Mit Napkin.AI Grafiken aus Text generieren – Ein Tool für Bibliothek, Lehre und Studium?

In der Kategorie ‚Fundstück‘ werden Tools, Services und andere Entdeckungen rund um den life cycle wissenschaftlicher Kommunikation in kurzen Texten vorgestellt.

Mit Napkin.AI lassen sich aus Texten ohne großen Aufwand Visualisierungen erstellen. Eine Freundin aus der Verlagsbranche, die sich regelmäßig mit Tech-Trends beschäftigt, hat mir das Tool empfohlen. Auch für meine Arbeit in der Hochschulbibliothek sehe ich viel Potenzial – insbesondere für die Bibliotheksarbeit, das Studium und die Lehre. Einige Anwendungsideen stelle ich in diesem Blogbeitrag vor.

Der Beitrag ist in folgende Abschnitte eingeteilt:

1. Was ist Napkin.AI?

Mit dem KI-Tool Napkin.AI lassen sich Texte mühelos in Visualisierungen umwandeln. Und das wirklich unkompliziert: Man kopiert eine selbst verfasste oder automatisch generierte Textpassage in das Tool, das daraus ein Diagramm, eine Ablaufskizze oder eine andere passende Grafik erstellt. So lassen sich Abläufe verständlicher darstellen – ganz ohne den Aufwand, eigene Grafiken zu erstellen.

1.1 Anmeldung

„Napkin“ bietet drei Pricing-Modelle an: das Starter-, das Professional- und das Enterprise-Paket. Sowohl das Starter- als auch das Professional-Paket sind in der Beta-Version kostenlos. Für diesen Beitrag und verschiedene Testsituationen habe ich die Starter-Variante verwendet.

1.2. Einfache Schritte zum aussagekräftigen Schaubild

  1. Zuerst wählt man, ob der Text, der später als Bild dargestellt werden soll, selbst geschrieben oder von Napkin durch einen Prompt generiert werden soll. Die KI kann sowohl englische als auch deutsche Texte erstellen.
  1. Als Nächstes kann ausgewählt werden, welcher Teil des Textes in ein Schaubild umgewandelt werden soll. Entweder markiert man die entsprechende Textstelle oder nutzt das Blitz-Symbol, das links neben jedem Textabschnitt angezeigt wird. In diesem Beispiel habe ich drei gängige Formen des Open-Access-Publizierens verwendet.
  1. Wenige Augenblicke später werden auch schon verschiedene Schaubilder vorgeschlagen. In meinem Fall konnte ich aus über vierzig verschiedenen Optionen wählen. Einige waren jedoch sehr ähnlich und unterscheiden sich hauptsächlich in Design und in den verwendeten Symbolen. Durch Änderungen im Text und erneutes Generieren mit dem Blitz-Symbol können weitere Schaubilder vorgeschlagen werden.

Hat man sich für eine Variante entschieden, bestätigt man sie einfach per Klick. Im Anschluss kann das Bild heruntergeladen oder bei Bedarf manuell angepasst werden.

1.3. Weitere Funktionen von Napkin

Napkin hält neben dem Generieren von Bildern auch noch weitere Funktionen bereit: Über die Menüleiste können „Labels“ gesetzt werden, um den Text zu annotieren. Zudem lassen sich auch kleine Zeichnungen erstellen, die dann automatisch in Pfeile, Kreise oder andere Symbole umgewandelt werden:

Alternativ kann über das Lupen-Symbol eine Symbolsuche durchgeführt werden. Wird ein passendes Icon gefunden, so kann dieses ebenfalls eingefügt werden:

2. Ideen zur Nutzung

Napkin.AI bietet verschiedene Möglichkeiten, um Arbeitsabläufe, Konzepte und Lernprozesse visuell zu unterstützen. Im Folgenden möchte ich einige konkrete Einsatzmöglichkeiten vorstellen, die sowohl für die tägliche Arbeit als auch für Lehr- und Studienkontexte hilfreich sein können.

