Füller auf Papier

Schreiben mit Zettlr – Open-Source-Markdowneditor für Texte aller Art

In einem unserer letzten tub.torials-Beiträge ging es um das Schreiben mit Markdown. An unterschiedlichen Stellen haben wir auf den Markdown-Editor Zettlr hingewiesen, dem wir uns nun in diesem Beitrag widmen. Zettlr ist eine Open-Source-Anwendung, die das Schreiben von Markdown-Texten ermöglicht und dabei einige hilfreiche Features wie den Im- und Export von Dateien sowie die Verknüpfung mit eigenen Literaturquellen ermöglicht. Bei der Vorstellung handelt es sich um eine bearbeitete Fassung unserer Kalendertürchen 05 und 15 aus dem Open-Access-Adventskalender.

Zettlr – Vorstellung und Installation

In diesem Beitrag werden wir unter anderem zeigen:

  • Was genau ist eigentlich Zettlr?;
  • Zu installierende Komponenten;
  • Einstellungen und Funktionen von Zettlr;
  • Import und Export von Dateien;
  • Literaturquelleneinbindung.

Was genau ist Zettlr?

Markdown-Editoren und andere Schreibumgebungen gibt es einige. Als Beispiele seien an dieser Stelle WriteMD (TU-Instanz von HackmD, die bei uns vor allem als kollaborative Online-Schreibumgebung und zur Erstellung von Lernskripten und Protokollen genutzt wird), Typora und VSCodium genannt. Das „Problem“ oder eher die Herausforderung für potentielle Nutzer:Innen ist bei vielen Editoren die oftmals vor allem für Coder:innen gestaltete Oberfläche. Diese kann gerade für Interessierte ohne Code-Affinität oder mit jahrelangen Schreiberfahrungen in gängigen What-You-See-Is-What-You-Get-Schreibanwendungen (WYSIWYG) wenig einladend bis erschreckend wirken.

Und hier kommt Zettlr ins Spiel. Der Markdown-Editor kann potentiell Word- und andere Schreibanwendungen ersetzen und richtet sich mit seiner aufgeräumten grafischen Oberfläche an Nicht-Coder:innen (und natürlich auch Coder:innen). Vor allem beim Verfassen wissenschaftlicher Texte mit Literaturquellen sticht Zettlr heraus.

Zettlr Oberfläche

Zettlr fokussiert sich mit seiner aufgeräumten Oberfläche auf das Schreiben und Lesen.

Erschaffen wurde die Open-Source-Anwendung von Hendrik Erz, der es nach viel Frust mit gängigen Wordprozessoren selbst in die Hand nahm, eine Schreibumgebung zu schaffen, die sich vor allen auf das Schreiben und Lesen fokussiert. Dabei bietet sie einen Mittelweg aus sehr techniklastigen und benutzerfreundlichen Anwendungen, unter anderem:

  • Schreibstatistiken;
  • Einstellungsoptionen zur Zielsetzung der Wortanzahl;
  • eine Volltextsuche;
  • eine Markdown-Vorschau;
  • die Möglichkeit für den Import und die Zitation von Quellen aus einer eigenen Zotero-Datenbank;
  • Export der Markdowndatei auf Mausklick in Formate wie HTML, PDF, ODT oder DOC.

Zettlr funktioniert zudem unabhängig vom Betriebsystem. Ein großer Vorteil, denn so können sowohl Windows-, als auch Mac- und Linux-Nutzer:innen Zettlr verwenden. Selbst für den Einsatz des Zettelkastensystems, einem Hilfsmittel zum Festhalten von Ideen und Gedanken, ist die Anwendung (inklusive einer umfassenden Dokumentation) ausgestattet. Einen Einblick in diese Funktion gibt auch der tub.torials-Gastbeitrag Geschichte und Gegenwart meiner Notizen von Benjamin Roers. Weitere Funktionen von Zettlr lassen sich hier einsehen.

Zettlr wird von uns in verschiedenen Kontexten im Arbeitsalltag genutzt. Als Beispiel seien die Dokumention von Arbeitsabläufen, das Verfassen von Tagungsberichten und generell Fließtexte mit Literaturverweisen genannt.
Im Rahmen unseres Projektes „Modernes Publizieren“ nutzen wir Zettlr unter anderem zudem für die Aufbereitung von wissenschaftlichen Beiträgen, die wir für die Neuveröffentlichung des Journals kommunikation@gesellschaft aus dem DOCX-Format in Markdown-Dateien konvertiert haben, um so die Grundlage für offenes Publizieren und Open Science zu schaffen.

