Essentielle Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten

Ingenieur(student)*innen haben selten Zeit und benötigen alles kurz und prägnant, daher hier ein paar essentielle Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten aus Sicht von jemandem, der an einer Bibliothek arbeitet.

Im Sommersemester 2020 ist ein Video entstanden mit dem Titel

„Wissenschaftliches Arbeiten in 2 Folien in 5 Minuten“.

Videobild Wissenschaftliches Arbeiten in 2 Folien in 5 Minuten

Die Folien gibt es auch als PDF-Datei mit Links zu Angeboten der Universitätsbibliothek der TUHH..

Antworten der Teilnehmenden des Seminars im Sommersemester auf die Frage „Welchen inhaltlichen Aspekt, welche Faustregel oder welche Idee war für Sie das Wichtigste, was Sie in diesem Seminar gelernt haben?“ bietet dieser Blog-Beitrag bei tub.torials.

Wichtig erscheint mir explizit an dieser Stelle noch der Hinweis, sich möglichst schon vor Beginn der Bachelor- oder Masterarbeit mit einem Literaturverwaltungsprogramm wie Citavi oder Zotero praktisch auseinanderzusetzen. Schon beim Recherchieren können diese sinnvoll genutzt werden (“Keepin’ found things found”).

Wer noch mal vor dem Ernstfall Examensarbeit eine Literaturverwaltung wie Citavi oder Zotero ausprobieren möchte, findet in diesem Blogbeitrag eine umfangreichere Übungsaufgabe.

Drei kurze Videos zeigen hier einmal die Nutzung des Literaturverwaltungsprogramms Citavi in bestimmten Anwendungssituationen:

Umgang mit Information beim wissenschaftlichen Arbeiten

Menschen, die in Bibliotheken arbeiten, bezeichnen den Umgang mit Informationen auch als Informationskompetenz. Vor einigen Jahren hat nun eine amerikanische Bibliotheksorganisation ein sogenanntes „Framework for Information Literacy for Higher Education“ publiziert, das die enge Beziehung des Recherchierens von Literatur und des Informierens im Rahmen wissenschaftlicher Fragestellungen allgemein zum wissenschaftlichen Arbeiten und zum wissenschaftlichen Kommunizieren betont.

Eine deutsche Kollegin hat das sehr schön formuliert:

„Studierende [… sollen nicht nur] nach Literatur recherchieren […] lernen, […] sondern […] verstehen, wie die darin veröffentlichten Ergebnisse zustande kommen.“ (Sauerwein, S. 133, OA-Version, S. 13)

Es geht also auch um ein Hinterfragen. Warum suchen Sie nach Literatur? Warum reichen der Katalog der Bibliothek oder Google Scholar dafür vielleicht nicht aus? Und andere Fragen mehr!

Das Framework besteht aus sechs abstrakten Konzepten (Frames = Rahmen), die zur Beschreibung dessen dienen, was Studierenden als wichtigste Inhalte vermittelt werden sollte.

  • „Autorität ist ein Konstrukt und kontextabhängig [Authority Is Constructed and Contextual]
  • Informationen entstehen in einem schöpferischen Prozess [Information Creation is a Process]
  • Informationen sind wertvoll [Information Has Value]
  • Forschung ist (Hinter-)Fragen [Research as Inquiry]
  • Wissenschaft ist Austausch [Scholarship as conversation].
  • Recherche ist strategische Erkundung [Searching as a Strategic Exploration]“
    (S. 128, OA-Version S. 5)

Autorität ist ein Konstrukt und kontextabhängig [Authority Is Constructed and Contextual] Informationen entstehen in einem schöpferischen Prozess [Information Creation is a Process] Informationen sind wertvoll [Information Has Value] Forschung ist (Hinter-)Fragen [Research as Inquiry] Wissenschaft ist Austausch [Scholarship as conversation]. Recherche ist strategische Erkundung [Searching as a Strategic Exploration]“.27

Visualisierung des Framework for Information Literacy for Higher Education
Erstellt von der AG Informationskompetenz des Bibliotheksverbunds Bayern in Kooperation mit Studierenden der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern, Fachbereich Archiv- und Bibliothekswesen

CC BY-NC-SA 4.0
(Nicole Scherbel: Framework turns visual : Auf dem Weg zu einem neuen Verständnis von Informationskompetenz. Bibliotheksforum Bayern 13 (2019) 117)

Im Rahmen eines Podcast-Versuchs für das Seminar im Sommersemester 2020 werden die obigen Konzepte verbal erläutert.

