Klemmbausteine Idee

Wie machen wir OER? Einblicke bei tub.torials

Ein Vorteil von offen lizenzierten Inhalten ist, dass Texte und Materialien, die für andere Medien geschrieben oder erstellt wurden, auch selbst veröffentlicht und frei weitergenutzt werden können. Der Blogbeitrag Wie machen wir OER? Einblicke bei tub.torials wurde unter CC BY 4.0 über das Insights-Blog am 15. April 2020 veröffentlicht. Beim Recherchebarcamp 2021 diente dieser als grobe Strukturvorlage für eine spontan angebotene Session zum Thema OER. Die Änderungen des Originalbeitrags werden im Lizenzhinweis (siehe Textende) aufgeführt. Der überarbeitete Beitrag wird zusätzlich in einem offenen Format (Markdown) angeboten.


Was bedeutet OER überhaupt?

Über Open Educational Resources (OER) gibt es viel zu lesen. Kurz zusammengefasst handelt es sich um offene Bildungsmaterialien, die gemeinfrei oder unter einer offenen Lizenz zur Verfügung gestellt werden. Interessierte können das veröffentliche Material kostenlos nutzen, für eigene Lehr-Lerneinsätze bearbeiten und auch weiterverbreiten. Je nach Lizenz mit keinen oder nur wenigen Einschränkungen.

Kreativität und Form der Umsetzung sind keine Grenzen gesetzt. Zu jedem Inhalt kann mit jedem Medium ein OER erstellt werden. Ein einfaches Handout, Lehrpläne, Kursmaterialien, Lehrbücher, Streaming-Videos, Multimedia-Anwendungen, Podcasts, Interaktive Webelemente – alles was im Lernszenario hilfreich ist – ist willkommen. Beachtet werden sollten dabei die 5 Freiheiten für Offenheit nach Wiley.

Was sich in der Theorie einfach anhört, kann aber sowohl für Anfänger:innen als auch absolute Koryphäen immer wieder eine Herausforderung sein.

Beim HOOU-Projekt tub.torials ist die OER-Material-Erstellung u. a. von den Ersteller:innen, Thema und „Vision“ des finalen Lehr-Lernmaterials abhängig. Während die Erstellung viele Vorgehensformen haben kann, soll in diesem Beitrag ein typischer Ablauf grob skizziert werden, mit dem beispielsweise der Beitrag Was bedeutet eigentlich Open Science? entstanden ist.

1. Start – Worum geht es beziehungsweise was ist unsere Idee?

Um OER zu erstellen ist für uns zunächst eine Initialzündung nötig. Diese entsteht oftmals aus unterschiedlichen Situationen beziehungsweise Fragen heraus:

  • Gibt es einen konkreten praktischen Bedarf (beispielsweise aus dem Austausch mit Studierenden oder Kolleg:innen)?
  • Entspringt die Idee dem eigenen Arbeits- beziehungsweise Studienalltag?
  • Ist etwas für mich selbst schwer oder nur umständlich nachvollziehbar?

Oftmals führen wir individuell eine Art Ideenjournal. Geistesblitze werden hier über Mindmaps, Stichwörter oder mal mehr, mal weniger ansehnliche „Konzeptzeichnungen“ festgehalten. Haben wir dann wesentlich später eine konkretere Vorstellung, so können auch „ältere“ Einfälle wieder problemlos aufgegriffen werden und gehen nicht verloren. Selbst Klemmbausteine oder kreative Schreibansätze kommen bei der (Weiter-)Entwicklung von Ideen zum Einsatz.

Anstoß für eigene OER-Ideen gibt es über die aufgeführten Anlässe hinaus auch durch andere offene Bildungsmaterialien.

2. Material – Gibt es schon was?

Wenn wir eine etwas konkretere Idee haben, stellt sich die Frage, ob es eventuell schon etwas Vergleichbares gibt. Und wie so oft bei Rechercheaufgaben gilt: viele Wege führen nach Rom beziehungsweise zu offenen Lernmaterialien. Meine erste Anlaufstelle ist meistens die HOOU-Webseite, auf der es zahlreiche offene Bildungsmaterialien (sowie Lernangebote und -Teams) gibt. Auch das OER-Portal Niedersachsen ist eine empfehlenswerte Sammlung vieler unterschiedlicher OER-Materialien. Werde ich bei diesen Angeboten nicht fündig, so weite ich meine Suche über OERhörnchen aus. Hier lassen sich über unterschiedliche Suchoptionen u. a. deutschsprachige OER-Projekte und Bildungsangebote durchsuchen. Weitere Suchmöglichkeiten wie die Mediensuche ermöglichen zudem das Durchsuchen von Angeboten wie flickr, Wikimedia Commons oder europeana. Ebenfalls möglich ist eine komplette Websuche über Google mit Lizenzoptionen (beispielsweise „Ausschließlich nach Inhalten mit OER-kompatibler Lizenz / gemeinfreien Inhalten suchen“).