Zettlr installieren

Die einfachste Möglichkeit zur Zettlr-Installation ist die Nutzung des Installationspakets, das auf der offiziellen Zettlr-Webseite angeboten wird.

Nach Anstoßen des Installationsvorgangs muss nur noch den Bildschirmanweisungen gefolgt werden. Die Installationsbeschreibung für andere Betriebssysteme wie Windows und Linux kann in der offiziellen Dokumentation von Zettlr eingesehen werden.

Zettlr Installation

In der offiziellen Installationsdokumentation können die unterschiedlichen Installationsmöglichkeiten eingesehen werden.

Wenn wir Texte ohne Verknüpfung zu Literaturquellen (bspw. Zotero-Datenbanken) schreiben wollen, so sind nach der Installation von Zettlr keine weiteren Schritte nötig. Für den Dateiexport und die Verknüfung und Nutzung unserer Literaturquellen sind jedoch noch zwei weitere Anwendungen zu installieren: Pandoc und LaTeX.

Pandoc installieren und einrichten

Pandoc ist ein Multidokumentenparser, der die Konvertierung in andere Formate ermöglicht. Pandoc selbst wird in der Regel auf Kommandozeilenebene verwendet. Dank der Exportfunktion von Zettlr bekommen wir davon nach der Installation jedoch nichts mit: Dateiim- und -exporte werden auf Mausklick angestoßen. Pandoc ist quelloffen und kann über die Installationshilfe von Zettlr installiert werden. Dazu gehen wir auf den Menüpunkt „Hilfe“ und wählen „Pandoc installieren“.

Pandoc installieren

Damit Zettlr Dateikonvertierungen durchführen kann ist die Pandoc-Installation erforderlich.

Wir werden zu Github weitergeleitet – einem netzbasierten Dienst zur Versionsverwaltung von Software – wo wir die aktuelle Pandoc-Version für unser benötigtes Betriebssystem runterladen können.

Zur Überprüfung klicken wir in Zettlr auf das Icon mit dem Blatt und dem Pfeil („Exportieren“) am oberen Bildschirmrand und wählen ein Export-Format aus, das wir mit einem weiteren Klick generieren:

Export

Der Export wird nun per Klick ausführbar.

Weiter geht es mit der Installation von LaTeX.

LaTeX installieren

LaTeX ist ein Textsatzsystem, das Anwender:innen durch Einsatz von Code viele Strukturierungsmöglichkeiten und Unterstützung bei der Leistungsverwaltung bietet. Wenn wir also nicht nur einfachste Texte exportieren, sondern zum Beispiel auch PDF-Dateien erzeugen wollen, so brauchen wir LaTeX. Wie bei Pandoc ist auch LaTeX quelloffene Software. Für die Installation gehen wir – wie bei Pandoc – auf den Menüpunkt „Hilfe“ am oberen Bildschirmrand und wählen hier „LaTeX installieren“ aus. Wir werden auf die Seite des LaTeX-Projektes weitergeleitet, wo wir uns für unsere Systemsoftware entscheiden. Weitere Informationen zur Installation von LaTeX gibt es auch in der offiziellen Dokumentation von Zettlr.

Haben wir die Installation von LaTeX durchgeführt, so ist fortan auch die Generierung von PDF-Dateien möglich.

PDF Export

Auch der PDF-Export gelingt mit einem Klick.

 

Einstellungen und Nutzung

Nachdem wir Zettlr kennengelernt haben und einen Blick auf die Installation geworfen haben, wollen wir nun einige Einstellungen und die Nutzung selbst betrachten. Die folgenden Screenshots entsprechen mit Ausnahme der „Beispielhaften Darstellung der Zitation anhand des Beitrages“ (Zettlr 1.8.3, macOS) der Zettlr-Version 1.8.2 (macOS). Die bis zu dieser Stelle verwendeten Screenshots entstammen der Version 1.8 von Zettlr.

Einstellungen

Das Einstellungsmenü von Zettlr verbirgt sich oben links hinter dem Zahnrad-Symbol:

Einstellungsmenü

Das Einstellungsmenü in Zettlr.

