Vom 29.09.2025 bis 02.10.2025 war Susanne Parzer von der Universität Innsbruck (ULB Tirol) zu Gast an der Universitätsbibliothek TUHH. Der Aufenthalt fand im Rahmen ihrer Weiterbildung „Bibliothek, Information und Dokumentation“ statt. Im Nachgang hat sie einen kurzen Erfahrungsbericht geschrieben, den wir offen über das Blogangebot der Bibliothek teilen dürfen.
Zu Gast an der Universitätsbibliothek TUHH: Praktikumsbericht aus Innsbruck
Mein Name ist Susanne Parzer und ich absolviere derzeit den Lehrgang „Bibliothek, Information und Dokumentation“ an der ULB Tirol. Bei dieser Ausbildung werden theoretische Inhalte mit praktischen Einblicken in verschiedene Abteilungen, Bibliotheken und Informationseinrichtungen kombiniert. Dazu gehört auch ein externes Praktikum, das Einblicke in andere Bibliothekssysteme ermöglicht und den fachlichen Horizont erweitert.
Hamburg liegt zwar nicht gerade um die Ecke. Aber mein Interesse an Hafenstädten und regionalen Unterschieden in bibliothekarischen Strukturen war groß. Daher absolvierte ich mein Praktikum an der Universitätsbibliothek (TUB) der Technischen Universität Hamburg (TUHH).
Eine Woche an der TUHH
Vom 29.09. bis 02.10.2025 durfte ich die verschiedenen Bereiche der Bibliothek sowie den Campus in Harburg kennenlernen. Der Praktikumsplan war sorgfältig organisiert. So lernte ich u.a. die Benutzung der TUB, die Fachreferate, die Medienbearbeitung und die Open-Access-Aktivitäten der Bibliothek kennen.

Austausch auf Augenhöhe
Bereits zu Beginn meines Praktikums durfte ich im Rahmen einer Vorstellungsrunde vor interessierten Kolleg*innen meine Heimatbibliothek, die ULB Tirol, präsentieren. Dieser Austausch war besonders spannend, um erste Unterschiede auszumachen: Wir kamen schnell ins Gespräch über die unterschiedliche Architektur unserer Häuser, verschiedene Servicekonzepte und organisatorische Besonderheiten. Es zeigte sich, dass ein Praktikum keine Einbahnstraße ist. Vielmehr profitierten beide Seiten vom Austausch: eine große Universitäts- und Landesbibliothek in Österreich traf auf eine technisch ausgerichtete Universitätsbibliothek in Norddeutschland. Das bot spannende Vergleichsperspektiven.
Medienbearbeitung und Katalogisierung
In der Abteilung Medienbearbeitung erhielt ich einen Überblick zur Katalogisierungsarbeit an der TUHH sowie in die Medienakquise. Auch Einblicke ins Lizenzmanagement gehörten dazu. Hier wurde für mich deutlich, wie unterschiedlich die Prozesse je nach Bibliothekssystem und technischer Infrastruktur gestaltet sein können. Ein interessanter Vergleich zu den Abläufen, die ich aus Innsbruck kenne.
Fachreferat: Von Erwerbung über Sacherschließung bis hin zu Open Access und Open Education
Im Fachreferat konnte ich mehr über klassische Fachreferatstätigkeiten wie die Bearbeitung von Anschaffungsvorschlägen und die Sacherschließungspraxis der TUB erfahren. Alle in die Bibliothek eingearbeiteten Medien werden bspw. zur Verbesserung der Recherche im Katalog mit Notationen der Basisklassifikation sowie mit Schlagwörtern versehen.
Neben klassischen Tätigkeiten gibt es auch Fachreferate, die sich mit fachübergreifenden Themen wie Open Access und Open Education beschäftigen. Zum Thema Open Access bekam ich einen Einblick in die Funktionsweise des Publikationsfonds der TUB. Außerdem erhielt ich einen Überblick darüber, welche Verlagsvereinbarungen TU-Forschende zum Beispiel für ihre Veröffentlichungen nutzen können. Themen wie Open Access oder Offenheit in der Wissenschaft fließen zudem auch in andere Angebote der TUB. Dazu gehören zum Beispiel ein Seminar zum Wissenschaftlichen Arbeiten für Bachelorstudierende, offene Sprechstunden und andere Schulungsangebote. Im Bereich Open Education (Lernmaterial, das offen geteilt und weitergenutzt werden kann) ging es darum, wie Bibliotheken aktiv zur Förderung offener Bildungsressourcen beitragen können und welche Werkzeuge für die Erstellung dieser genutzt werden können.
Servicepoint: Nutzer*innen im Fokus
Am Servicepoint konnte ich den unmittelbaren Kontakt mit Nutzer*innen erleben und bekam ein Gefühl dafür, welche Fragen und Anliegen im Alltag einer TUB aufkommen. Dieser direkte Austausch mit Studierenden und Forschenden rundete meine Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche der TUB ab. Am Rande konnte ich hier auch erleben, wie die letzten Schritte der TU-Bibliothek hin zu einer Open Library vollzogen wurden.
Die kleinen Dinge, die in Erinnerung bleiben
Doch ein Praktikum besteht nicht nur aus Tätigkeiten und Prozessen. Oft sind es auch die kleinen Momente, die besonders haften bleiben:
- „Moin“ funktioniert zu jeder Tageszeit.
- „Bibliotheken der Dinge“ können auch im wissenschaftlichen Kontext erstaunlich gut funktionieren.
- Entgegen aller Klischees regnete es während meines Aufenthalts nicht einmal – stattdessen strahlender Sonnenschein.
- Zimtschnecken sind in Hamburg angeblich „out“, dafür sind Franzbrötchen absolut „in“.
- Studierende puzzeln gerne – das Puzzle von Oswald von Wolkenstein (ULB-Sonderedition) erwies sich damit als perfektes Mitbringsel, das hoffentlich seinen Weg in den Bestand der TUB finden wird.

Fazit und Empfehlung
Ich konnte in viele unterschiedliche Bereiche der TUB hineinschnuppern, von der technischen Medienbearbeitung über Fachreferatstätigkeiten bis hin zu zukunftsweisenden Themen wie Open Access. Dabei wurde ich herzlich aufgenommen und fühlte mich schnell als Teil des Teams. Die Zeit in Hamburg war fachlich wie persönlich sehr bereichernd.
Besonders wertvoll war für mich (fachlich) der Vergleich zwischen einer Universitäts- und Landesbibliothek und einer technisch spezialisierten Universitätsbibliothek. Viele Anregungen, etwa im Bereich der Sacherschließung und der Open-Access-Strategien, nehme ich mit zurück nach Innsbruck. Ein Praktikum über die eigenen Bibliotheksgrenzen hinaus kann ich nur wärmstens empfehlen. Ich bedanke mich herzlich bei allen Kolleg*innen der TUB für die wunderbare Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken!

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