  • Screenshot der HOOU-Suche
  • Screenshot Startseite OER-Portal-Niedersachsen
  • Screenshot OERhörnchen

Wenn wir passendes Material gefunden haben, so gilt es nun die Lizenzvorgaben zu beachten.

3. Lizenzen – Was ist zu beachten?

OER-Materialien im Hochschulbereich sind oftmals mit einer CC-Lizenz (Creative Commons) versehen. Neben offiziellen Informationen zu den einzelnen Lizenzen sei auch noch diese visuelle Übersicht von Jöran Muuß-Merholz ans Herz gelegt:

CC-Lizenzen übersichtlich erklärt (Grafik von Barbara Klute und Jöran Muuß-Merholz für wb-web unter CC BY SA 3.0).

Diese funktionieren nach dem Baukastenprinzip, wobei vier Module zur Verfügung stehen:

  • Namensnennung,
  • Nicht kommerziell,
  • Keine Bearbeitung,
  • Weitergabe unter gleichen Bedingungen.

Diese Module lassen sich miteinander kombinieren, wobei wir uns bei selbst erstellten Materialien für die Veröffentlichung mit einer CC BY 4.0-Lizenz (Namensnennung) entschieden haben. Somit wollen wir eine Be- und Weiterverarbeitung unserer Materialien ohne Einschränkungen ermöglichen. Die einzige Pflicht bei dieser CC-Lizenz ist die Namensangabe. Weitere Informationen zu CC-Lizenzen bietet auch das Einführungsvideo Creative Commons-Lizenzen erklärt mit dem lehrreichen Lizenzmodulator.

Planen wir einen Remix zwischen eigenen und fremden Materialien, so ist der OER-Mixer ein hilfreiches Tool, um eventuelle Lizenzprobleme frühzeitig zu erkennen. Erstellen wir also beispielsweise einen Blogbeitrag und wollen für die Illustration nicht (nur) auf eigene Fotos zugreifen, so muss geklärt werden, ob und wie die jeweiligen Lizenzen miteinander harmonieren. Weiteres zur eigentlichen Erstellung von Lizenzhinweisen gibt es unter Punkt 5.

4. Umsetzung – Welches Tool nutzen wir?

Egal ob wir nun von Grund auf neues Bildungsmaterial erstellen oder bereits bestehendes Lernmaterial mit unseren Ideen erweitern und remixen: es stellt sich nun die Frage, mit welchen „Werkzeugen“ wir unsere Umsetzung gestalten. Anwendungen gibt es viele. Im Jahr 2020 haben wir dazu einen kleinen Community-Aufruf gemacht, an dem sich engagierte Bildungsmacher:innen aus unterschiedlichen Bereichen beteiligt haben. Teile dieser Sammlung sind bei WirLernenOnline mit eingeflossen. Eine schöne, übersichtliche Toolsammlung bietet auch das digital.learning.lab.

Für tub.torials sind oftmals kollaborative Schreib- und Ideenentwicklungsprozesse sowie interaktive Elemente relevant. Hierfür wird u. a. auf folgende Werkzeuge zurückgegriffen:

