Die Anzahl zurückgezogener wissenschaftlicher Publikationen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Allein 2023 wurden weltweit mehr als 10.000 Artikel zurückgezogen, ein neuer Höchstwert. In den Folgejahren gab es immer wieder Berichte über Untersuchungen verschiedener Verlage wegen Verdachtsfällen, mit teils drastischen Konsequenzen wie Massenretractions. Innerhalb kurzer Zeit werden Hunderte von Artikeln auf einmal zurückgezogen, was unter anderem ausgewählte Berichte aus den Jahren 2024, 2025 und 2026 zeigen. Auch vielfach zitierte Veröffentlichungen sind betroffen. Bis heute vermeldet die Retraction-Watch-Datenbank mehr als 63.000 zurückgezogene Artikel.
Der Beitrag ist in folgende Abschnitte unterteilt:
- Was ist eine Retraction?
- Gründe für zurückgezogene Veröffentlichungen
- Kenntlichmachung von Retractions
- Was ist Retraction Watch?
- Nutzung von Retraction Watch
- Die Retraction-Watch-Integration für Zotero
- Fazit
- Weiterführende Links
Was ist eine Retraction?
Eine Retraction (auch: Retraktion, Widerruf oder Rücknahme) bedeutet, dass ein bereits veröffentlichter wissenschaftlicher Artikel offiziell zurückgezogen wird. Retractions sind dabei kein Versagen der Wissenschaft. Es ist ein Korrektursystem, welches verdeutlicht, dass die wissenschaftliche Community Fehler ggf. erkennt und korrigiert.
Gründe für zurückgezogene Veröffentlichungen
Für eine Retraction gibt es ganz unterschiedliche Gründe. So können methodische Fehler, fehlerhafte oder fehlende Daten ein Anlass sein. Darüber hinaus gibt es auch betrügerische Praktiken wie Paper Mills. Paper Mills produzieren im großen Stil gefälschte Artikel und verkaufen diese an Wissenschaftler*innen, die unter großem Publikationsdruck stehen (die TUB berichtete unter anderem im Rahmen der Open Access Week 2024). Auch manipulierte Peer-Review-Verfahren, zum Beispiel durch gefälschte Identitäten von Gutachter*innen, sowie der nicht transparente Einsatz von KI-Tools zur Erstellung ganzer Manuskripte spielen eine zunehmende Rolle.
Wenn Retractions übersehen werden
Schwierig wird es, wenn zurückgezogene Artikel weiter zitiert werden, ohne dass jemand es bemerkt. Denn zurückgezogene Artikel bleiben online oft weiterhin auffindbar. Der Vermerk einer Retraction ist je nach Fall leicht zu übersehen und gerade bei umfangreicheren Forschungsarbeiten vergeht zwischen der ersten Literaturrecherche und der endgültigen Veröffentlichung meist viel Zeit. Zudem werden viele Forschende nicht täglich erneut in jede zitierte Quelle schauen können.
Was ist Retraction Watch?
Bei Retraction Watch handelt es sich um ein im Jahr 2010 durch Ivan Oransky und Adam Marcus ins Leben gerufenes Blog sowie eine frei zugängliche Datenbank, die sich der Dokumentation und Auseinandersetzung mit Retractions wissenschaftlicher Artikel widmet. Die Datenbank umfasst mittlerweile, wie auch bereits eingangs erwähnt, mehr als 63.000 dokumentierte Retractions aus allen wissenschaftlichen Disziplinen. Sie ist Teil von Crossref, einer gemeinnützigen Organisation, die als zentrale Infrastruktur für die Vernetzung wissenschaftlicher Publikationen agiert und unter anderem DOIs verwaltet.
Nutzung von Retraction Watch
Die Handhabung von Retraction Watch ist einfach. Auf der Webseite lässt sich direkt nach DOI, Artikeltitel oder Autor*innen-Namen suchen. Eine Anmeldung oder Installation ist nicht notwendig. Innerhalb weniger Sekunden kann so gezielt überprüft werden, ob ein Artikel zurückgezogen wurde und aus welchen Gründen.

Dies kann zum Beispiel in nachfolgenden Situationen besonders hilfreich sein:
- Vor dem Zitieren relevanter Quellen.
- Artikel, bei denen man selbst Skepsis gegenüber den präsentierten Daten oder Ergebnissen entwickelt.
- Wenn man ein Journal vor der Einreichung eigener Arbeiten auf Seriosität prüfen und eine auffällige Zahl an Retractions ausschließen möchte.
- Um über aktuelle Entwicklungen im Bereich wissenschaftliche Integrität und wissenschaftliche Publikationslandschaft informiert zu bleiben.
In diesen Fällen genügt eine einfache Suche über die DOI (Digital Object Identifier: Permanenter Link, der ein Dokument auch bei geänderter URL auffindbar bleiben lässt) des Artikels oder über den Namen der jeweiligen Publikation.
Die Retraction-Watch-Integration für Zotero
Für Nutzer*innen der Open-Source-Literaturverwaltungssoftware Zotero (siehe auch Kurzeinführungen der TUB) gibt es alternativ noch eine Möglichkeit zur automatisierten Handhabung: die kostenlose Retraction-Watch-Integration, die sich direkt in Zotero einbettet. Innerhalb der in der eigenen Zotero-Datenbank gespeicherten Referenzen erfolgt ein automatischer Abgleich mit der Retraction-Watch-Datenbank. Zurückgezogene Artikel werden markiert und deutlich mit einem Hinweis auf den jeweiligen Grund der Retraction versehen:

Seit 2019 ist die Retraction-Watch-Integration Bestandteil von Zotero.
Praxistipp: Retraction-Watch-Integration und Zotero im CWP-Workshop kennenlernen (25.02.2026)
Die Retraction-Watch-Integration gemeinsam ausprobieren?
In der Workshop-Reihe „Collect Write Publish“ zeigen wir, wie Sie Literaturverwaltungsprogramme wie Zotero für die Literaturverwaltung nutzen können und welche Kriterien bei der individuellen Auswahl eines Literaturverwaltungsprogramms unterstützen können.
Fazit
Retractions sind ein Zeichen dafür, dass Selbstkontrollmechanismen in der Wissenschaft funktionieren. Mit der stetig wachsenden Anzahl zurückgezogener Veröffentlichungen bei gleichzeitig steigendem Informationsangebot wird es jedoch zunehmend schwieriger, den Überblick neben den eigentlichen Forschungs- und Veröffentlichungsprozessen zu behalten. Niedrigschwellige Tools wie Retraction Watch und die Zotero-Integration können dabei helfen, zurückgezogene Artikel in der eigenen Arbeit nicht unbemerkt zu zitieren.
Weiterführende Links
- Retraction Watch Datenbank
- Retraction Watch Blog
- Zusätzliche Details zur Retraction-Watch-Integration in Zotero
- Committee on Publication Ethics (COPE)
- Collect, Write, Publish-Workshopreihe (Abstracts und Anmeldungen)
Korrektur (23.02.2026): Die Retraction-Watch-Integration in Zotero wurde ursprünglich als Zotero-Plugin bezeichnet. Dies wurde im Beitrag entsprechend korrigiert. Zudem wurde im Abschnitt „Weiterführende Links“ ein Link zur Funktionsweise des Abgleichs ergänzt.
