H5P-Elemente offline erstellen und in HTML exportieren mit Lumi

In diesem Beitrag werfen wir einen Einblick auf die Open-Source-Software Lumi. Lumi ist als Desktopanwendung verfügbar für Windows, macOS und Linux und ermöglicht die Erstellung von H5P-Elementen. H5P ist eine freie, quelloffene Software und steht für HTML5 Package. Mit ihr lassen sich interaktive Inhalte wie Videos (Element „Interactive Video“), Grafiken (Element „Image Hotspots“), Quizze (Element „Personality Quiz“) und verschiedene Formen von Lückentexten (z. B. Element „Fill in the Blanks“) ohne Programmierkenntnisse erstellen und in Blogbeiträge, Hackpads, Padlets oder Learning Management Systems (LMS) einbinden.

Mit Lumi lassen sich auch ohne Programmierkenntnisse leicht kreative und interaktive (Lern-)Inhalte erstellen (Abbildung von Florian HagenCC0/Public Domain)

Ein Vorteil von Lumi gegenüber anderen H5P-Editoren: Lumi lässt sich offline nutzen. Eine Webseite (u. a. www.h5p.org), ein LMS (bspw. Stud.IP) oder ein Content-Management-System (z. B. WordPress) wird somit nicht benötigt, um eigene interaktive Lernelemente zu kreieren. Ein weiterer Vorteil: die mit Lumi erstellten Elemente lassen sich per Mausklick als HTML-Datei exportieren. Diese können auf fast allen Geräten ohne großen Aufwand genutzt werden. Aktuell (Stand: 28.02.2022) stehen 48 Inhaltstypen zur Verfügung.

Die Eindrücke zu Lumi in diesem Beitrag basieren auf der Version 0.8.3 für macOS. Der Beitrag ist in folgende Abschnitte eingeteilt:

  • 1.) Download und erste Schritte,
  • 2.) Editier- und Vorschaumodus,
  • 3.) Speichern und Export von H5P-Elementen,
  • 4.) Sonstiges.

Die Software wird ausschnitthaft am Beispiel des Elements „Image Hotspots“ vorgestellt.

1. Download und erste Schritte

Lumi lässt sich über https://lumi.education/#download herunterladen. Hier muss lediglich das passende Betriebssystem ausgewählt werden.

Lumi-Download-Optionen (Screenshot „Downloadseite“, nicht unter freier Lizenz)

Nach einer kurzen Installation können wir Lumi starten und haben zunächst die Wahl zwischen „H5P-Editor“ und „Lumi Analytics“. Da wir ein H5P-Element erstellen bzw. bearbeiten möchten, wählen wir den Editor aus (1.) und landen in einem weiteren Optionsfenster. Hier (2.) können wir wählen, ob wir bereits existierende Dateien bearbeiten wollen („EIN VORHANDENES H5P ÖFFNEN“) oder ein neues H5P-Element erstellen wollen („EIN NEUES H5P ERSTELLEN“).

Wählen wir die zweite Option „EIN NEUES H5P ERSTELLEN“, so haben wir nun die Wahl zwischen verschiedenen Inhaltstypen. Die Auswahlmaske ist im Grunde komplett identisch mit den gängigen H5P-Online-Editoren, die über ein WordPress-Plugin oder www.h5p.org genutzt werden können.

Auswahl eines H5P-Inhaltstyps (Screenshot „H5P-Elementauswahl“, nicht unter freier Lizenz)

Beim ersten Start der Software sind zunächst nicht alle Inhaltstypen installiert. Dies lässt sich aber schnell mit wenigen Mausklicks nachholen. Erkennbar sind die nicht installierten H5P-Elemente am Hinweis „Übernehmen“. Auf neuere Versionen der Elemente wird durch den Hinweis „Aktualisierung verfügbar“ aufmerksam gemacht. Wählt man das erste Mal ein H5P-Element aus, so wird von Lumi auf die Möglichkeit eines Kurztutorials hingewiesen.

Hinweis auf vorhandene Tutorials (Screenshot „Tutorialhinweis“, nicht unter freier Lizenz)

Später können diese Tutorials nach Auswahl eines Elements und Klick auf „Tutorial“ am oberen Bildschirmrand eingesehen werden.

