Der Begriff Perspektive im Wörterbuch

Alles digital – Studierende übers Onlinesemester 2020 an der TUHH (Teil 1)

Mit zwei Wochen Verspätung sind Studierende der Technischen Universität Hamburg (TUHH) ins Sommersemester 2020 gestartet. Statt Vorlesungen in Hörsälen reihte sich eine Videokonferenz an die nächste. Im Beitrag Vier Wochen Onlinelehre – ein kurzer Einblick ins Seminar Wissenschaftliches Arbeiten haben wir aus Perspektive der Lehrenden bereits über die Umstellung unseres Seminars gesprochen. Der Beitrag Wissenschaftliches Arbeiten im Onlinesemester 2020 – Welche Inhalte, Faustregeln oder Ideen sind für Studierende wichtig? widmete sich weiteren Eindrücken zum Semesterende.

Doch viel interessanter ist doch eigentlich die Perspektive der Studierenden. Das Corona-Virus brachte mit einem Mal die Pläne für das anstehende Semester durcheinander. Viele fragten sich: Kann ich meine Prüfungen noch ablegen? Wie komme ich an Medien, die nur vor Ort in der Bibliothek eingesehen werden können? Was passiert mit meinen Lerngruppen?

In diesem ersten Beitrag schildern vier Studierende des – von der tub. durchgeführten – Bachelorseminars „Wissenschaftliches Arbeiten“ ihre Erfahrungen mit dem Onlinestudium 2020 zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Semester. Vielen Dank fürs Teilen!

Justin Busch gibt in seinem Beitrag unter anderem Einblicke in die anfängliche Euphorie, die das digitale Semester hervorrufte, bevor sich Schattenseiten wie die fehlende soziale Komponente zeigten, die das Hochschulleben in Präsenzzeiten auszeichnen:

Meine Erfahrungen mit dem Online-Semester an der TUHH

von Justin Busch

Seit dem 20.04.2020 läuft mein sechstes und hoffentlich auch letztes Semester meines Bachelorstudienganges Maschinenbau. Jedoch ist dieses gefühlt auch irgendwie wie ein „neues“ erstes Semester. Denn die Universität hat beschlossen, aufgrund der aktuellen Situation rund um COVID-19 dieses Semester rein digital ablaufen zu lassen. Etwas was für alle beteiligten Personen etwas ganz Neues ist. Einer meiner ersten Gedanken war: „Das ist ja super! Nicht mehr jeden Tag zwei Stunden Bahn fahren und Universität in der Unterhose haben können!“. Und mit diesem Gedanken begann ich mein letztes/neues erstes Semester am 20.04. Die ersten paar Tage waren sehr angenehm. Vorlesung um 9:00 Uhr, bedeutet für mich aufstehen um 8:45 Uhr, schnell was anziehen und ran an meinen Computer. Selbst die Vorlesungen empfand ich angenehmer als in der Universität, man kann nebenbei Musik hören oder wenn es sehr langweilig wurde ein Video gucken, ohne dass es auffällt.

Nach knapp einer Woche merkte ich jedoch, dass nicht alles was glänzt auch Gold ist. Ja, ich spare mir Fahrzeit, aber das war auch das einzig wirklich Positive. Ich empfand die Vorlesungen weniger produktiv, geschuldet durch die zahlreichen Möglichkeiten der Ablenkung. Viele Übungsgruppen, die früher Standard waren, fanden nicht statt. Das reine Online-Lernen benötigt eine Selbstdisziplin die für mich sehr neu und ungewohnt war. Vor allem stellte ich fest, dass „Uni in Unterhose“ etwas war, was die Produktivität noch weiter hemmte. Denn zeitig aufstehen und sich vernünftig fertig machen, wie als wenn ich echt zur Uni fahren würde, half mir sehr, frischer und produktiver in der Vorlesung oder in Meetings zu sein. Was mir jedoch am meisten fehlte und was auch keine Zoom-Konferenz ersetzen kann, ist das Miteinander mit meinen Freunden und Kommilitonen. Sei es zusammen in der Vorlesung sitzen, in der Übung zusammen Aufgaben und Probleme lösen oder zusammen in der Mensa Mittag essen und Gespräche über alles Mögliche führen. Diese soziale Komponente, die durch den Treffpunkt Universität entsteht, fehlt nun völlig. Das genau ist der Grund, warum ich seit dem Ende der ersten Woche kein Fan des reinen Online-Semester bin.

Mitte/ Ende der zweiten Woche stellte sich dann auch eine gewisse Müdigkeit und Genervtheit in Bezug auf Zoom-Meetings und Vorlesungen ein. Ich empfand es nun eher anstrengend meinen Professoren, jede Woche wieder aufs Neue nur per Zoom zuhören zu können. Auch Besprechungen für Projekte in Zoom und generell Online-Meetings fühlten sich eher lästig an.

Was lässt sich jetzt zum Abschluss über die ersten zwei Wochen Online-Universität sagen? Die Zeitersparnis durch das Wegfallen der Fahrt zur und von der Uni sehe ich als sehr positiv. Aber bis auf den Punkt wäre eine reine Online-Universität nichts für mich, da mir das zusammen studieren mit meinen Freunden und Kommilitonen ein wichtiger Aspekt ist. Dieser fehlt, wenn alles nur Online ist, jedoch komplett.

Adrian Pustelnik berichtet von den Herausforderungen, die die Ungewissheit des weiteren Studienverlaufes ausübte und die Selbstorganisation der Studierenden in digitalen Lerngruppen:

Eindrücke und Erfahrungen des digitalen Lernens an der TUHH

von Adrian Pustelnik

In der jetzigen Situation ist es schwer den Alltag, wie wir ihn kennen, beizubehalten. Dies betrifft neben unseren üblichen Freizeitaktivitäten, vor allem auch den Alltag in der Universität. Dieses Semester wäre mein letztes Semester im Bachelor gewesen. Da ich bereits im achten Semester studiere, war ich froh, dass endlich ein Ende in Sicht ist. Allerdings wurde meine Freude schnell getrübt, nachdem ich erfahren habe, dass die ersten Klausuren vom letzten Wintersemester abgesagt wurden. Für mich war das zunächst ein großer Schock. Abgesehen von der umfangreichen Vorbereitung auf meine Prüfungen, musste nun auch meine Bachelorarbeit warten. Es war in den ersten Wochen nicht leicht, an ein Thema für die Arbeit heranzukommen. Meine bisherigen potenziellen Betreuer der Arbeit meldeten sich nicht. Unternehmen, die in einigen Arbeiten kooperierten, waren auch nicht anzusprechen. Es war für mich, als würde der sonst hektische Alltag für einen Moment stehen bleiben. Ich habe mich zu Beginn der Corona-Pandemie viel geärgert.

Ich musste nach einiger Zeit einsehen, dass nicht alles schlecht war. Zumindest hatte ich so zunächst mehr Zeit für die Dinge, die ich aufgrund von Zeitmangel, nicht hätte machen können. Dennoch hat mich die Ungewissheit innerlich in den Wahnsinn getrieben. Werde ich meinen Bachelor dieses Jahr noch machen können? Wie wird es mit dem Studium überhaupt weitergehen? Es war wahrscheinlich für uns alle eine neue Erfahrung, unsere Arbeit weitestgehend digital auszuüben. In dem Kurs „Wissenschaftliches Arbeiten“ war es für mich zum Beispiel das erste Mal, dass ich an einem Seminar online in einem Chat teilgenommen habe. Anfangs war ich noch sehr skeptisch und fragte mich wie das funktionieren soll. Jedoch erwies sich der Chat in Kombination mit den auf StudIP bereitgestellten Material als sehr nützlich. Ich bin ein Mensch, der gelegentlich was vergisst und während eines Seminares mit dem Schreiben nicht immer hinterherkommt. Dadurch, dass das Material immer abrufbar ist, konnte ich die Chats nachlesen, wenn ich es benötige.