Zum Schluss noch der Literaturhinweis auf den Aufsatz der oben zitierten Kollegin: Sauerwein, T. (2019). Framework Information Literacy – Aspekte aus Theorie, Forschung und Praxis. Bibliothek Forschung und Praxis, 43(1), 126–138. https://doi.org/10.1515/bfp-2019-2027 (Open-Access-Version)

Einen Blick wert: tub.torials

 Dann hat die tub. ein neues Blog-Angebot, das Florian Hagen konzipiert und erstellt hat: tub.torials, mit offenen Bildungsmaterialien (OER) und Tutorials zur Beratung über offene Wissenschaft und offenes Publizieren und damit auch zum wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben:
Dieses Blog hat Nachwuchs bekommen. 😎 Florian Hagen hat ein neues Blog-Angebot mit dem Titel tub.torials konzipiert und erstellt. In diesem geht es um offene Bildungsmaterialien (sogenannte Open Educational Resources, OER) und Tutorials zu Themen bzgl. offener Wissenschaft und offenem Publizieren.

Damit ist auch etwas zum wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben mit dabei, zumal manche Inhalte von tub.torials auch direkt aus den Seminaren zum wissenschaftlichen Arbeiten stammen. Dies ist z.B. in tub.torials zu finden:

  • Eine Visualisierung des Kreislaufes der wissenschaftlichen Kommunikation
  • In der Rubrik „Aus der Lehre“ wird ein Handout mit einer inhaltlichen Zusammenfassung des Seminars Wissenschaftliches Arbeiten aus dem letzten Wintersemester angeboten, während vom Sommersemester 2019 das Etherpad dokumentiert wird, das das Seminar begleitete.
  • Eine Reihe von Videos erläutert den Umgang mit der Software GanttProject, die eine Hilfe sein kann, das Projekt Bachelorarbeit oder Masterarbeit auch zeitmäßig und von der Organisation her in den Griff zu bekommen.

Patent-Rezepte

Patent-Rezepte für das wissenschaftliche ArbeitenIm Rahmen der Veranstaltung „Meet the HOOU“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg stellte die tub. ihr Projekt „Wissenschaftliches Arbeiten öffnen“ vor und fragte Besucherinnen und Besucher des Standes nach ihren Patent-Rezepten für das wissenschaftliche Arbeiten. Wir bekamen spannende Antworten!

Dazu gaben zwei Mini-Bücher bzw. Booklets zum Selberbasteln der tub. Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten und zum Jonglieren mit Fachinformation (hier als PDF-Datei zum Selbstausdrucken und Basteln):

Was gehört zum wissenschaftlichen Arbeiten?

Als kritisches Feedback im Rahmen des Seminars „Wissenschaftliches Arbeiten“ im Sommersemester 2015 wurde Folgendes geäußert:

„Ich hatte mir mehr Tipps und Hilfen erhofft, wie überhaupt ein wissenschaftliches Ergebnis erzielt werden kann. Dies in schriftliche Form zu bringen, hatte ich nicht als zentrales Problem […] gesehen. (Bs[p]w. Dokumentation, Kreativität, Vielseitigkeit, Fragestellungen finden und konkretisieren, etc.)“

Buchgrafik (Vignette) Ingenieurwesen. Aus: Amtlicher Katalog des Deutschen Reiches. Weltausstellung in Paris 1900

Buchgrafik (Vignette) Ingenieurwesen. Aus: Amtlicher Katalog des Deutschen Reiches. Weltausstellung in Paris 1900. © Foto: Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Fotograf/in: Anna Russ. Lizenz: Creative Commons BY NC SA

Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört natürlich viel mehr als im Fokus des Seminars steht. Das Finden von Fachinformation, der Umgang mit Informationsflut durch Literaturverwaltungs-Software, die auch das Zitieren und Publizieren erleichtert, sowie das Schreiben als Schwerpunkte des Seminars sind eher „Techniken und Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens“ und vernachlässigen das konkrete wissenschaftliche Arbeiten spezifisch in den Ingenieurwissenschaften, also insbesondere ingenieurspezifische Forschungsmethoden und -praxis.