Zugriff auf Tutorials (Screenshot „Tutorialbutton“, nicht unter freier Lizenz)

Apropos Tutorials. Die über Lumi einzeln abrufbaren Einführungen zu H5P-Elementen lassen sich auch direkt über die Rubrik „Examples & downloads“ auf www.h5p.org abrufen. Eine richtig tolle Beispielsammlung bietet auch „H5P im Überblick“. Hier werden zu den meisten Elementen neben Beispielen ganz offen Ideen für den Einsatz und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Erstellung geteilt.

„H5P im Überblick“ bietet eine umfangreiche Anleitung mit Ideen und Anleitungen (Abbildung von Nele HirscheBildungslaborCC0/Public Domain)

2. Editier- und Vorschaumodus

Hat man sich für ein Element entschieden (hier ausgewählt: „Image Hotspots“), so öffnet sich der leere Editierbildschirm.

Leere Editiermaske eines H5P-Elements (Screenshot „Editiermaske“, nicht unter freier Lizenz)

Über die unterschiedlichen Eingabe- und Optionsfelder lässt sich das eigene Lernelement nun gestalten. Für „Image Hotspots“ (und andere Elemente) sollte zunächst ein Titel vergeben werden, bevor ein Hintergrundbild hinzugefügt, Alternativtexte festgelegt und Hotspot-Symbole positioniert und angepasst werden. Diese Hotspot-Symbole sorgen dafür, dass später auf Grafiken klickbare Symbole vorhanden sind, die beispielsweise weitere Informationen zur angeklickten Bildposition beinhalten.

Zur Veranschaulichung eines befüllten Editierbildschirmes habe ich nachfolgend über „H5P-Datei öffnen“ am linken Bildschirmrand das H5P-Element „Workflow Finanzierung Zeitschriftenartikel“ geöffnet, welches auch im Rahmen der Open Access Week 2021 im Blogbeitrag Wie finanziere ich meinen Zeitschriftenartikel? eingebunden wurde.

In einer bestehenden Editiermaske kann mit Klick auf „H5P-Datei öffnen“ auf bereits erstellte Materialien zurückgegriffen werden (Screenshot „Element öffnen“, nicht unter freier Lizenz)

Dieses Element kann im verlinkten Beitrag über einen Klick auf „Reuse“ einfach runtergeladen werden, um selbst ein wenig mit Lumi zu experimentieren. Ein weiteres „Image Hotspots“-Element zum Ausprobieren steht auch über den tub.torials-Beitrag Was bedeutet eigentlich Open Science? zur Verfügung.

Mit Klick auf „Reuse“ lassen sich H5P-Elemente runterladen und mit H5P-Editoren wie Lumi editieren (Screenshot „Zeitschriftenartikel“ von Isabo Schick und Florian Hagen)

Um zu sehen, wie unser Lernelement in der praktischen Nutzung aussieht, kann nun in Lumi die Vorschau-Option über Klick auf die Registerkarte „Vorschau“ genutzt werden.

Auswahl der Vorschau-Option (GIF „Zeitschriftenartikel“ von Isabo Schick und Florian Hagen)

Diese Option von Lumi ist in meinen Augen ein großer Vorteil gegenüber vielen H5P-Online-Editoren, da in Lumi ohne große Wartezeiten auf Mausklick angezeigt wird, wie das Lernelement in der Praxis aussieht. Bei Online-Lösungen muss vor der Wahl der Vorschau-Option immer gespeichert werden. Andernfalls werden die Änderungen nicht in der Vorschau abgebildet. Werden nun im eigenen Workflow wieder und wieder Kleinigkeiten geändert und häufig über die Vorschau überprüft, war dies zumindest für mich in der praktischen Nutzung von Online-Editoren häufiger störend, da der Speichervorgang selbst sowie das hin- und herschalten zwischen Editier- und Vorschaumodus des Öfteren einige Augenblicke dauerte. Der Wechsel zwischen Editier- und Vorschauperspektive bei H5P-Online-Editoren sorgt auch dafür, dass nicht gespeicherte Änderungen verloren gehen. Dies ist bei Lumi nicht der Fall. Dennoch sollte natürlich auch hier das regelmäßige Speichern nicht vergessen werden. Wird die Anwendung geschlossen, ohne zu speichern, so gibt es leider keine Option wie „Auto-Wiederherstellung“.