2.1 Arbeitsabläufe und Einarbeitungsprozesse visuell unterstützen

In unserem Open-Access-Team müssen wir viele organisatorische und verwaltungstechnische Abläufe abbilden. Wenn man sich länger mit diesen Themen auseinandersetzt, sind diese Abläufe meistens (aber nicht immer) nachvollziehbar. Skizzen können zum Beispiel für Außenstehende oder im Rahmen von Abteilungshospitationen helfen, um die interne Dokumentation, generelle Abläufe und auch Einarbeitungsprozesse klarer zu gestalten. Ein konkretes Beispiel, bei dem wir diesen Ansatz genutzt haben, ist die Erstellung eines FAQ für die Bibliotheksnutzung. Hierzu haben wir eine Liste mit Fragen aus den Spätdiensten an der Servicetheke zusammengestellt, die wir anschließend visualisieren ließen.

2.2 Veranstaltungsskizzen erstellen

Workshops – sei es nun für Open-Access-Einführungen, Bibliotheksrundgänge oder andere Bibliotheksthemen – beginnen in der TUB oft mit schriftlichen Konzepten. Gerade bei eigenen, umfangreicheren Texten entwickelt man aber nicht selten einen blinden Punkt und Lücken in der Planung werden zunächst übersehen. Eine schnell mit Napkin erstellte Ablaufskizze auf Basis eines selbst erstellten Konzepts in Textform kann helfen, den roten Faden zu überprüfen oder ergänzende Ideen für das Konzept leichter zu erkennen und weiterzuentwickeln.

2.3 Ergänzung für Lehrveranstaltungen

Die TUB ist an verschiedenen Lehrveranstaltungen beteiligt und bietet Bachelorstudierenden an der TUHH unter anderem das Seminar „Wissenschaftliches Arbeiten“ an. Hier wird der Schreibprozess von der Ideenfindung bis zur Abgabe begleitet. Zu Semesterbeginn wird dazu immer der Seminarablauf skizziert. Für die Dozierenden ist der Ablauf klar, für Studierende die diesen Plan zum ersten Mal sehen, kann mit Napkin eine visuelle Skizze erstellt werden, die Studierenden den gesamten Prozess noch verständlicher macht.

Ein spannender Ansatz für die Lehrveranstaltung könnte auch darin bestehen, dass die Studierenden zunächst den Ablauf ihres eigenen Schreibprozesses in Textform festhalten und von Napkin visualisieren lassen. Anschließend wird ein theoretisch typischer Ablauf des wissenschaftlichen Schreibens vorgestellt und ebenfalls visuell abgebildet. Durch diesen Vergleich können sie nicht nur individuelle Unterschiede erkennen, sondern auch bewusst hinterfragen, warum sie bestimmte Schritte so ausführen, wie sie es tun, und ob Anpassungen sinnvoll wären. Gleichzeitig kann diese Übung ein Bewusstsein für die Grenzen von KI-Anwendungen wie Napkin schaffen – vor allem dann, wenn die automatisch generierte Visualisierung relevante Aspekte des eigenen Prozesses nicht wie erwartet abbildet. Diese Erkenntnisse bieten eine gute Grundlage für eine gemeinsame Reflexion und Diskussion.

3. Kritische Gedanken

Wo KI-Tools ins Spiel kommen, sollte eine kritische Reflexion natürlich nicht fehlen. Wie bei anderen vergleichbaren Anwendungen gilt auch für Napkin: Es ersetzt nicht die Eigenleistung, sondern kann sie an passenden Stellen ergänzen. Wenn das Durchdringen von Texten Dritter schwerfällt, spricht meiner Ansicht nach nichts dagegen, eine KI-generierte Abbildung zu nutzen, um Inhalte besser zu verstehen. Wenn eigene Inhalte mit einer automatisch erzeugten Abbildung ergänzt werden, ist jedoch eine korrekte Quellenangabe wichtig. An der TUHH gibt es hierfür zur Unterstützung auch eine Handreichung zu KI-Tools in Studium und Lehre.

Napkin bietet viele Vorteile. Unsere Tests haben aber gezeigt, dass eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten trotzdem wichtig bleibt. Bei einigen Probeläufen, zum Beispiel bei Seminarskripten, waren die von Napkin generierten Abbildungen im Vergleich zu selbst erstellten Konzeptskizzen oft zu stark vereinfacht. Dadurch wurden mitunter relevante Inhalte komplett ausgeblendet.