Hier folgen Hinweise auf weitere Ressourcen in Form von im TUHH-Intranet verfügbaren Online-Büchern – quasi als „Brücke“ (siehe Abbildung oben) zu vielleicht im Seminar vermissten Aspekten wissenschaftlichen Arbeitens in den Ingenieurwissenschaften:
Weiterlesen

„Auf den Schultern von Riesen“

Robert Merton und Google Scholar

[Encyclopedic manuscript containing allegorical and medical drawings] Ca. 1410 Library of Congress, Washington, DC. Quelle: http://lccn.loc.gov/50041709

Ca. 1410. Quelle: Library of Congress, Washgt., DC.


Zwerge auf den Schultern von Riesen“, dieses Gleichnis, dessen Ursprung irrtümlicherweise oft Isaac Newton zugeschrieben wird, kann als ein Sinnbild für das „Wissenschaftliche Arbeiten“ gesehen werden. Selbst die Suchmaschine „Google Scholar“ nutzt diese Bild als Text unter dem Suchschlitz.

Alle Wissenschaft Treibenden agieren auf den Grundlagen und mit den Ergebnissen, die vorherige WissenschaftlerInnen gelegt bzw. publiziert haben. Schaut man sich in diesem Sinne Riesen der Wissenschaft genauer an, erkennt man, dass „die meisten Riesen aus ganz vielen Zwergen bestehen“.

Zum Zitat „Ein Zwerg, der auf den Schultern eines Riesen steht, kann weiter sehen als der Riese selbst“ hat der Wissenschaftssoziologe Robert K. Merton sogar ein ganzes Buch geschrieben – mit vielen Fußnoten, Zitaten und Quellenangaben, Querverweisen, Anekdoten und Irrtümern zur Geschichte des Gleichnisses vor und nach Newton.

„Auf den Schultern von Riesen und Zwergen“ heisst auch ein fiktiver Film-Dialog zwischen Aristotoles, Newton und Einstein im Rahmen einer Einstein-Ausstellung (Text dazu).

Kleine Nacht …

Kleine Nacht

  • Konzentriertes Schreiben
  • Impuls-Vorträge
  • Workshops
  • Beratung
  • Ablenkung
  • Getränke und Snacks vom ASTA ab 18 Uhr

 

Am 7. Mai 2014, 15 – 22 Uhr erstmals an der TUHH: „Kleine Nacht des wissenschaftlichen Schreibens“

Programm-Flyer und weitere Infos zu Programm und Anmeldung!

Werte und wissenschaftliches Arbeiten

„Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlichen Praxis

Es gibt eine Vielzahl von Richtlinien für ethisch „richtiges“ wissenschaftliches Arbeiten, in Deutschland auch gute wissenschaftliche Praxis genannt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat im Jahre 2019 die seit 2013 gültigen Empfehlungen zur „Sicherung guter wissenschaftlichen Praxis“ durch „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlichen Praxis“ in Form eine Kodex abgelöst. Es gibt in Deutschland auch einen Ombudsman für die Wissenschaft, ein Gremium, das sich als „Beratungs- und Vermittlungseinrichtung“ versteht. Auch die Technische Universität Hamburg-Harburg hat eine „Richtlinie zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten an der Technischen Universität Hamburg-Harburg“ veröffentlicht.

