussage zum Abschluss der Präsentation und Start der Diskussion: „the dominant OA business model generally continues to privilege a knowledge hegemony and traditional big publishers“. Diskutiert wurden unter anderem Möglichkeiten, um Verlagsmonopole zu „brechen“. Eine Möglichkeit sei dabei der Bruch mit akademischen Publikationsgewohnheiten, wobei hier gerade für akademische Einsteiger:innen das Problem bestehe, dass nicht immer komplett freie Publikationsentscheidungen getroffen werden können. Die Präsentationsfolien stehen hier zur Verfügung.

„Session 1: Aktuelles von den Forschungsförderern: OA-Programme und -Monitorings“ (Tag 1)

Weiter ging es in Session 1 zum Thema „Aktuelles von den Forschungsförderern: OA-Programme und -Monitorings“. Den Anfang machte hier Angela Holzer (Deutsche Forschungsgemeinschaft) mit dem Beitrag „Open-Access-Publikationskostenförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft“. Frau Holzer berichtete vom Stand der Antragsbearbeitung vom Programm Open-Access-Publikationskosten der Deutschen Forschungsgemeinschaft:

  • Die insgesamt 116 Anträge wurden in sechs Sitzungen („Universitäten“, „Außeruniversitäre“, „Hochschulen“) aufgeteilt,
  • fast 80% der Mittel wurden von Universitäten beantragt,
  • Stand 27.09.2021: es wurden über 95 Millionen Euro für die Förderung von Artikeln in der Zeit von 2022 bis 2024 beantragt,
  • dies führt am Ende zu einheitlichen Kürzungen.

Erste Einrichtungen werden in Kürze bereits Entscheidungsschreiben erhalten, planmäßig sollen bis November/ Dezember alle Entscheidungsschreiben verschickt werden. Allgemeine Informationen zur ersten Begutachtungsrunde werden Ende Dezember/ Anfang Januar bereitgestellt.

Im Anschluss stellte Bernhard Mittermaier (Forschungszentrum Jülich) in „Monitoring des DFG-Förderprogramms ‚Open Access Publikationskosten‘“ nach einem Rückblick auf ein voriges DFG-Programm (bei diesem mussten geförderte Einrichtungen ebenfalls Daten nachweisen, wobei es keine vorgeschriebene Form der Datenlieferung gab, was am Ende zu einem unbrauchbaren Datenbestand führte) die Learnings und den eigentlichen Ablauf des Monitoring-Konzepts vor, das auch für das DFG-Förderprogramm „Open Access Publikationskosten“ genutzt wird. Die Folien des Beitrags sind über Zenodo verfügbar.

„Session 4: OA in der Aus- und Weiterbildung“ (Tag 1)

In Session 4 („OA in der Aus- und Weiterbildung“) gab es insgesamt drei Praxisberichte. Den Start machten Ina Blümel (TIB), Maria Sael und Simon Worthington (TIB), die in „Collaborative Open Access Publishing – A Field Report“ von einer Lehrveranstaltung an der Hochschule Hannover berichteten (Bachelorstudium Informationsmanagement). In dieser gab es umfassendere Einheiten zu Open Access und Open Access Publishing, wobei wichtig war, dass ein Praxisbezug vorhanden ist. Tools (unter anderem GitHub und Fidus Writer) und Systeme (zum Beispiel DOI oder ORCID) sollten also nicht nur kennengelernt, sondern auch wirklich ausprobiert werden. Im Rahmen der Präsentation gab es auch einen Einblick in die am Ende der Lehrveranstaltung entstandene Publikation der Studierenden. Der Foliensatz der Präsentation ist über Zenodo verfügbar.

„Session #5: OA für Einsteiger*innen“ (Tag 2)