KI-Tools sollten nicht dazu verleiten, eigene Fähigkeiten zu vernachlässigen. Dadurch könnte sonst eine stärkere Abhängigkeit von Technologie entstehen. Auch mit zunehmender technischer Unterstützung bleibt es entscheidend, sich intensiv mit Inhalten auseinanderzusetzen. Lernen bedeutet mehr als das Übernehmen fertiger Inhalte – es erfordert eine Auseinandersetzung, Recherche, kritisches Denken und aktives Ausprobieren. Der kompetente Umgang mit KI-Tools kann diesen Prozess bereichern, sollte aber nicht die Entwicklung grundlegender Fähigkeiten ersetzen.

Eine ausführlichere Reflexion über den Einsatz von KI-Tools zur Forschungsunterstützung findet sich im Beitrag Texte besser verstehen mit KI-„Copilot“? Workflow und Gedanken zur Kombination von Zotero und SciSpace.

4. Fazit

Napkin.AI ist ein nützliches Tool, das einfach zu bedienen ist und die schnelle Erstellung von Visualisierungen ermöglicht. Die generierten Abbildungen sind hilfreich, um Informationen zu veranschaulichen und das Verständnis zu fördern. Besonders positiv fällt die Qualität der generierten Texte auf. Ein kleiner Nachteil ist jedoch, dass die KI-generierten Texte auf Deutsch oft wesentlich kürzer und allgemeiner gehalten sind als die englischen Varianten. Zudem sind die Bearbeitungsmöglichkeiten für die generierten Bilder noch recht eingeschränkt.

Der Einsatz von KI-Tools wie Napkin erfordert immer einen kritischen Blick. Die KI kann dabei helfen, Textinhalte zu visualisieren, ersetzt aber nicht die tiefgehende Auseinandersetzung mit einem Thema. Die Qualität der generierten Abbildungen variiert, sodass relevante Inhalte verloren gehen können, wenn Texte zu stark vereinfacht werden. Es bleibt also entscheidend, dass Nutzende eigenes Wissen und ihre Fähigkeiten weiter einbringen und üben.

In Zukunft könnte ich „Napkin“ öfter nutzen, da visuelle Darstellungen oft schneller erfasst werden als bloßer Text. Das Tool würde mir nicht nur beim Überprüfen eigener Texte helfen, sondern auch als Unterstützung beim Lernen dienen – nicht zuletzt über KI selbst.

Dieser Beitrag wurde gemeinsam von Vera Gnadt und Florian Hagen verfasst, aber zur besseren Lesbarkeit aus einer Ich-Perspektive geschrieben.


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Napkin.AI: Grafiken automatisiert aus Text erstellen – Beispiele und Überlegungen für Bibliotheksarbeit, Lehre und Studium von Vera Gnadt & Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
Zotero-Schriftzug

Zotero individuell erweitern: Hilfreiche Plugins für Forschung und Lehre

Das Literaturverwaltungsprogramm Zotero ist wie ein gut ausgestatteter Werkzeugkasten, der bereits viele nützliche Werkzeuge und Funktionen bietet. Doch irgendwann möchte man diesen Kasten vielleicht noch weiter auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Statt wie bei einem herkömmlichen Werkzeugkasten neue Fächer, Sortiersysteme oder Werkzeuge hinzuzufügen, können technikaffine Menschen Zotero über Plugins mit weiteren Funktionen erweitern. Möglich sind diese Erweiterungen dank der Open-Source-Natur von Zotero – und ihre Installation und Nutzung ist auch für weniger technikaffine Menschen problemlos möglich.

1. Installation von Plugins

Eine Übersicht zu existierenden Plugins bietet Zotero auf der eigenen Webseite an. Die Erweiterungen werden meist über ein GitHub-Repositorium angeboten. Zur Installation wird eine Datei mit der Endung .xpi heruntergeladen. Anschließend wird in Zotero über das Menü „Tools“/“Werkzeuge“ die Option „Plugins“ aufgerufen und nach einem Klick auf das Zahnrad (Einstellungen, oben rechts) über die Option „Install Plugin From File…“ die korrekte Installationsdatei ausgewählt und installiert.