Das Arbeiten war eine größere Herausforderung als sonst. Gewöhnlicherweise arbeite ich, um meine Motivation zu steigern, in Lerngruppen. Da ich jedoch in dem Seminar niemanden kannte, arbeitete ich allein. Das Kennenlernen neuer Kommilitonen war über den Chat nicht so einfach, beziehungsweise meine Hemmschwelle die Kommilitonen direkt anzuschreiben zu hoch. Vielleicht wäre im Nachhinein eine Veranstaltung zum aktiven Kennenlernen hier von Vorteil. In anderen Lerngruppen funktionierte das digitale Treffen recht gut, vorausgesetzt man verfügte über eine stabile Internetverbdingung. Über die Plattform Discord konnte ich über einen Videochat mit meinen Kommilitonen sprechen. Auch das Teilen des Computerbildschirmes zum Klären der Fragen funktionierte prima. Wir machten unsere Aufzeichnungen schriftlich auf einem Notizprogramm. So konnte jeder sehen, wie man auf dem geteilten Bildschirm Notizen macht. Diese konnten praktischerweise direkt als PDF exportiert und später nochmal angesehen werden.

Das digitale Arbeiten macht uns wesentlich flexibler und ermöglicht so zum Beispiel relativ spontane Treffen. Umso wichtiger ist es meiner Meinung nach, weiterhin selbst Struktur in seinen Alltag zu bringen und sich seine Zeit so einzuteilen, dass man einerseits produktiv arbeiten und andererseits am Ende des Tages abschalten kann, um sich von dem Arbeitstag zu erholen. Ich hatte zum Beispiel häufig den Druck dauerhaft verfügbar zu sein. Ich hoffe, dass wir nicht allzu lange unter diesen Umständen so leben müssen. Dennoch bin ich der Ansicht, dass uns mehr Digitalisierung in Arbeit und Lehre nicht schaden würde.

Anil Ölmez gibt Einblicke in die das Gefühl, sich „umsonst“ auf – um ein ganzes Semester verschobene – Klausurphasen vorbereitet zu haben. Er beschreibt organisatorische Herausforderungen zum Semesterstart und eigene Motivationsprobleme:

Vier Wochen Online-Lehre und Online-Lernen

von Anil Ölmez

Mit dem Entschluss des Hamburger Senats, die Präsenzlehre in den Hochschulen bis auf Weiteres zu unterbinden und so den Semesterbeginn nach hinten zu versetzen, um die Ausbreitung des Corona-Virus entgegenzuwirken, wurden sowohl die Hochschulmitarbeiter und Dozenten als auch die Studenten mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. In diesem Beitrag möchte ich meine Erfahrungen aus ungefähr vier Wochen mitteilen und meine Sichtweise auf diese Situation schildern.

Mitte März: Immer noch in der Klausurphase bereitete ich mich mit Kommilitonen auf die letzte anstehende Klausur vor. Das Lernen in der Gruppe entweder direkt an der TUHH oder meistens in der Staatsbibliothek gehörte für uns zur alltäglichen Routine. Doch mit der Zunahme an Infizierten in Hamburg sowie in ganz Deutschland brach unsererseits die Ungewissheit auf, ob die Klausurphase bis Ende März überhaupt durchgeführt wird. Wenige Tage später wurden die Vermutungen zur Realität: Alle Klausuren der letzten zwei Wochen wurden abgesagt – „umsonst gelernt“. Obwohl ich den Entschluss der Regierung nachvollzogen habe, hat mich diese Nachricht im ersten Moment doch geärgert, da die Klausuren natürlich in die nächste Prüfungsphase fallen würden. Andererseits war diese Zeit für viele die erste wirklich lange Freizeit im Studium, was zur Abwechslung auch gut getan hat, allerdings später doch schnell langweilig wurde. Außerdem konnte ich mich durch den späten Semesterstart auf das neue Semester besser vorbereiten – auf Kosten der verkürzten Klausurphase.

Zu Beginn des Sommersemesters 2020 war die Lage zunächst chaotisch: Jede Menge E-Mails, StudIP-Ankündigungen und eine Vielzahl an IDs und Passwörtern für verschiedenste Online-Veranstaltungen, die nach intensiver Organisation gebändigt werden konnten. Die gesamte erste Woche war für mich fast eine reine Organisationswoche statt einer Vorlesungswoche. Viele Veranstaltungen dienten nur zum Testen der digitalen Lehrstruktur, als kurzer Einstieg in das Vorlesungsthema oder fielen komplett aus, da die Dozenten ein wenig mehr Zeit für ihre eigene Organisation und Planung der Lehre benötigten. So verbrachte ich die meiste Zeit vor allem auf StudIP, um mich in Veranstaltungen einzutragen und Ankündigungen durchzulesen. Nebenbei wurden Notizen zu anstehenden Terminen gemacht und Zugangsdaten für Online-Lehrveranstaltungen in einer Liste gebündelt, um die Übersicht nicht zu verlieren. Äußerst problematisch war der Zugang zu StudIP in der ersten Woche. Dadurch, dass der Andrang extrem hoch war und mehrere hunderte Studenten und Mitarbeiter auf die Internetplattform parallel zugriffen, war die Seite sehr schnell überlastet, was sich aber ab der darauffolgenden Woche deutlich gebessert hat. Ehrlicherweise war meine Vorstellung des Semesterstarts nicht anders, jedoch hat sich die gesamte Lage schneller als gedacht beruhigt, und Struktur sowie Organisation waren wieder Bestandteil des Alltags.

Was jedoch höchstwahrscheinlich bis Ende des Semesters nicht Bestandteil des Alltags sein wird, ist der persönliche Kontakt zu Dozenten, Kommilitonen und Tutoren. Natürlich ist eine Konferenz mit Audio und Video eine Option, aber keinesfalls ein adäquater Ersatz für eine Interaktion von Angesicht zu Angesicht. Dennoch werden viele Wege für das Austauschen und Fragenklären genutzt. Beispielsweise über die Foren der StudIP-Veranstaltungen, über den Chat im jeweiligen Konferenz-Programm oder über explizite Online-Fragerunden.

In solchen Zeiten führt, wie man bisher gemerkt hat, kein Weg an der digitalen Kommunikation vorbei. Das Online-Lehrmaterial muss dementsprechend so breit wie möglich angeboten werden, um den Studenten einen ansatzweisen Ersatz zu ermöglichen. Mehr Vorlesungen und Hörsaalübungen als in Normalfall werden als Aufzeichnungen von den Dozenten im Internet abgespeichert, wodurch ein wiederholtes Anschauen und Nachvollziehen des Stoffes für die Studenten gewährleistet wird. Auch vorab des Online-Semesters erachtete ich die Aufzeichungen als besonders effektiv. Mitschriften aus der Vorlesung können so durch Pausieren oder durch Zurückspulen besser und einfacher übernommen werden, wobei auch die Wiedergabegeschwindigkeit oder das Vorspulen ausgenutzt werden können, falls schon bereits bekannter Vorlesungsstoff thematisiert wird. Außerdem sind die Aufzeichungen unerlässlich, falls man eine Überschneidung zwischen zwei zeitlich parallel stattfindenden Veranstaltungen hat und keine Informationen verpassen will, was in diesem Fall auch auf mich in diesem Semester zutrifft. In dieser Situation wurde mir auch nochmal klar, wie gut es ist, dass die Bibliothek eine große Auswahl an digitalen Büchern und Artikeln besitzt und ein VPN zum Intranet der Universität existiert, um so auf noch mehr Bücher zuzugreifen, Software herunterzuladen und bei Perinorm nach Normen zu suchen. Ein meiner Meinung nach großes Problem bestand und besteht dennoch bis heute – meine Motivation.

Eine fehlende eineinhalbstündige Fahrt zur Universität, ein gemütliches Zuhause und kaum körperliche Aktivität, da ich sowieso fast den gesamten Tag am Computer verbringe, sorgen dafür, dass meine Motivation und Produktivität ein Tief erreichen. Obwohl ich durch das Online-Semester viel Zeit durch Pendeln und Warten einspare, sank meine effektive Lernzeit, was eigentlich ziemlich paradox klingt. Das Fehlen eines strikten Zeitplans und einer Routine sind die Hauptgründe dafür. Um die Motivation hochzuhalten und einen halbwegs ordentlichen Zeitplan zu haben, habe ich mit Kommilitonen verschiedenste Termine in der Woche eingeplant, um zusammen zusätzlich Aufgaben zu wiederholen oder für Klausuren zu lernen. So habe ich immer etwas zu tun und das Lernen zusammen ist immer angenehmer und weniger langweilig für mich, was meine Motivation deutlich steigert. Dennoch ist einiges an Verbesserung möglich.

