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#OAWeek2026: „The Cost of Knowledge“ – Was in offenen Lehrmaterialien steckt

Eine Präsentation für die Vorlesung, ein Aufgabenblatt für das Seminar, eine selbst erstellte Abbildung oder ein Erklärvideo: Lehrmaterialien sind für mich aus dem Hochschulalltag kaum wegzudenken. Häufig sehen wir ihnen jedoch nicht an, was in ihnen steckt.

Denn auch Lehrmaterialien haben einen Preis. Ihre Erstellung kostet Zeit und Arbeit. Inhalte müssen recherchiert, Texte geschrieben, Abbildungen erstellt, Aufgaben entwickelt und Materialien ggf. immer wieder aktualisiert werden. Hinzu kommen je nach Material technische Infrastruktur, Software und nicht zuletzt die Frage, wo Materialien dauerhaft bereitgestellt werden können.

Wenn wir während der diesjährigen Open Access Week unter dem Motto „The cost of knowledge“ über die Kosten von Wissen sprechen, lohnt deshalb auch ein Blick auf Open Educational Resources (OER). In der vergangenen Open Access Week haben wir OER vor allem aus der Perspektive des Teilens und der gemeinschaftlichen Weiterentwicklung von Wissen betrachtet: Wer darf Wissen nutzen, verändern und weitergeben? Und wie können offene Lizenzen dazu beitragen, Wissen nicht nur zugänglich, sondern auch gemeinsam nutzbar zu machen?

In diesem Jahr möchten wir die Perspektive etwas verschieben und fragen: Was kosten offene Lehrmaterialien eigentlich und was passiert mit der Zeit und Arbeit, die wir in ihre Erstellung investieren?

Offen heißt nicht kostenlos

OER sind Bildungsmaterialien, die unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden. Dadurch können andere sie, abhängig von der jeweiligen Lizenz (siehe auch Creative-Commons-Lizenzen im Überblick), nicht nur lesen oder herunterladen, sondern beispielsweise auch weitergeben, bearbeiten und für die eigene Lehre anpassen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass offene Lehrmaterialien ohne Aufwand entstehen.

Auch OER entstehen nicht einfach nebenbei. Oft beginnt ein Material mit einer Idee oder einem Anlass: eine Frage aus einer Lehrveranstaltung, ein Thema, das sich mit vorhandenen Materialien nicht gut erklären lässt, eine eigene Verständnislücke oder schlicht der Geistesblitz, dass sich etwas vielleicht anschaulicher vermitteln ließe.

Aus dieser ersten Idee muss ein Material werden. Inhalte werden recherchiert und didaktisch aufbereitet, Texte geschrieben, Aufgaben entwickelt, Abbildungen gestaltet oder Videos produziert. Materialien werden geprüft, beschrieben und veröffentlicht und im besten Fall später gepflegt und aktualisiert.

All das kostet Zeit, Aufmerksamkeit, Kreativität und Arbeit. Und Offenheit bedeutet auch, ein Stück weit loszulassen: ein Material nicht in der eigenen Schublade oder im geschützten Raum einer Lehrveranstaltung zu belassen, sondern es sichtbar zu machen und mit anderen zu teilen. Denn damit wird die eigene Arbeit auch für andere einsehbar, kommentierbar und bei entsprechender offener Lizenz veränderbar.

Offenheit lässt den Aufwand hinter einem Material also nicht verschwinden. Wer Materialien so aufbereitet, dass sie auch außerhalb des ursprünglichen Lehrkontexts verständlich, auffindbar und nachnutzbar sind, investiert unter Umständen sogar zusätzliche Arbeit. Gleichzeitig entsteht dadurch aber auch etwas Neues: Andere können auf dieser Arbeit aufbauen.

Die interessante Frage ist deshalb eine andere: Was passiert mit dieser Investition anschließend?

Wenn aus einem Material viele werden können

Ein Lehrmaterial, das ausschließlich in einem einzelnen Kurs verwendet wird, kann dort sehr wertvoll sein. Seine Nutzung bleibt jedoch zunächst auf diese Veranstaltung begrenzt. Ein offen lizenziertes Material kann dagegen weiterwandern. Wohin, ist bei seiner Erstellung noch gar nicht absehbar.

Solche Situationen ergeben sich ganz praktisch. Studierende haben mich zum Beispiel schon gefragt, ob sie Materialien aus einer Lehrveranstaltung später für eigene Tutorien verwenden dürfen. Auch bei Hospitationen, etwa im Rahmen von Erasmus, kam die Frage auf, ob gezeigte Materialien anschließend weiterverwendet werden können.

