Laptop und Notizbuch

Ein System – drei Tools (Gastbeitrag von Ann-Kathrin Watolla) #Notizschreibwochen2020

Je länger ich im Wissenschaftssystem arbeite, desto mehr verändert sich auch mein persönliches Notizmanagementsystem. Dass das nicht schlecht sein muss, habe ich mittlerweile verstanden. Aber als ich mit meinem Studium in das Wissenschaftssystem eintrat dachte ich, ich bräuchte bereits zum damaligen Zeitpunkt das perfekte System, um meine Notizen zu Forschungsarbeiten zu ordnen, zu strukturieren und abzulegen. Und am besten natürlich alles in einer Anwendung. Dass das – zumindest für mich – nicht funktioniert habe ich relativ schnell gelernt. Und so habe ich mir mit den Jahren eine Infrastruktur aufgebaut, mit der ich all die verschiedenen Arten von Notizen aufbewahren und sortieren kann. Aber wie genau sieht das aus?

Verschiedene Arten von Notizen

Im Laufe der Zeit haben sich in meinen Forschungsarbeiten drei Arten von Notizen herauskristallisiert:

  1. Notizen zu Literatur
  2. Allgemeine Ideen, Gedanken oder gute Referenzbeispiele
  3. Anmerkungen zum konkreten Text

Diese so zu unterscheiden hilft mir nicht nur dabei, die Notizen inhaltlich zu differenzieren, sondern spiegelt sich auch in den gewählten Tools wider. Denn für jede dieser drei Arten von Notizen nutze ich ein anderes Tool.

Notizen zu Literatur

Beim Durcharbeiten von Literatur kommt man früher oder später immer wieder an den Punkt, sich Notizen zu machen. Ich habe mich für meine Literaturverwaltung für Zotero entschieden. Hier habe ich mir sogenannte Sammlungen und Untersammlungen angelegt, mit denen ich meine gesammelte Literatur thematisch ordne. Dabei sei gesagt, dass sich diese Struktur auch immer wieder verändert; je mehr Literatur hinzukommt, desto eher werden Sammlungen neu aufgeteilt oder auch zusammengelegt.

Sammlung in Zotero

Abb. 1: Ausschnitt der (Unter-)Sammlungen in Zotero.

Zotero bietet die schöne Möglichkeit, dass man für jeden Eintrag Notizen hinzufügen kann. Auch diese lege ich entsprechend verschiedener Themenschwerpunkte an und notiere hier sowohl wichtige Zitate, Zusammenfassungen von Texten oder auch eigene Gedanken dazu:

Notizen in Zotero

Abb. 2: Notizen in Zotero.

So habe ich direkt alle Notizen zu einem Text gebündelt an einer Stelle und das Praktische ist: Die Suche in Zotero umfasst auch die Notizen.

Allgemeine Ideen, Gedanken oder gute Referenzbeispiele

Für eher übergreifende Ideen, Gedanken oder auch das Festhalten guter Beispiele, die mir im Laufe meiner Forschungsarbeiten als wichtig erscheinen, nutze ich Joplin – die Open Source-Alternative zu Evernote. Auch diese Notizen werden in verschiedenen Notizbüchern, wie es bei Joplin heißt, gebündelt. Dabei bekommt jede Forschungsarbeit ein eigenes Notizbuch, in dem dann die einzelnen Notizen liegen. Praktisch bei Joplin ist, dass die Notizen in Markdown geschrieben werden (können), sodass diese im Zweifel auch direkt in die finalen Textdokumente übertragen werden können.

Notizen in Joplin

Abb. 3: Notizen in Joplin.

Mithilfe des Joplin Web Clipper kann ich Inhalte auch direkt von Webseiten speichern, entsprechend verschlagworten und in meine Notizbücher integrieren.

Anmerkungen zum konkreten Text

Texte schreibe ich seit einiger Zeit ausschließlich in Markdown. Dafür nutze ich den Open Source Editor VSCodium. Dabei erhält jedes Kapitel ein eigenes Markdown-Dokument und wird am Ende mit pandoc zu einem gesamten Textdokument konvertiert. Die Kommentare markiere ich in HTML, sodass sie auch zwischendurch nicht im final konvertierten Text auftauchen, ich aber während des Schreibprozesses immer sehen kann, wo ich noch Textstellen ändern, ergänzen oder anpassen möchte:

Kommentare in VSCodium

Abb. 4: Kommentare in VSCodium.

Ein System – drei Tools?

Auf den ersten Blick mag es umständlich wirken, verschiedene Tools für Notizen zu einem Thema zu nutzen. Für mich hat sich diese Trennung in die drei Arten von Notizen allerdings als sehr hilfreich herausgestellt, da es mir vor allem auch hilft, meine Gedanken zu ordnen und zu strukturieren. Und ich merke, dass, wenn ich mich konsequent an diese Aufteilung halte, ich nicht nur meine Notizen wiederfinde, sondern sich auch meine Denkprozesse immer mehr an diese Struktur angepasst haben. Aber natürlich finde ich auch nicht immer, gerade wenn es Monate oder Jahre später ist, alle Notizen auf Anhieb wieder. Aber wozu gibt es denn die Suchfunktion des Laptops?

Über die Autorin:

Ann-Kathrin Watolla ist als Wissenschaftliche Beraterin für Anerkennung sowie als Verantwortliche für Projektvernetzung und -kommunikation in der Hamburg Open Online University an der TU Hamburg tätig. Dort berät und begleitet sie u.a. Projekte in der Entwicklung innovativer mediendidaktischer Lernformate. Aktuell promoviert sie zur Kompetenzförderung in der Lehrkräftebildung im Kontext von Digitalität.

 

CC BY 4.0
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