Das Online-Semester hat wie bei allen Dingen im Leben seine Vor- und Nachteile. Man spart die Zeit zur Uni und ist deutlich flexibler, was Terminplanung betrifft. Allerdings ist der „Uni-Alltag“ weniger persönlich und die fehlende Motivation kann für den einen oder anderen zum Problem werden, was sich aber leicht eindämmen lässt. Zusammenfassend ist das Semester für mich sowie für alle anderen Betroffenen eine ganz neue Erfahrung. Meiner Meinung nach ist vieles richtig umgesetzt worden, wobei natürlich immer noch Optimierungsbedarf besteht – auch meinerseits.

Lukas Joritz gibt in „Online-Lehre“ Einblicke in seinen Studienalltag und reflektiert, ob Vorlesungen in den heimischen vier Wänden in der Praxis wirklich so sind, wie Studierende sich diese oftmals vorstellen:

Online-Lehre

von Lukas Joritz

Ausschlafen, Zeit sparen, produktives Arbeiten in gewohnter, entspannter Umgebung. Von Vorlesungen auf dem heimischen Balkon oder vielleicht sogar im eigenen Garten hat doch jeder Student schon einmal geträumt. Aber ist der Alltag „Online-Lehre“ in der Praxis wirklich so toll, wie man ihn sich vorstellt?

Nach dem ersten Blick auf dem Stundenplan hat sich das mit dem richtig Ausschlafen schon einmal erledigt. Montags sowie dienstags gleich um 8:00 Uhr Vorlesung. Also doch um 7:30 Uhr aufstehen, damit man nicht vollkommen verschlafen vor dem Bildschirm hängt. Aber zum Vergleich, immer noch deutlich besser, als um 6:00 Uhr aufzustehen, damit man den Zug bekommt. Wobei man dann am Bahnhof noch ungewollt in den Kampf um den letzten freien Sitzplatz im völlig überfüllten Zug gerissen wird und jetzt so langsam bereut, nicht doch eine Stunde früher schlafen gegangen zu sein.

Zeitersparnis, alleine dadurch, dass man nicht jeden Tag zur Uni fahren muss, ist also ein großer Faktor. Gerade für Studenten wie mich, die weiter weg wohnen. Ein weiterer Vorteil, auch aus dieser Kategorie, ist mir bei der Zusammenstellung meines Semesterplans aufgefallen. In vorherigen Semestern war es immer ärgerlich große Pausen zwischen Veranstaltungen zu haben. Eine Vorlesung morgens und die nächste erst wieder am Nachmittag. Kommilitonen, die im Umfeld des Campus wohnen, fahren in dieser Situation nach Hause. Glück gehabt, wenn der Freundeskreis auch von weiter weg kommt und sich die Zeit schnell überbrücken lässt. Zwingend produktiver nutzt man die Pause dadurch aber nicht. Da ist es jetzt deutlich effektiver. Dinge, die man sonst noch nach der Uni Zuhause hätte erledigen müssen, macht man nun in den freien Slots.

Nun aber zum wahrscheinlich wichtigsten Teil des Vergleichs, der eigentlichen Lehre. Dazu möchte ich gleich mal folgendes Szenario beschreiben. Hörsaalübung Baustatik oder besser gesagt, 90 min abschreiben bis die Hand krampft, wer absetzt hat verloren. Ich glaube jeder Student hat oder hatte schon diese Veranstaltung, wo einfach viel zu viel Stoff in deutlich zu wenig Zeit durchgenommen werden muss. Ein bisschen, wie das Garagenparadoxon, nur dass es nicht aufgeht. Zum Nachdenken, Fragenstellen oder Atmen bleibt da keine Zeit. Und die Wahl, den Inhalt lieber zu verstehen und nicht auf Krampf versuchen alles mitzuschreiben, hat man nicht wirklich, weil aufgezeichnet wird nichts und der Anschrieb im Nachhinein auch nicht hochgeladen. Verstehen muss man den Inhalt dann später mithilfe seiner Notizen. Dieses Szenario gibt es jetzt quasi nicht mehr. Einige Veranstaltungen werden als Video hochgeladen und die, die live sind, werden häufig parallel aufgezeichnet oder der Anschrieb im Nachhinein veröffentlicht. Ist ja auch kein großer Mehraufwand, Inhalte sind ohnehin schon in digitaler Fassung. Habe ich Zusammenhänge in einer Vorlesung nicht direkt verstanden, spule ich einfach kurz zurück oder versuche mir die aufgetretene Frage gleich mithilfe anderer Quellen zu beantworten, bevor ich weiterschaue. Das kostet aber auch Zeit und eine Vorlesung kann dann gerne mal doppelt so lange, wenn nicht länger dauern, aber am Ende habe ich den Inhalt auch wirklich verstanden und muss nicht noch Nacharbeiten. Damit ist das eh immer so eine Sache, man macht sich im Hörsaal eine Notiz an einer Stelle im Skript, die man später Zuhause noch aufarbeiten möchte, letztendlich ist das am Ende des Tages aber leicht wieder vergessen. Demnach ist es zurzeit keine Seltenheit, dass ich erst abends den Computer ausmache, wo ich bei gleichem Vorlesungspensum vorher schon längst wieder Zuhause gewesen wäre, mit dem Kopf bei allem anderen außer der Uni.

Natürlich gibt es neben den für mich vielen Vorteilen auch gewisse Nachteile. Der Kontakt zu befreundeten Kommilitonen trotz Skype und anderen Plattformen ist nicht zu vergleichen mit dem persönlichen Treffen. Zudem denke ich, dass es gerade als Lehrende/ Lehrender am Anfang doch sehr ungewohnt ist, gegen einen Bildschirm zu sprechen, mit nur sehr begrenztem Kontakt, gerade weil in großen Veranstaltungen die Studierenden Ihre Kamera aus haben und somit etwaige nonverbale Kommunikation gänzlich entfällt. Mit laufender Zeit und etwas Routine bin ich aber positiv gestimmt, dass die virtuelle Kommunikation zwischen Lehrenden und Studenten immer besser und natürlicher werden kann. Das Veranstaltungen aktiver und innovativer gestaltet werden können und somit eine Lehre in vielen Bereichen auf gleichwertigem, wenn nicht sogar höherem Niveau stattfinden können. Alles in allem bin ich ein großer Freund der Online-Lehre und hoffe, dass wir einige Ansätze aus dieser unwirklichen Zeit in der Zukunft in die uns vertraute Lehre übernehmen werden.

Interesse an weiteren Eindrücken zum Online-Semester? In der kommenden Woche folgen die nächsten Beiträge unserer Studierenden auf tub.torials. Fragen und Anmerkungen sind wie immer herzlich willkommen 🙂

 

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Alles digital – Studierende übers Onlinesemester 2020 an der TUHH (Teil 1)“ von Justin Busch, Adrian Pustelnik, Adrian Pustelnik, Lukas Joritz und Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Beitragsbild „Perspektive“ von Florian Hagen (CC BY 4.0). Der Beitrag steht im Markdownformat zum Download zur Verfügung.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit – Studentische Perspektiven

Zusammenhänge zwischen Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind nicht zuletzt seit der Fridays-for-Future-Bewegung ein Thema, nutzt diese doch für die interne und externe Kommunikation wesentlich auch digitale Werkzeuge. In unserem Blog ging es in einem Beitrag auch um die Nachhaltigkeit von digitalen Projekten und um die Frage wie Lernen nachhaltig durch Digitalisierung unterstützt werden kann. Letzteres ist ein Punkt, der durch die Corona-Krise besonders wichtig geworden ist. Die Bewegung „Bits & Bäume“ will Digitalisierung allgemein nachhaltiger gestalten. Das Buch zur gleichnamigen Konferenz ist Open Access verfügbar und damit nachhaltig nutzbar. Es steht unter der Creative Commons 3.0 (CC BY-NC-SA 3.0 DE) Lizenz. Es darf also unter Nennung der Originalquelle vervielfältigt und nicht kommerziell weiterverbreitet werden.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Nachhaltigkeit und Digitalisierung?

