Das neue Semester steht vor der Tür. Und ich frage mich einmal mehr: Welche Dinge hätte ich mir gewünscht, früh zu wissen? Einfach und ohne lange Erklärungen.
Der Semesterstart an der Uni hat immer etwas Widersprüchliches. Einerseits: Aufbruchsstimmung. Neue Kurse, neue Themen, vielleicht sogar neue Vorsätze. Andererseits: dieses leise Gefühl, dass alle anderen irgendwie wissen, wie das hier funktioniert. Nur man selbst nicht so ganz. Zumindest fühlt es sich oft so an.
Ich arbeite seit einigen Jahren im Umfeld von Lehre und Bibliothek und begegne diesem Gefühl regelmäßig. Bei Studierenden, aber ehrlich gesagt auch bei mir selbst in verschiedenen Phasen. Deshalb schreibe ich das hier nicht als Ratgeber, sondern eher als das, was ich mir damals gewünscht hätte, einfach mal gesagt zu bekommen.
Zwölf konkrete Tipps für den (Ersti-)Semesterstart habe ich übrigens schon mal aufgeschrieben. Du findest sie im Beitrag „Wenn ich nochmal Ersti wäre …“. Heute geht es mir um etwas anderes.
Fang an, auch wenn du noch nicht bereit bist
Das klingt nach einem dieser Motivationssätze, die man auf vielen Webseiten oder Postkarten findet. Fast hätte ich ihn deshalb gestrichen. Aber es ist eher eine praktische Beobachtung.
Viele warten im Studium darauf, „fertig gedacht“ zu haben, bevor sie anfangen zu schreiben. Ein mögliches Problem: Das Denken passiert oft erst beim Schreiben. Ein erster Entwurf darf unrund sein. Vielleicht soll er das sogar. Wer das verinnerlicht, schreibt schneller, klarer und mit deutlich weniger Blockaden.
Dasselbe gilt für Fragen stellen. Nicht zu wissen, wie eine Literaturrecherche „richtig“ funktioniert, ist keine Schande. Es ist ein Ausgangspunkt. Viele haben das nie systematisch gelernt, tun aber trotzdem so, als wäre es selbstverständlich. Das führt dazu, dass man lieber schweigt, als nachzufragen. Dabei wäre die Frage oft der schnellste Weg nach vorne.
Drei Dinge, die selten jemand erklärt, aber einen echten Unterschied machen
Zitieren ist keine Pflichtübung
Wer eine Quelle nennt, sagt damit: Diese Idee stammt nicht von mir. Das ist nicht nur Formalität oder Bestandteil der Guten Wissenschaftlichen Praxis, sondern Respekt. Respekt gegenüber den Menschen, deren Arbeit man nutzt sowie gegenüber den Lesenden. Und auch gegenüber uns selbst. Denn nach ein paar Monaten haben auch wir, oder zumindest ich, oft schon vergessen, woher eine Information kam. Wer den Sinn dahinter versteht, hat automatisch weniger Stress mit Zitierstilen. Denn dann geht es nicht mehr ums Regelwerk, sondern ums Prinzip.
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Wenn du tiefer in das Thema Zitieren einsteigen möchtest:
Literatur suchen ist eine Fähigkeit, keine Selbstverständlichkeit
Google Scholar ist ein Anfang. Aber nur ein Anfang. Wer früh lernt, wie Datenbankrecherche funktioniert, welche Suchbegriffe helfen und wie man Quellen bewertet, spart sich später viel Zeit. Und noch mehr Nerven.
Was ich dabei selbst lange unterschätzt habe: wie viel leichter es ist, wenn man überhaupt erstmal weiß, wo man suchen kann. Abseits der bekannten Suchmaschinen. Angebote wie OpenAlex gab es zu meiner Studienzeit noch nicht. Oder ich kannte zumindest nichts Vergleichbares. Aber ich wünschte, es hätte sie gegeben. Mit OpenAlex kannst du heute ohne Zugangshürden einfach mal schauen, was in bestimmten Themenbereichen oder an deiner eigenen Hochschule eigentlich in der Forschung passiert.
