JabRef

JabRef im Überblick: Literaturmanagement für LaTeX, LibreOffice & OpenOffice

Du arbeitest an einer Haus-, Projekt- oder Abschlussarbeit? Dabei kann man schnell den Überblick über die eigenen Quellen verlieren. In einem früheren Beitrag haben wir bereits Zotero als Open-Source-Lösung für Literaturverwaltung vorgestellt. Heute werfen wir einen Blick auf eine weitere kostenfreie Alternative: JabRef. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über ausgewählte Funktionen und zeigt, wie JabRef das Sammeln, Organisieren und Einbinden von Literaturangaben erleichtert.

JabRef richtet sich besonders an LaTeX-Nutzer*innen, lässt sich aber auch mit Word und LibreOffice/OpenOffice verwenden und bietet so flexible Möglichkeiten für unterschiedliche Schreibprojekte.

Der Beitrag ist in sechs Kapitel unterteilt:

1. Was ist JabRef?

JabRef ist auf die Arbeit mit BibTeX-Dateien spezialisiert, die in LaTeX-Dokumenten zum Zitieren verwendet werden. Jede Quelle wird darin als Eintrag gespeichert und lässt sich über eine übersichtliche Benutzeroberfläche einfach verwalten. Seit seiner Gründung im Jahr 2003 blickt JabRef auf über 20 Jahre Entwicklung zurück. Eine Umfrage an der TUHH zeigt, dass JabRef hier zu den am häufigsten verwendeten Tools zählt. Die lange Historie spiegelt sich auch in der umfangreichen Dokumentation, der aktiven Community in verschiedenen Foren, GitHub und Social Media.

2. Programmoberfläche

Die Oberfläche (Abbildungen: Version 5.15 für macOS) ist übersichtlich und schlicht gestaltet. Die Symbolleiste ermöglicht schnellen Zugriff auf häufig genutzte Funktionen, während die Seitenleiste für Gruppen und Websuchen genutzt wird. Auf macOS wird die Menüleiste nach Mausbewegung an den oberen Bildschirmrand eingeblendet, auf anderen Systemen ist sie dauerhaft sichtbar.

Die zentrale Datei ist die „Bibliothek“, in der alle Literaturinformationen einer Sammlung gespeichert werden. Neue Bibliotheken lassen sich über „Datei“ > „Neue Bibliothek“ anlegen.

Beim Öffnen erscheint zunächst eine leere Eingabetabelle. Sobald wir diese abspeichern (Diskettensymbol „Save library“ oder Tastenkürzel „Command + S“), kann der Bibliothek ein eigener Name vergeben werden. Standardmäßig heißt diese zunächst „Untitled“.

3. Literatur hinzufügen

Literatur kann über unterschiedliche Wege in unsere JabRef-Sammlung überführt werden. Einige ausgewählte Möglichkeiten werden nachfolgend vorgestellt.

3.1 Eintrag manuell erstellen

Manuelle Einträge lassen sich über das „+“-Symbol oder das Tastenkürzel „Command + N“ erstellen.

Für das Beispiel wählen wir einen Zeitschriftenartikel. Nach Klick auf „Article“ öffnet sich der Editor für den gewählten Publikationstyp.

Im Tab „Required fields“ (1) werden nur die Mindestinformationen wie Titel oder Zeitschrift benötigt. Der „citationkey“ dient als eindeutiger Identifier für Querverweise und Volltext-Dateien. Mit der Schaltfläche „Generieren“ (2) kann der Schlüssel automatisch erstellt werden.

Nachdem wir einige Pflichtfelder manuell ausgefüllt haben, lassen sich die bibliografischen Daten automatisch aus dem Web ergänzen: Wir klicken dazu auf „Update with bibliographic information from the web“, wählen die Quelle aus (z. B. DOI), prüfen die Daten im aufpoppenden Dialogfenster und übernehmen sie per „Merge entries“. Bei Bedarf können wir die Zusammenführung natürlich auch abbrechen („Cancel“).

3.2 Eintrag über Identifier erzeugen

Einträge lassen sich auch komfortabel über DOI, ISBN oder Crossref erzeugen:

  • 1. „Command + N“
  • 2. ID-Typ auswählen,
  • 3. Wert eingeben,
  • 4. „Generate“ klicken.