Dieser Beitrag setzt auch den Beitrag Wie funktioniert Lernen heute und morgen? Studentische Perspektiven zum Lernen im Zeitalter der Digitalisierung mit einem weiteren Einblick in studentische Perspektiven fort. Für die Studierenden des Seminars “Wissenschaftliches Arbeiten” an der Technischen Universität Hamburg gab es im Wintersemester 2019/20 optional die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Schreibaufgabe als Essay mit folgender Fragestellung zu befassen:

„Nachhaltigkeit“ und „Digitalisierung“ – zwei Begriffe, die jetzt und zukünftig uns alle betreffen. Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen Nachhaltigkeit und Digitalisierung? Welcher Aspekt bzw. welche Aspekte dieses vielschichtigen Zusammenhangs sind Ihnen besonders wichtig und warum?

Die oben genannten unterschiedlichen Aspekte der Beziehung zwischen Nachhaltigkeit und Digitalisierung werden im Folgenden durch sieben Ausarbeitungen mit freundlicher Genehmigung der Studierenden widergespiegelt und erweitert:

Lorenz Reichel reflektiert über Nachhaltigkeit und Digitalisierung und stellt unter anderem einen Bezug beider zum wissenschaftlichen Arbeiten aber auch zu Fridays-for-Future her.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung – Gegensatz oder Symbiose?

Lorenz Reichel

Beim Nennen dieser beiden Begriffe geht sicherlich den Meisten direkt durch den Kopf, dass es hier um brandaktuelle Themen geht, die unsere Gesellschaft prägen und für viel Diskussionsstoff sorgen. Doch vielleicht ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, warum diese Schlagwörter in einem Atemzug miteinander genannt werden. Besteht überhaupt ein Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Digitalisierung? Wenn ja, wo liegt dieser und welche Aspekte der Korrelation sind besonders spannend? Diesen Fragen versucht dieses Essay auf den Grund zu gehen. Mit dem Thema Nachhaltigkeit verbinden viele zwangsläufig die Themen Klima- und Umweltschutz, da diese in den Medien sehr präsent sind. Und dies zurecht, stellen sie doch eine der größten Herausforderungen der heutigen Zeit dar. Doch natürlich hat Nachhaltigkeit nicht nur eine ökologische Dimension. Auch politische, ökonomische oder wissenschaftliche Aspekte können nachhaltig sein. So hat zum Beispiel der Verfasser einer wissenschaftlichen Arbeit wahrscheinlich den Anspruch, dass sein Werk nachhaltig ist und auch in 20 Jahren in dem Fachgebiet noch eine gewisse Relevanz und Gültigkeit hat und nicht schon übermorgen von einer anderen Arbeit in die Bedeutungslosigkeit geschickt wird. Nachhaltigkeit ist also der Anspruch, dass eine Handlung für längere Zeit die ursprüngliche Wirkung entfaltet und somit ein Begriff, der vor allem zukunftsorientiert ist. Auch „Digitalisierung“ stellt eines der zentralen Schlagwörter der heutigen Zeit dar. Sie ermöglicht und beschleunigt den Fortschritt auf vielen Gebieten, sei es bei der „Industrie 4.0“, der alltäglichen Kommunikation zwischen Menschen über Social Media oder dem Begriff „Big Data“, also der Verarbeitung von großen Daten- und Informationsmengen. Daran anknüpfend lässt sich ebenfalls eine Brücke zum Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit schlagen. Durch die Digitalisierung stehen dem Verfasser innerhalb weniger Sekunden unzählige Informationen zu einem Thema zur Verfügung. Dies ist natürlich eine großartige Möglichkeit, kann aber auch zum Teil erschlagend wirken. Auch macht vielen Menschen die Vorstellung Angst, durch die Digitalisierung in allen Lebensbereichen zum „gläsernen Menschen“ zu werden, d.h. alles von sich an irgendeiner Stelle unfreiwillig preiszugeben. Fakt ist: Die Digitalisierung ermöglicht nicht nur Fortschritt, sie ist auch Teil dessen und schreitet immer weiter voran. Und dies wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern. Doch wo besteht nun ein Zusammenhang zwischen den beiden Begriffen? Ein recht anschauliches Beispiel ist hier die „Fridays for Future“ – Bewegung. Dort haben sich innerhalb kurzer Zeit vor allem junge Menschen auf der ganzen Welt zusammengefunden und organisiert. Dies sieht dann so aus, dass jeden Freitag in unzähligen Städten rund um den Globus die Aktivisten für einen besseren Klima-, Umwelt-, und Tierschutz demonstrieren. Ihre große Forderung ist eine nachhaltige und somit den Planeten schützende Lebensweise aller Menschen. Vor allem die sozialen Medien waren und sind wie ein Brandbeschleuniger für die Bewegung. Ohne diese hätten sich vielleicht Menschen in einer einzelnen Stadt organisiert, jedoch hätte die Verbreitung auf andere Städte und sogar Länder viel länger gedauert oder wäre erst gar nicht zustande gekommen. Außerdem bieten die sozialen Medien die Chance, sich selbst zu vermarkten und somit große Aufmerksamkeit auch außerhalb der Bewegung und abseits von Demonstrationen zu erlangen. Hier kann die Digitalisierung somit als ein Werkzeug verstanden werden, um auf das Thema Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen. Nennen wir die „Fridays for Future“ – Bewegung also einfach mal ein Beispiel für digitale Nachhaltigkeit. Wenn es eine digitale Nachhaltigkeit gibt, muss es bestimmt auch eine nachhaltige Digitalisierung geben. Denken wir zum Beispiel an „Smart Homes“. Diese digitalen Assistenten sollen unser Leben in den eigenen vier Wänden natürlich einfacher, stressfreier und angenehmer gestalten. Aber auch unsere Heizung, die Beleuchtung oder technische Geräte sollen intelligenter und damit effizienter gesteuert werden und zu einem nachhaltigen Lebensstil beitragen. Natürlich gibt es noch viele weitere „Smarts“, wie zum Beispiel „Smart Mobility“, „Smart Health“ oder sogar die Vision von ganzen „Smart Cities“. Es lässt sich festhalten, dass die Digitalisierung in allen Lebensbereichen eine Unterstützung für die Gesellschaft darstellen soll, Nachhaltigkeit nicht nur als platte Phrase zu verstehen sondern als gelebtes Ideal zu verwirklichen. Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit doch ganz schön viel gemein miteinander haben und vor allem die Wechselwirkung dieser beiden zentralen Begriffe unserer heutigen Gesellschaft außerordentlich spannend ist. Die Anfangsfrage lässt sich wohl so beantworten, dass eine Symbiose einen großen Mehrwert schaffen und dabei helfen kann, die Herausforderungen dieser Zeit besser zu meistern.

Björn Wohltmann greift die Wahlwerbung einer kleineren deutschen Partei aus dem letzten Bundestagswahlkampf auf und widmet sich interessanten Fragen wie „Ist alles digitalisierbar? oder „Ist Nachhaltigkeit nachhaltig?“

Digitalisierung first, Nachhaltigkeit second?

