Vor 180 Jahren: Eduard Weinlig geboren

Am Tage seines 25jährigen Jubiläums als Senator, 1913, wurde die Straße, welche in Campus-Nähe in die Gazertstraße mündet, nach dem Harburger Senator und Mineralwasserfabrikanten Eduard Weinlig benannt.

Johann Friedrich Ludolph Eduard Weinlig wurde am 3. August 1832 in Soltau als Sohn des Stadtsyndicus, Ratsherrn und Bürgermeister in Soltau Franz Friedrich Achatz Eduard Weinlig und seiner Frau Friederike Gröning geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Soltau studierte Weinlig an der Polytechnischen Hochschule in Hannover, wo er Hermann Steinike kennenlernte. Eigentlich wollte er in Göttingen sein Chemie-Studium fortsetzen und dort promovieren; aber er blieb in Harburg. Sein Studienfreund Steinike betrieb in Harburg, auf dem elterlichen Grundstück in der Harburger Schloßstraße 6, einen Betrieb zur Herstellung von Mineralwasser und Limonaden. Weinlig hatte ihm schon beim Aufbau des Betriebes geholfen. Da Steinike für längere Zeit zur Kur nach Bad Kreuznach mußte, bot er Weinlig die Teilhaberschaft an und bat ihn, für einige Zeit die Führung des Betriebes zu übernehmen. So trat Weinlig 1854 als Teilhaber in die Firma Steinike ein; seit 1857 firmierte das Unternehmen unter dem Name „Steinike & Weinlig“; was im Volksmund zu „Stickel und Wickel“ wurde.

Ein Jahr zuvor hatte Eduard Weinlig in Itzehoe Bertha Agnes Friedericke Küth geheiratet. Aus der Ehe gingen 4 Söhne und eine Tochter hervor. Sein Sohn Carl studiert Chemie, wurde 1894 in Heidelberg promoviert und trat 1901 in die väterliche Firma ein; sein ältester Sohn Otto wurde technischer Direktor und Vorstandsmitglied der Dillinger Hüttenwerke.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten und unter großem persönlichen Einsatz erhielten die Gründer 1865 die Gelegenheit, ein eigenes Grundstück in Harburg zu erwerben und errichteten in der Nähe des neuen Bahnhofs in Harburg eine neue Fabrik. Heute heißt die ehem. Bahnhofsstraße Schellerdamm. Das angesprochene Gebäude befand sich an der Südseite der ehemaligen Harburger Mühlenbetriebe AG. Dieser denkmalgeschützte Getreidelager- und Mühlenkomplex wird seit 2005 als Parkhaus genutzt.

War Hermann Steinike aufgrund seiner gesundheitlichen Situation gezwungen von einer aktiven Mitarbeit am politischen Leben Abstand zu nehmen, um so mehr beteiligte sich Eduard Weinlig in der Kommunalpolitik. Am 18. Mai 1888 wurde er vom Magistrat von Harburg in den Senat berufen. Diesem gehörte er dann 30 Jahre lang an. Als vor 130 Jahren der Verein deutscher Mineralwasser-Fabrikanten in Berlin gegründet wurde, war Eduard Weinlig dabei.

Im Jahre 1894 – Dr. Georg Steinike, der Sohn von Hermann Steinike, war in die Firma eingetreten – gründen die Inhaber das Kohlensäurewerk Dr. Steinike & Co. an der Stader Straße. 1901 trat der zweite Sohn von Eduard Weinlig, Dr. Carl Weinlig, in die Firma ein. 1907 wurde der zu klein gewordene Betrieb an den Nachbarn, die ehemaligen Harburger Mühlenbetriebe AG, verkauft und eine neues Grundstück am gerade fertig gestellten Harburger Seehafen erworben. In den neuen Räumen der Seehafenstraße 17 entwickelte sich das Unternehmen weiter und nahm die Erzeugung von Fruchtsirup und Marmeladen auf.
Die 1928 auf den Markt gebrachte hochwertige Fruchtsaftlimonade „Frisco“ (der Name leitet sich ab aus der Abwandlung und Verkürzung des Wortes Frischobst) konnte der Gründer nicht mehr erleben. Er starb am 28. März 1920.