Worüber soll ich eigentlich schreiben? Eine der häufigsten Fragen zu Beginn unseres Seminars. In diesem Beitrag teilen wir ausprobierte Methoden zur Ideenfindung, inklusive Arbeitsblatt.
Gedanken, Ideen und Materialien zu Offenheit in Wissenschaft, Forschung und Lehre
Texte zu schreiben ist schwer. Doch oft liegt die eigentliche Hürde noch davor: Worüber soll ich überhaupt schreiben?
In unserem Seminar „Wissenschaftliches Arbeiten“ begleiten wir Studierende durch den gesamten Prozess einer wissenschaftlichen Arbeit: Vom Finden einer Themenidee über Exposé, Recherche, Literaturverwaltung und Zitieren bis hin zum fertigen Text und der Präsentation der Ergebnisse. Gerade der Anfang ist dabei oft besonders herausfordernd.
Wir geben zwar zur Anregung ausgewählte Themen als Orientierung vor, möchten Studierende aber vor allem motivieren, eigene Themen zu entwickeln. Unsere Erfahrung: Wenn echtes Interesse vorhanden ist, fällt der Einstieg leichter, und oft entstehen dabei die besseren Arbeiten. Das gilt besonders dann, wenn viele Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens zum ersten Mal erprobt werden. In der Vergangenheit hatten wir so schon sehr unterschiedliche und spannende Themen: vom Schiedsrichterdasein im Kreisklassenfußball über die Konsistenz von Zimtsternen bis zur Analyse von Trashfilmen, aber genauso fachlich näherliegende Themen an der TUHH wie KI-generierter Code im Vergleich zu menschlichem Code, klimaneutrales Bauen oder Wasserstoff als alternative Antriebsform.
Der Beitrag ist in folgende Abschnitte unterteilt:
Ein häufiges Bild zu Seminarbeginn: Manche Studierende wissen grob, in welchem Themenfeld sie sich bewegen möchten, aber nicht, wie sie daraus eine konkrete Frage entwickeln sollen. Andere haben noch gar keine Vorstellung, worüber sie schreiben wollen. In beiden Fällen zeigt sich: Das Problem liegt oft nicht an mangelnder Kreativität, sondern daran, dass konkrete Werkzeuge fehlen, um aus einem Gefühl (oder dem kompletten Fehlen eines solchen) ein Thema zu machen.
Im Sommersemester 2026 haben wir die Einheit zur Ideenfindung angepasst und erweitert. Dazu inspiriert haben uns unter anderem Rückmeldungen aus vergangenen Semestern. Nach einer kurzen Einführung in theoretische Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens und einer gemeinsamen Plenumserfahrung mit Ansätzen wie Clustern und Strukturbaum (mehr dazu auch in einem früheren Beitrag zur Ideenfindung) haben wir drei weitere Methoden eingeführt, die Studierende individuell mithilfe eines Arbeitsblattes ausprobieren konnten:
Ziel: In knapp 15 Minuten zu einer ersten, vorläufigen Forschungsfrage kommen.
Die drei Methoden verfolgen bewusst unterschiedliche Zugänge:
So werden verschiedene Lerntyp*innen angesprochen und es wird deutlich: Ideen müssen nicht zufällig entstehen, sondern können auch durch gezielte Perspektivwechsel geweckt werden.
Die Übung war eingebettet in eine Einheit zu Methoden der Ideenfindung, in der wir zuvor gemeinsam verschiedene Ansätze im Plenum ausprobiert hatten. Der Ablauf:
Das Arbeitsblatt diente dabei als strukturierende Unterstützung mit einem klaren Ergebnisfeld am Ende: der vorläufigen Forschungsfrage.
Im GitLab-Repository von tub.torials steht das Arbeitsblatt in verschiedenen Formaten gemeinsam mit dem Blogbeitrag zum Download bereit.
Im anschließenden Austausch wurde deutlich, wie unterschiedlich die Methoden ankommen. Angesichts der verschiedenen Lerntyp*innen in einer Seminargruppe ist dies natürlich wenig überraschend.