  • Etherpad: Wenn es um schnelle Erfassung von Ideen in Textform geht, so nutzen wir die TU-Instanz des Etherpads. Ohne Registrierung können hier alle Interessierten ein eigenes Pad für kollaborative Schreibprozesse aufsetzen.
  • GitLab: Die TU-Instanz von GitLab bietet zahlreiche Funktionen, die für kollaborative Projektarbeiten hilfreich sind. Neben der Möglichkeit eigene Wikis aufzusetzen, nutzen wir diese, um die Projektorganisation übersichtlicher zu gestalten. Aufgaben („issues“) werden angelegt, Teammitglieder können sich diese selbst zuweisen. Die Aufgaben durchlaufen dann in einer Art Kanboard die Bearbeitungsstufen „Open“ (die Aufgabe und die Aufgabenbeschreibung stehen fest), „Doing“ (Aufgabe wird bearbeitet, über die Kommentarfunktion können Updates und Teamdiskussionen stattfinden), „Review“ (Funktioniert das interaktive Element wie geplant, gibt es Bugs oder Verbesserungsvorschläge?) und „Closed“ (Aufgabe beziehungsweise OER-Material ist fertiggestellt und veröffentlicht). Für Aufgaben, bei denen Stillstand herrscht (u. a. „kreative Pause“, größere Herausforderungen bei der Umsetzung) steht die Bearbeitungsstufe „Auf Eis“ zur Verfügung.
  • H5P: Interaktive Elemente bauen wir mit Hilfe der offenen Anwendung H5P. Hier lassen sich z. B. interaktive Bilder, Videos oder Textaufgaben erstellen, ohne das Programmierkenntnisse notwendig sind. Für den Beitrag Was bedeutet eigentlich Open Science? haben wir – auf Basis von Erfahrungen mit Studierenden und Kolleg:innen hinsichtlich den Herausforderungen rund um das Thema Open Science – nach Erstellung der Zeichnung so den Content-Typ „Image Hot Spots“ genutzt, um einzelne Begrifflichkeiten mit weiteren Informationen auf Mausklick anzureichern. Für die Einarbeitung in H5P bietet sich das Ausprobieren der Beispiele auf der H5P-Webseite an, mit denen wir viel im Hinblick auf unsere eigenen Vorstellungen experimentiert haben. Mittlerweile gibt es auch gute Einführungen wie eine Testumgebung ohne Registrierung sowie eine H5P-Übersicht mit Schwierigkeitsgradeinschätzung des jeweiligen Aufgabentypen von Nele Hirsch, die den Einstieg zusätzlich erleichtern. Mit Lumi gibt es mittlerweile auch eine recht unkomplizierte Möglichkeit, H5P-Inhalte offline erstellen und nutzen zu können.

5. Lizenz – Erstellung über den Bildungsteiler

Nachdem wir das Material fertiggestellt haben und Texte, Titel, Beteiligte (sowie weitere Metadaten) final stehen, geht es an die Erstellung des Lizenzhinweises. Für diese nutzen wir den Bildungsteiler von Matthias Andrasch. Hier kann über eine Formulareingabe ein maschinenlesbarer Lizenzhinweis generiert werden, der ohne großen Aufwand in unsere Blogbeiträge eingebunden werden kann. Somit lassen sich die entsprechenden Materialien bei der Recherche über die gängigen Suchtools gezielt finden.

Formular, über das sich am Ende durch Eingabe von Informationen wie Namen der Ersteller:innen, Werktitel und gewählte Lizenz eine maschinenlesbare Lizenz auswerfen lässt.
Maschinenlesbare CC-Lizenzen lassen sich einfach mit dem Bildungsteiler von Matthias Andrasch erstellen (Screenshot: nicht unter freier Lizenz)

Für Bilder aus der Wikipedia oder Wikimedia Commons kann für die Erstellung eines Lizenzhinweises auch auf den Lizenzhinweisgenerator zurückgegriffen werden.

6. Multiplikation – Sharing is caring

Unsere OER-Materialien bieten wir über das tub.torials-Blog an. Hier haben wir aktuell gute Möglichkeiten, Beiträge mit interaktiven Elementen auf unsere Bedürfnisse hin aufzubereiten. Über die HOOU-Webseite weisen wir auf das Projekt hin. Zusätzlich haben wir ein eigenes Gitlab-Repositorium, wo wir beispielsweise unsere Blogbeiträge sowie die dazugehörigen Medien (Illustratioen, Videomaterial, H5P-Elemente, etc.) in offenen (Markdown) sowie gängigen Formaten (Docx, PDF) zur freien Verfügung stellen.

Auf der tub.-Webseite werden Beiträge des tub.torials-Blogs über einen Feed mit eingespielt und auch Twitter wird genutzt, um auf Beiträge und Materialien hinzuweisen.

7. Feedback – Austausch mit Anderen

Wenn es sich bei unserem Material um einen Remix bereits vorhandener Materialien, öffentlich geteilter Ideen oder andere Formen der Insipration von anderen Bildungsmacher:innen handelt, so ist es für uns wichtig, den Ideengeber:innen Bescheid zu geben. Für uns gehört dies einerseits zum guten Ton, andererseits entsteht hier oftmals auch eine gute Basis für weiteren Austausch oder gemeinsame Projekt- und Materialideen.

Offene Fragen?