Für formale Optionen werfen wir hier zunächst einen Blick in den Reiter „Allgemein“:

Allgemein

  • Dunkles Thema;
  • Zusätzliche Dateiinformationen (Informationen wie Datum werden im linken Frame bei der Dateiablage direkt sichtbar);
  • Dateimanager-Ansicht (linker Frame, persönlicher Favorit ist hier die erweiterte Ansicht, die eine Extra-Spalte für die Unterordner der jeweiligen Oberordner öffnet, Alternative für mehr Schreibplatz in der Breite ist die Ansicht „kombiniert“).
Einstellungen

Allgemeine Einstellungsmöglichkeiten in Zettlr.

Editor

Im Tab Editor haben wir keine weiteren Änderungen vorgenommen.

Export
Im Tab Export gibt es für uns zwei wichtige Einstellungsmöglichkeiten:

  • Zitationsdatenbank;
  • CSL-Styledatei.
Verknüpfung CSL

Verknüpfung von Zitationsdatenbank und CSL-Datei.

Unter Zitationsdatenbank ist unsere Datei mit Literaturinformationen zu verstehen, die wir mit dem jeweils gerade geöffneten Dokument verknüpfen wollen. Erstellen wir also mit Zotero eine Datenbank und speichern diese als bib-Datei ab, so kann diese an dieser Stelle mit unserem Dokument verknüpft werden. Haben wir dies getan, so lassen sich die jeweiligen Stellen in einem Text mit der dazugehörigen Literaturinformation verbinden.

Mit der CSL-Styledatei sagen wir Zettlr, nach welchem Zitationsstil Zitationen in unserem Text angezeigt werden sollen. CSL-Dateien gibt es unter anderem auf der Webseite Citation Style Language beziehungsweise über das dort verlinkte CSL Style Repository. Wir haben uns für die Aufbereitung der Artikel von kommunikation@gesellschaft so beispielsweise für den Zitationsstil der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) entschieden. Die Datei wird nach dem Download an einem Ort unserer Wahl auf dem Rechner abgelegt und an dieser Stelle mit Zettlr verknüpft. Beispielhaft machen wir dies in der folgenden Darstellung mit dem oben erwähnten Zitationsstil:

Einbindung des Zitationsstils der DGPs.

Einbindung des Zitationsstils der DGPs.

Nachdem wir unser Dokument im Beispiel sowohl mit unserer Literaturdatenbank als auch mit einem Zitationsstil über die CSL-Datei verknüpft haben, kann durch Verwendung von Klammern und @-Zeichen ein direkter Zugriff auf die Literaturdatenbank erfolgen:

Zitation

Haben wir eine Stelle im Text, an der eine Litertaurquelle eingebunden werden soll, so leiten wir diese Zitation mit einem @-Zeichen ein.

In einem exportierten Dokument – zum Beispiel einer PDF-Datei – wird die Zitation den Informationen des ausgewählten Zitationsstiles entsprechend abgebildet:

Export PDF

Beispielhafte Darstellung der Zitation anhand des Beitrages.

Das war es. Nun können wir unsere wissenschaftlichen Texte mit dem Markdown-Editor Zettlr verfassen und in die jeweils benötigten Formate exportieren.

Zitationsansetzung
Es gibt natürlich zahlreiche Möglichkeiten eine Zitation anzusetzen. Soll – wie oftmals üblich – mit mehr Informationen als Autor:innen und Jahr zitiert werden, so muss der Zitationsschlüssel wie oben abgebildet in eckige Klammern gesetzt werden, während mit weiteren Informationen vor und nach diesem Schlüssel eine Erweiterung der Literaturangaben – beispielsweise um Seitenzahlen – erfolgt:

  •  [@Musterfrau2020, 3-5]

Auch mehrere Literaturquellen können angesetzt werden:

  •  [@Musterfrau2020, 3-5; @Mustermann, 8-9]

Weitere Möglichkeiten zur Ansetzung der Zitation können in der Dokumentation von Zettlr unter dem Punkt Zitieren mit Zettlr eingesehen werden.

Kurzbetrachtung der Oberfläche von Zettlr

Wir haben im vergangenen Beitrag u.a. diese Features von Zettlr aufgeführt und wollen diese nun kurz im Rahmen der Oberfläche aufzeigen:

Promodoro-Timer
Die Promodoro-Technik ist eine Methode des Zeitmanagements, bei der die vorhandene Zeit in feste Arbeits- und Pausenzeiten eingeteilt wird. Die Arbeit in Intervallen soll dem Fokus und der Produktivität der Schreibenden dienen.