2. Acht Plugins für noch mehr Zotero-Funktionen

Nachfolgend sollen acht Plugins kurz vorgestellt werden, die unter anderem Thema im Workshop „No Stress, No Mess – Finding Peace of Mind with Reference Management“ der Collect, Write, Publish-Reihe 2025 waren und die sich mitunter für mich persönlich als nützliche Erweiterungen in meinem Alltag erwiesen haben:

2.1 Eine bessere Plugin-Übersicht: Add-on Market for Zotero

Das Plugin Add-on Market fühlt sich an, als sollte es eigentlich Teil der Standardinstallation von Zotero sein. Statt Webseiten, Foren oder GitHub-Repositorien mühsam nach nützlichen Add-ons zu durchforsten, bietet „Add-on Market“ – ähnlich wie gängige App-Marktplätze – mit nur einem Klick eine Übersicht über verfügbare Plugins.

Ein Klick auf ein Plugin liefert weitere Informationen zu Anbieter, Veröffentlichungsdatum und Versionsnummer. Noch besser: Add-ons lassen sich direkt per Klick installieren, deinstallieren oder deaktivieren.

Neben der Möglichkeit, die Plugin-Liste zu durchstöbern, gibt es eine einfache Suchfunktion. Zudem kann die Quelle für die Plugins neben der Standardeinstellung „Auto“ auch manuell auf verschiedene Repositorien festgelegt werden.

2.2 Für mehr Organisationsmöglichkeiten von PDFs: Attanger

Attanger, abgeleitet von „Attachment Manager“, ist ein Plugin für Zotero, das die Organisation von Anhängen wie PDF-Volltexten verbessert. Es ermöglicht das automatische Umbenennen, Verschieben und Organisieren von PDFs durch vordefinierte Regeln – ähnlich wie ZotFile, das in Zotero 7 jedoch nicht mehr unterstützt wird.

Nach der Installation von Attanger in Zotero 7 kann das Plugin unter „Bearbeiten“ > „Einstellungen“ > „Anhänge konfigurieren“ (Windows) oder über „Zotero“ > „Preferences“ > „Attenger“ (macOS) angepasst werden. Dort lassen sich Quell- und Zielpfade, Anhangstypen, benutzerdefinierte Dateinamensformate sowie die automatische Umbenennung von Anhängen konfigurieren.

Ein wesentlicher Unterschied zu ZotFile ist das Fehlen der „Send-to-Tablet“-Funktion, die besonders nützlich war, um PDFs auf Tablets zu übertragen und dort zu annotieren. Wer dafür eine Alternative sucht, kann ZotMoov ausprobieren – dieses Plugin bietet eine entsprechende Funktion. Eventuell decken aber auch die von Zotero selbst angebotenen Mobilversionen für Smartphones und Tablets offene Wünsche in dieser Hinsicht ab.

2.3 LaTeX und Zotero ohne manuelle Anpassungen: Better BibTeX (BBT)

Viele Wissenschaftler*innen nutzen LaTeX-Editoren für die Erstellung von wissenschaftlichen Publikationen, da LaTeX eine präzise Umsetzung von Layout, Formatierung und insbesondere mathematischen Formeln ermöglicht. Um Zotero in diesen Prozess optimal einzubinden, ist Better BibTeX (BBT) das Plugin, das auf keinen Fall ignoriert werden sollte. Die Daten können mit Zotero wie gewohnt aufgenommen werden, aber gleichzeitig können die Vorteile von LaTeX genutzt werden, wie die automatische und zuverlässige Verwaltung von Bibliographien und die Möglichkeit, komplexe Dokumente zu erstellen. Better BibTeX bietet eine nahtlose Integration in LaTeX- und Markdown-Dokumente, indem es automatisch Citation Keys generiert, Referenzen in Echtzeit synchronisiert und Bibliographien ohne manuelle Updates oder Formatierungen verwaltet.