Methode 1: „Ärger und Lücken“
Diese wurde als besonders niedrigschwellig beschrieben. „Man kommt gut rein, da es wirklich einiges gibt, das mir dann direkt in den Kopf kam.“ Viele Studierende berichteten, dass sie bei diesem Ansatz schnell bei Themen aus ihrem eigenen Studienalltag landeten und direkt „ins Doing“ kamen.
Methode 2: W-Fragen-Technik
Methode 2 hatte ebenfalls Befürworter*innen, während andere die vorgegebenen Fragen als zu einengend empfanden. Darüber hinaus wurde die Einstiegsformulierung „grobes Interessengebiet“ von einigen als zu vage empfunden. Dies ist nachvollziehbar, da ein unklares Interessengebiet genau das Problem ist, das die Methode eigentlich lösen soll.
Methode 3: „Bekanntes und Fremdes kombinieren“
Diesen Ansatz konnten viele Studierende aufgrund der knappen Zeit nicht adäquat ausprobieren. Dennoch wurde er im Plenum vereinzelt als „spannend“ beschrieben, da die freie Kombination aus persönlichem Interesse, Fachbegriff und aktuellen Entwicklungen beim kurzen Ausprobieren bereits ungewohnte Denkwege anzustoßen scheint. Damit könnten genau jene Querverbindungen angeregt werden, aus denen auch originelle Themen entstehen.
Positiv hervorgehoben wurde zudem der Abschluss des Arbeitsblattes: Dass am Ende eine vorläufige Forschungsfrage stehen soll, gab der Übung eine klare Richtung.
Für Methode 2 würden wir die Einstiegsformulierung anpassen und deutlicher machen, dass die vorgegebenen Fragen als Anregung gedacht sind. Eigene Fragen, die besser zum jeweiligen Interessengebiet passen, sind ausdrücklich erwünscht. Ergänzend wäre ein konkretes Durchlaufbeispiel hilfreich, das den Einstieg erleichtert. Die Einstiegsformulierung im hier bereitgestellten Arbeitsblatt ist bereits entsprechend angepasst.
Für Methode 3 (oder die komplette Einheit) würden wir mehr Zeit einplanen, damit der Ansatz wirklich ausprobiert werden kann. Das Feedback deutete an, dass hier noch einiges an Potenzial liegt und der Zeitrahmen insgesamt etwas großzügiger sein könnte. Da der Seminarplan bereits eng getaktet ist, wäre eine Option, die Übung künftig in den Do-Sessions weiterzuführen. In diesen können Studierende frei an ihren Themen arbeiten. Alternativ könnte der theoretische Input zugunsten solcher praktischen Übungen mit direktem Plenumsaustausch reduziert werden.
Unsere Eindrücke aus dieser Einheit und dem Feedback vergangener Semester: Studierende tun sich selten aufgrund mangelnder Kreativität mit der Themenfindung schwer. Eher scheint es, dass es hilft, konkrete Werkzeuge und Ansätze nicht nur zu kennen, sondern sie auch aktiv einmal auszuprobieren und so aus vagen Interessen greifbare Themen zu entwickeln. Ideenfindung ist damit weniger eine Frage von Kreativität als von geeigneten Methoden.
Grundsätzlich wurde die Übung positiv aufgenommen. Mehrere Studierende äußerten, dass sie sich so besser ausgestattet fühlen, wenn es darum geht, aus einem Interesse eine Frage oder zumindest eine Themenidee für eine wissenschaftliche Arbeit zu entwickeln.
Wir sind gespannt, welche Erfahrungen andere mit ähnlichen Ansätzen gemacht haben: Welche Methoden oder Übungen nutzt ihr, um Studierende beim Finden eines Themas zu unterstützen? Und was hat euch selbst geholfen, als Studierende oder Lehrende? Teilt gerne eure Erfahrungen in den Kommentaren, per Mail oder auch über Mastodon (@flohnsen@openbiblio.social).

Das neue Semester steht vor der Tür. Und ich frage mich einmal mehr: Welche Dinge hätte ich mir gewünscht, früh zu wissen? Einfach und ohne lange Erklärungen.