Der Promodoro-Timer in Zettlr kann individuell genutzt werden.

 

Schreibstatistiken
Zettlr bietet Schreibenden auch eine Auswahl an Schreibstatistiken. Neben Wortzählung lassen sich hier über erweiterte Optionen auch Vergleiche zu anderen Schreibzeiträumen ziehen.

Schreibstatistiken in Zettlr.

Schreibstatistiken in Zettlr.

Dateiinformationen anzeigen
Neben generellen Schreibstatistiken bietet Zettlr am oberen rechten Bildschirmrand Dateiinformationen zum aktuell geöffneten Schreibprojekt.

Dateiinformationen in Zettlr

Für jedes Dokument stehen Dateiinformationen zur Verfügung.

 

Lesbarkeitsmodus
Der Lesbarkeitsmodus von Zettlr liefert – farblich kodierte – Einschätzungen zur Lesbarkeit des vorliegenden Textes. Somit kann bei Bedarf eine Unterstützung zur Verbesserung der Lesbarkeit in Anspruch genommen werden.

Lesbarkeitsmodus Zettlr

Farbliche Hervorhebungen im Lesbarkeitsmodus.

 

Zettelkastenfunktion
Der Zettelkasten ist ein bekannter Ansatz aus dem Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens. Die – vom Soziologen Niklas Luhman entwickelte – Methode setzt auf die Verknüpfung kürzerer und umfassenderer Notizen. Wie zu Beitragsbeginn erwähnt gibt es Eindrücke dazu in diesem Beitrag aus der Beitragsreihe #Notizschreibwochen2020.

Sollten noch Fragen zu diesen und weiteren Funktionen von Zettlr offen bleiben, so empfiehlt sich natürlich auch ein Blick in die umfassende Dokumentation.

Dateiimport mit Zettlr

Neben dem oben vorgestellten Dateiexport lassen sich mit Zettlr natürlich auch Dateiimporte realisieren. Im Projekt Modernes Publizieren haben wir so unter anderem für die Neuveröffentlichung des Journals kommunikation@gesellschaft ältere Beiträge, die im DOCX-Format vorlagen, in Markdown konvertiert, um diese für die Weiterverarbeitung hin zu einer Veröffentlichung nach Standards einer offenen Wissenschaft aufzubereiten. Anfangs wurden diese Importe noch direkt über Pandoc mittels Kommandozeilen umgesetzt, im weiteren Projektverlauf erwies sich die Konvertierung mit Zettlr jedoch als ebenso sauber und zeiteffizienter. Nachdem LaTeX und Pandoc installiert wurden, ist dies über Zettlr nämlich mit wenigen Mausklicks umsetzbar.

Dazu gehen wir in Zettlr am oberen Bildschirmrand auf den Punkt „Datei“ und wählen „Dateien importieren“.

Dateiimport Zettlr

Der Dateiimport in Zettlr funktioniert auf Klick ohne Kommandozeile.

Nun muss nur noch die entsprechende Datei ausgewählt und die Auswahl bestätigt werden. Innerhalb weniger Sekunden generiert Zettlr bereits eine – natürlich auch abhängig von der Komplexität der Urquelle – sehr sauber konvertierte Markdowndatei.

Bei Interesse und Neugier an der Nutzung von Zettlr bietet sich als möglicher Test auch ein – bereits in proprietären Schreibumgebungen wie Word begonnendes – Schreibprojekt an, da es mit wenigen Mausklicks importiert werden kann.

Fazit

Zettlr ist dank einiger Features, die für den Schreibprozess hilfreich sind eine gute Möglichkeit, ohne zu viele Optionen, die die Anwendung ausbremsen oder unübersichtlich werden lassen, in Markdown Texte unterschiedlicher Art zu verfassen und bei Bedarf auf Knopfdruck in zahlreiche Formate zu exportieren. Die Installation ist verhältnismäßig einfach durchzuführen, auch wenn es nach der Installation des Basisprogrammes für bestimmte Funktionen zusätzlicher Installationen wie Pandoc und LaTeX bedarf.