So lässt sich Better BibTeX einrichten:

  • Installiere das BetterBibTeX-Add-on in Zotero.
  • Erstelle eine Referenzliste (wähle die Sammlung, klicke mit der rechten Maustaste und wähle „Exportieren“/„Export items…“ als BetterBibTeX).
  • Achte darauf, dass „Exportiere Notizen“/„Export Notes“ ausgewählt bleibt.
  • Eine .bib-Datei wird erstellt.
  • Lege die exportierte .bib-Datei im gleichen Ordner wie dein LaTeX-Dokument ab.
  • Die Datei wird nun automatisch synchronisiert, und jede Änderung in der Zotero-Datenbank wird automatisch in das zugeordnete LaTeX-Dokument übernommen.

2.4 Mehr Kontext für Zitate: Scite

Scite ist ein Service für die Analyse und Bewertung wissenschaftlicher Artikel. Das Herzstück sind sogenannte „Scite Smart Citations“. Diese zeigen nicht nur, wie oft eine Publikation zitiert wurde, sondern auch den Kontext der Zitation – also, ob die zitierte Textstelle unterstützt („Supporting“), widerlegt („Contrasting“) oder neutral („Mentioning“) erwähnt wird.

Mit dem Scite-Plugin für Zotero lassen sich diese Informationen direkt auf einen Blick in Zotero einsehen. Hierfür ist kein Scite-Account erforderlich. Außerdem gelangt man mit einem Klick auf „Scite Report“ direkt zu einer detaillierteren Analyse auf der Scite-Webseite. Wer aber beispielsweise gezielte Fragen zu Artikeln stellen oder eine Visualisierung der Informationen einsehen möchte, benötigt ein kostenpflichtiges Abonnement. Um herauszufinden, ob Scite die eigene Forschung oder Studienarbeit sinnvoll unterstützt, ist ein Blick in die kostenlose Testversion empfehlenswert.

  • Galerie Scite

2.5 Erweiterten Notizfunktionen: Better Notes

Das Better Notes-Plugin erweitert die Notizfunktionen von Zotero um praktische Zusatzfunktionen. Mit dieser Erweiterung können für einzelne Zotero-Einträge Notizen erstellt, miteinander verknüpft und kategorisiert werden. Diese Verknüpfungen und Tagging-Optionen ermöglichen es, ein Netzwerk aus eigenen Ideen, Notizen und Konzepten aufzubauen, das sich auch in Relationsgraphen abbilden lässt. Besonders nützlich sind die automatisierte Erstellung von Vorlagen, die Möglichkeit zur Erstellung von Informationshierarchien sowie verschiedene Exportformate wie Markdown, .docx, PDF, Mindmap und Zotero Note. Wer mit dem integrierten Notizeneditor von Zotero nicht ganz zufrieden ist, könnte mit Better Notes eine deutlich erweiterte Lösung finden – zusätzlich lässt sich die Funktionalität durch die Integration von Sprachmodellen wie ChatGPT weiter ausbauen.

2.6 Textstellen markieren und direkt übersetzen: Zotero Translate

Wer einen Volltext in Zotero geöffnet hat, möchte möglicherweise schnell und einfach Textausschnitte übersetzen – sei es, weil einem vielleicht einfach eine Übersetzung nicht einfällt oder weil es sich um Fachbegriffe handelt, die in bestimmten Sprachen weniger geläufig sind. Genau dies ermöglicht das Plugin Translate for Zotero. Um eine Übersetzung vorzunehmen, wird einfach der gewünschte Textausschnitt im Dokument markiert. Im rechten Bildschirmbereich lässt sich anschließend die gewünschte Übersetzungssprache auswählen. Je nach Sprachmodell stehen zum Teil mehr als 400 Sprachen zur Auswahl. Standardmäßig ist der Übersetzungsservice Google Translate ausgewählt. Doch auch die Übersetzungs-Engine kann über ein Dropdown-Menü angepasst werden. Zur Auswahl stehen unter anderem Bing, DeepL (Free und Pro, sofern lizenziert), ChatGPT, Gemini sowie viele weitere Optionen.

2.7 Welche Dokumente habe ich noch nicht gelesen? Zotero Reading list

Wer kennt es nicht? Einmal im Recherchefluss, füllt sich die eigene Literatursammlung schnell. Das umfassendere Auseinandersetzen mit den Texten folgt jedoch oft erst viel später. Wie ein Eichhörnchen wird erstmal weiter für den Vorrat (an potentiell kostbaren Informationen) gesammelt. Dabei verliert man schnell die Übersicht. Die Frage, welcher Text unbedingt noch gelesen werden sollte, kann dann schnell mehr Zeit und Energie kosten, als nötig.