Der Semesterstart an der Uni hat immer etwas Widersprüchliches. Einerseits: Aufbruchsstimmung. Neue Kurse, neue Themen, vielleicht sogar neue Vorsätze. Andererseits: dieses leise Gefühl, dass alle anderen irgendwie wissen, wie das hier funktioniert. Nur man selbst nicht so ganz. Zumindest fühlt es sich oft so an.
Ich arbeite seit einigen Jahren im Umfeld von Lehre und Bibliothek und begegne diesem Gefühl regelmäßig. Bei Studierenden, aber ehrlich gesagt auch bei mir selbst in verschiedenen Phasen. Deshalb schreibe ich das hier nicht als Ratgeber, sondern eher als das, was ich mir damals gewünscht hätte, einfach mal gesagt zu bekommen.
Zwölf konkrete Tipps für den (Ersti-)Semesterstart habe ich übrigens schon mal aufgeschrieben. Du findest sie im Beitrag „Wenn ich nochmal Ersti wäre …“. Heute geht es mir um etwas anderes.
Das klingt nach einem dieser Motivationssätze, die man auf vielen Webseiten oder Postkarten findet. Fast hätte ich ihn deshalb gestrichen. Aber es ist eher eine praktische Beobachtung.
Viele warten im Studium darauf, „fertig gedacht“ zu haben, bevor sie anfangen zu schreiben. Ein mögliches Problem: Das Denken passiert oft erst beim Schreiben. Ein erster Entwurf darf unrund sein. Vielleicht soll er das sogar. Wer das verinnerlicht, schreibt schneller, klarer und mit deutlich weniger Blockaden.
Dasselbe gilt für Fragen stellen. Nicht zu wissen, wie eine Literaturrecherche „richtig“ funktioniert, ist keine Schande. Es ist ein Ausgangspunkt. Viele haben das nie systematisch gelernt, tun aber trotzdem so, als wäre es selbstverständlich. Das führt dazu, dass man lieber schweigt, als nachzufragen. Dabei wäre die Frage oft der schnellste Weg nach vorne.
Wer eine Quelle nennt, sagt damit: Diese Idee stammt nicht von mir. Das ist nicht nur Formalität oder Bestandteil der Guten Wissenschaftlichen Praxis, sondern Respekt. Respekt gegenüber den Menschen, deren Arbeit man nutzt sowie gegenüber den Lesenden. Und auch gegenüber uns selbst. Denn nach ein paar Monaten haben auch wir, oder zumindest ich, oft schon vergessen, woher eine Information kam. Wer den Sinn dahinter versteht, hat automatisch weniger Stress mit Zitierstilen. Denn dann geht es nicht mehr ums Regelwerk, sondern ums Prinzip.
Wenn du tiefer in das Thema Zitieren einsteigen möchtest:
Google Scholar ist ein Anfang. Aber nur ein Anfang. Wer früh lernt, wie Datenbankrecherche funktioniert, welche Suchbegriffe helfen und wie man Quellen bewertet, spart sich später viel Zeit. Und noch mehr Nerven.
Was ich dabei selbst lange unterschätzt habe: wie viel leichter es ist, wenn man überhaupt erstmal weiß, wo man suchen kann. Abseits der bekannten Suchmaschinen. Angebote wie OpenAlex gab es zu meiner Studienzeit noch nicht. Oder ich kannte zumindest nichts Vergleichbares. Aber ich wünschte, es hätte sie gegeben. Mit OpenAlex kannst du heute ohne Zugangshürden einfach mal schauen, was in bestimmten Themenbereichen oder an deiner eigenen Hochschule eigentlich in der Forschung passiert.
Wenn du mehr über die Literaturrecherche mit OpenAlex erfahren möchtest:
Das hat mich lange beschäftigt. Die Idee, dass man erst denkt und dann schreibt, klingt logisch. Funktioniert aber (bei mir) selten so. Oft entsteht Klarheit erst durch das Schreiben selbst.
Free Writing ist dafür eine einfache Methode: einfach drauflosschreiben, ohne zu werten, ohne zu korrigieren. Was dabei rauskommt, ist selten perfekt. Aber es ist ein Anfang. Und der zählt.
