Zur Geschichte der Offenheit von Wissen

By Wikimedia Foundation (Wikipedia-logo-v2-de) CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), via Wikimedia Commons

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Wikipedia und Open Educational Resources sind nur die aktuell sichtbaren Kulminationspunkte einer Geschichte der Offenheit von Wissen im Laufe der Jahrhunderte. Schon die ersten wissenschaftlichen Zeitschriften im 17. Jahrhundert, die französische Enzyklopädie der Aufklärung und die populär gehaltenen Schriftenreihen in kleinem Format um die Wende zum 20. Jahrhundert wie die „Sammlung Göschen“, „Aus Natur und Geisteswelt“ oder die Bände von „Reclams Universal-Bibliothek“ sind Beispiele für den Prozess der Öffnung von Wissen für die Allgemeinheit.

Eine kleine Zeitreise.

Logo der Open Access Week

Dieser Beitrag erscheint zur Open-Access-Woche vom 19. bis 25. Oktober 2015 und wird begleitet von einigen Ausstellungs-Vitrinen in der Rotunde der TUHH-Bibliothek.

Erste wissenschaftliche Fachzeitschriften,
wie die 1665 erstmals publizierten „Philosophical Transactions“ der britischen Royal Society und das französische „Journal des sçavans“, erlaubten es, den vorher üblichen Briefwechsel zwischen den einzelnen Gelehrten öffentlich zu machen.

Abb.: Henry Oldenburg Philosophical Transactions Titelblatt. CC BY 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0), via Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Philosophical_Transactions_Volume_1_frontispiece.jpg

Abb.: Henry Oldenburg Philosophical Transactions Titelblatt. CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Abb.: Titelseite der "Encyclopédie …“ Public Domain, via Wikimedia Commons

Abb.: Titelseite der „Encyclopédie …“ Public Domain, via Wikimedia Commons

 

Das Wissen der Zeit in 35 Bänden
Der erste Band der von von Denis Diderot und Jean Baptiste le Rond d’Alembert herausgegebenen französischen „Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ (Enzyklopädie oder ein durchdachtes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke) erschien 1751. 1780 wurde die „Encyclopédie“ mit dem 35. Band abgeschlossen. Als Symbol der Aufklärung berücksichtigte die Enzyklopädie dabei auch Naturwissenschaft, Handwerk und Kunst. Insbesondere zusammen mit den detailgetreuen Abbildungen in den zusätzlichen Bildtafel-Bänden machte sie den Fortschritt des Wissens der Zeit sichtbar.

Bände der Schriftenreihen 'Sammlung Goeschen' und 'Aus Natur und Geisteswelt'
Erste populäre, kostengünstige „Fachbücher“ um 1900
Das Wachstum des Wissens führte in der letzten Hälfte des 19. Jahrhundert und am Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer wachsenden Fragmentierung von Wissen. Gleichzeitig war durch die naturwissenschaftlich-technische Entwicklung eine Popularisierung unumgänglich. Schriftenreihen in kleinem Format wie die „Sammlung Göschen“, „Aus Natur und Geisteswelt“ sowie die Bände von „Reclams Universal-Bibliothek“ boten erschwingliches Wissen in kleinen monografischen Bänden, teilweise bis in die Gegenwart.

Bände aus Reclams Universal-Bibliothek

Band 1 von Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften
Schon 1889 hatte der Chemie-Nobelpreisträger von 1909, Wilhelm Ostwald, den ersten Band einer Schriftenreihe mit dem Titel „Klassiker der exakten Wissenschaften“ herausgebracht. Mit dern „Klassikern“, die wichtige Originalwerke aus allen Bereichen der Naturwissenschaften einfach zugänglich machte, hatte Ostwald ein von ihm so genanntes „Prinzip der unabhängigen Handhabung des einzelnen Stückes“ oder „Monographieprinzip“ angewandt. Ostwald schlug später sogar vor, die wissenschaftliche Zeitschrift aufzulösen und stattdessen nur einzelne Artikel zu publizieren, da kein Wissenschaftler alle Aufsätze eines Zeitschriftenbandes lese. 1929 schrieb Ostwald zur Entwicklung von der Enzyklopädie zu populären, monografischen Schriften:

„Denn jetzt ist es nicht […] der wohlhabende Mittelstand […] aus dem die Ernte zu erwarten ist, sondern die darunter liegende Schicht der Industriearbeiter. Folglich kann von der Seite des Buches die Wirkung nicht durch eine vielbändige Enzyklopädie hervorgebracht werden, sondern nur durch eine in dünne, wohlfeile Heftchen zerlegte wissenschaftliche Literatur, die in sorgsam durchgearbeiteter methodischer Ordnung den Aufstrebenden von den einfachsten Anfängen bis zu dem Ort führt, an den er gelangen will, und von dem er mit Erfolg die vorhandenen wissenschaftlichen Spezialwerke studieren kann.“

(Zitiert nach T. Hapke: Wilhelm Ostwalds pädagogische Aktivitäten und die Ökonomisierung der Technik „geistiger Arbeit“. In: Ein Netz der Wissenschaften? Wilhelm Ostwalds „Annalen der Naturphilosophie“ und die Durchsetzung wissenschaftlicher Paradigmen / hrsg. von Pirmin Stekeler-Weithofer, … Leipzig: Hirzel, 2009. S. 67-97, S. 89, im Preprint, S. 18-19)

Noch heute erscheinen Reihen, wie „A very short introduction“ von Oxford University Press, „Beck Wissen“, die Reihe „Zur Einführung“ des Junius-Verlages oder „For Dummies“ vom Wiley-Verlag, zu kurz dargestellten informativen Themen.

Bände der Reihe "Very short introduction"
Bände der Reihe C.H. Beck Wissen

Heute bietet Wikipedia als freie Enzyklopädie offenen Zugang zum Wissen. Open-Access-Publikationen ermöglichen freien Zugang auf Literatur und Forschungsergebnisse, Open Educational Resources (OER) erlauben zusätzlich freie Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung von Bildungsmaterialien durch Andere ohne oder nur mit geringfügigen Einschränkungen.

Noch ein Lesetipp: Das Buch von Peter Burke „Die Explosion des Wissens: Von der Encyclopédie bis Wikipedia“ (2014, Link zum Buch auf der Webseite des Wagenbach-Verlages) gibt eine umfassenden Überblick zu weiteren Aspekten der Geschichte von Wissen und Information.

2 Gedanken zu „Zur Geschichte der Offenheit von Wissen

  1. Pingback: TUHH Universitätsbibliothek: „Offene Bibliothek“ zur Nacht des Wissens

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