#OAWeek2017 – Ein DEAL für mehr Openness

Open Access Week 2017

Paywalls für elektronische Ressourcen torpedieren den Grundgedanken der Openness, indem sie den Blick auf Forschungsergebnisse künstlich verbarrikadieren. So wirken elektronische Bezahlschranken wie Reliquien aus einer längst zurückgelassenen Zeit.

In digitalisierten Zeiten „entschleunigt“ das Subskriptionswesen der Verlage den wissenschaftlichen Fortschritt schlichtweg dadurch, dass an die relevanten Forschungsergebnisse mitunter nicht angeknüpft werden kann, da diese von einer nicht akzeptablen Lizenzgebühr ummantelt wurden und sich nicht jede Institution den Zugang zum aktuellsten Forschungsoutput so teuer eröffnen kann oder möchte.

Das bremst die globale und interdisziplinäre Kooperation der Forscher und somit die Akkumulation von Forschungsdaten. Das hemmt letztlich nicht nur den wissenschaftlichen Impetus, sondern auch die Aufklärung der Gesellschaft in Zeiten, in denen Antworten auf existentielle Fragen schier unbegrenzt verfügbar scheinen und sich die Frage nach der Mündigkeit des Bürgers gar nicht stellen sollte. Indem sich aber die Zeitspanne zwischen der gesellschaftlichen Wirklichkeit, ihrer verstehenden Analyse in der Forschung und der medial vermittelten populärwissenschaftlich aufbereiteten Rückführung der Forschungserkenntnisse in die Gesellschaft durch steigende Subskriptionskosten unnötig ausdehnt, muss man sich diese Frage leider mitunter doch stellen.

Nun, wie viel genau lassen sich Hochschulen und Forschungsinstitutionen in Deutschland die Subskription von Journals pro Jahr kosten? „Über den Daumen gepeilt“ rund 200 Millionen Euro. Die Renditen der drei Verlagsgiganten (Elsevier, Springer Nature und Wiley) sind dabei mit bis zu 40 Prozent außergewöhnlich hoch bei einer doch recht überschaubaren Verlagsleistung. Durch ihre monopolähnliche Vormachtstellung bringen sie immer mehr Bibliotheken in eine eigentlich nicht mehr akzeptable Verhandlungssituation (insbesondere vor dem Hintergrund sinkender Erwerbungsetats).

Um dieses bewusst düster gezeichnete Bild etwas zu erhellen: die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen – vertreten durch die Hochschulrektorenkonferenz – versucht seit dem Jahr 2014 dem Gedanken der „Openness“ wissenschaftlicher Forschung mehr Substanz zu verleihen. Das „Projekt DEAL“ kämpft als beispiellose Initiative in Deutschland für bundesweite Lizenzverträge mit Elsevier, Wiley und Springer. Damit soll das Zeitschriftenportfolio der drei großen Verlage vollständig abgedeckt werden und zugleich individuell für Bibliotheken kostensenkend berücksichtigt werden, wenn die wissenschaftliche Einrichtung bereits Artikelgebühren (APC) für die Open-Access-Veröffentlichung eines lokal ansässigen Forschers in einem der Journale an die Verlage entrichtet hatte. So soll das „Double-Dipping“ vermieden werden, also die doppelte Finanzierung für die in einer „hybriden Zeitschrift“ erscheinenden Publikation durch den Autor bzw. die Forschungseinrichtung bei weltweiter Veröffentlichung und abermals durch die Lizenzgebühren für die Zeitschrift, in der der Artikel erschien.

Die TUHH fördert den Umstieg des Publikationswesens auf Open Access bereits seit geraumer Zeit und unterstützt daher die Ziele des DEAL-Projektes. Dabei sind die wichtigsten Ziele in Kürze:

  • Alle am Projekt DEAL teilnehmenden wissenschaftlichen Einrichtungen erhalten einen dauerhaften Volltextzugriff auf das gesamte E-Journal-Spektrum der ausgewählten Verlage.
  • Sämtliche Publikationen von Autorinnen und Autoren deutscher Einrichtungen werden automatisch Open-Access gestellt (CC-BY, inkl. Peer Review).
  • Angemessene Preise anhand eines einfachen Berechnungsmodells, das sich am Publikationsaufkommen orientiert.

Inzwischen haben sich mehrere hundert Einrichtungen (darunter Universitäten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen sowie Staats- und Regionalbibliotheken) für den Abschluss entsprechender Lizenzverträge ausgesprochen. Auch die TU Hamburg hat der Projektgruppe im Frühjahr 2016 das Mandat zu entsprechenden Vertragsverhandlungen erteilt.

Projekt DEAL - Lizenzverträge mit Open Access Komponente