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Wenn du mehr über die Literaturrecherche mit OpenAlex erfahren möchtest:
Schreiben ist Denken, kein Abschreiben fertiger Gedanken
Das hat mich lange beschäftigt. Die Idee, dass man erst denkt und dann schreibt, klingt logisch. Funktioniert aber (bei mir) selten so. Oft entsteht Klarheit erst durch das Schreiben selbst.
Free Writing ist dafür eine einfache Methode: einfach drauflosschreiben, ohne zu werten, ohne zu korrigieren. Was dabei rauskommt, ist selten perfekt. Aber es ist ein Anfang. Und der zählt.
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Wenn du dich näher mit Free Writing oder deinen eigenen Schreibgewohnheiten beschäftigen möchtest:
Das eine Tool, das ich früher hätte kennen sollen: Zotero
Es gibt Tools, die man irgendwann entdeckt und denkt: Warum hat mir das niemand früher gezeigt? Zotero gehört für mich dazu. Zotero ist kostenlos, open source und hilft dir dabei, Literatur zu verwalten. Klingt erstmal nach etwas, das erst kurz vor der Abschlussarbeit relevant wird. Ist es aber nicht.
Literatur sammelt sich an. Leise, aber stetig. Ein Paper hier, ein Buchkapitel da, ein Link, den du schnell irgendwo abspeicherst und drei Wochen später nicht mehr wiederfindest. Was ich lange gemacht habe: mir Dinge selbst per Mail zu schicken oder dutzende Tabs offen zu lassen. Funktioniert kurzfristig. Aber nicht über Wochen. Bei mir entwickelte sich dann immer eine Art Druckgefühl.
Mit Zotero geht das deutlich einfacher. Mit wenigen Klicks kannst du Quellen direkt aus dem Browser speichern: strukturiert, wiederauffindbar und ohne Umwege. Und es sind genau diese kleinen Dinge, die den Unterschied machen: keine Texte mehr selbst irgendwo hinschicken, keine Tabs „für später“ offen lassen. Dinge landen direkt da, wo du sie später auch wiederfindest.
Was viele auch nicht wissen: Mit der Zotero-App (Zotero for mobile) kannst du die ISBN von Büchern scannen. Die bibliografischen Daten landen direkt in deiner Zotero-Sammlung. Synchronisiert über alle Geräte. Kein Abtippen, kein schnelles Foto mehr, das später in der sowieso schon viel zu schnell wachsenden Fotosammlung untergeht.
Das klingt nach Komfort. Und das ist es auch. Dabei habe ich hier nur ein paar der Features angesprochen. Zotero steckt voller kleiner und größerer Funktionen, die das Arbeiten mit Literatur deutlich erleichtern. Aber das Wichtigste bleibt: Wer seine Literatur im Griff hat, kann sich mehr auf das konzentrieren, was eigentlich zählt: das Lesen, Denken und Schreiben.
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Wenn du mehr über die Grundlagen und weitere Funktionen von Zotero erfahren möchtest:
Die Universitätsbibliothek TUHH bietet freitags in der Zeit von 09:00 bis 09:30 Uhr auch eine Sprechstunde zum Thema Literaturverwaltung an. Diese wird per Zoom angeboten.
Wenn du Zotero lieber einmal live und kompakt kennenlernen möchtest: Am 6. Mai 2026 biete ich bei der Langen Nacht des Lernens in der Universitätsbibliothek der TUHH einen Crashkurs an. Das Wichtigste in zwanzig Minuten. Alle Details zu den Sessions gibt es nach Ostern in einem eigenen Blogbeitrag der Universitätsbibliothek.
Zum Schluss
Der Semesterstart ist kein Moment, in dem man schon alles wissen muss. Er ist ein Moment, in dem man anfangen kann. Mit dem Schreiben, mit den Fragen, mit den Tools, die einem das Arbeiten leichter machen.
Viele der Werkzeuge und Materialien, die dir dabei helfen können, sind frei zugänglich. Ganz im Sinne verschiedener Openness-Bewegungen wie Open Educational Resources, Open Access oder Open Source. Sie sind offen, nachnutzbar und darauf ausgelegt, Wissen zugänglich zu machen. Für alle, nicht nur für die, die Zugang haben.