Björn Wohltmann

Vorwort

Aus dem Nebel von Modebegriffen, der seit einigen Jahren durch die Niederungen der öffentlichen Debatte wabert, stechen zwei besonders universell instrumentalisierbare Begriffe heraus. Zum einen wäre da das Wort „Nachhaltigkeit“. Während der Begriff per Definition lediglich ein Handlungsprinzip zur Ressourcennutzung beschreibt, ist Nachhaltigkeit auf dem Weg, das wichtigste Kriterium bei der Bewertung von nahezu allen Produkten und Handlungen zu werden. Nachhaltigkeit ist Leitmotiv vieler gesellschaftlicher Bewegungen, die jedoch im Detail so zerstritten sind, dass sie ihre Einigkeit untereinander nur der äußerst flexiblen Auslegbarkeit dieses Begriffes zu verdanken haben. Konkurrenz im Wettrennen um das Füllwort des Jahrzehnts macht der Nachhaltigkeit nur ein Begriff, dessen aktuelle Hochkonjunktur einzig und allein darauf basiert, dass Niemand so genau weiß, was mit ihm gemeint ist. Die Rede ist von der „Digitalisierung“. Digitalisierung beschreibt das Umwandeln von analogen Daten und Prozessen, um diese informationstechnisch verarbeiten und erfassen zu können. Gleichzeitig ist der Begriff Zauberwort der Politik, Religion der Industrie und große Unbekannte im Leben vieler Menschen. Digitalisierung suggeriert Moderne, Fortschritt, Effizienz und Innovation, aber mache Menschen fühlen sich auch mehr oder weniger zu Recht von ihr bedroht. Wo auch immer einer der Begriffe fällt, ist der andere nicht weit. Auch wenn sie auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben, betreffen beide die meisten Themenkomplexe, die unsere Gesellschaft heutzutage bewegen. Das wirft mehrere Fragen auf:

Ist alles digitalisierbar?

Data-Science-Enthusiasten und FDP-Politiker würden diese Frage ohne zu zögern mit ja beantworten, und im Grunde genommen haben sie recht. Moderne Datenerfassung lässt sich überall integrieren, über alles können Statistiken erstellt werden und alles lässt sich theoretisch besser durch ein Programm steuern als durch einen Menschen. Diese Transformation ist in vielen Lebensbereichen längst vollzogen oder schon voll im Gange, doch wenn man die Welt mit den Augen eines Idealisten sieht, muss die Digitalisierung nicht vor den letzten Bastionen menschlicher Überlegenheit halt machen. Längst bewerten in manchen Unternehmen künstliche Intelligenzen Bewerbungsschreiben und greifen dabei auf den gesamten digitalen Fußabdruck der Bewerber zurück. Längst kann man online seine Symptome in eine Maske eingeben und bekommt von einem Algorithmus die angeblich wahrscheinlichste Erkrankung ausgespuckt. Und längst bringen Politiker aus bestimmten Ecken des politischen Spektrums Pflegeroboter als Maßnahme gegen die Unterbesetzung in Pflegeheimen in Spiel. Dabei vergessen sie eines: Den Störfaktor Mensch. Wäre die Spitzenpolitik in Deutschland nicht so überaltert, hätte man vermuten können, dass entsprechende Politiker ihr Wissen über die Berechenbarkeit menschlicher Bedürfnisse und Eigenschaften aus Computerspielen ableiten. Berechenbarkeit ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg von Digitalisierung, und die vollständige Berechenbarkeit des Menschen bleibt zum Glück ein feuchter Tagtraum diverser Digitalvisionäre.

Ist Digitalisierung nachhaltig?

Diese Frage lässt auch unter Annahme diverser Idealisierungen nicht eindeutig beantworten. Einerseits eröffnet die Digitaltechnologie nie dagewesene Chancen, was das gezielte Micromanagement von Wirtschaftsprozessen, neue Forschungsmethoden und die Steigerung der Lebensqualität der Bevölkerung angeht. Es gibt unzählige Anwendungszwecke, in denen die Nutzung von Digitaltechnologie Sinn ergibt und sogar geboten ist. Die Landwirtschaft zum Beispiel ist ein altes Gewerbe, das so stark von Traditionen geprägt ist wie kein zweites. Unser deutscher Flickenteppich von Feldern, die von alteingesessene Bauernfamilien des bäuerlichen Gespürs nach mit Maschinen von Museumswert bewirtschaftet werden, ist zwar schön anzusehen, aber auch ein Milliardengrab für EU-Subventionen und ein Alptraum für die Umwelt. Durch die digitale Aufrüstung von Landmaschinen lässt sich mittlerweile jeder Quadratmeter eines Ackers genau überwachen. Dünger und Pestizide können selektiv ausgebracht werden, wodurch die Belastung des Grundwassers reduziert werden kann. Kein anderer Bereich bietet sich mehr für autonomes Fahren an als der Acker. Durch 24-Stundenbetrieb könnten Maschinen eingespart werden. Maschinelle Datenanalysen ermöglichen überraschend genaue Vorhersagen über die Entwicklung des Konsumverhaltens der Bevölkerung. Würde man die europäische Nahrungsmittelproduktion vernetzen, ließe sich mit Hilfe dieser Vorhersagen der Lebensmittelüberschuss drastisch reduzieren. Allerdings kommt Digitalisierung nicht zum ökologischen Nulltarif. Die Produktion von Platinen, Prozessoren und Akkus verschlingt wertvolle Ressourcen problematischer Herkunft und die Vernetzungsinfrastruktur frisst Unmengen an Energie, die wir momentan noch zu einem viel zu großen Teil mit Technologien des letzten Jahrhunderts erzeugen. Der blinde Wahn der Digitalisierungsfetischisten gipfelte 2017 vorläufig im glücklicherweise kurzen Erfolg der Digitalwährung Bitcoin, zu dessen „Erzeugung“ riesige Rechenzentren aus dem Boden gestampft wurden, deren einziger Sinn es war, Ressourcen in mittlerweile wieder wertlosen Datenmüll zu verwandeln.

Ist Nachhaltigkeit nachhaltig?

Einer der größten industriellen Betrugsskandale, bekannt unter dem Kosenamen „Diesel-Gate“, war retrospektiv betrachtet der Auslöser unserer aktuellen Klimadebatte, welche sowohl die Regierung, als auch die Oppositionsparteien vor massive Herausforderungen stellt. Ein Vorzeigeprojekt der Bundesregierung ist momentan die Förderung von Elektroautos. Unter der Fahne der Nachhaltigkeit werden verhältnismäßig saubere, und vor allem bereits produzierte Diesel-PKW verschrottet, um der Umwelt so frühzeitig die Produktionsemissionen eines für den Stadtverkehr viel zu großen Lithium-Ionen-Akkus aufzubürden. Dieser Wahnsinn wird aus Angst vor dem lauterwerdenden Verlangen der Bevölkerung nach einerseits mehr Umweltschutz und andererseits weniger Veränderungen weiter vorangetrieben. Denn unter bestimmten Umständen ist ein Elektroauto für sich allein betrachtet tatsächlich nachhaltig und das Märchen vom grünen individuellen Personennahverkehr kann noch ein paar Jahre weitererzählt werden.

Fazit

Es beruhigt zwar den aktuellen Durchschnittswähler, als Klimapolitiker auf technische Lösungen statt auf den berühmt-berüchtigten Veggi-Day zu setzen. Sobald allerdings das Adjektiv „nachhaltig“ zum wertlosen Gütesiegel für grün lackierte Übergangstechnologien verkommt, verspielen wir die Chance, die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels auf unser Leben durch tatsächliche technische Innovationen zumindest etwas abzufedern.