Nun wird ein Eintrag automatisch angelegt.

3.3 Einträge über PDF-Dokumente erzeugen

Wir können gesammelte PDF-Dateien an bereits bestehende Einträge anhängen oder per Drag-and-Drop in unsere Bibliothek ziehen. JabRef erzeugt dann automatisch neue Einträge auf Basis der PDF-Metadaten.

4. Zitate in Dokumente einfügen

Neben BibTeX/BibLaTeX unterstützt JabRef auch einen Export zu Microsoft Word. Besonders hervorzuheben ist aber die Nutzung mit LibreOffice/OpenOffice.

Hinweis: Im Folgenden zeigen wir die Schritte exemplarisch für LibreOffice. Die Vorgehensweise in OpenOffice ist ähnlich.

Um JabRef mit LibreOffice zu nutzen, sind folgende Schritte erforderlich:

  • Wir starten in diesem Beispiel LibreOffice und öffnen ein Dokument.
  • Nun wählen wir in JabRef im Menüpunkt „View“ (oberer Bildschirmrand) die Option „OpenOffice/LibreOffice“.
  • Am linken unteren Bildschirmrand von JabRef sollte nun ein Fenster mit verschiedenen Zitieroptionen erscheinen.
  • Hier wählen wir den ersten Menüpunkt „connect“.

In LibreOffice lassen sich nun Referenzen aus der JabRef-Datenbank einfügen. Dazu markiert man die gewünschte Stelle im Dokument, wählt die Referenzen in JabRef und klickt auf „Cite“ (unten links im JabRef-Suchfenster).

Sollte das Literaturverzeichnis in LibreOffice nicht automatisch angezeigt werden, so hilft in JabRef der Klick auf den Button „Ensure that the bibliography is up-to-date“ (unten links im Suchfenster).

5. Weitere Funktionen

JabRef hat im Laufe der Jahre viele weitere Funktionen erhalten, die wir bisher noch nicht behandelt haben und nachfolgend kurz auflisten:

  • Browsererweiterung
    Wir können Literatur auch direkt über eine Browsererweiterung zu unserer Sammlung hinzufügen.
  • Websuche
    Wir können in verschiedenen Online-Services wie arXiv, IEEEXplore, GVK oder SemanticScholar nach Literatur suchen.
  • Sortiermöglichkeiten
    Innerhalb einer Sammlung stehen verschiedene Sortiermöglichkeiten zur Verfügung, z. B. nach „Rank“, „Priority“ oder „Read status“.
  • KI-Funktionen
    Ab Version 6 bietet JabRef verschiedene KI-Funktionen, bspw. automatische Zusammenfassungen von Volltexten oder die Möglichkeit, mit einem Volltext über eine „smarte“ Assistenz zu interagieren.

6. Fazit

JabRef ist eine etablierte, quelloffene Lösung für die Literaturverwaltung, die besonders für LaTeX-Nutzer*innen interessant ist. Weniger bekannt ist, dass es sich auch mit LibreOffice und OpenOffice gut nutzen lässt. Mit einer aufgeräumten Oberfläche, zahlreichen Organisationsoptionen und den ab Version 6 (Alpha-Status) neu hinzugefügten KI-Funktionen ist JabRef eine vielseitige Alternative zu kostenpflichtigen Programmen. Es lohnt sich, JabRef selbst auszuprobieren, um das passendste Werkzeug für die eigene Literaturverwaltung zu finden.


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: JabRef im Überblick: Literaturmanagement für LaTeX, LibreOffice & OpenOfficeOER-Video Farbenlehre von Florian Hagen , Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.

Pro und Contra visuell darstellen: Die Argumentationswippe als Entscheidungshelfer

Diese Woche hat meine Kollegin Katrin Bock bei HOOU Shares, einem offenen, hybriden Austauschformat am Institut für Technische Bildung und Hochschuldidaktik (ITBH) der TU Hamburg, auf ein kleines, aber feines Tool aufmerksam gemacht: die Argumentationswippe.

Mit ihr lassen sich Argumente visuell gegenüberstellen – ein einfach zu bedienendes, kostenloses Online-Tool, das besonders bei kontroversen Themen hilfreich sein kann. Es unterstützt dabei, Pro- und Contra-Punkte strukturiert zu erfassen, zu gewichten und übersichtlich darzustellen. Das kann eine differenzierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Perspektiven – sei es in der Schule, im Studium oder im Arbeitsalltag – fördern.