Wenn du dich näher mit Free Writing oder deinen eigenen Schreibgewohnheiten beschäftigen möchtest:
Es gibt Tools, die man irgendwann entdeckt und denkt: Warum hat mir das niemand früher gezeigt? Zotero gehört für mich dazu. Zotero ist kostenlos, open source und hilft dir dabei, Literatur zu verwalten. Klingt erstmal nach etwas, das erst kurz vor der Abschlussarbeit relevant wird. Ist es aber nicht.
Literatur sammelt sich an. Leise, aber stetig. Ein Paper hier, ein Buchkapitel da, ein Link, den du schnell irgendwo abspeicherst und drei Wochen später nicht mehr wiederfindest. Was ich lange gemacht habe: mir Dinge selbst per Mail zu schicken oder dutzende Tabs offen zu lassen. Funktioniert kurzfristig. Aber nicht über Wochen. Bei mir entwickelte sich dann immer eine Art Druckgefühl.
Mit Zotero geht das deutlich einfacher. Mit wenigen Klicks kannst du Quellen direkt aus dem Browser speichern: strukturiert, wiederauffindbar und ohne Umwege. Und es sind genau diese kleinen Dinge, die den Unterschied machen: keine Texte mehr selbst irgendwo hinschicken, keine Tabs „für später“ offen lassen. Dinge landen direkt da, wo du sie später auch wiederfindest.
Was viele auch nicht wissen: Mit der Zotero-App (Zotero for mobile) kannst du die ISBN von Büchern scannen. Die bibliografischen Daten landen direkt in deiner Zotero-Sammlung. Synchronisiert über alle Geräte. Kein Abtippen, kein schnelles Foto mehr, das später in der sowieso schon viel zu schnell wachsenden Fotosammlung untergeht.
Das klingt nach Komfort. Und das ist es auch. Dabei habe ich hier nur ein paar der Features angesprochen. Zotero steckt voller kleiner und größerer Funktionen, die das Arbeiten mit Literatur deutlich erleichtern. Aber das Wichtigste bleibt: Wer seine Literatur im Griff hat, kann sich mehr auf das konzentrieren, was eigentlich zählt: das Lesen, Denken und Schreiben.
Wenn du mehr über die Grundlagen und weitere Funktionen von Zotero erfahren möchtest:
Die Universitätsbibliothek TUHH bietet freitags in der Zeit von 09:00 bis 09:30 Uhr auch eine Sprechstunde zum Thema Literaturverwaltung an. Diese wird per Zoom angeboten.
Zugangsdaten:
Wenn du Zotero lieber einmal live und kompakt kennenlernen möchtest: Am 6. Mai 2026 biete ich bei der Langen Nacht des Lernens in der Universitätsbibliothek der TUHH einen Crashkurs an. Das Wichtigste in zwanzig Minuten. Alle Details zu den Sessions gibt es nach Ostern in einem eigenen Blogbeitrag der Universitätsbibliothek (Klicke hier).
Der Semesterstart ist kein Moment, in dem man schon alles wissen muss. Er ist ein Moment, in dem man anfangen kann. Mit dem Schreiben, mit den Fragen, mit den Tools, die einem das Arbeiten leichter machen.
Viele der Werkzeuge und Materialien, die dir dabei helfen können, sind frei zugänglich. Ganz im Sinne verschiedener Openness-Bewegungen wie Open Educational Resources, Open Access oder Open Source. Sie sind offen, nachnutzbar und darauf ausgelegt, Wissen zugänglich zu machen. Für alle, nicht nur für die, die Zugang haben.
Und noch etwas: Das Impostor-Gefühl, also das Gefühl, weniger zu wissen als alle anderen, ist weiter verbreitet, als man denkt. Vielleicht hilft es, das einfach mal laut zu sagen. Wenn du bei Recherche, beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten oder bei der Literaturverwaltung nicht weiterkommst: Genau dafür sind wir als Universitätsbibliothek da.

Was wäre deine ehrliche Ansage an dich selbst zu Semesterbeginn? Ich bin gespannt auf eure Gedanken in den Kommentaren, per Mail oder auch über Mastodon (@flohnsen@openbiblio.social).