Olivier Petitot fragt nach dem Potential der Digitalisierung für Nachhaltigkeit und betrachtet zusätzlich die Ökobilanz der Digitalisierung.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Olivier Petitot

Wie nachhaltig ist die Digitalisierung und wie nachhaltig kann Digitalisierung sein? Eine schwierige Frage, die ein sehr komplexes und vielseitiges Thema anspricht. Zunächst einmal wird der Begriff Digitalisierung geklärt. Ursprünglich steht der Begriff für die Umwandlung von analogen Informationen in digitale Formate (1). Das, was die meisten darunter verstehen, ist aber der digitale Wandel oder die digitale Transformation. Dieser Wandel bringt Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Bildung und Politik. Viele Prozesse, die früher analog funktioniert haben, werden heute global und in Sekundenschnelle digital bearbeitet. So läuft z.B. der Schriftverkehr hauptsächlich über E-Mails, statt über Briefe und die Massenproduktion wird zum Großteil mit Maschinen automatisiert (2). Die Globalisierung ist somit ohne die Digitalisierung nicht möglich oder nur sehr träge. Heutzutage kann z. B. ein Unternehmen auf mehrere Standorte in verschiedenen Ländern aufgeteilt sein und dennoch als eine Einheit funktionieren. Meistens sind die Gründe für eine solche Aufteilung wirtschaftlicher Natur, das Potential für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung durch die Digitalisierung ist aber groß. So ist es möglich die Stärken des jeweiligen Landes zu nutzen, aber ohne Menschenrechte zu verletzen oder der Natur Schaden zuzufügen. Häufig hat die Wirtschaft aber die Oberhand und nachhaltige Aspekte geraten in den Hintergrund. Es bedarf also Regelungen, die bestimmte Rahmen setzen, um den Fokus stärker auf Nachhaltigkeit zu lenken. Der Begriff “digital“ wird häufig mit dem Einsparen von Ressourcen in Verbindung gebracht, so z.B. der geringere Papierbedarf. Das gilt jedoch nicht allgemein. Einige digitale Prozesse machen das Ausführen in analoger Form überflüssig, doch für alle digitalen Geräte werden zunächst sehr viele Ressourcen benötigt. Ein Beispiel sind Server, die sämtliche Informationen in Form des Internets bereitstellen und die Suchverläufe speichern. Dabei wird für den Betrieb sehr viel Energie verbraucht und zur Herstellung solcher Server und auch anderer digitaler Geräte werden viele Rohstoffe benötigt (3). Häufig werden diese Rohstoffe in Entwicklungsländern unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut. Für den Abbau der Mineralien wird ein Schaden an der Natur häufig in Kauf genommen, Profit und Wirtschaftswachstum dominiert. Der nachhaltige Gedanke gewinnt aber zunehmend an Bedeutung, da wir vor dem immer größer werdenden Problem der Erderwärmung stehen mit sämtlichen Folgen, die sie auf die Umwelt bzw. die Menschen hat. Der Begriff “Circular Economy“ ist einer der Ansätze, um schonender mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen (4). Altgeräte sollen nicht einfach entsorgt werden, sondern wiederbenutzt oder recycelt werden, um die enthaltenen Rohstoffe wiederzuverwenden und ein erneuter Abbau von Rohstoffen ist dafür nicht nötig. Schlussfolgernd kann man sagen, dass die Digitalisierung ein großes Potential für Nachhaltigkeit hat, dieses aber nicht ausgeschöpft wird. So muss der Nachhaltigkeit der Digitalisierung stärker in den Vordergrund gerückt werden, z.B. durch Vorschriften und Regelungen.

1 Stefan Luber, Nico Litzel: Was ist Digitalisierung?. 2019. [Online Dokument]. Verfügbar in: https://www.bigdata-insider.de/was-ist-digitalisierung-a-626489/ [abgerufen am 6.11.2019].
2 Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung: Mit Etikettiermaschine und Co. zum Global Player werden. 2019. [Online Dokument]. Verfügbar in: https://www.trendsderzukunft.de/unternehmen-im-zeitalter-der-digitalisierung-mit-etikettiermaschine-und-co-zum-global-player-werden/ [abgerufen am 6.11.2019].
3 Werner Eckert: Faktencheck: Ökobilanz von Suchmaschinen. 2018. [Online Dokument]. Verfügbar in: https://www.swr.de/wissen/20-jahre-google-umweltfacts-zu-suchmaschinen/-/id=253126/did=22378814/nid=253126/d2azhl/index.html [abgerufen am 6.11.2019].
4 Valentin Greggersen: Denken in Kreisläufen – Die Circular Economy als Schlüssel für nachhaltiges Wirtschaften?. 2017. [Online Dokument]. Verfügbar in: https://reset.org/knowledge/denken-kreislaeufen-die-circular-economy-als-schluessel-fuer-nachhaltiges-wirtschaften-072 [abgerufen am 6.11.2019].

Joshua Höhne beleuchtet die Frage, wie die Digitalisierung von bisher analog verfügbaren Daten bzw. analog ablaufenden Prozessen ein nachhaltiges Leben fördern kann. Dabei wird auch die Nachhaltigkeit digitaler Infrastruktur hinterfragt.

Digitalisierung – Bringt sie uns einer nachhaltigen Lebensweise näher?

Joshua Höhne

Nachhaltigkeit und Digitalisierung – zwei Themen, denen heutzutage so viel Aufmerksamkeit zukommt, wie noch nie zuvor und die wohl auch noch in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Digitalisierung selbst ist ein sehr junges Thema, das mit der Erfindung von Computer und erst recht der des Internets schlagartig an Popularität gewann und stetig an Relevanz zunimmt. Nachhaltigkeit dagegen ist ein Prinzip des Handelns und Wirtschaften, welches wohl schon den ersten Menschen bekannt war. Die Verknüpfung beider Themen verspricht also sehr interessante Diskussionen und wird für unsere jetzige und zukünftige Lebensweise neue wichtige Erkenntnisse hervorbringen. Im Folgenden sei unter Nachhaltigkeit besonders der Aspekt der Nutzung von Ressourcen unseres Planeten zu verstehen. Dem Begriff Digitalisierung soll vorrangig die Bedeutung vom Digitalisieren analoger Daten und Vorgängen zukommen. Als besonders wichtig erachte ich die Frage, wie die Digitalisierung unsere Nachhaltigkeitsbemühungen beeinflusst und ob sie unsere Situation des globalen Ressourcen-Haushalts insgesamt verbessern oder verschlechtern wird, weil ich die nachhaltige Nutzung der Ressourcen unserer Umwelt als die derzeit größte Herausforderung der Menschheit einschätze. Deshalb werde ich in diesem Essay einige Gedanken dazu vortragen. Was einem bei Nennung des Begriffs „Digitalisierung“ wahrscheinlich zuerst in den Sinn kommen mag, ist die Digitalisierung von Daten, die zuvor in analoger Form meist auf Papier vorlagen. Das sind zum Beispiel Bücher, Dokumente und andere Textformate, sowie Fotos und Filme. Aber auch Vorgänge wie Steuererklärungen oder persönliche Gespräche können digitalisiert werden. Dadurch können diejenigen Ressourcen eingespart werden, die für die analoge Existenz der Daten oder die analoge Ausführung der Tätigkeit notwendig gewesen wären. So kann beispielsweise eine Menge Papier und damit Holz eingespart werden, indem Bücher als E-Books erscheinen, Briefe und Nachrichten per E-Mail versendet werden und Studiums-Unterlagen und Aufgabenblätter digital abrufbar werden. So könnte der weltweite Holz-Haushalt nachhaltiger gestaltet werden, denn mit einem geringeren Papierbedarf kann man dem Ziel näher kommen, nur so viel Wald zu fällen, wie im selben Zeitraum auch nachwachsen kann. Auch fossile Brennstoffe und Schadstoffausstoßungen können eingespart werden: Der Kraftstoffbedarf der Forstwirtschaft geht zurück, da sie wegen der geringeren Holznachfrage weniger Maschinen benötigen. Briefe müssen nicht mehr per Postauto, Schiff oder Flugzeug zugestellt werden, weil die E-Mail eine Alternative mit vielen Vorteilen bietet. Und persönliche Gespräche können durch (Video-)Anruf getätigt werden, ohne um die halbe Welt reisen zu müssen. Dabei ist gerade die Einsparung von fossilen Brennstoffen aus ressourcen-nachhaltiger Sicht wichtig, da wir diese aktuell viel schneller abbauen, als sie regeneriert werden können. Allerdings bringt die Digitalisierung nicht nur Segen im Bereich der Ressourcen-Nachhaltigkeit. Es muss unbedingt beachtet werden, unter welchem Aufwand diese digitale Infrastruktur geschaffen und aufrecht erhalten wird. So müssen zum einen all die elektronisch-technischen Geräte hergestellt werden, auf denen eine digitale Welt basiert. Dafür werden viele verschiedene Materialien aus der Erdkruste benötigt, deren Abbau und Verarbeitung nicht immer dem Prinzip der Nachhaltigkeit entspricht. Auch die Energiemengen für die Herstellung und vor allem für den Betrieb der Geräte ist beachtlich. Um die hohe Verfügbarkeit der digitalisierten Daten zu ermöglichen, müssen weltweit unzählige Server rund um die Uhr betrieben werden, und auch das Abrufen und Nutzen der Daten bedarf eines elektronischen Gerätes mit Stromverbrauch. Dieser Strom wird allerdings zum aktuellen Zeitpunkt nicht nachhaltig gewonnen – zu groß ist der Anteil an fossilen Brennstoffen, der für die Erzeugung der riesigen Strommengen verwendet wird. Die große Frage ist, in welchem Verhältnis zurzeit die Gewinne und Verluste in der Nachhaltigkeit der Digitalisierung zueinander stehen. Das langfristige Ziel muss sein, den Unterhalt einer digitalen Welt so ressourcenschonend zu gestalten, dass die oben genannten Vorteile der Digitalisierung auch wirklich ausgekostet werden können, ohne unterm Strich Minus im Sinne der Nachhaltigkeit zu machen. Sollte uns das gelingen, kann die Menschheit einem nachhaltigem Leben auf diesem Planeten ein weiteres Stück näher kommen.