„Preprints als ‚besondere Form‘ der Open-Access-Veröffentlichung – Herausforderungen und Umgang damit“ lautete das Thema von Jasmin Schmitz (ZB MED) zu Beginn von Session 5 am zweiten Tag der Open-Access-Tage 2021. Nach einer Definition von Preprints (frei verfügbare Vorab-Versionen von Manuskripten, die noch nicht durch ein Peer-Review-Verfahren begutachtet wurden) gab Jasmin Schmitz Einblicke in die Preprint-Historie (arXiv ist der älteste bekannte Preprint-Server, Auftrieb der Preprint-Server durch COVID-19-Forschung), Vorteile von Preprints (früher Zugang zu Forschungsergebnissen, breites Feedback über Fach-Community, „Übung“ des wissenschaftlichen Arbeitens für wissenschaftlichen Nachwuchs) und Herausforderungen (schnelle und komplexe Entwicklung der Preprintlandschaft, da es mittlerweile neben klassischen Verlagen auch Angebote von kommerziellen Verlagen und Kooperationen zwischen Zeitschriften und Plattformen gibt). Da anzunehmen ist, dass diese Entwicklung nicht so schnell stoppt, sollten OA-Beauftrage und Bibliotheken selbst sich immer wieder neu mit den Entwicklungen vertraut machen (beispielsweise über das Directory of preprint server policies and practices). Der Foliensatz kann hier eingesehen werden.

Andreas Kirchner und Maximilian Heber (beide KIM) stellten im Anschluss in „Open Access for Beginners“ die neue open access network-Seite vor, die Austauschmöglichkeiten für die Community und viele unterschiedliche Materialien zum Thema Open Access bietet.

Session 7: Mehrwertdienste rund um OA (Tag 2)

Die Session „Mehrwertdienste rund um OA“ startete mit Josephine Hartwig (SLUB Dresden), die den Beitrag „B!SON – Empfehlungsservice für qualitätsgesicherte OA-Zeitschriften“ (Bibliometric and Semantic Open Access Recommender Network) mit dem Zitat „Wissen zu teilen ist der grundlegendste Akt der Freundschaft“ begann und im Anschluss eine Brücke zum wissenschaftlichen Wissen schlug. Bei diesem müssen Menschen Kenntnisse darüber haben, wo dieses Wissen am besten geteilt werden kann, damit es auch an die richtige Zielgruppe gelangen kann. Hier soll der Empfehlungsservice des Projekts B!SON unterstützen, indem zu einem Manuskript passende Open-Access-Zeitschriften herausgesucht werden. Gerade im Hinblick auf die voranschreitende Open-Access-Transformation und immer mehr Open-Access-Publikationsmöglichkeiten könnten Wissenschaftler:innen so nach Fertigstellung von Forschungsarbeiten bei der Findung und Auswahl von Zeitschriften (im DOAJ werden aktuell mehr als 16.800 Journale aufgeführt) gezielt unterstützt werden. Nach Dateneingabe zur eigenen Publikation wird auf Basis bibliometrischer und semantischer Verfahren eine Ähnlichkeitsbestimmung durchgeführt, die Forschenden am Ende passende Publikationen für das eigene Manuskript aus dem großen Pool von Open-Access-Publikationsmöglichkeiten vorschlägt. In der Fragerunde gab es unter anderem einen Austausch zum Thema „Bedeutung des Impact Factors“ und Unterschiede in den Publikationskulturen einzelner Fächer. Weitere Details gibt es in den dazugehörigen Vortragsfolien.

Peter Kraker (Open Knowledge Maps) und David Johann (ETH-Bibliothek) sprachen in „Open Knowledge Maps Custom Services: Visuelle Literatursuche für institutionelle Systeme“ zunächst über Discovery-Probleme in unterschiedlichen Fachdisziplinen der Wissenschaft. Eine Möglichkeit, Wissen trotz steigendem Publikationsaufkommen sichtbarer und auffindbarer zu machen, seien Wissenslandkarten. Deren Vorteile gegenüber Listensystemen wurden kurz am Beispiel des Themas „Herzerkrankungen“ aufgezeigt, bevor praxisorientiert das Erstellen einer eigenen Wissenslandkarte am Beispiel „digital education“ auf https://openknowledgemaps.org vorgestellt wurde. Ein konkreter Vorteil sei dabei laut Kraker die Möglichkeit, Forschungsfelder aus der Vogelperspektive zu überblicken, um so zum Beispiel individuell relevante Konzepte oder Teilaspekte identifizieren zu können. Weitere Informationen zur Funktionsweise einer visuellen Suchmaschine und Einblicke in den Use Case der ETH-Bibliothek Zürich (Integration in den Katalog unter „Meine Suche schicken an“ in einer Trefferanzeige im Katalog) können den Folien in der Zenodo-Community entnommen werden. In der Fragerunde wurde unter anderem darüber gesprochen, ob es Informationen zur Nutzung des Features gibt (ETH) und welche Herausforderungen bei der Einbindung in unterschiedliche bestehende Discovery-Systeme bestehen.