Wie vielleicht bereits in diesem Beitrag deutlich wurde, bringt das Schreiben in Markdown viele Vorteile mit sich, so dass sich unserer Meinung nach auch nach jahrelanger Schreibarbeit mit Word, Pages und anderen proprietären Schreibanwendungen zumindest das Ausprobieren neuer Schreibmöglichkeiten, -anwendungen und -kulturen wie beispielsweise mit Zettlr lohnt.

Was haltet ihr von Zettlr? Habt ihr diesen oder andere Markdowneditoren bereits ausprobiert oder plant es? Teil es uns gerne in den Kommentaren mit.

 

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Schreiben mit Zettlr – Open-Source-Markdowneditor für Texte aller Art“ von Florian Hagen und Axel Dürkop, Lizenz: CC BY 4.0. Beitragsbild „Füller“ von Florian Hagen (CC BY 4.0.). Der Beitrag steht als Markdown-, DOCX- und PDF-Datei zur Verfügung.
Schreibutensilien auf Schreibtisch

Die NOTIZ-Regel für erfolgreiches Notieren (Gastbeitrag von Nele Hirsch) #Notizschreibwochen2020

In meiner Arbeit als freiberufliche Pädagogin mache ich mir sehr häufig Notizen. Zum Beispiel in folgenden Situationen:

  • Ich lese oder höre etwas, das ich spannend finde.
  • Ich bespreche mit anderen Planungen für ein Projekt.
  • Ich lerne etwas und halte es für mich fest.
  • Ich finde ein Material, das ich weiternutzen will.
  • Ich dokumentiere eine Session oder einen Workshop.

Für die #Notizschreibwochen2020 möchte ich gerne teilen, wie das Notieren in diesen und anderen Situationen für mich erfolgreich klappt. Damit man sich das einfacher merken kann, habe ich mein Vorgehen die NOTIZ-Regel getauft. Die Buchstaben in NOTIZ stehen für Nutzen, Organisieren, Teilen, Ineinanderlegen und Zusammenfassen. Was ist damit genau gemeint?

Nutzen

Mir begegnen Tag für Tag viele spannende Projekte, Ideen, Links und Kontakte. Schnell sammelt sich hier immer mehr an. Um den Überblick nicht zu verlieren, lautet meine erste Regel beim Notieren: Was ich festhalte, versuche ich möglichst direkt – aber mindestens in den nächsten Tagen – auch direkt zu nutzen. Zum Beispiel kann ich etwas Gelerntes direkt in der Praxis ausprobieren oder einen spannenden Gedanken auf den ich gestoßen bin, in meinen eigenen Worten wiedergeben. Weil das aber nicht immer sofort funktioniert, nutze ich zusätzlich ein Bookmarking-Tool (Ich habe mich für Wallabag entschieden, weil es Open Source und ein sympathisches Projekt ist, es gibt aber viele andere). Meine ‚Read-it-Later‘-Liste schaue ich dort aber mindestens einmal die Woche durch: Entweder mache ich dann direkt etwas mit den festgehaltenen Links – oder ich lösche sie wieder.

Organisieren

Wer Notizen macht, muss diese irgendwo festhalten. Ich habe hier sehr gute Erfahrungen damit gemacht, nicht primär ein spezifisches Notiz-Tool zu verwenden, sondern Dinge direkt da hinzuschreiben und festzuhalten, wo ich sie benötige. Ich bezeichne das als Notiz-Organisation. Konkret bedeutet das: Wenn ich ein Seminar vorbespreche, dann packe ich meine Notizen dazu in den Kalendereintrag des Seminars. Wenn ich ein neues Material finde, das ich vorstellen will, dann packe ich es auf meine Liste von Blogbeiträgen, die ich schreiben will. Wenn ich mit anderen im Rahmen eines gemeinsamen Projektes spreche, dann haben wir dazu in der Regel ein ‚Projekt-Master-Doc‘ angelegt, in das ich das notieren kann. Für Sachen, die ich oft gefragt werde, habe ich Mail-Vorlagen, die ich immer ergänzen kann, wenn ich etwas Neues lerne. Als ich wissenschaftliche Arbeiten geschrieben habe, bedeutete ‚Organisieren‘ für mich, dass ich etwas Gelesenes direkt als Vermerk an die richtige Stelle in meiner Gliederung packte – und so beim Ausarbeiten der betreffenden Stelle wieder darauf stieß.