Und noch etwas: Das Impostor-Gefühl, also das Gefühl, weniger zu wissen als alle anderen, ist weiter verbreitet, als man denkt. Vielleicht hilft es, das einfach mal laut zu sagen. Wenn du bei Recherche, beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten oder bei der Literaturverwaltung nicht weiterkommst: Genau dafür sind wir als Universitätsbibliothek da.
Fang an, auch wenn es noch nicht alles perfekt ist
Was wäre deine ehrliche Ansage an dich selbst zu Semesterbeginn? Ich bin gespannt auf eure Gedanken in den Kommentaren, per Mail oder auch über Mastodon (@flohnsen@openbiblio.social).
Dein Studium beginnt und du weißt als Ersti gar nicht so genau, was dich erwartet? So ging es uns auch. Und rückblickend gab es einige Dinge, die wir dann doch schon gerne zu Semesterbeginn gewusst hätten. Denn so aufregend der Start ist, er kann auch ziemlich überwältigend sein: Anmeldungswirrwarr durchblicken, Stundenplan organisieren, die richtigen Veranstaltungsräume finden, Kommiliton*innen und Campus kennenlernen. In diesem Beitrag haben wir daher einige Tipps festgehalten, die wir uns geben würden, wenn wir nochmal Ersti wären:
1. Mache Orientierungsangebote mit und lerne Leute kennen
Ein alter Hut: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Neben einigen Kommiliton*innen, die recht schnell merken, dass das Studium doch nicht ganz das ist, was man sich erwartet hat, wirst du mit vielen der Menschen um dich herum die nächsten Jahre gemeinsam an Themen arbeiten und für Prüfungen lernen. Such dir also eine Gruppe, in der du dich wohlfühlst und mit der du dir gemeinsames Lernen vorstellen kannst. In deiner Gruppe sollte auch der eine oder andere Spaß beim alltäglichen Miteinander Platz haben. Kaum woanders wirst du so viele Menschen um dich haben, die ja letztlich wegen ähnlicher Interessen ihr Studium starten. Eine tolle Gelegenheit zum Netzwerken sind neben den Orientierungswochen auch weitere Angebote der Hochschule (Freizeitaktivitäten wie gemeinsamer Hochschulsport, Chor und Theater, aber auch Angebote von Bibliotheken und studentische Initiativen sowie natürlich Unipartys). Gerade in den frustigen Zeiten des Studiums wird dir ein einfacher Plausch „über Gott und die Welt“ wieder neue Motivation geben.
Tausche dich mit Gleichgesinnten aus
Verschaffe dir auf den Uni-Webseiten einen Überblick über Hochschulangebote wie Sport, Kultur und Weiterbildung
2. Bereite deinen Semesterstart vor
Die ersten Tage im Studium prasselt viel auf einen ein. Klar: Stundenpläne und Raumnummern hat man meist in digitaler Form per Smartphone, Tablet oder Laptop dabei. Aber es wird der Tag kommen, an dem dein Akku leer ist, die benötigte Webseite wegen Wartungsarbeiten offline geht, dein Internetprovider spontan seinen Dienst für einige Stunden „pausiert“ oder das Funkloch in Bus und Bahn dir einen Strich durch die Rechnung macht. Druck dir deinen Stundenplan daher am besten aus und erkunde vielleicht auch schon einmal vorher, wo welche Veranstaltung stattfindet. Die Uni kann einem zu Beginn schon wie ein kleines Labyrinth vorkommen, da solltest du dir potentiellen Stress sparen, wo es nur geht.
In der Uni geht es in vielen Veranstaltungen nach einer kurzen Organisationseinheit recht schnell mit den ersten Inhalten los. Mache dir also schon zu Beginn ein paar Gedanken zu zentralen Ablagemöglichkeiten für Basisinformationen wie wichtige Mailadressen von Ansprechpartner*innen oder Sprechzeiten. Verschaffe dir auch ruhig schon mal einen Überblick über einige gängige Begrifflichkeiten der Hochschule und werfe einen Blick in die Studien- und Prüfungsordnungen. Wichtig sind aber vor allem zwei Punkte: Deadlines und Dokumentablage.