Abgeschlossen wurde der Sessionblock durch den Beitrag „ORCID-Monitoring und OA-Kontext“ von Friedrich Summann (Universitätsbibliothek Bielefeld) und Stephanie Glagla-Dietz (Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt). Hier wurden Einblicke in den ORCID DE Monitor (Nutzung und Verbreitung von ORCID iDs werden erfasst, analysiert und bereitgestellt) gegeben. Aktuell befinden sich hierzu leider noch keine Folien in der Zenodo-Community der Open-Access-Tage 2021.

Keynote „Partizipation durch OA – ein nur teilweise eingelöstes Versprechen“, Margo Bargheer (Tag 3)

In der Keynote „Partizipation durch OA – ein nur teilweise eingelöstes Versprechen“ blickte Margo Bargheer (Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen) aus ethnologischer Perspektive auf kulturelle Phänomene und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Open Access und Partizipation. Dabei klärte Frau Bargheer zunächst die Begrifflichkeit „Partizipation“ und sprach über verschiedene Formen von Partizipationsmöglichkeiten in Politik und Gesellschaft, bevor als weiteres konkretes Beispiel unter anderem eine aktuelle Diskussion in der Open-Access-Community (Umgang mit 2.000 EUR-Grenze für APCs) herangezogen wurde. Eine Rolle spielen hier nach Bargheer zum Beispiel die Konstrukte „Wertesystem“ und „Machtgefühl“ (Wir als Gruppe können Dinge verändern oder unerwünschte Entwicklungen vermeiden). Spannend ist dabei auch der Blick auf das „Abwägungsdilemma“, das uns im täglichen Arbeitsalltag rund um Open Access begleitet (welcher Zweck heiligt welche Mittel: bezahlen wir für wenige lautstarke Menschen hohe Artikelgebühren oder versuchen wir möglichst vielen Personen an unseren Einrichtungen das Publizieren zu ermöglichen?). Nach einem kritischen Blick auf Entwicklungen wie dem Guided Open Access-Ansatz und dem Zwischenfazit, dass wir weg vom APC-Modell in unterschiedliche innovative Publikationsmodelle investieren sollten (dazu auch eine einprägsame Aussage von Leslie Chan: „Diversity of models should be the goal…“), resümierte Bargheer, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben, um echte Partizipation (im Sinne von Teilen und nicht nur teilhaben lassen) zu ermöglichen. Hier freue ich mich – auch aufgrund der Masse an spannenden Überlegungen – besonders nochmal auf die Videoaufzeichnung des Vortrags. Der Foliensatz zu dieser Keynote steht bereits über Zenodo zur Verfügung.

Die Open-Access-Tage boten auch dieses Jahr wieder ein vollgepacktes, spannendes Programm. Erfreulicherweise können neben den verlinkten Beitragsfolien bereits zahlreiche weitere Materialien der Veranstaltungstage über die Zenodo-Community abgerufen werden. Aufgezeichnete Vorträge sollen zeitnah über das AV Portal der TIB bereitgestellt werden und derzeit kann auch noch das komplette Veranstaltungsprogramm eingesehen werden.

OERcamp

Bei dieser OERcamp-Ausgabe (29.09.) im Onlinebarcamp-Format ging es im – für die OER-Community offenen Teil – in drei Sessionblöcken um individuell eingebrachte Themen aus Hochschule, Schule, Weiterbildung und beruflicher Bildung. Das Programm kann aktuell noch hier eingesehen werden.

Teilgenommen habe ich zunächst an der Session „Wissensspiele (Escape Games) mit H5P“ von Martina Rüter. Diese gab einen Einblick in das selbst erstellte Spiel Urheberrecht und OER sowie die Erfahrungen und Herausforderungen bei der Übertragung ins H5P-Format. Die Dokumentation der Session ist hier verfügbar. Im nächsten Session-Block stellte Alica Schomacker in „Top-200-Liste: OER-Tipps vom Team OERcamp“ eine Liste mit vielen hilfreichen Tools zur Erstellung von OER-Materialien vor. Diese sind beispielsweise nach Kategorien wie „Audio und Video“, „Bilder und Grafik“ und „Kunst und Kultur“ sortiert. Die Dokumentation der Session ist hier verfügbar. Zuletzt hatte ich noch die Möglichkeit, mich in der Session „OER Materialien für Citizen Science in der Informatik“ von Annika Nowak und Jan Pawlowski inspirieren zu lassen. Auch hier liegt eine kleine Dokumentation von unserem Austausch vor.