3. Speichern und Export von H5P-Elementen

Erfreulicherweise funktioniert der Speichervorgang in Lumi schnell und unkompliziert. Dieser kann sowohl per Shortcut („Cmd“-Taste + „S“) als auch Auswahl von „Datei“ am oberen linken Bildschirmrand und Klick auf „Speichern“ ausgelöst werden.

Gespeichert werden kann mit Lumi durch Shortcuts oder Klick auf „Datei“ und Auswahl von „Speichern“ (Screenshot „Speichern“, nicht unter freier Lizenz)

Ein erfolgreicher Speichervorgang wird durch einen grün hinterlegten Hinweis „H5P gespeichert!“ bestätigt. Das Element liegt nun als H5P-Datei vor und kann in Lernplattformen wie Stud.IP oder Content-Management-Systeme wie WordPress eingebunden werden, wenn ein H5P-Plugin aktiviert ist. Wird eine dieser Möglichkeiten für die Abbildung von H5P genutzt, so lassen sich die Elemente auch in Open-Source-Anwendungen wie HedgeDoc (Weiteres zu HedgeDoc und Markdown haben wir in den Beiträgen Online-Fortbildungen mit HedgeDoc und Greenshot dokumentieren und Schreiben mit Markdown festgehalten) einbetten, um zum Beispiel für Seminare, Workshops und andere Veranstaltungen Arbeitsumgebungen für Aufgaben zur Verfügung zu stellen, die gemeinsam bearbeitet werden können. Wer dies einmal schnell ausprobieren möchte:

  • Über diesen Link lässt sich die TU-Installation von HedgeDoc aufrufen,
  • Auswahl von „Neue Gastnotiz“ (oberer Bildschirmrand, rechts) erzeugt ein leeres Dokument,
  • Aufruf eines H5P-Elements (zum Beispiel dieses interaktive Video),
  • Klick auf die Schaltfläche „Embed“ am unteren Rand des H5P-Elements,
  • Einfügen des Links in das Hackpad.

Das H5P-Element sollte nun im Hackpad zu sehen und verwendbar sein.

Lumi bietet für H5P-Elemente mit der Export-Option zudem eine weitere Möglichkeit des Teilens. Wenn wir am oberen Bildschirmrand auf „Datei“ klicken, können wir „Exportieren…“ auswählen und einen HTML-Export erstellen. Mit Auswahl von „All-in-One-HTML-Datei“ entsteht so zum Beispiel ein H5P-Element, das auf Computern mit Internetbrowser durch einen einfachen Doppelklick auf die generierte HTML-Datei geöffnet und genutzt werden kann. Erfolgreich ausprobiert habe ich dies bisher mit den Browsern Safari, Firefox und Chrome. Lernende können so also interaktive H5P-Elemente nutzen, ohne dass weitere Anwendungen installiert werden müssen oder eine Internetverbindung benötigt wird (außer für den Download der HTML-Datei).

Die Option des HTML-Exports ist auch im Hinblick auf Repositorien wie TUHH Open Research (TORE) interessant, da HTML zu den unterstützten Formaten von TORE gehört. Somit ist es möglich auch für interaktive Open Educational Resources (OER) einen Digital Object Identifier (DOI) zu erzeugen. Diese Form des Identifikators ist – ähnlich der ISBN in Büchern – eindeutig und dauerhaft. Quellenbelege in der Wissenschaft setzen daher immer bevorzugt auf DOIs statt klassische URLs, um nicht mehr funktionierenden Links vorzubeugen. Wie dies in der Praxis aussehen kann, zeigt das Lernelement „4 Step Creation Method“ von Jan Küchenhof und Hanna Marie Bickmeier. In diesem H5P-Element, das im Rahmen der Hamburg Open Online University (HOOU) an der TUHH entstanden ist, kann mehr über eine Methode zur systematischen Neugewinnung von Innovationen erfahren werden.

