Wie komme ich an Ideen für meine Abschlussarbeit? Vier Ansätze zur Unterstützung bei der Ideenfindung

Langsam neigt sich das Studium dem Ende entgegen. Der Abschluss rückt in greifbare Nähe. Letzte Hürde Abschlussarbeit. Doch – wie vielleicht schon von Hausarbeiten gewohnt – macht sich Druck bemerkbar. Denn schon vor Beginn der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit lauert die erste Herausforderung: Wir brauchen eine Idee. Aus ihr entwickelt sich in vielen kleinen Schritten die gesamte Arbeit. Einfacher gesagt als getan. Nicht selten löst schon der Gedanke an die Ideen- und Themenfindung unwohlsein aus. Wo fange ich an? Wie gehe ich vor? Es gibt unterschiedlichste Wege, um zu einem Thema zu kommen. Im Rahmen von Seminaren gibt es nicht selten einige grobe Themenvorschläge zur Anregung. Und auch ein Blick auf die Institutsseiten von Hochschulen oder in Profile der Dozierenden kann inspirieren. Sollte all das nicht helfen, kann spontanes Brainstorming, bei dem wir ungeordnet Ideen aufschreiben, zum Ziel führen.

Wenn es jedoch möglichst früh schon etwas mehr Struktur bei der Ideenfindung sein darf, dann gibt es auch hier einige Ansätze, mit denen sich anstehende Schreibprojekte stressfreier beginnen lassen. In diesem Beitrag stellen wir mit dem wissenschaftlichen Ideenjournal, Cluster, Strukturbaum sowie Fragen als Auslöser der Ideenfindung vier Ansätze vor, die auch Bestandteil unseres im Jahr 2019 neu konzeptionierten Bachelorseminars Wissenschaftliches Arbeiten sind.

Ideenfindung mit Struktur

Auch Ideenfindung kann mit Struktur unterstützt werden.

1. Wissenschaftliches Ideenjournal

Eine Möglichkeit langfristig strukturiert vorzugehen, ist das wissenschaftliche Ideenjournal (nicht zu verwechseln mit wissenschaftlichen Journals, in denen Fachbeiträge veröffentlicht werden). Im Idealfall fangen wir bereits früh im Studium mit der Führung des Journals an. Die Form ist dabei nicht fest vorgegeben:

Ideenjournal

Beispiele wissenschaftlicher Ideenjournals.

Merkheft, App, Mappe oder Ringordner – digital oder analog: wir entscheiden uns für die Notizumgebung, die uns ganz individuell am angenehmesten ist und notieren Hinweise, Fragen, Eindrücke, Aussagen aus Vorlesungen, Seminaren, Gesprächen und dem Studierendenalltag. Dies können beispielsweise sein:

  • Fragen aus der Forschung;
  • Hinweise auf Quellen und Literatur (Artikel, Videos, Statistiken, Autoren, Fachexperten);
  • eigene Funde in analogen und digitalen Medien (Zeitungen, Zeitschriften, Webseiten, etc.);
  • Aussagen, Zitate, Zahlen, Themen, Emotionen, die bei uns zu Interesse oder Beschäftigung mit einem wissenschaftlichen Inhalt geführt haben;
  • Hinweise auf Konferenzen und andere Veranstaltungen;

Zusammengefasst kann alles, was die wissenschaftliche Neugier auf irgendeine Art und Weise berührt, notiert werden. Auf diese Notizen kann je nach Zeit, Neugier oder Geistesblitz („Da war doch mal was?) zurückgegriffen werden. Nicht selten ist es ein unerwarteter Impuls in Bus, Bahn oder Urlaub, der uns die Chance gibt, eine bestimmte Idee weiterzuverfolgen und eine Verbindung zwischen von uns notierten älteren Gedanken und neuen Ideen ermöglicht. Frühere Ideen geraten so nicht in Vergessenheit und können auch später noch in Ergebnisse münden.