Fynn Pieper verknüpft die Beschreibung sozioökonomischer Aspekte der Digitalisierung mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen.

Digitalisierung vs. Nachhaltigkeit – Wie kann digitaler Fortschritt mit Voraussicht vereinbar werden?

Fynn Pieper

Digitalisierung ist die Abstrahierung der uns umgebenden physischen Dinge und Abläufe zum Zweck der Vereinfachung, Strukturierung und schlussendlichen Nutzung der erfassten Daten. Die Gestaltung dieses Prozesses ist eins der umstrittensten Themen unserer Zeit, nicht nur in Bezug auf die technische Umsetzung, sondern auch auf sozioökonomischer Ebene. Frühzeitig wurde versucht die Rolle der Technologie und der digitalen Welt für den sozialen Wandel und die individuelle Entwicklung zu klären. Obwohl die maßgeblichen Interessen zur Erforschung anderen Ursprungs sind entsteht dabei noch kein Widerspruch! Sehr wohl kann die Digitalisierung sogar den sozialen Fortschritt fördern. Die Vergangenheit hat jedoch auch gezeigt, dass neue Technologien ohne Regulierung, kritische Diskussion über die Risiken und ohne demokratische Kontrolle häufig zu mehr oder neuen sozialen Problemen führen. Nicht ohne Grund stellt deshalb Datenschutz eines der wichtigsten öffentlichen Interessen des 21. Jahrhunderts dar. Nach einer Umfrage des Anti-Virus Programms McAfee fühlen sich weltweit über 40% der Menschen nicht dazu in der Lage, ihre persönlichen Daten eigenständig zu kontrollieren. Wenn die Digitalisierung wirklich ein Element eines großen sozialen Wandels sein soll, muss sie also nachhaltig, fair und für alle Menschen transparent sein. Vor diesem Hintergrund haben sich 193 Staaten auf 17 nachhaltige Entwicklungsziele verständigt. Die Delegierten dieser Nationen unterzeichneten 2015 eine ambitionierte Agenda, welche innerhalb von 15 Jahren dazu führen soll zukünftigen Generationen eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen. Dieser Prozess hat jedoch gerade erst begonnen: Für die Umsetzung ist der Dialog mit vielen verschiedenen Interessengruppen erforderlich, um die Entwicklungsziele schlussendlich erreichen zu können. Dies gilt insbesondere in Hinsicht auf die aktuellsten Schritte zur Realisierung der Nachhaltigkeit: Entgegen den allgemeinen Erwartungen sind bahnbrechenden Ergebnisse ausgeblieben. Trotz vielfacher Bemühungen in Entwicklungs- und Industrieländern hat noch keiner der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen alle erklärten Ziele erreicht, so dass der Aufruf zur Intensivierung des Engagements und zur Erforschung von Lösungsstrategien offen bleibt. Ein konkreter Weg, der zur Lösung der langfristigen, ökologischen Probleme führen wird, ist noch nicht in Sicht. Aber damit die Aussicht auf diesen nicht verbaut wird, müssen wir schon heute handeln und bei der Digitalisierung unserer Umwelt auf alle Interessen Rücksicht nehmen. Das angestrebte Ziel der Menschheit muss die Sicherung des eigenen Bedarfs sein, ohne kommende Generationen darin einzuschränken ihren eigenen Bedarf decken zu können.

Kevin Malz verknüpft die Konzepte Nachhaltigkeit und Digitalisierung mit den den Bezeichnungen Kommunikation, Information und Wissen. Alle drei haben und werden sich weiterhin durch die aufgeführten Konzepte verändern. Der Autor verbindet das Thema mit dem Konsum und betont, dass die positiven Aspekte der Digitalisierung im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens und der Bildung die negativen Ausprägungen überwiegen.

Unser Planet – Können wir ihn retten? Ein Essay zu Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Kevin Malz

Tagtäglich begegnen wir heute dem Thema Umwelt und damit verbunden ebenso dem Thema Nachhaltigkeit. Jeder interpretiert diesen Begriff etwas individueller und jeder handelt in seinem Ermessen so nachhaltig, wie es für einem möglich erscheint. Doch was können wir mit Nachhaltigkeit erreichen? Besteht eine Chance unseren blauen und grünen Planeten mit unserer konsumorientierten Lebensweise am Leben zu halten? Kann uns die Digitalisierung helfen? Für jeden Menschen wird der rasende Klimawandel zur Folge haben, dass er sich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen muss. Gesetze und neue Verordnungen werden unser Handeln einschränken und versuchen private Emissionen zu reduzieren. Doch das ist nur ein kleiner Teil des Kuchens und ein viel größerer davon ist die Industrialisierung und daher einhergehend auch die Digitalisierung zur immensen Kostenreduktion der Prozesse großer Unternehmen. Mein erster Gedanke zum Thema Digitalisierung ist der gesparte Papieraufwand der durch den Umstieg auf elektronische Kommunikation zustande kommt. Keine Briefe mehr, keine Fax oder lästiges hin und her schicken von großen Briefen. All das wird gespart und sorgt für eine massive Reduktion des Papierverbrauchs und schont damit unsere Wälder unseres grünen Planeten. Doch neben Umwelteinflüssen hat die Digitalisierung auch einen Einfluss auf unser tägliches Leben. Sie vereinfacht uns den gesamten Alltag. Informationen sind überall abrufbar und wir sparen dadurch einen enormen Zeitaufwand um an verschiedene Informationen zu gelangen. Auch die Selektion und die gezielte Suche nach Informationen wird vereinfacht. Doch ist das ein Vorteil? Durch die Vereinfachung wird dem Mensch suggeriert, dass kein Fleiß mehr nötig ist um an Informationen zu gelangen. Alles ist öffentlich abrufbar und kann rund um die Uhr genutzt werden. Abseits des Themas Wissen hat die Digitalisierung auch den Konsum des Internets und die Vernetzung der Menschheit grundlegend verändert. Das Internet hat das Verhalten der Menschen in jederlei Hinsicht verändert. Es beeinflusst die Wirtschaft, die Arbeitsplätze und auch die Umwelt. Durch große Konzerne wie Amazon werden kleine lokales Geschäfte verdrängt, da diese aufgrund der mangelnden Preisanpassung nicht mit den Preisen eines Milliarden Konzerns mithalten können. Das führt dazu, dass immer mehr Menschen bevorzugt über das Internet Waren bestellen. Gründe dafür sind Komfort und günstigere Preise, ebenso wie ein 14 tägiges Widerrufsrecht, welches im normalen Handel nicht existiert. Am Ende eines Jahres wird in den Medien darüber berichtet, wie viele Millionen Pakete versendet werden, es kommt zu Streiks weil unterbezahlte Schichtarbeiter in Versandunternehmen unter schlechten Bedingungen arbeiten müssen. Doch was ist der Preis am Ende? Den obigen Argumenten ist klar zu entnehmen, dass die Digitalisierung positive sowie negative Aspekte mit sich bringt. Zum einen sorgt sie dafür, dass alle Menschen Zugang zu Informationen bekommen können, welche Sie für eigene Forschungen, schulische Zwecke oder ihr eigenes Interesse nutzen können. Aber auch dafür, dass der Mensch an Bequemlichkeit gewinnt und die Digitalisierung als einfaches Medium nutzt und sich auf dieses verlässt. Bezogen auf umweltbehaftete Gründe sorgt die Digitalisierung an einen Ende für das Sparen von unzähligen Tonnen Papier, aber sorgt im gleichen Atemzug auch dafür, dass enorm viele Emissionen durch andere Konsequenzen der Digitalisierung entstehen. Am Ende ist die Digitalisierung meiner Meinung nach eine sehr positive Errungenschaft des Menschen. Vor allem durch die Vereinfachung vielerlei Prozesse und die daraus resultierenden Möglichkeiten. Jedoch muss man am Ende abwägen, welche Aspekte der Digitalisierung jene sind, die der Mensch weiter ausführen sollte, denn der massenhafte online Konsum ist alles andere als eine positive Errungenschaft, da daraus nur negative Belastungen für Mensch, Klima und Umwelt resultieren. Können wir also unseren Planeten retten? Dafür ist die Digitalisierung alleine nicht verantwortlich, dazu gehört noch viel mehr. Der wichtigste Zusammenhang bildet für mich der Aspekt des Klimawandels. Bezogen auf Wissenschaftliches Arbeiten müssen wir es nutzen um Fortschritte in der Wissenschaft schneller umsetzen zu können, ebenso für die einfache Verbreitung von niedergeschriebenem Wissen. Ich bin überzeugt davon, dass vielen Menschen die Barriere zur eigenen Bildung genommen wurde und vielen Menschen überhaupt erst Bildung ermöglicht wurde. Die Digitalisierung hat somit enorme Vorteile, welche in meinen Augen den negativen überwiegen. Jedoch sollte man ein Auge auf die negativen Konsequenzen haben, denn mit Digitalisierung haben wir ein Mittel, welches uns in jeglicher Hinsicht behilflich sein kann, aber nur, wenn wir es richtig nutzen.