Für alles, was wirklich gar nirgends hinpasst, habe ich dann die oben beschriebene ‚Read it later-Liste, die aber ja – wie dargestellt – das Organisieren oder Nutzen der Notiz nur für maximal eine Woche aufschiebt.

Teilen

Eng verwandt mit dem Nutzen, ist für mich das Teilen. Teilen bedeutet: Wenn ich etwas für mich notieren will, dann überlege ich immer direkt mit, ob das vielleicht auch für andere von Interesse sein könnte und wie ich es in diesem Fall teilen könnte. Das kann bedeuten, dass ich einem Kollegen einen Link zu einem gefundenen Artikel sende, weil ich weiß, dass er sich gerade auch mit dem Thema beschäftigt oder dass ich etwas dazu twittere. Das ist nicht nur nett für andere, sondern vor allem auch für mich sehr effizient. Denn durch das Teilen mit anderen verankert sich die Notiz in meinem Kopf und ich muss sie gar nicht mehr weiter notieren. Und/ oder habe ich sie irgendwo öffentlich geteilt, wo ich dann genau wie alle anderen später bei Bedarf wieder darauf zugreifen kann.

Ineinanderlegen

Ineinanderlegen bedeutet, dass es für mich in vielen Fällen sehr viel besser ist, kollaborativ etwas zu notieren als nur für mich allein. Sehr gute Erfahrungen habe ich dazu z.B. bei der Dokumentation von Veranstaltungen gemacht, bei der jede Person das festhält, was für sie am wichtigsten ist – und dadurch, dass man eine kollaborative Schreibumgebung wie z.B. ein Etherpad nutzt, am Ende ein wunderbarer gemeinsamer Notizzettel dabei rauskommt. Auch Twitter (oder vielleicht sogar das ganze Internet) ist im Grunde ja nichts anderes als ein riesig-umfangreicher kollaborativer Notizzettel. Und ich bin beim Notieren sehr viel gelassener geworden, seit ich mir bewusst gemacht habe, dass ich eigentlich fast alles, über kluge Internet-Suchen wiederfinden kann 🙂

Zusammenfassen

Meine Notizen sind in der Regel sehr kurz. Das Zusammenfassen ist für mich dabei direkt eine Form der Nutzung. Ich versuche beim Notieren immer erst kurz Innezuhalten und mich zu fragen: Was ist die eine wichtige Idee für mich, die ich in der Notiz festhalten will? Links ergänze ich um eine kurze eigene Beschreibung dazu, was ich hinter dem Link finde und was daran für mich relevant ist. Twitter ist für mich unter anderem auch deshalb so ein tolles Notiz-Tool, weil dort das Zusammenfassen durch die Zeichenbegrenzung verpflichtend ist.

Fazit: Ausprobieren!

Beim Schreiben dieses Beitrags wurde mir bewusst, dass sich die Art und Weise meiner Notizen-Praxis in den letzten Jahren immer wieder verändert hat. In diesem Prozess war und ist es für mich spannend und spaßig, mit unterschiedlichen Tools und Methoden zu experimentieren. Mein abschließender Rat lautet deshalb: Es ist immer eine gute Idee, sich Offenheit zum Lernen und Erkunden zu bewahren. Das gilt auch für Notizen!

Über die Autorin:

Nele Hirsch berät und unterstützt in dem von ihr gegründeten eBildungslabor als freiberufliche Pädagogin bei der Realisierung einer zeitgemäßen Bildung. Sie twittert als @eBildungslabor. Die NOTIZ-Regel hat sie erst für diesen Blogbeitrag ‚erfunden‘, als sie über ihre eigene Praxis nachdachte.

 

CC0/Public Domain
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Für dieses Werk wird kein urheberrechtlicher Schutz beansprucht, Freigabe unter CC0 1.0/Public Domain. Optionaler Hinweis gemäß TULLU-Regel: Die NOTIZ-Regel für erfolgreiches Notieren (Gastbeitrag von Nele Hirsch) #Notizschreibwochen2020“ von Nele Hirsch, freigegeben als: CC0 1.0/Public Domain. Beitragsbild „Notizmaterialien“ von Florian Hagen (CC0 1.0/Public Domain). Der Beitrag steht als Markdown-, DOCX- und PDF-Datei zur Verfügung.
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