#oaweek2014 Tag 4: Peer Review

International Open Access Week 2014Eines der Hauptargumente gegen Open Access ist die Frage nach der Qualität des Peer Reviews. Verlage von Open-Access-Zeitschriften, die qualitätsgeprüfte Artikel entgeltfrei zugänglich machen und für jeden Artikel von den Autoren bzw. deren Einrichtungen Publikationsgebühren verlangen (Goldener Weg), könnten aus Gewinnstreben oder bei möglicher finanzieller Schieflage Abstriche beim Peer Review zulassen.

Vergessen wird bei diesem Argument, dass das Peer-Review-Verfahren auch bei Zeitschriften immer wieder in der Kritik steht, zu deren Inhalten man nur mit jährlichen Subskriptionskosten Zugriff hat. Und nicht selten gibt es schlechte Beispiele: So musste der Verlag Sage bei der Zeitschrift „Journal of Vibration and Control“ vor kurzem mehr als 60 Artikel zurückziehen, da aufgrund eines „peer review ring“ mit falschen Identitäten Autoren ihre eigenen Artikel begutachtet hatten.

In einem anderen Fall wurden in Zeitschriften und Konferenzbänden renommierter Verlage vor Kurzem computergenerierte Beiträge entdeckt, wie ein Beitrag in der Zeitschrift „Nature“ berichtete. Anscheinend konnte die eigentlich übliche Qualitätssicherung via Peer Review dies nicht verhindern (vgl. den Kommentar von Ulrich Herb bei heise.de!).

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Auch über Alternativen zum herkömmlichen Peer Review wird nachgedacht. Einige werden bereits praktiziert. Bei den verschiedenen Modellen des offenen Peer Review kann sich die Offenheit vor oder nach der formalen Publikation auf die Gutachten oder die Gutachter selbst beziehen. Als Preprint publizierte Aufsätze können z.B. durch Kommentare und Anmerkungen ausgewählter Gutachter, aber auch von jedem (Wikipedia-Ansatz) ergänzt werden. (Vgl. Tabelle S. 24-25 in: Herb, U. (2012). Offenheit und wissenschaftliche Werke: Open Access, Open Review, Open Metrics, Open Science & Open Knowledge. In U. Herb (Hrsg.), Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft (S. 11-44). Saarbrücken: universaar.)

In der Vision einer „Open Science“ können darüber hinaus alternative Methoden der Bewertung von Forschung (Stichwort Altmetrics) durchaus auch als Ersatz für das formale Peer Review angesehen werden. (Vgl. dazu auch Fenner, M. (2014): Altmetrics and Other Novel Measures for Scientific Impact. In Bartling, S. & Friesike, S. (Hrsg.), Opening Science. The Evolving Guide on How the Internet is Changing Research, Collaboration and Scholarly Publishing (S. 179-189). Cham: Springer)


Vorschau auf morgen: Open Access Week Tag 5: DFG-Förderung