3.1 Notiere jede Deadline
Habe stets wichtige Termine im Auge. Wann auch immer also eine Deadline in Veranstaltungen genannt wird, schreib sie direkt auf! Verlass dich nicht alleine auf Messenger-Gruppen (hier kriegst du oft was mit, nicht selten ist es bei Terminen aber schon fast zu spät) und pflege von Beginn an deinen Kalender mit Abgabeterminen, Anmeldefristen und sonstigen Daten.
3.2 Organisiere deine Unterlagen und setzte dich am besten direkt mit Literaturverwaltung auseinander
Sorge rechtzeitig für einen guten Überblick über deine Unterlagen, egal ob digital oder analog. Lege dir eine kleine Ordnerorganisation zurecht, um auch in Situationen, wo dir gefühlt alles über den Kopf wächst, zu wissen, wo was zu finden ist. Wichtige Mailadressen können hier genauso landen wie Informationen zu Sprechzeiten, die schnell griffbereit sein sollten. Fang am besten auch gar nicht erst an Zettel über Tage und Wochen ungeordnet in der Tasche mit dir rumzuschleppen oder in irgendwelchen Papierstapeln querbeet zu „verstecken“. Sich aufzuraffen, hier nachträglich Ordnung reinzubringen, ist kein Spaß. Im Einzelfall ist das aber durchaus ok und normal. Auch wichtig: Vergebe eindeutige Ordner- und Dateinamen und lege am besten einige Regelungen für die Benennung fest. So sind diese auch zukünftig besser auffindbar. Namensbestandteile können zum Beispiel inhaltliche Stichworte, das Datum der Erstellung, der Bearbeitungsstand und eine Versionsnummer sein. Vielleicht lohnt sich hier auch schon ein Blick in Regelungen des Forschungsdatenmanagements.
Eigentlich ist das erste Semester auch schon ein guter Zeitpunkt, sich direkt mit dem Thema Literaturverwaltung vertraut zu machen. So sparst du dir den Aufwand der Einarbeitung später, wenn die ersten Hausarbeiten oder gar die Abschlussarbeit ansteht. Wenn du gar keine Lust hast, erste Praxiserfahrungen mit der Verwaltung von Fachliteratur zu sammeln, kannst du dir zunächst auch ein paar Projekte anlegen, in denen du Kochrezepte für das Unileben oder Informationen zu Hobbys strukturiert ablegst. Sortieren könntest du deine Dokumentablage für das Studium zunächst beispielsweise nach Semestern (damit kannst du aber auch später anfangen). Innerhalb des Semesters sortierst du nach dem jeweiligen Kurs und innerhalb des jeweiligen Kurses eventuell nach „Vorlesungsfolien“, „Aufgaben“ und „Abgaben“.
Ein Grundlagentutorial zur Literaturverwaltung mit Zotero gibt es hier
Wenn du statt To-do-Listen eine Art Projektorganisation (gut nutzbar für umfassendere Arbeiten) ausprobieren willst, gibt es hier eine Anleitung zu GanttProject
4. Lerne deine Lernbedürfnisse besser kennen
Manche Menschen lernen besser in ruhigen Räumen, andere in einer Umgebung mit regem Treiben und Musik. Probiere frühzeitig im Studium aus, wie gut auch ein Wechsel von Lernorten für die Motivation sein kann und suche dir einige Räumlichkeiten, in denen du dich wohlfühlst. Gerade in Prüfungsphasen ist nicht immer überall genug Platz und so ist es gut, wenn du neben den eher ruhigen Einzelplätzen in einer der Fachbibliotheken im Philturm mit toller Aussicht auch mal in voll besetzten Lernräumen der Stabi vom Eifer deiner Sitznachbarn „angesteckt“ wirst oder von den langen Öffnungszeiten im Rechtshaus oder auf dem TUHH-Campus profitieren kannst.