Alles in allem war diese Ausgabe vom OERcamp wirklich kurz, aber wie eigentlich immer konnte man viele schöne Ideen und Eindrücke für und von offenen Bildungsmaterialien mitnehmen.

Ausblick

Für die kommenden Wochen und Monate habe ich einige Ideen (Tools, Lernmaterialien, Veranstaltungen), an denen ich gerne weiterarbeiten möchte. Einiges, was mir durch den Kopf geistert, kommt sicher auch aufs Papier beziehungsweise ins tub.torials-Blog.


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Monatsnotiz August/ September 2021 – dies und das im Tagesgeschäft, Veranstaltungen und Semestervorbereitungen von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
Stifte

„Zusammen schreibst du weniger allein“ – Rückblick auf den Digitaltag 2021

Am 18.06.3021 haben wir die Veranstaltung Zusammen schreibst du weniger allein! – Offene digitale Werkzeuge an der TU Hamburg im Rahmen des Digitaltags 2021 angeboten. Der Digitaltag ist ein bundesweiter Aktionstag, der die digitale Teilhabe durch verschiedene Aktionen wie Workshops, Seminare und andere Formate rund um Digitales unterstützen und fördern soll (Mehr dazu auch auf den Webseiten des Digitaltags).

Gemeinsam reflektieren

Die Motivation für uns war zum einen, unsere Projekte und Projektergebnisse sowie Synergieffekte aus den Programmen Hamburg Open Science (HOS) sowie Hamburg Open Online University (HOOU) mit Interessierten zu reflektieren, zum anderen aber praktisches Arbeiten mit unseren Workflows und Tools zu ermöglichen. Unsere Werkzeugkiste, die u. a. aus Etherpads, Markdown, HedgeDoc, Pandoc, GitLab und Methoden des kreativen Arbeitens und Schreibens besteht, sollte in einem entspannten Raum kennengelernt und ausprobiert werden können.

Unser Fahrplan sah zunächst eine Kurzvorstellung von uns als Personen und den Projekten vor. Anschließend wollten wir mit unserem Buch Mehr als 77 Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten ein Praxisbeispiel zeigen, in dem die genannten Werkzeuge zum Einsatz gekommen waren.

Wir sind aber recht früh vom Plan beziehungsweise dem geplanten Kurzinput abgewichen und haben uns nach den persönlichen Vorstellungen in kleiner Runde (wir waren auch positiv überrascht bei den Temperaturen an diesem Freitag dennoch einen Kurzworkshop durchführen zu können) in eine Art Beratung zum wissenschaftlichen Arbeiten übergegangen (Der vorbereitete Foliensatz kann aber hier eingesehen werden). Einige Empfehlungen haben wir dabei in einem gemeinsamen HedgeDoc gesammelt, um gleich eines der Tools unserer Wahl für das gemeinsame Schreiben besser kennenzulernen.

Anschluss finden in der Pandemie

Berichtet wurde uns dabei unter anderem, wie schwer es gerade in Zeiten der Pandemie sei, alleine und ohne Möglichkeiten des Austausches an Schreibprojekten zu arbeiten. Für Studierende, die sich zum Beispiel im Rahmen des Studiums bereits zu Arbeitsgruppen zusammengefunden haben, mag dies keine Herausforderung sein. Aber gerade zu Beginn des Studiums oder auch für Menschen, die ein Studium nebenberuflich oder als Kontaktmöglichkeit starten, sind es doch gerade einige der folgenden Kriterien, die ein Studium attraktiv machen:

  • das Campusleben erleben,
  • unkomplizierter Kontakt zu Mitstudierenden und anderen Hochschulangehörigen,
  • neue Leute kennenlernen, zusammen feiern, lernen und die Herausforderungen des Studiums meistern,
  • Umzug in eine neue Stadt, um auch neue Kulturen kennenzulernen und soziale Kontakte zu Menschen außerhalb des eigenen Fachbereichs zu knüpfen.