Habt ihr noch Fragen zu unseren Erstellprozessen oder dem tub.torials-Blog? Teilt uns diese gerne über die Kommentarfunktion, Twitter (Florian Hagen, Thomas Hapke) oder per Mail mit. Auch über eure Erfahrungen und Einblicke in die eigene Erstellung von OER freuen wir uns 🙂

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Wie machen wir OER? Einblicke bei tub.torials von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung. Die Originalveröffentlichung ist bei Insights verfügbar. Hinweise zur Bearbeitung: Der Beitrag wurde um einen einführenden Hinweistext ergänzt. Die erste Zwischenüberschrift wurde entfernt. Es wurden sprachliche Anpassungen vorgenommen (u. a. Gender-Form, Ausdruck und Füllwörter) sowie nicht mehr funktionierende Links aktualisiert. Die Kapitel 1 (zusätzlicher Aufzählungspunkt), 2 (OER-Portal Niedersachsen hinzugefügt), 3 (Einführungsvideo ergänzt), 4 (Namensanpassung „Hedgedoc“ und Anwendung „Lumi“ hinzugefügt), 5 (Lizenzhinweisgenerator hinzugefügt) und 6 (Multiplikationsmöglichkeiten erweitert) wurden inhaltlich erweitert und angepasst. Mit Ausnahme des Beitragsbildes und der Illustration „CC-Lizenzen übersichtlich erklärt“ wurde das Bildmaterial neu erstellt. Der Text ist im Markdownformat und als PDF verfügbar.
Stifte

„Zusammen schreibst du weniger allein“ – Rückblick auf den Digitaltag 2021

Am 18.06.3021 haben wir die Veranstaltung Zusammen schreibst du weniger allein! – Offene digitale Werkzeuge an der TU Hamburg im Rahmen des Digitaltags 2021 angeboten. Der Digitaltag ist ein bundesweiter Aktionstag, der die digitale Teilhabe durch verschiedene Aktionen wie Workshops, Seminare und andere Formate rund um Digitales unterstützen und fördern soll (Mehr dazu auch auf den Webseiten des Digitaltags).

Gemeinsam reflektieren

Die Motivation für uns war zum einen, unsere Projekte und Projektergebnisse sowie Synergieffekte aus den Programmen Hamburg Open Science (HOS) sowie Hamburg Open Online University (HOOU) mit Interessierten zu reflektieren, zum anderen aber praktisches Arbeiten mit unseren Workflows und Tools zu ermöglichen. Unsere Werkzeugkiste, die u. a. aus Etherpads, Markdown, HedgeDoc, Pandoc, GitLab und Methoden des kreativen Arbeitens und Schreibens besteht, sollte in einem entspannten Raum kennengelernt und ausprobiert werden können.

Unser Fahrplan sah zunächst eine Kurzvorstellung von uns als Personen und den Projekten vor. Anschließend wollten wir mit unserem Buch Mehr als 77 Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten ein Praxisbeispiel zeigen, in dem die genannten Werkzeuge zum Einsatz gekommen waren.

Wir sind aber recht früh vom Plan beziehungsweise dem geplanten Kurzinput abgewichen und haben uns nach den persönlichen Vorstellungen in kleiner Runde (wir waren auch positiv überrascht bei den Temperaturen an diesem Freitag dennoch einen Kurzworkshop durchführen zu können) in eine Art Beratung zum wissenschaftlichen Arbeiten übergegangen (Der vorbereitete Foliensatz kann aber hier eingesehen werden). Einige Empfehlungen haben wir dabei in einem gemeinsamen HedgeDoc gesammelt, um gleich eines der Tools unserer Wahl für das gemeinsame Schreiben besser kennenzulernen.

Anschluss finden in der Pandemie

Berichtet wurde uns dabei unter anderem, wie schwer es gerade in Zeiten der Pandemie sei, alleine und ohne Möglichkeiten des Austausches an Schreibprojekten zu arbeiten. Für Studierende, die sich zum Beispiel im Rahmen des Studiums bereits zu Arbeitsgruppen zusammengefunden haben, mag dies keine Herausforderung sein. Aber gerade zu Beginn des Studiums oder auch für Menschen, die ein Studium nebenberuflich oder als Kontaktmöglichkeit starten, sind es doch gerade einige der folgenden Kriterien, die ein Studium attraktiv machen:

  • das Campusleben erleben,
  • unkomplizierter Kontakt zu Mitstudierenden und anderen Hochschulangehörigen,
  • neue Leute kennenlernen, zusammen feiern, lernen und die Herausforderungen des Studiums meistern,
  • Umzug in eine neue Stadt, um auch neue Kulturen kennenzulernen und soziale Kontakte zu Menschen außerhalb des eigenen Fachbereichs zu knüpfen.