Darüber hinaus ist ein großer Vorteil für Schreibende, dass eigene Stärken, Schwächen und Vorlieben bewusst ausgemacht werden können. So wird beispielsweise das Wahrnehmen eigener Forschungsinteressen gezielt unterstützt. Langfristig ist so eine bessere Orientierung im Studium und darüber hinaus möglich (so kann ein Thema oder zumindest Forschungsfeld für wissenschaftliche Haus- und Abschlussarbeiten ohne großen Mehraufwand oder Zeitdruck ausgewählt werden).

2. Cluster

Das Clustern (englisch: Traube, Büschel) eignet sich auch für die kurzfristige Entwicklung von Ideen. Dabei werden aus zentralen Impulsen assoziativ weitere Ideen entwickelt. Um den zentralen Begriff bilden sich Ideennetze. Dabei besteht in der Regel keine logische, sondern eine intuitive Ordnung.

Vorgehen:

  • Eine Aussage, ein Wort, ein Wert, etc. wird ins Zentrum des Clusters gesetzt;
  • Alles was einem zu diesem Begriff spontan einfällt, wird ohne langes nachdenken oder Selbstzensur notiert und mit dem zentralen (übergeordneten) Begriff verbunden;
  • Jedes Wort beziehungsweise jede Idee wird dabei selbst zu einem neuen Kern innerhalb des Clusters;
  • Sobald eine Ideenkette erschöpft ist, wird vom Zentrum ausgehend die Entfaltung einer neuen Ideenkette gestartet;
  • Sobald die Ideenfindung ins stocken gerät, kann das Clusterverfahren abgeschlossen werden;
  • Ausgehend vom Cluster wird ein kurzer Clustertext formuliert (Fließtext auf Basis des Aspektes, der uns am meisten interessiert, am ungewöhnlichsten oder anregendsten erscheint). Diese abgeleitete Schreibidee kann zum Beispiel auf einer Ideenkette oder neu entdeckten Querverbindungen zwischen Begrifflichkeiten basieren.
Ideencluster

Beispiel-Cluster zum Thema „Lesen“.

Ähnlich wie ein Cluster können Mindmaps aufgebaut sein. Diese sortieren in der Regel aber bereits Inhalte, um das eigentliche Thema direkt strukturierter anzugehen. Während es beim Clustern also um die schnelle Entwicklung von Ideenketten geht, bremst man beim Erstellen einer Mindmap das Tempo, um Struktur und Übersicht vorab zu planen. Das Clustern kann durch das Weglassen zu kritischer Betrachtung somit ein guter Einstieg in den Ideenfindungs- und Schreibprozess sein.

Mehr zum Thema Cluster:
RICO, Gabriele L., 2004. Garantiert Schreiben Lernen: Sprachliche Kreativität
methodisch entwickeln. Ein Intensivkurs auf der Grundlage der modernen Gehirn-
forschung. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag. ISBN: 978-3-499-61685-3

3. Strukturbaum

Der Strukturbaum erinnert zunächst an das Clusterverfahren, ist aber eher vergleichbar mit dem Mindmapping. Auch hier bilden wir einen zentralen Begriff. Zusätzlich werden weitere Subkategorien angesetzt. Somit werden durch mehr Struktur verschiedene Facetten eines Zentralthemas betrachtet. Erst im Rahmen dieser Unterkategorien folgen wir den Assoziationsketten. Es lassen sich aber auch weitere Kategorien bilden, so das einer möglicherweise zu einseitigen Denkrichtung vorgebeugt wird. Die visuelle Darstellung soll das bewusste Verlassen einseitiger Denkansätze unterstützen. Hilfreich ist dieser Ansatz vor allem, wenn unter anderem das Clusterverfahren überwiegend einseitige Ideen ergibt.

Strukturbaum

Beispiel eines Strukturbaumes.