Die früheren DFG-Empfehlungen nennen folgende

„allgemeine Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit, zum Beispiel

  • lege artis zu arbeiten,
  • Resultate zu dokumentieren,
  • alle Ergebnisse konsequent selbst anzuzweifeln,
  • strikte Ehrlichkeit im Hinblick auf die Beiträge von Partnern, Konkurrenten und Vorgängern zu wahren, …“ (S. 15)

Eurpean Code of Conduct for Research Integrity
Auf europäischer Ebene hat die European Science Foundation einen „European Code of Conduct for Research Integrity“ aufgestellt, in dem die Prinzipen wissenschaftlicher Forschung beschrieben werden. Wissenschaftliche Integrität meint hier eine eine ethisch begründete Haltung bzgl. des eigenen Handeln als Wissenschaftler, das an diesen wissenschaftlichen Werten ausgerichtet sein sollte. In diesem Dokument, zugreifbar über den oben angegebenen Link, heisst es zu den Prinzipien von Integrität, die wesentlich weiter gefasst sind als in den deutschen DFG-Empfehlungen:

„These principles include:

  • honesty in communication;
  • reliability in performing research;
  • objectivity;
  • impartiality and independence;
  • openness and accessibility;
  • duty of care;
  • fairness in providing references and giving credit; and
  • responsibility for the scientists and researchers of the future.“ (S. 5)

Nachdenken über Wissenschaft

Das Thema Wissenschaftliches Arbeiten impliziert die Frage, was eigentlich Wissenschaft nun genau sei? Denkt man über den Wissenschaftsprozess nach, tauchen auch erkenntnistheoretische bzw. philosophische Fragen auf, wie nach der Wahrheit wissenschaftlichen Wissens oder der Enstehung wissenschaftlichen Wissens? Damit gehören dazu auch Aspekte der Funktion des Peer-Review-Prozesses und damit die Bewertung von Informationen und Publikationen.

Der Wissenschaftsaktivist John Brockman stellt jedes Jahr über die Website Edge führenden Wissenschaftlern eine Frage. 2011 lautetet die Frage „What scientific concept would improve everybody’s cognitive toolkit?„, und die Antworten findet man auch im auf Deutsch herausgegebenen Band: Was macht uns schlauer? : Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über neue Strategien, unser Wissen zu erweitern / Brockman, John (Hrsg.) Frankfurt am Main: Fischer, 2012.

Hier zwei Antworten, die für mich zwei wichtige Aspekte von Wissenschaft beschreiben, die auch im Alltag eine Bedeutung haben:

Hier noch ein paar Beispiele für Texte über „Wissenschaft“, die im Seminar als Lesestoff angeboten wurden:

Das Wichtigste für die Erstellung einer wissenschaftlichen (Examens-)Arbeit?

„Was ist aus Ihrer Sicht das Wichtigste für die Erstellung einer wissenschaftlichen (Examens-)Arbeit?“ Diese Frage stellten Seminar-Teilnehmende wissenschaftlichen Mitarbeitenden und/oder Lehrenden der TUHH oder auch anderen Menschen, die schon mal eine wissenschaftliche Examensarbeit geschrieben haben. Die Antworten wurden in Gruppen gesammelt und die wichtigsten Antworten dokumentiert! Herausgekommen ist ein guter Überblick über die vielfältigen Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens!

Wichtig-bei-Erstellung-Wissenschaftlicher-Arbeit-rund

Hier noch ein paar Antworten, die ich selbst bei Kollegen gesammelt habe. Erstaunlich ist für mich, in welcher Vielfalt geantwortet wird. Weniger erstaunlich ist, dass die Antwort natürlich immer auch mit dem Menschen zu tun hat, der antwortet! 😎

  • „Man muss wissen, worauf sich die Ergebnisse begründen.“
  • „Dass die Arbeit einen Praxis-Bezug hat!“
  • „Dass man sich optimalerweise für das Thema begeistern kann und inhaltlich voll dahinter steht.“
  • „Es muss klar sein, was man selbst gemacht hat. Es ist schlecht, 50 Seiten etwas wiederzukauen, was andere geamcht haben, und nur 5 Seiten zu schrfeiben, was man selbst gemacht hat.“

Was ist Ihre Antwort auf die Frage?