Im Folgenden stelle ich die grundlegenden Funktionen des Tools vor und teile Ideen, wie es sich konkret in Lehre und Arbeitsalltag einsetzen lässt. Der Beitrag ist in folgende Abschnitte eingeteilt:

1. Über die Argumentationswippe

Mit der Argumentationswippe lassen sich Argumente nicht nur sammeln, sondern auch gewichten. Das kostenlose, browserbasierte Tool zeigt, dass nicht nur die Anzahl, sondern auch die Bedeutung eines Arguments entscheidend ist. Je nach Gewichtung können die Argumente auf der Wippe angeordnet werden – ihre Position sowie die Neigung der Wippe verändern sich dabei sofort, wenn man die Argumente umsortiert.

Ich kann mir gut vorstellen, dieses Tool sowohl im Rahmen unseres Seminars „Wissenschaftliches Arbeiten“ als auch im Arbeitsalltag zu nutzen. Gerade bei neuen und komplexen Themen fällt es nicht selten schwer, eine klare Argumentation zu entwickeln. In solchen Fällen kann die visuelle Unterstützung durch digitale Tools wie die Argumentationswippe hilfreich sein, um Gedanken zu strukturieren und Argumente gezielter zu gewichten. Einige Ideen dazu teile ich nach einem Blick auf die Einstellungsmöglichkeiten sowie die zentralen Funktionen des Tools.

2. Einstellungsmöglichkeiten

Was die (überschaubaren) Einstellungsoptionen der Argumentationswippe betrifft, so lässt sich zwischen einem hellen Farbschema und einem Darkmode wählen. Die Farben der Kategorien (siehe auch „Funktionen“) können alternativ gemustert dargestellt werden. Neben den Optionen „Deutsch“ und „Englisch“ können die Buttons der Oberfläche mit Klick auf das „Hide Buttons“-Symbol (obere rechte Ecke) ausgeblendet werden.

3. Funktionen der Argumentationswippe

Ruft man https://argumentationswippe.de auf, erscheint zunächst eine leere Wippe, auf der Pro- und Kontrapunkte je nach Gewichtung platziert werden können. Die gewichtigsten Argumente kommen an die Enden der jeweiligen Seite, während weniger gewichtige Argumente zur Mitte hin positioniert werden. Argumente lassen sich auch übereinander stapeln.

  • 1. Zu Beginn können die Bezeichnungen „Argumentationswippe“, „Pro“ und „Contra“ per Klick auf das jeweilige Kästchen angepasst werden.
  • 2. Ein neues Argument kann über das Plus-Symbol hinzugefügt und anschließend per Drag & Drop an die gewünschte Position auf der Wippe verschoben werden. Auf Tablets und Smartphones funktioniert dies per Antippen und Verschieben. Je nach Anzahl und Position der Argumente kippt die Wippe nach links, rechts oder bleibt ausgewogen.
  • 3. Da Markdown in Teilen unterstützt wird, kann innerhalb von Argumenten Text unter anderem kursiv („Text“) oder fett („Text“) hervorgehoben werden. Argumente lassen sich auch nach der Erstellung noch bearbeiten.
  • 4. Zum Löschen einzelner Elemente werden diese einfach in den Papierkorb verschoben.
  • 5. Insgesamt stehen derzeit sechs Farben zur Verfügung, mit denen Argumente farblich kategorisiert werden können. Wird mehr als eine Farbe verwendet, erscheint eine Legende auf der linken Seite, die per Klick beschriftet werden kann.
  • 6. Nachdem alle Argumente abgewogen wurden, lässt sich die finale Argumentationswippe als JSON-Datei speichern und bei Bedarf später wieder laden.

4. Ideen für Lehre und Studium

Die Argumentationswippe kann auf verschiedene Weise in der Lehre, im Studium und im Arbeitsalltag eingesetzt werden, um Argumentationsprozesse zu visualisieren und zu strukturieren. Nachfolgend teile ich einige konkrete Ideen.