Um die eigene Selbstorganisation besser zu stützen, kann die Zotero Reading List ein praktischer Helfer sein. Mit dieser lässt sich automatisch das Tag „New“ für neu hinzugefügte und noch nicht bearbeitete Dokumente und Informationen vergeben. Mit einem einfachen Rechtsklick (oder über Shortcuts) und der Auswahl der Option „Read Status“ lassen sich Bearbeitungsfortschritte dann durch Optionen wie „To Read“, „In Progress“, „Read“ oder „Not Reading“ kennzeichnen. Die Statusvergabe kann teilweise auch automatisiert werden. Ebenso verwenden lassen sich eigens festgelegte Tags.

2.8 Wissenschaftliche Zusammenhänge entdecken: Inciteful

Mit Inciteful lassen sich Verbindungen und Beziehungen zwischen Forschungsarbeiten und Forschenden visuell abbilden. Um interaktive, spinnennetzartige Visualisierungen zu erstellen, benötigen wir als Ausgangspunkt ein „Seed“-Paper. Dieses wählen wir in unserer Zotero-Datenbank aus, klicken mit der rechten Maustaste darauf und wählen im Kontextmenü „inciteful.xyz“. Wenn wir nun „Graph Search“ auswählen, erstellt Inciteful ein interaktives Diagramm mit verwandten Arbeiten. Zusätzlich werden Listen mit ähnlichen, wichtigen und aktuellen Veröffentlichungen generiert.

Auch die Beziehung zwischen zwei Artikeln lässt sich mit wenigen Mausklicks untersuchen. Dazu wählen wir in unserer Zotero-Sammlung zwei Veröffentlichungen aus, klicken mit der rechten Maustaste und wählen „Connect Papers“. Inciteful stellt daraufhin ein Netzwerk von Arbeiten dar, die mit den ausgewählten Artikeln in Verbindung stehen. So lassen sich Entwicklungen in einem Forschungsbereich visualisieren und wichtige Arbeiten innerhalb dieses Bereichs identifizieren.

3. Ausblick

Es gibt viele Plugins für Zotero, von denen einige in diesem Beitrag vorgestellt wurden. Standard-Erweiterungen wie der Zotero-Connector (eine Art Bindungsglied zwischen Webbrowsern und der eigenen Zoterodatenbank) oder die Verbindung mit Schreibprogrammen wie Word haben wir bereits in Einführungsbeiträgen thematisiert. Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Optionen. Unter anderem lässt sich Zotero so auch mit KI-Werkzeugen kombinieren. Aufgegriffen haben wir diese Möglichkeit unter anderem im Beitrag Texte besser verstehen mit KI-‚Copilot‘? Workflow und Gedanken zur Kombination von Zotero und SciSpace, der auch eine kritische Perspektive auf KI-Funktionen wirft.

Dennoch soll an dieser Stelle natürlich auch auf zur Verfügung stehende KI-Integrationen für Zotero hingewiesen werden. Dazu gehören unter anderem das Plugin ARIA (mit dem man gezielt Fragen zu gespeicherten Quellen stellen kann), Zotero-GPT (das unter anderem auch im Rahmen von Notizen verwendet werden kann) und Papers-GPT (mit dem man schnell relevante Informationen in PDF-Volltexten finden kann). Häufig ist jedoch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft Voraussetzung für die Nutzung dieser Integrationen. Es ist außerdem wichtig zu bedenken, dass diese KI-Tools möglicherweise auf gespeicherte Texte zugreifen, um ihre Antworten zu generieren. Nutzende, die Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre oder der Verwendung ihrer Daten haben, sollten sich daher gut überlegen, wie und in welchem Umfang sie diese Plugins möglicherweise nutzen möchten. Seit vielen Jahren entwickelt sich die Plugin-Landschaft von Zotero weiter, sodass es sich immer wieder lohnt, regelmäßig nach neuen Erweiterungen zu schauen.


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Zotero individuell erweitern: Hilfreiche Plugins für Forschung und Lehre von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
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