Sinan Özyilmaz hinterfragt das heutige Konsumverhalten vor dem Hintergrund von Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Konsumgesellschaft

Sinan Özyilmaz

Bestellung per Knopfdruck und dabei Zuhause gemütlich einen Kaffee trinken. Durch die Digitalisierung ist es jedem möglich mal eben ein paar Dinge Online zu bestellen. Sei es jegliche Art von Bekleidung, Elektronik oder auch Lebensmittel. Wie wirkt sich ein solches Verhalten auf die Umwelt aus? Inwiefern schadet dieses bequemliche Verhalten der Umwelt. Gibt es nachhaltige Alternativen, die besser für unsere Umwelt sind? Die Digitalisierung veränderte die Generation. Gerade junge Menschen, die mit diesem technischen Fortschritt aufwachsen, sind besonders davon betroffen. Dabei sind diese Veränderungen nicht nur technisch zu betrachten, sondern die Auswirkung gehen tiefer und beeinflussen unsere Verhaltensmuster. Die Möglichkeiten die sich durch die Digitalisierung ergeben, fördern ein Bequemlichkeitsverhalten. Nach einem langen und harten Arbeitstag, wollen die meisten Menschen nicht noch einmal in einen Laden rennen, um Einkäufe oder anderweitige Besorgungen zu erledigen. Sie sind meistens erschöpft und müde. Hinzu kommt das sich die Geschäfte nicht mal in direkter Nähe befinden. Da ist es praktisch, dass durch die neue vorhandene Technologie eine Möglichkeit besteht, Gegenstände online in verschiedenen Shops einfach und bequem bestellen zu können. So wird fleißig Bekleidung im Internet bestellt, und wenn es nicht passt oder gut ausschaut, ganz einfach wieder zurück verschickt. Kostenloser Rückversand! Damit wird von Anbietern geworben. Die Bestellungen fangen an zu steigen und die Rücksendequoten steigen demnach auch. Wie sieht es nach der Arbeit mit dem Lebensmitteleinkauf aus? Lebensmitteleinkäufe im Internet wird ebenfalls gern genutzt. Lebensmittel werden verpackt und abgeschickt. Das Motto Zeitersparnis des Käufers auf Kosten der Umwelt. Die meisten Menschen machen sich sicherlich weniger Gedanken, wie die Pakete zu ihnen kommen. Diese steht plötzlich vor der Tür mit einem Postboten anbei. Da verbirgt sich unter anderem eine Schattenseite. Der steigende Online Handel bedingt durch die Digitalisierung fördert jedoch ein erhöhtes Transportaufkommen. Dabei ist zum Einen entscheidend, ob die Waren nacheinander gekauft werden oder in einer Bestellung aufgegeben wird. Meist bedeutet eine Bestellung nicht, dass alles in einem Päckchen verschickt wird. Dieser steigende Transport hat über die CO2-Emissionswerte einen direkten Einfluss auf unsere Umwelt. Denn steigende Emissionswerte unterstützen die globale Erwärmung. Zum Anderen stellt sich die Frage, ob die Mehrheit der Menschen ihren Einkauf normalerweise mit dem Auto oder anderen Alternativen durchgeführt hätten. Wenn die Einkäufe von allen Menschen mit dem Auto durchgeführt werden, dann ist ein Transport der Ware eine gut Idee. Die Emissionen würden durch den Transport tatsächlich sinken, weil weniger Leute mit dem Auto unterwegs sein müssten. Jedoch sieht der Fall etwas anderes aus. Viele junge Personen in der Stadt besitzen nicht genügend Einkommen um sich ein Auto zu leisten oder benötigen innerhalb der Stadt einfach kein Auto. Somit führt das eher zu einem erhöhten CO2 Ausstoß bedingt durch viele Transporte. Des Weiteren ist die Anbindung in der Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln in einigen Städten sehr gut ausgebaut. Dazu wird der Radverkehr für Menschen ebenfalls attraktiver gestaltet und hält uns durch die sportliche Betätigung fit. Durch diese beiden Aspekte können mehrere Menschen umweltschonender an ihr Ziel kommen. Diese Argumente sprechen eher für eine größere Belastung durch ein Überfluss an Transportaufkommen. Ferner kommen jene zurückgeschickten Kleidungsartikel hinzu, die durch herkömmliches Einkaufen nicht entstanden wären, weil sie im Laden anprobiert werden können und gleich vor Ort getestet werden dürfen. Diese Transportfahrten summieren sich dann auf. Ein Vorteil an der Digitalisierung, der nachhaltig genutzt werden kann, ist in Form von Second-Hand-Produkten. Es wird kein weiteres neues Produkt erstellt, sondern bestehende Produkte weiter verkauft/geschenkt. Durch Online Portale kann dies auch unmittelbar in der näheren Umgebung geschehen. So könnten Fuß und Radwege genutzt werden, um diese Waren nachhaltig von Person zu Person weiter zugeben. Dazu ist eine große Community an Interessenten vorhanden. Die Digitalisierung bietet verlockende Möglichkeiten an Sachen bequem Online bestellen zu können. Dies liegt einfach daran, dass es schnell, entspannt und von Zuhause aus möglich ist. Diese Verführung etwas online bestellen zukönnen, führt jedoch zu einem steigenden Transportaufkommen, welcher auf Kosten unserer Umwelt geschieht und die globale Erwärmung unterstützt. Ein generelles Umdenken zu umweltschonenden Verkehrsmitteln hält nicht nur fit, sondern senkt auch die CO2-Emissionen, ein wichtiger Parameter für die Nachhaltigkeit auf unserem Planeten. Dazu sollte beim Kauf auf Bekleidungsartikel und sonstige Second-Hand-Produkte aufmerksamer geachtet werden, bevor der nächste Kauf in Richtung neues Produkt geht.

 

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Digitalisierung und Nachhaltigkeit – Studentische Perspektiven“ von Thomas Hapke, Joshua Höhne, Kevin Malz, Sinan Özyilmaz, Olivier Petitot, Fynn Pieper, Lorenz Reichel, Björn Wohltmann, Lizenz: CC BY 4.0.
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