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#OAWeek2022: Zweitveröffentlichung in Open Access – Ein Beratungsgespräch

Geschafft: Die hart erarbeiteten Forschungsergebnisse sind als Artikel angenommen. Endlich können es alle lesen und diskutieren. Oder doch nicht? Der Artikel wurde von einer Zeitschrift angenommen, die nur von denen gelesen werden kann, die ein Abo dafür haben. Paywall sagen wir dazu. Die Zeitschrift ist gut, der Artikel ist gut, aber wie können ihn die Kolleg*innen ohne Zugriff jetzt trotzdem lesen? Eine Möglichkeit ist die Zweitveröffentlichung auf einem institutionellen Repositorium.

Wie das Ganze genau funktioniert und was bei einer Zweitveröffentlichung beachtet werden muss, ist immer wieder Thema im Beratungsalltag des Open Access Teams. Nachfolgend ist das daraus resultierende Gespräch zwischen dem Open Access Team und eine*r Wissenschaftler*in illustriert:

Bibliothekarin: Da haben Sie verschiedene Möglichkeiten. Zum einen bietet Elsevier reine Open-Access-Zeitschriften an. Hier ist Ihr Artikel sofort weltweit frei verfügbar. Die Finanzierung der Article Processing Charges können Sie über unseren Publikationsfonds beantragen.

Wissenschaftler: Bei meiner Zeitschrift handelt es sich leider nicht um eine reine Open-Access-Zeitschrift. Gibt es dennoch eine Möglichkeit, den Artikel frei zugänglich zu machen?

Bibliothekarin: Auf jeden Fall! Sie können ihn über unser Repositorium zweitveröffentlichen.

Wissenschaftler: Das klingt spannend. Gibt es dabei etwas zu beachten?

Bibliothekarin: Ja, jeder Verlag hat bestimmte Vorgaben zur Zweitveröffentlichung. Am besten, wir schauen uns einmal über Sherpa/Romeo Ihre Zeitschrift an. Hier wird zusammengestellt, welche Bedingungen eingehalten werden müssen.

Wissenschaftler: Ahhh, das war mir noch gar kein Begriff. Vielen Dank! Hier steht, dass ich die akzeptierte Version nach einem Embargo von 24 Monaten mit der Lizenz CC-BY-NC-ND auf einem institutionellen Repositorium hochladen darf. Was genau ist mit „Akzeptierte Version“ gemeint?

Bibliothekarin: Das ist die zur Veröffentlichung angenommene Version. Häufig heißt sie auch „Accepted Manuscript“. Sie enthält alle Änderungen und Anpassungen nach dem Peer-Review. Inhaltlich ist sie also identisch mit der späteren Veröffentlichung. Was fehlt, ist das Verlagslayout, das wäre die „Published Version“ oder „Version of Record“, diese darf man meistens nicht verwenden.

Wissenschaftler: Alles klar und wie gehe ich jetzt weiter vor?

Bibliothekarin: Sie können TUHH Open Research – wir sagen meistens kurz TORE – nutzen, um allen Interessierten Ihren Artikel frei zugänglich zu machen.

Wissenschaftler: TORE ist mir ein Begriff. *Grübel*

Bibliothekarin: Das ist das Forschungsinformationssystem und Repositorium an der TUHH. Hier können Sie Ihre Forschungsergebnisse hochladen. Vorteil ist, dass Ihre Dokumente dauerhaft u.a. mit einem stabilen Link und einem eindeutigen, dauerhaften Identifikator versehen werden.

Wissenschaftler: Und wie genau lade ich den Artikel auf TORE hoch? Kann ich das selbst machen?

Bibliothekarin: Unter dem Punkt „Veröffentlichen“ können Sie alle Metadaten wie z.B. Titel, Autor*innen, Zeitschrift, DOI usw. eintragen. Wichtig ist, dass Sie die richtige Lizenz auswählen. Dann laden Sie Ihr Dokument hoch und stellen bei „Access Settings“ die Embargofrist ein.

Wissenschaftler: Nach Ablauf des Embargos wird dann das PDF automatisch freigeschaltet?

Bibliothekarin: Genau! Es stehen erst mal nur die Metadaten zur Verfügung. Sobald das Embargo abgelaufen ist, wird das PDF weltweit für alle zugänglich. Bis dahin gibt es aber einen „Request a Copy“-Knopf, mit dem Kolleg*innen bei Ihnen den Artikel anfragen können.

Wissenschaftler: Das klingt ja toll! Vielen Dank für die Info.

Bibliothekarin: Und keine Sorge: Vor der Freischaltung findet innerhalb der TU-Bibliothek noch eine urheberrechtliche Vorabprüfung und eine Bearbeitung durch das Team der Medienbearbeitung statt.

Wissenschaftler: Was ist eigentlich, wenn ich selbst vor einer Paywall bei Elsevier stehe und den Artikel gerne lesen möchte. Gibt es da irgendeine Möglichkeit ranzukommen?

Bibliothekarin: Wir bieten gerade leider keinen Zugriff auf die Elsevier-Zeitschriften an. Hier werden zurzeit deutschlandweite Verhandlungen vorbereitet. Aber Sie können Open-Access-Versionen suchen und sich zum Beispiel verschiedene Browser-Plug-ins wie „Unpaywall“ oder der „Open Access Button“ installieren. Falls es eine frei verfügbare Version des Artikels gibt, leiten diese sie direkt weiter.

Wissenschaftler: Und falls es noch keine Zweitveröffentlichung des Artikels gibt?

Bibliothekarin: Dann können Sie unsere Fernleihe kontaktieren, die Kolleg*innen können Ihnen den Artikel fast immer auf diesem Wege beschaffen. Ansonsten gibt es noch kostenpflichtige Schnell-Lieferdienste, über die wir Ihnen den Artikel auch besorgen könnten.

Wissenschaftler: Danke Sie haben mir sehr geholfen, jetzt sind erst mal alle Fragen geklärt!

Bibliothekarin: Das freut mich! Sie können uns immer unter openaccess@tuhh.de erreichen oder freitags von 10:00 – 10:30 Uhr in unsere virtuelle Sprechstunde über Zoom (Kenncode: 347349) kommen.

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