Wenn du verhältnismäßig viele Prüfungen vorbereiten musst, so gehe den Lernstoff nicht nur wieder und wieder im Kopf durch. Schreibe auch einfach mal analoge oder digitale Zusammenfassungen, zeichne dir visuelle Ankerpunkte und Eselsbrücken in deine Aufzeichnungen, erstelle Lernkarten oder nehme dich selbst auf, um dir bestimmte Kapitel einfach nochmal anhören zu können. Lass dich auch nicht beirren, wenn dir dein Lernsystem aufwendiger erscheint als bei deinen Kommiliton*innen. Wichtig ist: Fühl dich mit deinem ganz persönlichen Lernsystem wohl.
Beobachte dein Lernverhalten und finde heraus, was zu deinem Lernerfolg beiträgt (Wohlfühlfaktoren und Erfolgserlebnisse)
Probiere aus, welche Lernmethoden bei dir in welchen Situationen besser funktionieren als andere
Fang möglichst früh an eine Art Lern- und Ideentagebuch zu führen. Die Form ist dabei zunächst erst einmal recht egal. Als Struktur reicht für den Start eine digitale oder analoge lose Zettelsammlung in Mappen, Ordnern oder Heften. Wenn du später auf deine aufgeschriebenen Tipps, Ideen und dokumentierte Lernfortschritte zurückblickst, macht das nicht nur Freude. Einige Ideen wirst du Jahre später über ungeplante „Geistesblitze“ weiterverfolgen oder mit anderen Ideen kombinieren können. Und je früher du mit diesen „guten Gewohnheiten“ anfängst, desto mehr Sicherheit gewinnst du für dein Studium. Du wirst kaum noch Bedenken haben, etwas zu vergessen oder zu verpassen, und diese Form der Dokumentation hilft auch dabei, sich einfach mal den Druck aus dem Kopf zu schreiben. Mach dir auch bewusst, dass du letztlich für dich selbst studierst, der Mehraufwand ist es also wert. Da ein Studium ein Stück weit ein Prozess ist, bei dem man Interesse und Fertigkeiten erst nach und nach entdeckt und entwickelt, ist diese Form der Dokumentation eine gute Möglichkeit, möglichst viel aus den Semestern mitzunehmen und sich Chancen für später offen zu halten.
Probier dich an einem eigenen System zur Dokumentation von Lernfortschritten und Ideen aus
Hol dir auch Inspiration zu einem eigenen Notizsystem über andere Ansätze, die beispielsweise in dieser Beitragsserie beschrieben werden
6. Plane von Anfang an vernünftige Zeitpuffer ein
Stell dir vor, du startest heute dein Studium. Um am ersten Tag pünktlich zu sein, hast du dir ganz fest vorgenommen, pünktlich loszufahren, um nicht auf den letzten Drücker anzukommen. Dazu hast du einige Tage zuvor auch noch eine „Trockenübung“ gemacht und bist die Strecke schon mal abgefahren. Alles lief reibungslos. In der Theorie also alles super, aber in Städten wie Hamburg solltest du immer einkalkulieren, dass die Bahn mal ausfallen kann. Und nicht selten macht der Busverkehr gleich mit. Sehr gut, wenn du im Notfall auf ein Stadtrad oder E-Scooter umschwenken kannst. Kalkuliere dir dafür aber auch noch Puffer ein. Denn mehr oder weniger klitschnass und abgehetzt das Uni-Abenteuer zu starten macht keine Freude. Wenn du stets versuchst, dir gleich einen „großzügigeren“ Zeitpuffer einzuplanen, wirst du auch bei Projekt- und Hausarbeiten weniger Probleme mit knappen Fristen bekommen. Und in Campusnähe lieber noch in Ruhe einen Kaffee zu gönnen ist allemal besser als noch aufgeregter und völlig aus der Puste im neuen Lebensabschnitt anzukommen.
Plane großzügige Zeitpuffer ein und entspanne dich lieber vor Ort
Mit das Wichtigste im Studium: finde ein angemessenes Tempo für dich. Wenn du das Gefühl hast, dass es für heute reicht, solltest du dir eine Pause gönnen. Wichtig hierbei: sei ehrlich zu dir selbst, setze also keine zu kleinen Meilensteine und Aufgabenpakete, die nur wenige Augenblicke in Anspruch nehmen. Dabei solltest du dich für deinen Fleiß auch mal belohnen. Eine kleine Mittagspause und ein kurzer Spaziergang mit Kommiliton*innen über den Campus kann schon reichen, um ausgeruht und viel motivierter wieder ans Werk zu gehen. Vielleicht kannst du ja auch mal rausfinden, wie der eine oder die andere Studierende es hinbekommt, nach einem 10-Minuten-Powernap wie neu geboren wieder ans Werk zu gehen.