TORE-Eintrag „4 Step Creation Method“ (Screenshot „TORE-Eintrag“, nicht unter freier Lizenz)

4. Sonstiges

Lumi ist zum Erstellen und teilen von H5P-Elementen eine tolle Sache. Einige Schritte der H5P-Erstellung lassen sich so angenehmer und effizienter für mich umsetzen und Lerninhalte können zusätzlich über andere Wege zugänglich gemacht werden. Was ich mir neben einer automatischen Zwischenspeicheroption für den Fall der Fälle (man kennt es ja, auch heute vergisst man ab und an in Eile durchaus mal das Speichern 😉 ) noch wünschen würde, wäre eine Option wie „Zuletzt verwendete H5P-Elemente öffnen“. Für aktive Sitzungen mit Lumi werden alle zuletzt geöffneten H5P-Elemente am linken Rand eingeblendet, sobald das Programm aber geschlossen bzw. neu gestartet wird, werden zuletzt geöffneten Dateien nicht mehr angezeigt. Abstürze oder andere Probleme habe ich mit Lumi bislang ansonsten nach vielen Monaten der Nutzung noch keine gehabt.

Was haltet ihr von Lumi und H5P-Elementen? Nutzt ihr Letztere zum Lehren, Lernen und andere Zwecke oder greift ihr auf Alternativen zurück? Teilt eure Erfahrungen gerne offen über die Kommentarfunktion oder andere Kanäle 🙂


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: H5P-Elemente offline erstellen und in HTML exportieren mit Lumi von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch im Markdownformat und als PDF zum Download zur Verfügung.
OER Puzzle

OER: Was steckt dahinter und was es dir wirklich bringt

Eine ganz alltägliche Situation

Du bereitest dich auf ein Referat vor. Du findest online eine wirklich gute Erklärfolie zu deinem Thema: übersichtlich und gut strukturiert. Also genau das, was du gesucht hast. Du lädst sie herunter, baust sie in deine Präsentation ein und zeigst sie in einer Lehrveranstaltung.

War das okay?

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es kommt darauf an, unter welcher Lizenz die Folie veröffentlicht wurde. Und bis man das einmal gesagt bekommt, haben viele von uns das noch nie bewusst überprüft.

Dies ist einer der Ausgangspunkte von Open Educational Resources, kurz OER.

Was sind OER und was unterscheidet sie von anderen Materialien?

OER sind Bildungsmaterialien, die bewusst zur freien Nutzung freigegeben wurden. Das können zum Beispiel Folien, Texte, Videos, Aufgaben, Podcasts oder ganze Kurse sein. Also alles, was zum Lernen und Lehren genutzt wird.

Der entscheidende Unterschied zu einem „normalen“ Suchmaschinentreffer ist die Lizenz. Viele Inhalte im Internet sind urheberrechtlich geschützt, auch wenn sie frei zugänglich erscheinen. OER hingegen stehen unter offenen Lizenzen, meist Creative-Commons-Lizenzen (CC). Diese regeln klar, was erlaubt ist.

Ein Beispiel:

Eine Folie mit dem Vermerk „CC BY 4.0“ darf heruntergeladen, verändert, in eigene Materialien eingebaut und weiterverbreitet werden, solange die Urheber*innen genannt und die Lizenz angegeben wird. Ein Dokument ohne Lizenzangabe darf das im Zweifel nicht, auch wenn es frei im Netz steht.

OER sind also nicht einfach „kostenlose Materialien“. Es sind Materialien mit einer ausdrücklich erteilten Nutzungserlaubnis. Die UNESCO definiert OER entsprechend so:

[L]earning, teaching and research materials […] that permit no-cost access, re-use, re-purpose, adaptation and redistribution by others.

(UNESCO, Recommendation on OER, 2019)

Vereinfacht gesagt bedeutet das: OER sind Materialien, die frei genutzt und angepasst werden dürfen, solange die Lizenzbedingungen eingehalten werden.

Aber was bringt mir das konkret?

Für Studierende

  • Du kannst OER legal herunterladen, ausdrucken, verändern und weitergeben.
  • Du findest auf Plattformen wie HOOU, twillo oder OERSI frei zugängliche Lehr-Lern-Materialien aus Hochschulen.
  • Du kannst Materialien anpassen, um sie besser zu verstehen oder für Prüfungen aufzubereiten.

Gerade der letzte Punkt ist zentral: Wenn du zum Beispiel ein Skript schwer verständlich findest, darfst du es bei OER umformulieren, ergänzen und die verbesserte Version weitergeben. Dies ist bei OER ausdrücklich erwünscht.

Für (zukünftige) Tutor*innen

Wer später Tutorien begleitet, Mentoring anbietet oder selbst Lehrmaterialien erstellt, merkt schnell: Eigene Materialien sind automatisch urheberrechtlich geschützt, solange keine Lizenz angegeben wird. Doch was möchte ich anderen eigentlich erlauben?

