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KI + Wissenschaftliches Schreiben = Mehrwert?

Eine Buchempfehlung

Wissenschaftliches Schreiben mit KI heißt ein Buch von Isabella Buck, das ich sehr empfehle! Es ist von 2025, somit so aktuell wie möglich und die TUB hat es auch als eBook lizenziert.

Einfacher wissenschaftlich Schreiben mit KI?

Künstliche Intelligenz hat mittlerweile fast überall Einzug gefunden, so also auch beim wissenschaftlichen Arbeiten. Bleibt die Frage, ob dies Sinn macht und in welcher Weise KI-Tools hier unterstützen können. Es geht nicht darum, sich das Denken abnehmen zu lassen und damit auch die Handlungsfähigkeit und Selbstbestimmung, zumindest sollte es das nicht :-). Denn das selber Schreiben unterstützt das Entwickeln der eigenen Gedanken und lässt sich nicht ersetzen. Auch lernen lässt sich wissenschaftliches Schreiben nur durch ebendies. Dennoch gibt es einige Aspekte, bei denen der Einsatz von KI Sinn machen kann.

Worum es in dem Buch geht

Das Buch von Isabella Buck richtet sich an Student*innen und Promovend*innen aller Fächer, es ist keine Einführung in das wissenschaftliche Schreiben, Buck setzt hier erste Erfahrungen voraus. Das Buch soll dabei unterstützen: „KI-Tools verantwortungsbewusst und kompetent einzusetzen und sie so in den wissenschaftlichen Schreibprozess zu integrieren, dass sie Ihnen wirklich einen Mehrwert bieten – als hilfreiche Assistenten, aber nicht als Ersatz für Ihre eigenen Gedanken und Ihre eigene Kompetenz.“

Nach einer Einführung in KI wird besprochen, was man über das wissenschaftliche Schreiben mit KI wissen sollte. Hier werden Nutzungsszenarien skizziert, es geht um gute wissenschaftliche Praxis und es werden verschiedene KI-Tools vorgestellt. Ein eigenes Kapitel widmet sich dem Prompting, um das volle Potenzial der KI ausschöpfen zu können. Schließlich wird genau ausgeführt, wie man mit KI schreibt: Von den Vorüberlegungen und der Planung einer wissenschaftlichen Arbeit, der Literaturarbeit, der Datenerhebung- und Aufbereitung, über die Erstellung der Rohfassung bis zur Überarbeitung des Textes wird gezeigt, wo und wie hier die KI sinnvoll zum Einsatz kommen kann.

Warum mir dieses Buch so gut gefällt

Das Buch ist ganz aktuell, nämlich von 2025, und von einer Autorin geschrieben, die gleichzeitig Kompetenzen im Bereich wissenschaftliches Schreiben und KI hat. Wenn man sich ein bisschen mit wissenschaftlichem Arbeiten befasst hat, weiß man, wie schwer dies sein kann. Da ist es natürlich verlockend, sich die Arbeit leichter zu machen. Wie KI dabei ein Mittel sein kann, und welche Möglichkeiten dies bietet, ohne auf eigenes Denken und Gestalten zu verzichten, zeigt Isabella Buck auf.

KI-Tools nutzen heißt nicht, dass keine eigene Arbeit mehr nötig wäre

Isabella Buck nutzt KI selbst (auch beim Schreiben ihres Buches), aber eben mit Bedacht und dem notwendigen kritischen Blick. Sie liefert verschiedene Argumente dafür, dass eigene Arbeit dennoch nötig ist: KI-Tools verstehen selbst nichts und sind auf den Menschen angewiesen, sie können nicht selbst reflektieren oder kritisch analysieren. Damit können sie weder menschliches Denken leisten oder Forscher*innengeist ersetzen. Neugier, Kreativität und Intuition kann KI nicht ersetzen. Schließlich kann KI keine Verantwortung übernehmen oder Entscheidungen treffen und diese erklären und verteidigen. Dies sind alles typische Fähigkeiten, die zum wissenschaftlichem Arbeiten gehören.

Buck verwendet den Begriff AI-Leadership für die wissenschaftlich arbeitenden Personen. Diese können Führungskraft eines Teams von verschiedenen KI-Tools sein, die als Assistenten fungieren. Die letzte Entscheidung obliegt hier der Führungskraft, die aber die nötige Kompetenz haben muss, mit KI umzugehen. Hierzu gehört bereits vor der Arbeit mit einem KI-Tool eine klare Vorstellung, was man von diesem Tool erwartet.

An welchen Stellen KI unterstützen kann

Die oben erwähnten Nutzungsszenarien von KI-Tools hat Isabella Buck zusammen mit Annika Limburg im Rahmen der Schreibforschung entwickelt. Sie sollen die verschiedenen Möglichkeiten zeigen, wo KI beim wissenschaftlichen Arbeiten unterstützend eingesetzt werden kann. Die Bandbreite der KI-Tools reicht dabei vom unreflektierten Einsatz und damit des Abnehmenlassens des eigenen Denkens über die Entlastung und Unterstützung bis hin zur Erweiterung des eigenen Denkens mithilfe von KI.

Wobei die Umsetzung des letzten dieser Szenarien das eigentliche Ziel sein sollte, KI als integrativen Bestandteil des Schreibprozesses zu nutzen. Beispielsweise kann KI zur Inspiration dienen, wenn mit KI-Tools dialogartig interagiert wird und so neue Ideen in die eigenen Überlegungen integriert werden. Ebenso kann KI Argumentationslücken identifizieren oder verschiedene Varianten zu einem vorhandenen Textabschnitt generieren. Bei der Recherche kann KI Überblicksdarstellungen zu einem Thema erstellen.

Wie dies umgesetzt werden kann, zeigt Buck schließlich im Hauptteil des Buches beispielhaft anhand der vier verschiedenen Schreibphasen: Literaturarbeit, Datenerhebung- und aufbereitung, dem Schreiben der Rohfassung und der Überarbeitung des Textes. Dabei werden die wichtigsten aktuellen Tools kurz vorgestellt und auch Hinweise auf weitere aktuelle Literatur zum Thema gegeben. Über das Buch hinaus verweisen immer wieder QR-Codes, die zu vertiefenden Informationen mit KI-Arbeit führen und auf diese Weise aktuell halten.

Und ein Ausblick

Das Buch endet mit einem interessanten Ausblick, in dem Isabella Buck sich fiktiv mit dem womöglich in Zukunft noch stärkeren Einsatz von KI in der Wissenschaft auseinandersetzt. Es werden hierzu mehrere Thesen vorgestellt, um Gedanken in verschiedene Richtungen einer möglichen Entwicklung anzuregen und Fragen aufzuwerfen, wie damit zukünftig umgegangen werden könnte, oder besser muss.

Denn dass KI weiter Thema sein wird, steht außer Frage, aber wie damit umzugehen ist, muss jede*r für sich selbst beantworten. Das Buch von Isabella Buck kann hierbei auf jeden Fall unterstützen.

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