Belohne dich, wenn du es ehrlich verdient hast
Probiere aus, was dir beim Kraft tanken hilft (Spazieren, lockerer Plausch im Café um die Ecke oder auf dem Campus)
8. Sei sichtbar für Dozierende
Die Uni kann schon ein wirklich unpersönlicher Ort sein. Gerade wenn man frisch aus der Schule oder einer Ausbildung kommt. Du sitzt zum Teil mit Hunderten von Menschen in realen und virtuellen Räumen. Dozierende und Mitstudierende können so kaum wissen, wer du bist. Aktive Teilnahme an Veranstaltungen kann sich aber lohnen. Das hat auch nichts mit Schleimerei, sondern ehrlichem Interesse zu tun. Nach und nach lässt sich mit deinem Gesicht etwas verbinden. Anfangs bist du vielleicht noch der „Herr Kommilitone“, nach und nach kann es dann aber auch mal mit dem Namen klappen. Und ja, es fällt immer mal wieder schwer, den Arm zu heben. Nehme dein Studium und die Veranstaltungen aber als wirkliche Chance wahr, auch mal aus der eigenen Komfortzone auszubrechen. Und wenn deine Professor*innen das „Prinzip der offenen Tür“ leben, so nutze auch diese Chance. Ein netter Schnack auf Augenhöhe freut nicht nur dich und die Dozierenden. Bei dieser Form von „Networking“ können durchaus auch mal tolle Ideen für Projekte zustande kommen, was dein ganzes Studium nochmal attraktiver macht.
Spring über deinen Schatten und nimm aktiv an den Veranstaltungen teil
Nimm Angebote wie Sprechzeiten und offene Türen der Dozierenden an
9. Mache. Backups. Regelmäßig!
Achte IMMER darauf, deine Dateien möglichst regelmäßig zu sichern. Es wäre doch zu ärgerlich, jeden noch so kleinen, mühsam erarbeiteten Textfortschritt zu verlieren, den du dir gerade in einer deiner ersten Hausarbeiten erarbeitet hast. Und auch wenn du glaubst, dass dieser Tipp schon so einen Bart hat: Besonders bei neuen Anwendungen und Serviceangeboten ist es sinnvoll, nochmals fokussierter auf diese Kleinigkeit zu achten.
Speichere deine Arbeiten, Ideen und Notizen regelmäßig
An der TUHH kann dafür ggf. auch auf den Cloud-Dienst des Rechenzentrums zurückgegriffen werden. Ansonsten tut es im Notfall auch das Verschicken von Dokumenten an die eigene E-Mail-Adresse, wie im Beitrag Notiz-Selbstmanagement beschrieben
10. Nimm bei Bedarf Hilfe in Anspruch
In den letzten Schuljahren lief es eigentlich immer gut. Wenn du einmal deine Trägheit überwunden hattest, hast du auch gute Noten geschrieben. In der Uni kann es aber nach und nach häufiger mal Aufgaben, Foliensätze, Handouts und Skripte geben, die du nicht direkt verstehen wirst. Auch längeres Hinsetzen hilft dann nicht immer weiter. Das ist völlig normal. Scheue dich nicht nach Hilfe zu fragen. Entweder in deiner Lerngruppe oder auch in den Veranstaltungen. Das gilt auch für Tutorien – also eine Art Übungsgruppe, geleitet von höheren Studierenden – die ergänzend zu Vorlesungen wie Statistik angeboten werden. Es wird auch immer wieder Situationen geben, wo deine Hilfe gebraucht wird, so dass ihr euch immer im Wechsel untereinander helfen könnt.
Frage nach Hilfe, wenn du etwas nicht verstehst
Unterstütze andere, wenn du helfen kannst
11. Blicke über deinen eigenen Studiengang hinaus
Wenn es dein Studium oder dein Campus hergibt, so tausche dich auch mal mit Studierenden anderer Fachdisziplinen aus. Es ist spannend, Gespräche außerhalb der eigenen immer gleichen Fachthemen und -gruppen zu haben. So lernst du ganz andere Perspektiven auf Themen kennen und kannst sicher auch die eine oder andere tolle Freundschaft knüpfen.
