Vor 120 Jahren: Ludolph Gazert gestorben

1907, wurde die Straße zwischen Alter Postweg und Eißendorfer Straße nach dem Medizinalrat Dr. med. Ludolph Friedrich Gazert benannt. Im Zusammenhang mit der Anzeige des Todes von Gazert im Hannoverschen Courier vom 1. Juni 1892 wird allerdings mitgeteilt, dass „eine neuerbaute Straße in der Nähe des städtischen Krankenhauses, um welches sich G. große Verdienste erworben hat, den Namen Gazertstraße“ erhält.

Dr. med. Ludolph Friedrich Gazert                      (1813-1892)                                          Quelle: Privatbesitz

Ludolph Friedrich Gazert wurde am 7.7.1813 in Lüneburg als Sohn des Kaufmanns und Spediteurs Detlev Friedrich Gazert und seiner Frau Anna Elisabeth Schultz geboren. Er hatte zunächst die Ausbildung zum Kaufmann begonnen. Nachdem er Ostern 1835 auf dem Johanneum in Lüneburg sein Abitur erlangt hatte, studierte er in Göttingen Medizin und wurde dort am 10.3.1838 promoviert. Danach hörte er noch Vorlesungen in Halle und Berlin und machte 1839 das Staatsexamen zum Physikus. Im selben Jahr ließ er sich in Harburg a.d.E. als praktischer Arzt für Chirurgie und Geburtshilfe nieder. 1841 wurde er dort Stadtphysicus.

Im Jahre 1844 wurde aus privaten Mitteln in Harburg, Bremer Straße 20, ein öffentliches Krankenhaus errichtet, das „Marienstift“, benannt nach der damaligen Königin Marie von Hannover. Die Leitung des neun Zimmer und einer kleinen Verwalter-Wohnung umfassenden Hauses übernahm Dr. L. F. Gazert. Seit dem 1.10.1861 war Gazert der erste, anfänglich unbesoldete Ärztliche Direktor der Städtischen Krankenanstalten in Harburg an der Elbe. 1862 wurde er zum Sanitätsrat ernannt, 1863 zum Stadt- und Landphysikus von Harburg und Tostedt und am 25.5.1866 zum Medizinalrat. Seit 1866 gehörte Harburg zu Preußen. Für seine Verdienste um das Harburger Gesundheitswesen wurde Gazert im Jahre 1867 vom preußischen König der Rote-Adler-Orden 4. Klasse verliehen. Noch im Jahre 1869 engagierte sich die zweite Frau von Ludolph Gazert, die Pianistin Christiane Luise Hey (1838-1919), durch die Veranstaltung eines Wohltätigkeitskonzerts für das Krankenhaus; die Zinsen aus den Einnahmen von 200 Talern sollten jährlich für Zwecke des Krankenhauses verwendet werden. Aber zum 31.12.1870 kündigt Gazert seine Tätigkeit in den Städtischen Krankenanstalten in Harburg und zog mit der Familie nach Coburg. Hier praktizierte er weiter als Arzt. Am 27.5.1892 starb Ludolph Friedrich Gazert in Coburg.

Sein Sohn Hans Gazert (1870-1961) war der Expeditionsarzt der ersten deutschen Antarktisexpedition unter Erich von Drygalski. Seine Aufzeichnungen während der Expedition trugen mit dazu bei, dass Beriberi als Vitaminmangelerkrankung erkannt wurde.

An das 1906 errichtete Feierabendhaus in der Gazertstr. 60, gestiftet von der Familie Hastedt, haben wir schon erinnert. Heute machen wir auf einen Stolperstein zum Gedenken an den in der NS-Zeit ermordeten Paul Reinke in der Gazertstraße 19 a-c aufmerksam.