Mit einer offenen Lizenz kannst du bewusst festlegen, dass andere deine Materialien nutzen, verändern und weiterentwickeln dürfen. Zum Beispiel Erklärvideos, Skripte, Handouts oder Aufgabensammlungen. Das unterstützt nachhaltige Lehrpraxis und gemeinsames Arbeiten an Wissen.

Hinweis:
Einen praktischen Einstieg ins Erstellen und Lizenzieren eigener Materialien bietet der freie Online-Kurs OERientation der HOOU.

Für Forschende

Offenheit ist in der Wissenschaft kein neues Konzept: Open Access, Open Data und Open Source werden unter dem Begriff Open Science zusammengefasst. OER ist das Pendant dazu im Lehr- und Lernkontext.

Wissen entfaltet Wirkung, wenn es geteilt wird. Mehr dazu auch im Beitrag Was bedeutet eigentlich Open Science?

Ein konkretes Beispiel: Die Foliensätze im Seminar „Wissenschaftliches Arbeiten“

Die Materialien in unserem Seminar „Wissenschaftliches Arbeiten“ an der TUHH sind selbst OER. Sie stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz.

Das bedeutet konkret:

  • Du darfst die Folien herunterladen und behalten.
  • Du darfst sie in anderen Kontexten verwenden, z. B. als Tutor*in.
  • Du darfst sie verändern und weiterentwickeln.
  • Du darfst deine Versionen dieses Materials weitergeben.

Diese Offenheit ist bewusst gewählt: Lehr-Lern-Materialien, die mit öffentlichen Mitteln entstehen, sollen unserer Ansicht nach weiter genutzt und verbessert werden können.

Fünf Rechte: Das 5R-Framework

Das 5R-Framework (nach David Wiley) beschreibt die grundlegenden Freiheiten offener Materialien:

  • Retain: behalten
  • Reuse: wiederverwenden
  • Revise: bearbeiten
  • Remix: neu zusammenstellen
  • Redistribute: weitergeben

Von der einfachen Nutzung bis zur Weiterverbreitung eigener Anpassungen:

Je mehr dieser Rechte erlaubt sind, desto offener ist ein Material.

Der erste Schritt: Creative-Commons-Lizenzen verstehen und erkennen

Creative-Commons-Lizenzen bestehen aus vier Bausteinen:

  • BY: Namensnennung
  • SA: Weitergabe unter gleichen Bedingungen
  • NC: Nur nicht-kommerzielle Nutzung
  • ND: Keine Bearbeitung erlaubt

Ein Material mit „CC BY“ erlaubt alle fünf 5R-Rechte unter der Bedingung der Namensnennung. „CC BY-NC-ND“ hingegen ist deutlich eingeschränkter und darf zum Beispiel nicht verändert oder kommerziell genutzt werden.

Ohne Lizenzangabe gilt automatisch: alle Rechte vorbehalten.

Weitere Informationen zu den CC-Lizenzen und den jeweiligen Modulen haben wir auch auf einer Creative-Commons-Informationsseite der Universitätsbibliothek TUHH zusammengefasst.

Teste dein Wissen direkt in den folgenden Quiz-Aufgaben.

Fragen zu Aufbau und Bedeutung von Creative-Commons-Lizenzen

Wenn du online ein Bild, eine Folie oder ein Skript findest, entscheidet die Lizenz darüber, was du damit machen darfst. Im folgenden Quiz kannst du testen, wie gut du die Creative-Commons-Kürzel bereits kennst.

Freie Lizenzen und Urheberrecht

Freie Lizenzen schaffen die rechtliche Grundlage dafür, dass Materialien genutzt, verändert und weitergegeben werden können. Im folgenden Quiz überprüfst du dein Wissen zu freien Lizenzen und zentralen Begriffen verschiedener Offenheitsbewegungen.

Weitere Informationen zu diesen H5P-Elementen haben wir im Beitrag „Lizenzen spielerisch verstehen: H5P-Elemente zur Auseinandersetzung mit Creative Commons“ aufgeschrieben.

Für Lehrende: Warum dieser Input im Seminar?