Es kommt bei dieser Sammlung an Begrifflichkeiten nicht auf eine klare Kategorientrennung an. In erster Linie steht das Ausschliessen einer vorschnellen Einengung des eigenen Blicks im Vordergrund.

Mehr zum Thema Strukturbaum:
Roth, Richard: Arbeits- und Präsentationstechniken 3 : SS 2014. – Stand: 2014
https://www.thm.de/wi/images/user/roth-65/Downloads/APT_3_SS_2014.pdf.
– Abruf: 2020-08-26

4. Fragen als Auslöser der Ideenfindung

Pro- und Contra-Listen sind fester Bestandteil unseres Alltags. Neuer Job, ja oder nein? Fange ich eine längere Weiterbildung an? Welcher Studiengang ist der richtige für mich und ist der Umzug wirklich eine gute Idee? Wohl kaum eine andere Methode wird so häufig für alltägliche Entscheidungen genutzt und so ist auch ein Einsatz für die Themenfindung einer wissenschaftlichen Arbeit denkbar, wenn bereits eine grobe Idee vorhanden ist:

Pro Contra Bemerkungen
– umfassende Literatur vorhanden – Aktualität der Forschung – Trendthema oder langfristig von Bedeutung?
– Fachexperten für das Thema bereits identifiziert – Verfügbarkeit für Interviews unklar – Machbarkeit hinsichtlich Datenauswertung/ Abgabefrist?
– Partner für praktische Umsetzung vorhanden – Gefahr externer Abhängigkeit – Kontaktperson bzgl. Verfügbarkeit im Bearbeitungszeitraum kontaktieren

Auch eine individuelle Abwägung des Themas kann über einen Fragenkatalog erfolgen. So können wir für uns abwägen, was wirklich für und/ oder gegen ein Thema spricht (gerade wenn das Thema noch abgegrenzt werden muss oder Potential für eine inhaltliche Schwerpunktverschiebung vorhanden ist):

  • Was interessiert mich am Thema bzw. was spricht dafür?
  • Was ist mir unklar bzw. was verwirrt mich?

Diesen Ansatz können wir am Beispiel „Marketing für öffentliche Einrichtungen“ durchspielen:

Was fasziniert mich Was ist mir unklar? Bemerkungen
– Marketing fasziniert mich im Alltag – Abgrenzung nötig, da zahlreiche Marketingformen existieren – Schreiben aktuell Kommilitonen an dem Thema, kann dies bei Abgrenzung berücksichtigt werden
– Marketing kann unterschiedlich aufgefasst werden – Gibt es in der Praxis aktuelle Beispiele Exaktere Abgrenzung, dann Best-Practice-Recherche
– Durch Informationsüberfluss und digitalen Wandel immer wieder neue Forschung nötig – Wo genau bekomme ich aktuelle Informationen? – Je nach Form, also vorher weiter abgrenzen oder erst generellen Überblick durch umfassende Einarbeitung?

Und wie geht es weiter?

Wenn wir eine Idee beziehungsweise ein konkretes Thema haben, so lohnt sich das Nachdenken über eine erste Übersicht zum anstehenden Schreibprojekt. In dieser können wir unter anderem die Grundidee, Ziele und angedachte Arbeitsschritte festhalten, um unsere Planung zu erleichtern. Einen Einstieg dazu bieten die Beiträge Kurz erklärt – was ist eigentlich ein Exposé? und Aller Anfang ist schwer – eine kleine Starthilfe für das Verfassen eines Exposés.

Was macht ihr, wenn sich der Geistesblitz bei der Ideenfindung einfach nicht einstellt? Setzt ihr bekannte Methoden ein? Oder sind es vielleicht Gespräche mit Freunden, Bekannten, Kolleg:Innen oder Kommilitonen, die Kreativität und Einfallsreichtum bei euch wieder ankurbeln? Teilt es uns gerne in den Kommentaren mit.

 

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