Schau über den eigenen Teller- beziehungsweise Studienrand
12. Nicht jeder Tipp wird für dich passen
Im Grunde einer der wichtigsten Tipps: Es hat ja schon Tradition, dass Absolvent*innen und Studierende der höheren Semester viel „Insiderwissen“ teilen. Und das ist auch gut so. So wirst du schnell viel über die Möglichkeiten von Praxissemestern im Ausland, empfehlenswerte Kurse, Tutorien und Veranstaltungen lernen. Deine Mitstudierenden werden immer mal wieder unterschiedliche Meinungen zu Seminaren, Personen oder empfohlener Literatur haben. Und auch alle anderen Ratgeber*innen bringen immer ihre ganz individuellen Erfahrungen in eigene Ratschläge ein. Mach dir aber nach Möglichkeit immer ein eigenes Bild. Wenn es die Zeit hergibt, probiere dir sinnvoll erscheinende Lernmethoden aus. Interessiert dich ein Seminar, obwohl Kommiliton*innen sagen, dass aufgrund fehlender Anwesenheitspflicht gar kein Grund für einen Besuch der Veranstaltung spricht? Du wirst vor Ort sicher Gleichgesinnte treffen. Folge deinem Bauchgefühl, denn niemand weiß so gut wie du selbst, was dir wichtig ist, was du ausprobieren möchtest und was du für dein erfüllendes und erfolgreiches Studium brauchst. Ach ja und nicht jede Buchempfehlung musst du dir direkt ungesehen kaufen. Das Geld ist knapp und du hast auch noch eine Universitätsbibliothek an deiner Seite, die dir in Sachen Fachliteratur gerne zur Seite steht.
Nimm Ratschläge und Tipps dankbar an
Mache dir aber nach Möglichkeit immer selbst ein Bild von Inhalten, Methoden oder Personen, statt vorschnell jedem „Gerücht“ zu glauben
Welche Methoden und Materialien helfen euch beim Studieren? (Foto: „Arbeitsutensilien“ von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0)
Wir hoffen, es waren einige Tipps dabei, die nicht nur unserem Ersti-Ich helfen könnten. Falls ihr selbst Tipps und Tricks für den Studienstart oder spätere Semester habt, so teilt diese doch gerne in den Kommentaren. Allen Studierenden wünschen wir an dieser Stelle einen möglichst angenehmen Semesterstart. Viel Spaß und Erfolg für die kommenden Wochen und Monate! Lasst euch von dem einen oder anderen Dämpfer nicht unterkriegen und schaut bei bibliotheksspezifischen Fragen auch gerne einmal in den Ersti-Blogbeiträgen zur Bibliotheksnutzung eurer TUB in der Rubrik Wissenswertes für Erstis vorbei.
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: „Wenn ich nochmal Ersti wäre …“: 12 Tipps zum Semesterstart von Florian Hagen, Alexander Unteutsch und Ronja Schwardt, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung. In einer früheren Version ist der Blogbeitrag „Wenn ich nochmal Ersti wäre …: 12 Tipps zum Semesterstart“ unter CC BY 4.0 am 11. Oktober 2021 im tub.torials-Blog veröffentlicht worden. Die Änderungen gegenüber dem Originalbeitrag werden nachfolgend aufgeführt. Hinweise zur Bearbeitung:
Die Erzählperspektive wurde gegenüber der Originalversion von „Ich“ zu „Wir“ geändert, da zusätzliche Autor*innen an der vorliegenden Version beteiligt sind. Kapitel 3.2 wurde um zusätzliche Informationen zur Benennung von Ordnern und Dateien erweitert. Zusätzliche Tutorials zur Literaturverwaltung mit Zotero wurden in Kapitel 3.2 aufgeführt und verlinkt. Kapitel 9 wurde um konkretere Beispiele für Backups ergänzt. Der Text wurde an einigen ausgewählten Stellen umformuliert.