Das Thema OER ist kein Zusatzmodul, sondern Teil des Konzepts des Seminars „Wissenschaftliches Arbeiten“. Es ist aus dem HOOU-Projekt „Wissenschaftliches Arbeiten öffnen“ hervorgegangen und von Beginn an auf Offenheit ausgelegt.

Studierende sollen die Chance haben früh zu lernen:

  • wie Lizenzfragen den Umgang mit Wissen beeinflussen
  • wie sie selbst Materialien verantwortungsvoll nutzen und teilen
  • welche Rolle Offenheit in Studium, Lehre und Forschung spielt

Wer selbst in einem Seminar lernt, das OER konsequent einsetzt, erlebt das Prinzip unmittelbar. Nicht als bloße Theorie, sondern als gelebte Praxis.

Arbeitsblatt für die eigene Lehre:
Wer das Thema in eigenen Lehrveranstaltungen aufgreifen möchte, kann das folgende Arbeitsblatt direkt einsetzen oder anpassen. Es enthält Reflexionsaufgaben, eine Einführung in das 5R-Framework sowie Aufgaben zu Creative-Commons-Lizenzen und steht als OER zur Verfügung.

So setzen wir das Thema im Seminar um

Die folgende OER-Impulseinheit ist fest in das Seminar „Wissenschaftliches Arbeiten“ integriert und wird semesterweise durchgeführt. Sie verbindet einen kurzen fachlichen Input mit einer aktiven Auseinandersetzung in Einzel- und Gruppenarbeit.

Rahmen der Einheit

  • Format: OER-Impulseinheit im Seminar „Wissenschaftliches Arbeiten“ (disziplinübergreifend)
  • Zielgruppe: Bachelor-Studierende aller Fachrichtungen an der TU Hamburg
  • Einbettung: Fester Bestandteil des Seminars. OER-Prinzipien werden dabei nicht nur thematisiert, sondern im Material selbst angewendet
  • Turnus: Semesterweise, in jedem Durchgang des Seminars
  • Materialien: Arbeitsblätter und Folien stehen als OER unter CC BY 4.0 zur Verfügung und können weiterverwendet, angepasst und geteilt werden

Ziel der Einheit

Ziel der Einheit ist es, ein grundlegendes Verständnis für offene Bildungsressourcen (OER) und Creative-Commons-Lizenzen aufzubauen und deren Bedeutung für Studium, Lehre und Forschung reflektierbar zu machen.

Die Studierenden sollen:

  • ein grundlegendes Verständnis offener Lizenzen entwickeln
  • CC-Lizenzkürzel lesen und einordnen können
  • das 5R-Framework als Struktur für Offenheit kennenlernen
  • ihre Rolle als Nutzende und zukünftige Ersteller*innen von Lehr-Lernmaterialien reflektieren

Ablauf der Sitzung

1. Impuls (ca. 5-10 Min.): Irritation
Eine Folie ohne Lizenzangabe wird gezeigt:

„Darf ich diese Seminarfolien eigentlich weiterschicken?“

Die Studierenden reagieren spontan und sammeln erste Einschätzungen und Vermutungen.

2. Kurzinput (ca. 5 Min.): Klärung
Gemeinsame Einordnung:

  • Was sind OER?
  • Was bewirken offene Lizenzen?
  • Einführung der CC-Kürzel

3. Arbeitsphase (ca. 25 Min.): Anwendung in Gruppen
Arbeit in Kleingruppen mit einem Arbeitsblatt zu:

  • 5R-Framework
  • CC-Lizenzbausteine
  • kurze Reflexionsfragen

4. Plenum (ca. 5-10 Min.): Diskussion
Gemeinsame Auswertung:

  • Was war überraschend?
  • Wo begegnen uns solche Fragen im Studium?
  • Welche Konsequenzen hat das für eigenes Arbeiten und Teilen?

Zum Schluss

OER sind kein Nischenthema für Lizenzexpert*innen. Sie betreffen alle, die lernen, lehren oder forschen.

Der erste Schritt ist einfach: beim nächsten Material kurz auf die Lizenz schauen. Der zweite Schritt vielleicht schon: eigene Materialien mit offener Lizenz teilen.

Weiterführende Links


CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: OER: Was steckt dahinter und was es dir wirklich bringt von Florian Hagen, Lizenz: CC BY 4.0. Der Beitrag und dazugehörige Materialien stehen auch in nachnutzbaren Formaten sowie als PDF zum Download zur Verfügung.
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