Wenn also Tage der offenen Tür an Hochschulen, potentielle Kneipentouren mit Mitstudierenden, Hochschul- sowie Freizeitsport oder ganz normale Stadtführungen und andere Kulturangebote für eine lange Zeit nicht oder nur eingeschränkt möglich sind, so ist es natürlich um so wichtiger, Arbeits- und Schreibbuddys über digitale Angebote zu finden und kennenzulernen. Was hier für uns unter anderem nach dem Digitaltag hängenbleibt: So richtige Angebote für eine virtuelle Schreibwerkstatt oder die Bildung digitaler Arbeitsgruppen und -tandems für den Austausch scheint es kaum zu geben. Gerade für Menschen, die neu in das Studium starten oder frisch umgezogen sind eine schwer zu lösende Aufgabe. Hier können (sollten) Hochschulen und Hochschulbibliotheken zukünftig an ganz neuen Serviceangeboten arbeiten:

Virtuelle Räume mit Raumgefühl nutzen

Aktionstage wie Die kleine Nacht des wissenschaftlichen Schreibens oder „Lange Nächte der aufgeschobenen Hausarbeiten“ funktionieren mit herkömmlichen Videokonferenztools nur schwer. Interaktives Plaudern, Face-to-Face-Gespräche und das Gefühl, sich gemeinsam in einem „echten Raum“ zu bewegen, kann aber mit Hilfe von Angeboten wie Gather attraktiv umgesetzt werden. Digitale Räume wie diese können so zum Beispiel auch dabei unterstützen, dass sich Menschen wieder schneller in Grüppchen zusammenfinden, um gemeinsam zu lernen oder auch einfach nur etwas mehr Gesprächsdynamik wie im „echten“ Leben zu haben (mit mehreren Personen reden, auch mal durcheinander und wechselnd).

Zufalls-Break-Outs anstoßen

In Seminaren könnte das Angebot von gemeinsamen Hausarbeiten attraktiver gestaltet und durch einen besseren organisatorischen Rahmen begleitet werden. Vielleicht ist hier auch das Zusammenwürfeln von Schreibpaaren über zufällige Breakout-Sitzungen schon eine Möglichkeit, einen ersten Austausch zu ermöglichen und gegen die Einsamkeit anzugehen? Also eine Art „Write Roulette“ oder „Author Speed Dating“.

Möglichkeit zur Bildung kleiner Communitys anbieten

Natürlich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, über soziale Medien in Kontakt miteinander zu treten. Viele Menschen haben aber sicherlich gute Gründe, sich aus diesen zurückzuziehen oder diese einfach nicht zu nutzen. Hier gilt es zu überlegen, ob der Gedanke, kleine Communities zu schaffen oder zumindest Raum für das Ausprobieren einer solchen Gemeinschaft zu bieten. So könnte sichergestellt werden, dass Interessierte Zeit mit gleichgesinnten verbringen könnten, um Ideen zu diskutieren, Texte auszuwerten oder einfach Tipps zum Studium auszutauschen.

Workshopreihen gegen das alleine sein vor dem Computer

Workshopreihen können sich ganz gezielt der Problematik widmen. Menschen, die an Haus- und Abschlussarbeiten sitzen und sich wünschen, den einsamen Schreibprozess abzustreifen, hätten mit spezifischen Angeboten einen ganz natürlichen Ansporn zur Teilnahme. Es können gemeinsam Methoden des kreativen Lernens und Schreibens ausprobiert werden. Es kann ein Raum für den Einblick in die Projekte der Teilnehmenden geschaffen werden (gerade interdisziplinär kann das Sprechen durch Formate wie „One Minute Madness“ mit Feedbackrunde in unseren Augen total spannend werden). Fragen, Probleme und individuelle Tipps könnten nach kurzen Inputs weiter thematisiert werden.

Und ihr so?

Welche Ideen habt ihr, um auch zukünftig Schreib- und andere Arbeitsprozesse trotz mehr Digitalität im Rahmen des Studiums oder der Lehre weniger einsam zu gestalten? Kennt ihr vielleicht sogar Angebote, die in den vergangenen Monaten schon erfolgreiche Konzepte angeboten haben? Wir denken, wir können diese Experimentierphasen noch intensiver nutzen: Ideen einfach mal ausprobieren. Könnte ja gut werden.

Stifte

Welche Ideen habt ihr, um Schreiben und andere Arbeitsprozesse trotz mehr Digitalität weniger einsam zu gestalten? (Beitragsbild „Stifte“ von Florian Hagen, CC BY 4.0).

 

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: „Zusammen schreibst du weniger allein“ – Rückblick auf den Digitaltag 2021“ von Florian Hagen und Axel Dürkop, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag steht auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
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