Seminarbeispiel: KI in der Bildung

Im Rahmen unseres Seminars „Wissenschaftliches Arbeiten“ könnte ich mir vorstellen, bei einem kontroversen Thema wie beispielsweise „Soll KI in Bildung und Forschung eingesetzt werden“ eine spannende Diskussion im Plenum zu unterstützen. Dabei könnte tiefer über Pro- und Contra-Argumente nachgedacht werden, und vor einer bewussten, individuellen Positionierung würde eine Auseinandersetzung mit Argumenten beider Seiten erfolgen:

Argumentationswippe bei der Ideenfindung

Im Rahmen eines Blogbeitrags und in der Lehre sprechen wir über Ideenfindungsmethoden für wissenschaftliche Haus- und Abschlussarbeiten. Dabei wird auch auf einen simplen Ansatz eingegangen, bei dem Fragen als Auslöser der Ideenfindung dienen. Während in den Beispielen mit einfachen Tabellen und Listen gearbeitet wird, könnte hierfür natürlich auch eine Argumentationswippe erstellt werden. Am Beispiel des im Blogbeitrag behandelten Themas „Marketing für öffentliche Einrichtungen“ könnte eine Argumentationswippe zum Beispiel wie folgt aussehen:

Wissenschaftliches Arbeiten am Beispiel Exposé reflektieren

Studierende können mithilfe der Argumentationswippe auch die kennengelernten Methoden und Strategien des wissenschaftlichen Arbeitens reflektieren, zum Beispiel das Verfassen eines Exposés. Dabei lässt sich gezielt überprüfen, wie der kurze Musterentwurf der umfassenderen Hausarbeit die eigene Herangehensweise an diese beeinflusst hat und welche Vorteile oder Schwierigkeiten Studierende bei der Methode sowie in Bezug auf eine umfangreichere Abschlussarbeit festgestellt haben. Ein Beispiel für eine Wippe zu diesem Thema könnte wie folgt aussehen:

5. Fazit

Weitere Einsatzmöglichkeiten in der Lehre

Die Argumentationswippe ist ein einfaches Tool zur Visualisierung von Argumenten innerhalb einer Diskussion. Sie kann unter anderem in der Lehre genutzt werden, um die in Debatten vorgebrachten Pro- und Contra-Argumente anschaulicher darzustellen. Über die bereits aufgeführten Ideen hinaus sehe ich noch weitere Einsatzmöglichkeiten. So könnte die Wippe auch genutzt werden, um Argumente in einem Text herauszuarbeiten und zu ordnen (Was spricht laut der Autor*in für X? Was spricht dagegen? Wird das Gegenargument gut entkräftet?), was sich besonders bei Literaturreviews oder der kritischen Auseinandersetzung mit Quellen als hilfreich erweisen könnte.

Potentielle Anwendung im Arbeitsalltag

Auch im Arbeitsalltag, etwa in der Bibliothek, kann ich mir vorstellen, dass erste Überlegungen zu verschiedenen Entscheidungen von der Nutzung dieses Tools profitieren könnten. Ein Beispiel, das mir in diesem Zusammenhang einfällt, ist die wiederkehrende Frage, ob veraltete oder weniger genutzte Bestände entfernt werden können. Aber auch zu Themen wie der Kosten-Nutzen-Abwägung (zum Beispiel Anschaffungskosten für neue Medien im Vergleich zur langfristigen Nutzung) oder der Chancen-Risiken-Evaluation (beispielsweise das Entfernen von Beständen, die plötzlich wieder gebraucht werden könnten, oder das Hinzufügen von Ressourcen, die sich als wenig relevant herausstellen) halte ich es für erprobenswürdig, das Tool je nach Situation zu nutzen, um unterschiedliche Prioritäten und Sichtweisen anschaulich zu visualisieren und persönliche Wertmaßstäbe zu reflektieren.

Erweiterungswunsch?

Als kleinen Erweiterungswunsch möchte ich die Begrenzung auf sechs Farben festhalten. Es wäre vielleicht hilfreich, wenn die Argumentationswippe mehr Farben zur Verfügung stellen würde, um noch differenziertere Kategorien bilden zu können. Hier bin ich bei einigen Themen an die Grenze gestoßen, wobei jedoch auch gesagt werden muss, dass ab einer bestimmten Komplexität und Gewichtung die Übersicht verloren gehen könnte, was der schnellen und einfachen Handhabbarkeit des Tools entgegenstehen würde.


CC BY 4.0
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