Wenn also Tage der offenen Tür an Hochschulen, potentielle Kneipentouren mit Mitstudierenden, Hochschul- sowie Freizeitsport oder ganz normale Stadtführungen und andere Kulturangebote für eine lange Zeit nicht oder nur eingeschränkt möglich sind, so ist es natürlich um so wichtiger, Arbeits- und Schreibbuddys über digitale Angebote zu finden und kennenzulernen. Was hier für uns unter anderem nach dem Digitaltag hängenbleibt: So richtige Angebote für eine virtuelle Schreibwerkstatt oder die Bildung digitaler Arbeitsgruppen und -tandems für den Austausch scheint es kaum zu geben. Gerade für Menschen, die neu in das Studium starten oder frisch umgezogen sind eine schwer zu lösende Aufgabe. Hier können (sollten) Hochschulen und Hochschulbibliotheken zukünftig an ganz neuen Serviceangeboten arbeiten:

Virtuelle Räume mit Raumgefühl nutzen

Aktionstage wie Die kleine Nacht des wissenschaftlichen Schreibens oder „Lange Nächte der aufgeschobenen Hausarbeiten“ funktionieren mit herkömmlichen Videokonferenztools nur schwer. Interaktives Plaudern, Face-to-Face-Gespräche und das Gefühl, sich gemeinsam in einem „echten Raum“ zu bewegen, kann aber mit Hilfe von Angeboten wie Gather attraktiv umgesetzt werden. Digitale Räume wie diese können so zum Beispiel auch dabei unterstützen, dass sich Menschen wieder schneller in Grüppchen zusammenfinden, um gemeinsam zu lernen oder auch einfach nur etwas mehr Gesprächsdynamik wie im „echten“ Leben zu haben (mit mehreren Personen reden, auch mal durcheinander und wechselnd).

Zufalls-Break-Outs anstoßen

In Seminaren könnte das Angebot von gemeinsamen Hausarbeiten attraktiver gestaltet und durch einen besseren organisatorischen Rahmen begleitet werden. Vielleicht ist hier auch das Zusammenwürfeln von Schreibpaaren über zufällige Breakout-Sitzungen schon eine Möglichkeit, einen ersten Austausch zu ermöglichen und gegen die Einsamkeit anzugehen? Also eine Art „Write Roulette“ oder „Author Speed Dating“.

Möglichkeit zur Bildung kleiner Communitys anbieten

Natürlich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, über soziale Medien in Kontakt miteinander zu treten. Viele Menschen haben aber sicherlich gute Gründe, sich aus diesen zurückzuziehen oder diese einfach nicht zu nutzen. Hier gilt es zu überlegen, ob der Gedanke, kleine Communities zu schaffen oder zumindest Raum für das Ausprobieren einer solchen Gemeinschaft zu bieten. So könnte sichergestellt werden, dass Interessierte Zeit mit gleichgesinnten verbringen könnten, um Ideen zu diskutieren, Texte auszuwerten oder einfach Tipps zum Studium auszutauschen.

Workshopreihen gegen das alleine sein vor dem Computer

Workshopreihen können sich ganz gezielt der Problematik widmen. Menschen, die an Haus- und Abschlussarbeiten sitzen und sich wünschen, den einsamen Schreibprozess abzustreifen, hätten mit spezifischen Angeboten einen ganz natürlichen Ansporn zur Teilnahme. Es können gemeinsam Methoden des kreativen Lernens und Schreibens ausprobiert werden. Es kann ein Raum für den Einblick in die Projekte der Teilnehmenden geschaffen werden (gerade interdisziplinär kann das Sprechen durch Formate wie „One Minute Madness“ mit Feedbackrunde in unseren Augen total spannend werden). Fragen, Probleme und individuelle Tipps könnten nach kurzen Inputs weiter thematisiert werden.

Und ihr so?

Welche Ideen habt ihr, um auch zukünftig Schreib- und andere Arbeitsprozesse trotz mehr Digitalität im Rahmen des Studiums oder der Lehre weniger einsam zu gestalten? Kennt ihr vielleicht sogar Angebote, die in den vergangenen Monaten schon erfolgreiche Konzepte angeboten haben? Wir denken, wir können diese Experimentierphasen noch intensiver nutzen: Ideen einfach mal ausprobieren. Könnte ja gut werden.

Stifte

Welche Ideen habt ihr, um Schreiben und andere Arbeitsprozesse trotz mehr Digitalität weniger einsam zu gestalten? (Beitragsbild „Stifte“ von Florian Hagen, CC BY 4.0).

 

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: „Zusammen schreibst du weniger allein“ – Rückblick auf den Digitaltag 2021“ von Florian Hagen und Axel Dürkop, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag steht auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
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