Über solche Fragen freue ich mich und kann gleichzeitig auf die CC-Lizenz der Inhalte verweisen: Genau dafür ist sie da. Die Materialien dürfen weiterverwendet, geteilt und bearbeitet werden, solange die jeweiligen Lizenzbedingungen eingehalten werden. Eine zusätzliche Erlaubnis von mir braucht es dafür nicht.

Eigentlich zeigt sich genau in solchen Situationen, was eine offene Lizenz bewirken kann: Ein Material, das ursprünglich für eine bestimmte Lehrveranstaltung entstanden ist, bleibt nicht auf diesen einen Kontext beschränkt. Es kann in einem Tutorium wieder auftauchen, von Lehrenden an einer anderen Hochschule oder auch im Schulunterricht aufgegriffen, angepasst oder weiterentwickelt werden.

Bei der Erstellung weiß ich noch gar nicht, wer ein Material später einmal gebrauchen könnte. Durch die offene Lizenz kann ich aber von Anfang an die Möglichkeit dafür schaffen.

Die Arbeit, die einmal in ein Material geflossen ist, wird dadurch nicht geringer. Aber sie kann weiterwirken.

Offenheit braucht Bedingungen

Gleichzeitig geschieht Nachnutzung nicht automatisch, nur weil eine offene Lizenz auf einem Material steht.

Damit OER tatsächlich gefunden, verstanden, genutzt und weiterentwickelt werden können, braucht es geeignete Plattformen und Infrastrukturen, verständliche Lizenzinformationen, gute Beschreibungen und Menschen, die Materialien erstellen und pflegen. Auch Beratung und Unterstützung rund um offene Lizenzen und Veröffentlichungsmöglichkeiten gehören dazu.

Bei tub.torials versuchen wir deshalb beispielsweise, Offenheit nicht bei der Lizenz enden zu lassen. Beiträge und Materialien stellen wir zusätzlich in nachnutzbaren Formaten bereit, etwa als Markdown-Dateien in einem GitLab-Repositorium. Denn ob ein Material nachgenutzt werden darf und wie einfach das praktisch möglich ist, sind zwei unterschiedliche Fragen.

Auch diese Form der Bereitstellung geschieht nicht von selbst. Inhalte müssen entsprechend aufbereitet, abgelegt und aktuell gehalten werden. Damit wird an diesem Beispiel noch einmal sichtbar: Nachnutzbarkeit braucht nicht nur eine offene Lizenz, sondern auch Zeit, geeignete Formate und Infrastruktur.

Offenes Wissen ist deshalb nicht einfach Wissen „ohne Kosten“.

Vielleicht sollten wir vielmehr danach fragen, wofür wir unsere Ressourcen einsetzen möchten und welchen Nutzen sie langfristig ermöglichen sollen.

Bei OER bedeutet das: Wir investieren weiterhin Zeit, Arbeit und Infrastruktur in hilfreiche Lehrmaterialien. Durch offene Lizenzen und eine möglichst nachnutzbare Bereitstellung schaffen wir aber die Möglichkeit, dass diese Investition über den ursprünglichen Entstehungskontext hinauswirkt.

Was ist uns offene Bildung wert?

Damit schließt sich der Kreis zum Motto der diesjährigen Open Access Week.

Die „Kosten von Wissen“ bestehen nicht nur aus Rechnungen und Publikationsgebühren. Wissen kostet auch Zeit, Arbeit, Aufmerksamkeit und Infrastruktur. Und diese Kosten beginnen lange bevor ein fertiges Lehrmaterial vor uns liegt: mit einer Idee, einer Frage oder einem konkreten Anlass und mit der Überlegung, wie sich ein Inhalt gut vermitteln lässt. Aus einer Idee muss schließlich erst ein Material werden. Auch dessen Aufbereitung, Veröffentlichung und Pflege brauchen Ressourcen.

Bei offenen Lehrmaterialien wird deshalb besonders sichtbar, dass die entscheidende Frage nicht allein lautet: Was kostet es, Wissen offen zugänglich zu machen? Sondern auch: Was können wir aus der Arbeit machen, die bereits in Wissen investiert wurde?

Open Educational Resources geben darauf eine mögliche Antwort: Wissen so zu teilen, dass andere darauf aufbauen können.


Unsere Beiträge zur Open Access Week 2026

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